Holly Ordway legt in Tolkien’s Faith: A Spiritual Biography eindrücklich dar, wie der (katholische) Glaube Tolkiens Werk speist. Hier einige Argumente (Kapitel 1):
- Selbstbezeichnung und religiöse Selbstverständlichkeit
- Tolkien betont in Briefen und Interviews mehrfach seine Identität als Christ – u. a. mit Formulierungen wie „I am in any case myself a Christian“ und „I am a Christian (which can be deduced from my stories)“.
- Er stellt klar, dass seine Schöpfung, „Der Herr der Ringe“, kein bewusst als allegorische Predigt entworfener Text ist, sondern in seinem Wesen und in der Symbolik untrennbar von seinem christlichen (insbesondere römisch-katholischen) Glauben geprägt wurde.
- Das religiöse Element ist dabei nicht als oberflächliche Beigabe zu verstehen, sondern als in die Struktur und den Gehalt der Erzählung „eingewoben“ und grundlegend – ein natürliches und selbstverständliches Resultat seiner Erziehung und persönlichen Glaubenserfahrung.
- Integration von Glaube und Kunst
- Tolkien sieht seine literarische Tätigkeit nicht als von Religion getrennte Aktivität, sondern als untrennbar mit dem Glauben verbunden: Er beschreibt den kreativen Schaffensprozess als etwas, das „untrennbar“ mit seinem Glauben zusammenhängt.
- Die künstlerische Darstellung in seinen Werken dient zugleich der „Elucidation of truth“ und der Förderung von guten moralischen Werten im realen Leben – wenn auch in einer Form, die nicht auf drängende Predigten hinausläuft.
- Trotz der Kritik, dass seine Aussagen manchmal priggish (übertrieben moralisch) wirken könnten, bleibt sein Ziel, durch die Darstellung in einer fremden, mythischen Umgebung die Wahrheit und die guten Tugenden in den Alltag „nach Hause zu bringen“.
- Lebenslange, tief verwurzelte christliche Überzeugung
- Sein Glaube an Jesus Christus und seine Identifikation als römisch-katholischer Christ durchziehen sein gesamtes Leben und wirken sich auf seine weltanschaulichen und künstlerischen Entscheidungen aus.
- Verschiedene persönliche Zeugnisse – von seiner Tochter Priscilla, seinem Sohn John, seinem Neffen Julian, seinen Enkeln und engen Freunden sowie von Geistlichen wie Fr. Martin D’Arcy – unterstreichen, dass sein Glaube allumfassend war und „seinen ganzen Denk- und Lebensstil“ prägte.
- Auch wenn Tolkien manchmal angab, in bestimmten Lebensphasen (zum Beispiel während eines längeren Abschnitts als Student) „fast aufgehört“ zu haben, seinen Glauben aktiv zu praktizieren, so blieb die spirituelle Dimension stets ein zentraler Bestandteil seines Selbstverständnisses.
- Ungeplante, aber wesentliche geistliche Prägung
- Er betont, dass die religiösen Aspekte seines Werkes nicht das Ergebnis einer geplanten Allegorie sind, sondern vielmehr aus der tiefen Verwurzelung in seiner eigenen, von Kindheit an genährten katholischen Spiritualität resultieren.
- Seine Aussagen machen deutlich, dass er nicht versucht hat, die christliche Lehre explizit zu belehren oder zu beleben, sondern dass sich diese Werte und Wahrheiten organisch in den Erzählungen widerspiegeln.
Ich kann zudem die Studie Tolkien Dogmatics: Theology Through Mythology With the Maker of Middle-Earth empfehlen.