Buchhinweis: Das Leben der berühmten Kinderbuchautorin Bindschedler

Judith Burdorfer stellt in ihrer Biografie “Ida Bindschedler. Leben, Wirken und Werk der Turnachkinder-Autorin” die berühmte Kinderbuchautorin vor. Kürzlich habe ich ihr Spätwerk “Die Leuenhofer” auf die Ethik ausgewertet.

Familie und Kindheit (1854-1873)

  • Ida wurde am 6. Juli 1854 im Haus zum Gewölb am Zürcher Weinplatz geboren
  • Eltern: Friedrich Rudolf Bindschedler (1819-1892), Baumwollkaufmann, und Anna Elisabetha geb. Tauber (1831-1890) aus Fürth/Bayern
  • Geschwister: Emma (1852-1900), Johan Rudolf (1855-1907), Pauline (1856-1933), Maria Elisabeth (1860-1912), Arnold Wilhelm (1864-1925)
  • Der Vater war in der Textilbranche tätig, betrieb Baumwollgarnhandlung und -spinnerei mit 40 Spindeln
  • Die Familie verbrachte die Sommermonate in der “Solitude” am See, einem Sommerdomizil
  • Idas glückliche Kindheit wird später in den Jugendbüchern “Die Turnachkinder im Sommer” und “Die Turnachkinder im Winter” verarbeitet

Ausbildung zur Lehrerin (1873-1875)

  • 1873 reiste Ida zur Ausbildung an die private Einwohner-Mädchenschule in Bern
  • Ihr wichtigster Lehrer war Joseph Viktor Widmann, der Pädagogik, Psychologie, deutsche Sprache und Literatur unterrichtete
  • Im April 1873 bestand sie das zürcherische Staatsexamen für Lehrerinnen
  • Die Schule setzte sich seit 1836 zum Ziel, “die Jugend zu freiem Menschentum zu erziehen, befreit von den Fesseln der Standes- und Glaubensunterschiede”

Erste Lehrertätigkeiten (1873-1879)

  • Ab Mai 1873 wirkte sie als Primar- und Sekundarlehrerin an der neu eröffneten privaten Mädchenschule von Fräulein Neta Hatemer in Zürich
  • 1875 verließ sie die Tobler-Schule, um sich am Lehrerseminar in Küsnacht auf das Staatsexamen vorzubereiten
  • Anschließend unterrichtete sie als Primarlehrerin in Dietikon (2 Jahre) und ein Jahr in Hirslanden
  • Der Wechsel von der privaten Mädchenschule zur öffentlichen Landschule war eine große Herausforderung

Auslandsaufenthalte (1879-1881)

  • 1879 reiste die 25-jährige Ida nach Paris, um ihre Französischkenntnisse zu perfektionieren
  • Sie finanzierte ihren Lebensunterhalt durch Unterricht in einem Pensionat und als Privatlehrerin in vornehmen Häusern
  • In Paris besuchte sie Sonntagskonzerte von Jules Pasdeloup im Cirque Napoléon und erlebte Wagner-Aufführungen
  • Nach 18 Monaten in Paris verbrachte sie ein halbes Jahr in England als Lehrerin in einem gehobenen Pensionat

Rückkehr und Hauptlehrertätigkeit (1881-1897)

  • 1881 kehrte sie nach Zürich zurück und bestand das französische Fachexamen
  • Sie kehrte zur Tobler-Schule zurück, die inzwischen rund 100 Schülerinnen zählte
  • 1885 erhielt sie eine Anstellung als Fachlehrerin für Französisch, Zeichnen und Turnen an der Mädchensekundarschule in Zürich
  • 1892 wurde die Tobler-Schule an die Wetli-Schwestern verkauft, Ida blieb aber als Lehrerin
  • 1897 musste sie ihre Lehrtätigkeit wegen eines Herzleidens aufgeben und zog nach Augsburg zu ihrer Freundin Emma von Wachter

Schriftstellerisches Wirken (1891-1919)

  • 1891 erschien ihr erster Artikel “Streiflichter über die heutige Literatur für junge Mädchen” in der Zeitschrift “Die Philanthropin”
  • In diesem Artikel kritisierte sie scharf die oberflächliche und realitätsfremde Mädchenliteratur ihrer Zeit
  • Sie bemängelte, dass Autorinnen wie Clementine Heim und Clara Cron junge Mädchen zu einem vergnügungssüchtigen und ungebildeten Verhalten ermutigten

Die Turnachkinder-Bücher

  • 1906 erschien “Die Turnachkinder im Sommer” – ein autobiografisches Erinnerungswerk, das zum Bestseller wurde
  • 1909 folgte “Die Turnachkinder im Winter” als Fortsetzung
  • Beide Bücher wurden von Joseph Viktor Widmann begeistert rezensiert und als klassische Jugendliteratur gelobt
  • Die Bücher schildern das ungetrübte Kinderleben ohne moralisierende Tendenz, aber mit heimlicher Lenkung zu Gutem und Schönem
  • Schauplatz des Sommerbuchs ist die “Solitude”, während das Winterbuch in Zürich spielt

Letztes Werk und Tod

  • 1919 erschien posthum ihr drittes Jugendbuch “Die Leuenhofer”, das die Jugendzeit in der Schule schildert
  • Das Buch verarbeitet ihre Erinnerungen als Lehrerin in Dietikon und Hirslanden
  • In der Nacht des 28. Juni 1919 starb Ida Bindschedler während eines Urlaubsaufenthalts in Zürich
  • Am gleichen Tag wurde in Versailles der Versailler Vertrag unterzeichnet und der Erste Weltkrieg offiziell beendet