Input: Die weltanschaulichen Versatzstücke der Tech-Elite

Ich habe mich Peter Thiel auseinandergesetzt (Peter Thiel-Story; Biografie Chafkins). Einmal mehr stelle ich fest: Weder eine unkritische Übernahme (Vergötterung) noch eine pauschale Verurteilung sind eines Christen würdig. Ich anerkenne Wahrheit überall dort, wo ich sie antreffe. Der christliche Glaube passt in die gesamte Wirklichkeit. Hier eine

1 Gottesbild

  • Heterodoxer Christ & Girard-Schüler: Thiel bezeichnet sich als Christ, distanziert sich aber von evangelikalem Fundamentalismus. Entscheidend wurde für ihn René Girards Anthropologie der „Sündenbock-Erlösung“, weil sie das Kreuz als dauerhafte Überwindung von Gewalt interpretiert.
  • Tod als radikales Übel – Thiel betont, die „stärkste“ christliche Aussage sei, dass der Tod besiegt werden müsse; er halte es für „falsch, den Tod als natürlich hinzunehmen“.
  • Technik als Mit-Schöpfung: Diese Theologie rechtfertigt für ihn aggressiven Technikeinsatz (Longevity-Forschung, KI, Weltraumkolonien) als Fortsetzung des göttlichen Schöpfungsauftrags und als Antwort auf eine „Krise des Glaubens an die Zukunft“.

2 Menschenbild

  • Mimetische Wesen, gefährliche Masse: Von Girard übernimmt Thiel die Diagnose, dass Menschen Begierden imitieren und dadurch in destruktive Rivalität verfallen; ohne transzendente Ordnung drohe Gewalt-Explosion.
  • Pessimismus gegenüber Demokratie & Institutionen: In seinem Essay The Education of a Libertarian erklärte er, Freiheit und Demokratie seien „nicht kompatibel“; allzu große Mehrheits­herrschaft führe zu Stagnation und Umverteilungs­kämpfen.
  • Entrepreneur als Held: In Reden (u. a. National Conservatism 2019) und Manifesten stellt er den technischen Gründer als „heroische“ Gegenfigur zur bürokratischen Institution; Innovation solle von Einzelnen, nicht vom Staat ausgehen.

3 Bioethik

  • Radikale Lebensverlängerung: Thiel finanziert SENS-Forschung, Rejuvenation-Start-ups und hat sich selbst für Cryonics registrieren lassen („Wir sollten den Tod besiegen oder herausfinden, warum es unmöglich ist.“).
  • Pronatalismus & Embryo-Screening: Seit 2023 wirbt er öffentlich für höhere Geburtenraten im Westen und investiert in Fertility-Tech-Firmen wie Orchid Health, die komplette Genom­analysen von Embryonen anbieten; Kritiker sehen eine neue Form des Eliten-Eugenik-Risikos.
  • Technologie-Optimismus vs. klassischer Schutzethik – Während Thiel konservative Politiker unterstützt, die Abtreibungen einschränken wollen, nutzt er selbst IVF, Leihmutterschaft und genetisches Screening für die eigene Familie. Die Spannungen zwischen „Schutz des ungeborenen Lebens“ und „technischer Optimierung“ bleiben in seiner öffentlichen Argumentation weitgehend ungelöst.

Fazit

Thiels Weltanschauung verbindet ein christlich motiviertes Anti-Todes-Programm mit einem technokratischen Eliten-Individualismus: Menschen sind gefährdet durch Nachahmung und Institutionen, deshalb sollen außergewöhnliche Gründer durch radikale Technologie Fortschritt, Langlebigkeit und eine pronatalistische Zukunft erzwingen. Diese Weltanschauung gleicht damit viel eher einem Kult als der christlichen. Ich kann die Faszination verstehen, teile sie jedoch nicht. Lernen kann ich von solchen Personen jedoch allzumal.