Input: Warum die säkulare Sicht auf Partnerschaft defizitär ist

Erneut habe ich mit Teilen des wichtigen Buches “Ehe” von Timothy Keller auseinandergesetzt. Die säkulare Sicht wirkt destabilisierend auf Beziehung (Kapitel 1). Weshalb?

  • Das moderne „Me-Marriage“ verlagert den Zweck der Ehe von öffentlichem Gut auf privates Glück; dies überlastet die Ehe mit Erwartungen und erzeugt gleichzeitig Angst vor Bindung.
  • Das Ideal der Kompatibilität: Viele Männer definieren „Kompatibilität“ als „nimm mich, wie ich bin, verändere mich nicht“, was der tradierten Sicht widerspricht, wonach Ehe Männer „zivilisiert“ und zur Selbstbeherrschung erzieht.
  • Wer einen nahezu „wartungsfreien“ Idealpartner sucht, wird regelmäßig enttäuscht; die „Flaw-o-Matic“ (innere Fehlersuchmaschine) dient oft als Vorwand, allein und „sicher“ zu bleiben.
  • Wer sein Herz vor Liebe schützt, macht es „unzerbrechlich, undurchdringlich, unerlösbar“; die Alternative zum Risiko der Tragödie ist Verhärtung. Freiheit ohne Bindung kostet auf lange Sicht die Fähigkeit zu lieben.
  • Aufgrund der Sünde (In-sich-Gekrümmtsein) und der Tatsache, dass Ehepartner sich nach der Hochzeit verändern, ist vollkommene „Kompatibilität“ ein Mythos. Das Ziel ist nicht der perfekte Fit, sondern das Erlernen der Liebe zu dem „Fremden“, zu dem der Partner im Lauf der Ehe phasenweise wird (Stanley Hauerwas).
  • Moderne Kultur vergöttlicht romantische Liebe als Quelle von Sinn, Identität und Erlösung und legt damit eine untragbare Last auf den Partner. Diese Überhöhung beschleunigt Desillusionierung und Scheitern, weil kein Mensch göttliche Erlösung leisten kann.

Das Evangelium hält radikale Wahrheit (Sünde) und radikale Liebe (Annahme) zusammen; diese Kombination bewirkt echte Veränderung. In harten Ehezeiten treibt das Evangelium in tiefere Erfahrung von Gottes Liebe; in guten Zeiten ermöglicht es, Fehler ehrlich anzusprechen und dennoch verbindlich zu lieben. So wird die Ehe zum „Vehikel“ der inneren Erneuerung „von innen nach außen“.