Übersicht: Frühchristliche Irrlehren

Mit Hilfe von KI aus TGC-Quellen erstellt

1) Häresien, die die Bibelgestalt des Evangeliums beschädigen (Kanon, Altes Testament, Schöpfung)

Marcionismus (2. Jh.)

  • Der Marcionismus trennte den Gott des Alten Testaments vom Vater Jesu Christi und drängte folgerichtig das Alte Testament aus dem christlichen Glauben heraus. 
  • Die orthodoxe Position hielt daran fest, dass der eine Gott in Altem und Neuem Testament handelt und dass Jesus und die Apostel die hebräische Bibel als Gottes Wort und als Verheißung lesen, die in Christus erfüllt wird. 
  • Schlüsselpassagen der Bibel sind Lk 24,44–47, Mt 5,17–20, Röm 15,4, 2 Tim 3,15–17 und Hebr 1,1–2.

2) Häresien, die Christi wahre Menschheit oder wahre Gottheit verfehlen (Christologie)

Doketismus (2. Jh. und früher)

  • Der Doketismus behauptete, Christus sei nur scheinbar („wie“) Mensch gewesen, sodass Leiden und Tod nicht wirklich den menschlichen Zustand berühren. 
  • Die orthodoxe Position bekannte, dass der Sohn wirklich „Fleisch wurde“ und real litt, starb und leiblich auferstand. 
  • Schlüsselpassagen der Bibel sind Joh 1,14, Lk 24,39–43, Hebr 2,14–17, 1 Joh 4,2–3 und 2 Joh 7.

Gnostizismus (2. Jh. in vielen Varianten)

  • Der Gnostizismus tendierte dazu, Materie abzuwerten und Erlösung als Befreiung durch „Erkenntnis“ zu verstehen, statt als Versöhnung durch Kreuz und Auferstehung. 
  • Die orthodoxe Position hielt die Güte der Schöpfung, die Realität der Inkarnation und die Einheit von Schöpfung und Erlösung fest. 
  • Schlüsselpassagen der Bibel sind Gen 1,31, Kol 2,9, 1 Kor 15,1–4, 1 Kor 15,35–49 und 1 Tim 4,1–5.

Ebionitismus (2. Jh.)

  • Der Ebionitismus reduzierte Jesus faktisch auf einen besonders begnadeten Menschen und verlor damit Präexistenz und volle Gottheit Christi aus dem Zentrum. 
  • Die orthodoxe Position bekannte Christus als den ewigen Sohn, der wahrer Mensch wird, ohne aufzuhören, wahrer Gott zu sein. 
  • Schlüsselpassagen der Bibel sind Joh 1,1–3, Joh 20,28, Phil 2,6–11, Kol 1,15–20 und Hebr 1,1–4.

3) Häresien, die die Dreieinigkeit verzerren (Trinität)

Dynamischer Monarchianismus / Adoptionismus (2.–3. Jh.)

  • Der Adoptionismus erklärte Jesus im Kern als bloßen Menschen, der durch besondere göttliche Bevollmächtigung oder „Adoption“ zum Sohn wurde. 
  • Die orthodoxe Position bekannte die ewige Sohnschaft und die wahre Gottheit des Sohnes, sodass Jesus nicht erst „zu Gott“ wird, sondern als Gott Mensch wird. 
  • Schlüsselpassagen der Bibel sind Joh 1,1–14, Gal 4,4–6, Röm 1,3–4 (im Gesamtzeugnis gelesen), Kol 2,9 und Hebr 1,3.

Modalismus / Sabellianismus (3. Jh.)

  • Der Modalismus behauptete, Vater, Sohn und Geist seien nur wechselnde Erscheinungsweisen oder Namen des einen Gottes, sodass echte personale Unterscheidung verschwindet. 
  • Die orthodoxe Position hielt fest, dass Vater, Sohn und Geist zugleich und ewig wirklich unterschieden sind, ohne dass es drei Götter gibt. 
  • Schlüsselpassagen der Bibel sind Mt 3,16–17, Mt 28,19, Joh 14,16–17, Joh 17,1–5 und 2 Kor 13,13.

Arianismus (4. Jh.)

  • Der Arianismus lehrte, der Sohn sei nicht ewig und nicht gleichen Wesens mit dem Vater, sondern zu einem Zeitpunkt geschaffen und dem Vater wesensmäßig untergeordnet. 
  • Die orthodoxe Position (nizänisch) bekannte, dass der Sohn „gezeugt, nicht geschaffen“ ist und dass er wahrer Gott ist, weil nur so Gottes Selbstoffenbarung und Rettung in Christus gesichert sind. 
  • Schlüsselpassagen der Bibel sind Joh 1,1–3, Joh 10,30, Kol 1,15–20, Hebr 1,3–6 und Tit 2,13.

4) Häresien, die die Einheit Christi oder die Zwei-Naturen-Lehre verfehlen (4.–5. Jh.)

Apollinarismus (4. Jh.)

  • Der Apollinarismus „rettete“ die Einheit Christi, indem er der menschlichen Natur Jesu faktisch etwas Wesentliches nahm, sodass Christus nicht vollständig Mensch wäre. 
  • Die orthodoxe Position hielt fest, dass Christus vollständig Mensch ist, weil nur das vollständig Angenommene auch vollständig erlöst werden kann. 
  • Schlüsselpassagen der Bibel sind Hebr 2,14–18, Hebr 4,15, Lk 2,52, Röm 8,3 und Phil 2,7–8.

Nestorianismus (5. Jh.)

  • Der Nestorianismus trennte die göttliche und menschliche Wirklichkeit in Christus so stark, dass die Einheit der Person gefährdet wurde. 
  • Die orthodoxe Position bekannte „eine Person, zwei Naturen“, sodass der eine Christus wirklich als Gottmensch handelt und wirksam rettet. 
  • Schlüsselpassagen der Bibel sind Joh 1,14, Kol 2,9, 1 Tim 2,5, 2 Kor 5,19 und Mt 1,23.

Eutychianismus / Monophysitismus (5. Jh.)

  • Der Eutychianismus/Monophysitismus vermischte göttliche und menschliche Natur so, dass am Ende faktisch nur „eine“ Natur übrigblieb und Jesu echtes Menschsein unsicher wurde. 
  • Die orthodoxe Position (chalcedonisch) setzte Grenzen in beide Richtungen, indem sie sowohl Vermischung als auch Trennung ausschloss. 
  • Schlüsselpassagen der Bibel sind Lk 24,39–43, Joh 11,35–44, Phil 2,6–11, Kol 2,9 und Hebr 1,3.

5) Häresien, die Offenbarung und Geistwirken entgleisen lassen (Prophetie, Autorität)

Montanismus („Neue Prophetie“, 2.–3. Jh.)

  • Der Montanismus verstand sich als Erneuerung prophetischen Redens und geriet in Konflikt mit der Frage, wie prophetische Phänomene zur apostolischen Norm und zur kirchlichen Ordnung stehen. 
  • Die orthodoxe Position hielt daran fest, dass Geister geprüft werden müssen und dass die Kirche an der apostolischen Lehre festzuhalten hat, sodass „neue“ Autorität nicht die normative Offenbarung verdrängt. 
  • Schlüsselpassagen der Bibel sind 1 Joh 4,1, Apg 2,42, Jud 3, 1 Kor 14,29–33 und 1 Thess 5,19–21.

6) Häresien, die das Heil zur Selbstrettung machen (Anthropologie, Gnade)

Pelagianismus (4.–5. Jh.)

  • Der Pelagianismus betonte den freien Willen so stark, dass Erbsünde und die Notwendigkeit vorausgehender Gnade abgeschwächt oder bestritten wurden. 
  • Die orthodoxe Position (augustinisch geprägt) hielt fest, dass der Mensch durch Sünde radikal bedürftig ist und dass Rettung und heiligendes Leben auf Gottes Gnade beruhen. 
  • Schlüsselpassagen der Bibel sind Röm 5,12–19, Eph 2,1–10, Joh 15,5, Phil 2,12–13 und Ps 51,7–12.