Schlüsselwerk: 50 Begriffe und Konzepte der Institutio

Die fünfmal überarbeitete Institutio war ursprünglich (1536; Rezension) als Text zur Verteidigung der Reformation an den französischen König adressiert (Überblick über die vier Bücher; Literatur zu Calvin). Mir half es, die wichtigen Begriffe und Konzepte in einer Übersicht zu erhalten:

Buch I: De cognitione Dei Creatoris

Nr.StelleKonzept / Schlüsselbegriff
1I.1.1duplex cognitio Dei – Doppelte Gotteserkenntnis (Schöpfer/Erlöser); pietas als Voraussetzung
2I.1.1–2cognitio nostri und cognitio Dei als untrennbare Korrelation
3I.2.1Definition von pietas: fromme Gesinnung als Fundament der Theologie
4I.3.1sensus divinitatis / semen religionis – natürliches Gottesgefühl
5I.4.1Unterdrückung des sensus divinitatis durch Unglauben und Aberglaube
6I.5.1–2theatrum gloriae Dei – die Schöpfung als Schauplatz göttlicher Herrlichkeit
7I.5.14Scheitern der natürlichen Theologie ohne innere Erleuchtung
8I.6.1Scriptura als Brille (specillum) zur Gotteserkenntnis
9I.7.4–5autopistia der Schrift; inneres Zeugnis des Heiligen Geistes (testimonium internum Spiritus Sancti)
10I.8.1Äußere Kennzeichen der credibilitas der Schrift
11I.10.1–2Akkommodationslehre: Gott spricht der menschlichen Fassungskraft gemäß
12I.13.1–2Trinitätslehre: Verteidigung der una essentia – tres personae; Unterscheidung substantia/hypostasis
13I.13.6autoθεος: Sohn aus sich selbst Gott – gegen subordinatianische Deutung
14I.14.1–4Schöpfung der Welt; Ablehnung spekulativer Kosmologie; Engellehre
15I.16.1–4providentia Dei: Gottes erhaltende und regierende Vorsehung
16I.17.1Providenz und menschliche Mittel: keine Fatalismus-Implikation
17I.18.3Theodizee-Problem: Gottes Providenz und menschliche Schuld bleiben unterschieden

Buch II: De cognitione Dei Redemptoris

Nr.StelleKonzept / Schlüsselbegriff
18II.1.5–8Erbsünde (peccatum originale): totale Korrumpierung der natura humana; concupiscentia
19II.2.12–15liberum arbitrium: Ablehnung freien Willens zur Heilswahl; partielle Vernunftkraft in weltlichen Dingen
20II.3.5gratia specialis: Gnade als einzige Quelle des Guten im Menschen
21II.4.1Unterscheidung voluntas und coactio: Sünde ist freiwillig, aber nicht frei
22II.6.1Mediator-Notwendigkeit: kein Zugang zu Gott ohne Mittler
23II.7.2Dreifacher Gebrauch des Gesetzes (triplex usus legis): usus elenchticus, politicus, didacticus
24II.7.12–13usus tertius (didaktischer Gebrauch) als primärer reformierter Akzent gegenüber Luther
25II.8.1–5Auslegung des Dekalogs; summa legis: Gottes- und Nächstenliebe
26II.9.1–4Kontinuität des Alten und Neuen Bundes: Christus schon im AT präsent
27II.10.1–4foedus-Kontinuität: Unterschiede AT/NT in Verwaltung, nicht in Substanz
28II.11.1–6Fünf Unterschiede AT/NT (differentia administrationis): Bild/Sache, carnal/spiritual usw.
29II.12.1–3Notwendigkeit der Inkarnation: Mediator muss Deus et homo sein
30II.13.4communicatio idiomatum: Eigenschaften beider Naturen werden dem einen Christus zugeschrieben
31II.15.1–6Munus triplex Christi: prophetisches, priesterliches, königliches Amt
32II.16.1–7satisfactio vicaria: Versöhnung durch Gehorsam und Genugtuung Christi
33II.16.10–13Descensus ad inferos als äußerste Verlassenheit Christi unter Gottes Zorn
34II.17.1–5Christus als Verdienst (meritum Christi) – Gott bleibt Urheber der Gnade

Buch III: De modo percipiendae Christi gratiae

Nr.StelleKonzept / Schlüsselbegriff
35III.1.1–4unio mystica: Verbindung mit Christus durch den Heiligen Geist als Einwohnungsakt
36III.2.7–8Definition des Glaubens (fides): feste, sichere Erkenntnis von Gottes Wohlwollen in Christus durch den HL
37III.2.15–17fides und assensus: Unterscheidung von bloßem Für-wahr-Halten und wahrer Glaubenserfahrung
38III.3.1–5poenitentia (Buße) als Konsequenz der Glaubensunion, nicht ihre Ursache
39III.3.8–10mortificatio carnis / vivificatio spiritus als Doppelbewegung der renovatio
40III.6.1–3Heiligung (sanctificatio) und Selbstverleugnung als Ziel christlichen Lebens
41III.7.1abnegatio nostri: Selbstverleugnung als Zusammenfassung christlicher Ethik
42III.11.1–3iustificatio forensica: Rechtfertigung als gerichtliches Urteil, nicht innere Verwandlung; imputatio
43III.11.5–12Verhältnis iustificatio und sanctificatio: unterschieden, nicht getrennt (duplex gratia)
44III.14.1–5sola gratia, sola fide: Ablehnung jeder Werkgerechtigkeit
45III.20.1–3Gebet als praecipuus cultus Dei – Hauptübung der Frömmigkeit
46III.21.1–7praedestinatio: doppelte Prädestination (gemina praedestinatio) – Erwählung und Verwerfung
47III.22.1–3Erwählung in Christo: Christus als speculum electionis
48III.24.4–7perseverantia sanctorum und Gewissheit der Erwählung
49III.25.1–6Auferstehungslehre (resurrectio mortuorum) als Krönung der Eschatologie

Buch IV: De externis mediis vel adminiculis

Nr.StelleKonzept / Schlüsselbegriff
50IV.1.1–9mater ecclesia: Die Kirche als Mutter der Gläubigen; visibilis/invisibilis ecclesia
51IV.1.12–14notae ecclesiae: reine Wortpredigt und rechte Sakramentsfeier als Kennzeichen
52IV.2.1–7ecclesia Romana: Kritik am Papsttum; Antichrist-Polemik
53IV.3.1–4Kirchenamt: pastores, doctores, presbyteri, diaconi – Vierfaches Amt
54IV.10.1–7Kirchliche Gesetze und christliche Freiheit: Ablehnung menschlicher Tradition als Heilsweg
55IV.14.1–6Definition des Sakraments: signum et res; Zeichen und bezeichnete Sache; annexum verbum
56IV.15.1–6Taufe: significatio der Bundesaufnahme; Sündentilgung und Einverleibung in Christus
57IV.16.1–9Kindertaufe (paedobaptismus): Bundestheologische Begründung; Parallelität zur Beschneidung
58IV.17.1–7Abendmahl: wahre, geistliche Gegenwart Christi (praesentia spiritualis); sursum corda
59IV.17.19–25Gegen Luthers ubiquitas-Lehre; räumliche Lokalisierung des verherrlichten Leibes Christi
60IV.20.1–4Politische Theologie: regnum spirituale / regnum politicum; Eigenständigkeit der Obrigkeit