Ich schätze Peter M. Robinson sehr, ebenso den Podcast Uncommon Knowledge. In der aktuellen Folge teilt Ben Sasse (* 1972) sein Leben auf den letzten Metern – mitten in Schmerzen und aggressiver Therapie.
1:30–4:50 Krankheit, Behandlung, Humor, medizinische Einordnung
Sasse beschreibt, dass er wegen der Behandlung und der Schmerzmedikation (u. a. Morphin) extrem viel schläft und körperlich deutlich eingeschränkt ist, was er mit Galgenhumor kommentiert. Er erklärt, dass Bauchspeicheldrüsenkrebs meist spät erkannt wird, weil Symptome oft erst auftreten, wenn Metastasen in anderen Organen vorhanden sind. Bei ihm sei der Krebs bereits weit gestreut, u. a. mit Tumoren im Bereich der Wirbelsäule, was starke Schmerzen verursache. Er ist in einer klinischen Studie mit sehr aggressiver Chemotherapie und betont, es gehe darum, Tumoren maximal zu treffen, ohne den Körper zu zerstören.
4:50–8:20 Glaube, Gebet, „die Zeit auskaufen“ (redeem the time)
Sasse verteidigt Gebet als realistische Antwort auf Sterblichkeit und verweist auf die christliche Perspektive, dass das Leben Christus gehöre und der Tod nicht das letzte Wort habe. „Die Zeit auskaufen“ bedeutet für ihn, die verbleibende Zeit als Geschenk zu verstehen und sie in Dankbarkeit durch Dienst am Nächsten, Liebe und Verantwortung zu füllen. Er relativiert zugleich die Bedeutung eigener Projekte: Dauerhaft seien nicht „Bauwerke“, sondern Seelen, Beziehungen und das, was vor Gott zählt. Die Diagnose mache die Frage nach dem Wesentlichen nicht neu, aber drastisch konkreter.
16:20–23:40 Lebensbilanz, Workaholism, Familie, „Normies“ und politisches Entertainment
Er blickt selbstkritisch auf Jahrzehnte von Arbeitsbesessenheit und häufigem Reisen zurück und sagt, er hätte Ehe, Kinder, Sabbat und Verwurzelung stärker priorisieren sollen. Er schildert, wie er über lange Zeit praktisch „zwei Berufswege“ parallel lebte (Akademie und Beratung), was das Familienleben spürbar belastete. Politisch lobt er eine Haltung, die Dienst als begrenzte Aufgabe begreift und nicht als Bühne für Selbstdarstellung. Er kritisiert „politics as entertainment“, bei dem laute Minderheiten den Ton angeben, während die „normale“ Mitte zu wenig gesund beteiligt ist.
33:20–43:55 Civics, „credal nation“, Materialismus, Abundanz, KI, Charakter statt Wissen
Sasse beschreibt die USA als „credal nation“, die an universelle Würde, vorstaatliche Rechte und Religionsfreiheit glaubt und diese Überzeugungen aktiv an die nächste Generation weitergeben müsse. Er diagnostiziert einen langfristigen Bruch dieser Weitergabe, verstärkt durch Materialismus und digitale Ablenkung, die gemeinsames Bürgersinn-Training verdrängen. Überfluss (auch durch KI/Robotik) löse das Kernproblem nicht, weil es nicht primär an Wissen oder Ressourcen fehle, sondern an Charakter: Selbstdisziplin, Selbstbeherrschung und geordnete Liebe zum Nächsten. Er warnt vor einer Kultur, die sich in Konsum, Pornografie und Echo-Kammern verliert, statt Freiheit als „freedom to“ für Verantwortung und Sinn zu nutzen.
43:55–50:59 Gottes Souveränität, „Gebet des Krebses“, Boredom, Reue, Problem des Schmerzes, „Jesus weinte“
Sasse sagt, Gottes Souveränität sei für ihn durch die Diagnose nicht fraglicher geworden; Gott sei nicht überrascht, und die entscheidende Frage sei, wozu diese Phase dient. Er beschreibt Krankheitserfahrung als Mischung aus Schmerz, Medikamentenbedingtheit, häufigen Klinikaufenthalten, Langeweile und einer schonungslosen Konfrontation mit Reue und Selbsttäuschungen über die Bedeutung eigener Projekte. Im Gespräch über „Jesus weinte“ betont er, dass Jesu Tränen die Schrecklichkeit des Todes bestätigen, obwohl Christus den Tod letztlich überwindet. Das Leiden dränge zu einer ehrlicheren, weniger ausweichenden Form des Gebets, weil für Selbstrechtfertigung und Phrasen „weniger Platz“ bleibt.