Zitat: Wenn etwas zu tun wert ist – über das Ideal des Amateurhaften

G. K. Chesterton liess in seinen Werken mehrmals den Satz fallen: „Wenn etwas zu tun wert ist, dann ist es auch wert, schlecht getan zu werden.“ Diese Erläuterungen stammen aus diesem Uncommon Sense-Podcast (31 Minuten).

Chestertons Kritik an moderner Mädchenbildung

Das berühmteste Vorkommen ist in “What’s Wrong With the World” (1910). Chestertons Formulierungen in diesem Teil des Buches können heute stark anstößig oder politisch unkorrekt wirken. Chesterton polemisierte dort gegen die Vorstellung, es gebe wirklich „neue Ideen“ in der Mädchenbildung. Nach seiner Darstellung hätten die Reformer einfach das, was man bei Jungen tat, auf Mädchen übertragen, ohne grundsätzlich zu fragen, was Geschlecht überhaupt bedeute. Er verspottet diese Gleichmacherei mit ironischen Beispielen wie Fußball, Schulfarben, Oxford und sogar dem Witz, dass dann folgerichtig auch Mädchen Schnurrbärte tragen sollten. Sein Vorwurf lautet, dass hinter solchen Reformen keine tiefere anthropologische Überlegung stehe, sondern nur gedankenlose Nachahmung. Manche von Chestertons Warnungen können heute etwa bei besonders harten Frauensportarten wieder nachvollziehbarer erscheinen, auch wenn seine Sprache vielen zu schroff vorkomme.

Chesterton setzt dem modernen Bildungsmodell das Bild der viktorianischen Frau entgegen, die sich mit Aquarellen, Italienisch, Harfe und dekorativen Künsten beschäftigt. Provokativ sagt er, er ziehe dieses alte Ideal der neuen Frauenbildung vor. Seine Begründung ist, dass in der älteren Form wenigstens ein geistiger Entwurf, also eine erkennbare Idee, enthalten gewesen sei. Er behauptet sogar, diese scheinbar zarten und eleganten Frauen seien womöglich klüger und innerlich stärker gewesen als manche modernere Frauengestalten.

Das Ideal des Amateurhaften und die Erziehung zum Ganzen

In diesem Kontext wird ein zentraler Gedanke Chestertons sichtbar wird: die Verteidigung des Amateurhaften. Chesterton meint, die Welt müsse mindestens einen „großen Amateur“ bewahren, damit nicht alles in Spezialistentum zerfalle. Die Frau im Haus erscheint bei ihm als jemand, der nicht nur eine eng umrissene Fachaufgabe erfüllt, sondern das Ganze des Lebens zusammenhält. In diesem Sinn sei sie nicht „Privatsoldat“, sondern „Königin des Lebens“. Daran knüpft Chesterton seine tiefere Erziehungsidee: Bildung soll nicht zuerst Spezialisierung sein, sondern die ursprüngliche Staunensfähigkeit des Menschen bewahren. Besonders nahe am Kind sei die Frau, weil sie etwas von dieser spielerischen, leichten, umfassenden Haltung noch verstehe.

Keine Schlamperei

Gemeint ist damit nicht Schlamperei aus Bequemlichkeit, sondern die Freiheit, wertvolle Dinge auch dann zu tun, wenn man sie nicht perfekt beherrscht. Chesterton stelle sich gegen eine Gesellschaft, die alles an Spezialisten delegiert und dadurch das ganzheitliche, lebendige Leben verarme. Der moderne Konkurrenz- und Leistungsdruck nehme dem Menschen oft die Möglichkeit, Dinge aus Freude, aus Menschlichkeit und aus innerer Weite zu tun.

Die Wiederaufnahme in A Miscellany of Men

Schon im Jahr nach What’s Wrong with the World kehrt er in A Miscellany of Men darauf zurück. Dort fragt Chesterton, ob jemand schreiben solle, wenn er nicht vollkommen schreiben könne. Seine Antwort lautet sinngemäss: Wenn jemand es in einem grundlegenden Sinn kann, dann darf und soll er es auch tun. Er kritisiert die moderne Neigung, nur Extreme wahrzunehmen, also Genie auf der einen und völlige Unfähigkeit auf der anderen Seite. Dazwischen liege jedoch die riesige Ebene gewöhnlicher Menschen, die etwas hinreichend können. Chesterton unterscheidet scharf zwischen Dingen, die man wirklich kann, und Dingen, die man gar nicht kann. Ob man etwas mittelmäßig oder hervorragend kann, sei weniger entscheidend als die grundsätzliche Fähigkeit, es überhaupt menschlich auszuüben.

Chestertons Lob gewöhnlicher Fähigkeiten

Chesterton zählt zahlreiche Tätigkeiten auf, die normale Menschen ausüben können sollten. Er nennt etwa Lesen, Schreiben, Nähen, Ernten, Schachspielen, Schwimmen oder das Erkennen griechischer Buchstaben. Chesterton sah darin eine Würdigung gewöhnlicher menschlicher Kompetenz. Moderne Menschen seien zu sehr auf Überlegenheit und Unterlegenheit fixiert und verstünden deshalb nicht, dass die meisten Dinge von den meisten Menschen eben „nicht perfekt“, aber dennoch wirklich getan werden können.

Kritik an falscher Ehrfurcht vor Experten und Amtsträgern

Der Sprecher arbeitet heraus, dass Chesterton nicht nur den Amateur verteidigt, sondern auch die Überhöhung offizieller Autoritäten kritisiert.Viele Menschen meinten fälschlich, Minister oder Abgeordnete seien automatisch viel fähiger als das gewöhnliche Volk. Chesterton hält dem entgegen, dass viele Amtsträger Aufgaben nur in demselben schlichten Sinn erfüllen, in dem auch ein Koch kocht oder ein Soldat schießt. Das eigentliche Wunder sei nicht die Überlegenheit der Eliten, sondern die allgemeine menschliche Fähigkeit, Dinge überhaupt zu tun. Chesterton plädiert daher für eine gesunde Mitte: Der Minister solle etwas weniger ehrfürchtig betrachtet, der einfache Handwerker etwas ernster genommen werden. Normale Menschen sollten singen, tanzen, reden, dichten, mit Tieren umgehen, einfache Heilmittel kennen und ihre Gedanken zu öffentlichen Fragen niederschreiben können. Dies ist im Prinzip eine umfassende Verteidigung menschlicher Alltagskultur zusammen.