Modell: Gegen die entwurzelnde Logik der Maschine

Im Vorfeld meines KI-Workshop an der E21-Konferenz habe ich mich mit Paul Kingsnorth Buch’ “Against the Machine” auseinandergesetzt.

Kingsnorths Modell der vier P beschreibt, wodurch menschliche Kultur gegen die entwurzelnde Logik der „Machine“ widerstandsfähig wird: People, Place, Prayer, Past. Es steht bei ihm im Gegensatz zu den modernen Ersatzgrössen der „vier S“: science, self, sex, screen beziehungsweise technisch machbare Weltdeutung, Selbstzentrierung, Körper- und Identitätsfixierung sowie Bildschirmwirklichkeit.  

Kingsnorth sieht Kultur nicht primär als staatliches Projekt von oben, sondern als etwas, das von unten wächst: aus Menschen, Orten, Gebet und Vergangenheit.   Die vier P sind deshalb keine nostalgische Dekoration, sondern Gegenmittel gegen Entwurzelung, Beschleunigung und digitale Vereinzelung. People schützt vor der Illusion des autonomen Selbst; Place schützt vor der Ortlosigkeit globaler Austauschbarkeit; Prayer schützt vor technischer Selbstvergöttlichung; Past schützt vor dem Wahn, jede Generation müsse sich selbst neu erschaffen. In diesem Sinn ist das Modell zugleich kulturkritisch und praktisch: Es ruft nicht zuerst zu grossen Programmen auf, sondern zu konkreten Bindungen, Gewohnheiten und lokalen Treueakten. Es ist ein Modell der Re-Verwurzelung: Der Mensch wird wieder als geschichtliches, leibliches, betendes und gemeinschaftliches Wesen verstanden. Gegen die „Machine“ setzt Kingsnorth nicht eine Gegenmaschine, sondern eine langsamere, dichtere und geistlich geerdete Lebensform.

BegriffDeutschKernidee
PeopleMenschen / GemeinschaftDer Mensch wird nicht als isoliertes Individuum verstanden, sondern als eingebunden in konkrete Beziehungen, Familie, Nachbarschaft, Gemeinde und lokale Gemeinschaft.
PlaceOrt / VerwurzelungIdentität entsteht nicht im abstrakten Raum, sondern durch Bindung an Landschaft, Dorf, Stadt, Haus, Boden, Wege, Jahreszeiten und konkrete Umgebung.
PrayerGebet / GottesbezugKultur braucht eine vertikale Achse: Anbetung, Demut, Dank, Umkehr und die Anerkennung, dass der Mensch nicht das Mass aller Dinge ist.
PastVergangenheit / ÜberlieferungMenschen leben nicht aus dauernder Neuerfindung, sondern aus Erinnerung, Tradition, Vorfahren, Geschichten, liturgischen Formen und ererbter Weisheit.