Input: Über Gemeinschaft mit denen, die zentrale Aspekte des Evangeliums verwerfen

John Pipers anschauliche Antwort auf folgende Frage:

Mein Freund behauptet nun, dass der rachsüchtige Gott des Alten Testaments ein jüdischer Mythos war und nicht der wahre Gott, der nur in Jesus zu finden ist. Für ihn starb Jesus hauptsächlich, um Gottes Geduld mit den Sündern zu demonstrieren. Er leugnet nun die stellvertretende Sühne. In all diesen Dingen habe ich ihm seinen Irrtum anhand der Heiligen Schrift aufgezeigt, aber er will nichts davon hören. Da er weiterhin behauptet, ein Christ zu sein, habe ich begonnen, ihn gemäß 2. Thessalonicher 3,14-15 zu behandeln und nicht mehr wie früher mit ihm Zeit zu verbringen. Habe ich das Richtige getan? Und sollte ich ihm sagen, warum?

(Antwort) Er hat einen anderen Jesus als den in der Bibel erfunden, und ein anderer Jesus kann nur ein anderes Evangelium anbieten. Seine Irrtümer berühren den Kern des Evangeliums, daher denke ich nicht, dass Scotts Freund als Christ betrachtet werden sollte. Paulus gebraucht sehr harte Worte für diejenigen, die behaupten, Christen zu sein und den biblischen Christus und das biblische Evangelium ablehnen.

Als stützende Stellen führt Piper u. a. an: Galater 1,8-9; 2. Johannes 9-10; Titus 3,10; Römer 16,17; 1. Korinther 5,11.

Anhand dieser Stellen, die ich gerade zitiert habe, würde ich sagen, dass Scott die richtige Entscheidung getroffen hat, indem er seinem Freund, der behauptet, ein Christ zu sein, die Gemeinschaft entzogen hat. Denn er hat den Kern des Erlösungswerkes Christi abgelehnt – nämlich, dass er unsere Verurteilung am Kreuz auf sich genommen hat, wie es in Römer 8,3 heißt. Und ich würde sagen, Scott, dass du deinem Freund auf jeden Fall erklären solltest, warum du dich zurückziehst. Sonst wird es nichts nützen; er wird nicht wissen, was los ist.

… Wenn man einer Kirche angehört, ist es unehrlich und feige, der Gemeindeleitung gegenüber nicht offen zu sein, wenn man einige der zentralen Lehren der Kirche ablehnt. Und wenn er sich vielleicht aufregt und sagt: “Was? Willst du mich aus meiner Kirche rauswerfen, so wie du mich aus meiner Beziehung zu dir rauswirfst?” – Nun, dann könntest du ihm sagen: “Du bist derjenige, der sich verändert hat – nicht ich, nicht die Kirche. Du bist derjenige, der sich von Jesus abgewandt und ihn aus deinem Leben gestoßen hat. Du bist derjenige, der das, was die Kirche seit zweitausend Jahren über den Herrn Jesus und den Zorn Gottes und das Sühnopfer Christi glaubt, aus deinem Verstand und deinem Herzen gestrichen hat. Ich denke, du solltest dir eingestehen, was du getan hast, und aufhören, so zu tun, als wärst du ein Christ.

Zitat der Woche: Erledigt vom pausenlos guten Leben

Eine Art Kontrast zu meinem vorhergehenden Beitrag “Andreas in Irpin” stellt diese Beschreibung des Reporters und Schriftstellers Andreas Altmann (* 1949) dar, dessen Buch “34 Tage, 33 Nächte: Von Paris nach Berlin zu Fuss und ohne Geld” mir in die Finger geriet:

Wer in den Zoo geht und ein Krokodil betrachtet, betrachtet Mitteleuropa. Wohl genährt, träge und bewegungslos liegt es da. Schon erledigt vom pausenlos guten Leben, ist ihm der Hunger nach Aufregungen vergangen. Deshalb stehen in vielen Städten Türme herum, von denen die Ruhelosesten in die Tiefe springen. Kein Reiseversicherungspaket begleitet sie nach unten, um heil davonzukommen. Nein, nur ein Bungee-Gummiband verspricht letzte Rettung. Unglaublich, welche Kraftakte man auf diesem Erdteil unternehmen muss, um sein Herz noch schlagen zu hören.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um den Anwürfen der Verdummung, der Komofrtsucht und dem Wunsch nach einem harmlosen Dasein zu entrinnen. … So kam mir die Idee, von Paris nach Berlin zu marschieren. Immer zu Fuss und immer ohne Geld.

Live: Andreas in Irpin

Seit dem Krieg in Bosnien und der Belagerung von Sarajewo – heute vielfach dokumentiert, für mich unvergesslich im Film Le Cercle Parfait (1997) festgehalten – habe ich mich nicht mehr so intensiv mit einem Konflikt auseinandergesetzt. Mein Freund Andreas war noch viel näher dran und verfasste diesen Bericht über seinen Besuch in Irpin am Abend des 14. April 2022.

Es wurde bereits dunkel, als wir aus Borodjanka nach Irpin kamen, dem mittlerweile berühmt gewordenen Vorort von Kiew. Hinter uns lagen zerstörte Fahrzeuge  am Straßenrand, Häuser ohne Dach, Innenwände oder nur noch Fundamente und Menschen, die rastlos versuchten, im Chaos Ordnung wiederherzustellen. Der Sonnenuntergang war schön und es war windstill. Aber die zerstörten Einkaufszentren und Bürogebäude bildeten einen umso stärkeren Kontrast zum schönen Himmel.

Wir hatten nicht nur unsere Augen voll von Zerstörung, auch unsere Ohren hatten einiges zu verarbeiten. Geschichten von erschossenen Zivilisten, neuen Funden von Körpern in den Trümmern und tränenreiche Berichte von Plünderungen in Häusern. Das Gebäude der Irpin Bible Church ragte wundersam unversehrt aus dem Umfeld von beschädigten Häusern heraus. Das war unser Zwischenziel für heute Abend.

Der befreundete Diakon war während der gesamten Zeit der Kampfhandlungen mit seiner Frau vor Ort geblieben und hatte zahllose Hilfseinsätze hinter sich. Beim Abendbrot erzählte er fast ununterbrochen von seinen Erlebnissen, die nicht weniger dramatisch waren als das, was wir bisher gehört hatten. Ich war hundemüde. Seine Worte flossen alle irgendwie gedämpft an mir vorbei, so dass die erzählten Einzelereignisse sich zu einem undefinierbaren Haufen von Leid, Tragik und Wundern vermischten.

Wenn ich eine theologische Einordnung setzen müsste, dann wäre es zunächst einmal die grausame Realität des Bösen. In einer Dimension, die ich so nur aus Büchern und Filmen kannte. Aber hier waren um mich herum Menschen, die dieses Böse mit eigen Augen gesehen, mit den Ohren gehört, mit den Händen betastet und der Nase gerochen haben. Und eine Konzentration dieser schwersten Sünden drängte sich an diesem Tag in meinen Kopf. Und in mein Herz.

In diesen Zeiten des Krieges hatte die Gemeinde die Gewohnheit, jeden Morgen und jeden Abend einen Gottesdienst abzuhalten. Aktuell wohnten ca. 40 Leute in den Gemeinderäumen. Es gab noch keinen Strom, kein Gas und keine allgemeine Wasserversorgung. Der Generator lief nur stundenweise. Obwohl ich nur noch müde war, wollte ich mir den Abendgottesdienst nicht entgehen lassen. Nachdem wir unsere Schlafplätze im Kellerraum bezogen hatten, ging ich ins Foyer, wo die Abendgottesdienste stattfanden. Alle saßen im Kreis mit 4-5 Leuchten in der Mitte. Einige Pastoren der Gemeinde waren da, wer wollte, konnte von seinen Eindrücken berichten und eine Ermutigung weitergeben. Ich verstehe das Ukrainische nicht so gut, also versuchte ich in etwa zu erfassen, worum es ging. Einer nach dem anderen teilte sich mit: Kleine Ereignisse des Tages, Gedanken zu einem Bibelvers. Ich erinnere mich kaum an die Inhalte, vor allem aber an Atmosphäre an diesem Abend. Gott war da.

Für die Menschen hier, die teils müde, teils aufgewühlt waren war es klar, dass der Gott des Universums bei ihnen an diesem Ort war. Ich wurde auch gebeten, was zu sagen, aber an diesem Abend war ich dazu nicht in der Lage. Vielmehr war ich von Herzen dankbar, dass dieser Tag mit seinen Eindrücken des Bösen einen Abschluss mit einer ergänzenden Botschaft brachte: Der lebendige Gott regiert. Die Handys wurden rausgeholt und ein Lied gesungen, in dem die Ukraine Gott anbefohlen wird, mit der Bitte, dass Gott sie doch bitte retten solle. In so einer Atmosphäre fiel es mir gerade beim Singen sehr schwer, die Fassung zu bewahren. Nach dem Gebet ging jeder im Licht seiner Handytaschenlampe zu seinem Schlafplatz. In dem Keller war es kalt. Aber ich war dankbar, dass ich von Gnade umhüllt in die Nacht gehen konnte.

Input: Eine “gerechte” Form der Wirtschaft jenseits von Kapitalismus und Sozialismus

Der Chesterton-Experte Dale Ahlqvist hat eine Fülle guter Online-Artikeln zu diesem zeitlosen Autor bereitgestellt. Darunter fällt auch der zum Distributivismus. Er kommt meinen Gedanken zu einem gerechten Modus einer Wirtschaft – im gefallenen Zustand der Welt – ziemlich nahe. Ich habe grosse Teile des Artikels übersetzt. Ahlquists Biografie kann ich empfehlen.

In The Outline of Sanity (eine Sammlung von Essays, die ursprünglich 1925 in seiner Zeitung G.K.’s Weekly erschienen) zeigt Chesterton auf, dass weder der Sozialismus noch der Kapitalismus Gerechtigkeit fördern, weil beide das Kleineigentum (small property) nicht fördern.

Ein Taschendieb ist offensichtlich ein Verfechter des privaten Unternehmertums. Aber er ist kein Verfechter des Privateigentums. Das Problem des Kapitalismus ist, dass er die Ausweitung des Geschäftslebens predigt, nicht aber die Erhaltung des Eigentums; außerdem versucht er, den Taschendieb mit einigen der Tugenden des Piraten zu tarnen. Der Kommunismus hingegen versucht, den Taschendieb zu reformieren, indem er die Taschen verbietet.

Während Chesterton aufzeigt, dass der Sozialismus keines seiner Versprechen erfüllen kann, weil er dem einfachen Mann nicht zutraut, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, weist er auch darauf hin, dass das Hauptversagen des Kapitalismus darin besteht, dass er alles erreicht hat, was der Sozialismus drohte zu erreichen. Im Kapitalismus lebt ein Angestellter in einem Haus, das ihm nicht gehört, das er nicht gebaut hat und das er nicht will. Er denkt in Begriffen wie Lohn und Zeitaufwand. Es würde für einen Angestellten eines großen Unternehmens keinen Unterschied machen, wenn er stattdessen in einer Behörde arbeiten würde. Es macht keinen Unterschied, ob er ein gesichtsloser Diener des Staates oder der Reichen ist.

Das derzeitige System, insbesondere in den Industrieländern, ist bereits zu einer Gefahr geworden und entwickelt sich rasch zu einer Todesfalle. Dieses System beruht auf zwei Ideen: dass die Reichen immer reich genug sein werden, um die Armen anzuheuern, und dass die Armen immer arm genug sein werden, um von den Reichen angeheuert werden zu wollen.

Die Lähmung in diesem System ist unvermeidlich. Der Kapitalismus ist ein Widerspruch. Wenn die meisten Menschen Lohnempfänger sind, ist es schwer für sie, Kunden zu sein. Denn der Kapitalist versucht immer zu reduzieren, was sein Diener verlangt. Und damit beschneidet er das, was sein Kunde ausgeben kann. Er will, dass derselbe Mensch gleichzeitig reich und arm ist.

Chesterton beschreibt prophetisch den “Bluff der großen Geschäfte”. Er sah klar, dass die heutigen “Superstores” die kleinen lokalen Läden auslöschen würden. In fast jeder Hinsicht würde der Kunde der Leidtragende sein. Mit der Abschaffung der kleinen Läden gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. In den großen Geschäften können wir jedoch nicht bekommen, was wir wollen.

Ich denke, dass das grosse Geschäft gleichzeitig ein mieses Geschäft darstellt. Dort einzukaufen ist nicht nur eine schlechte Aktion, sondern auch ein schlechtes Schnäppchen. Der Monsterladen ist nicht nur vulgär und unverschämt, sondern auch inkompetent und ungemütlich. Und ich bestreite, dass seine Organisation effizient ist. In Wahrheit ist eine große Organisation immer eine Desorganisation.

Man sagt, es sei bequem, alles im selben Laden zu bekommen. Aber in Wahrheit sind die Geschäfte der Monopolisten nur für den Monopolisten bequem. Sie konzentrieren das Geschäft, wie sie den Reichtum konzentrieren – in den Händen von immer weniger Bürgern.

Nun muss diese Kapitulation vor dem modernen Monopol nicht stattfinden. Alles, was wir tun müssen, um kleine Geschäfte zu unterstützen, besteht darin, sie zu fördern. Jeder könnte es tun, aber niemand kann sich vorstellen, dass es getan wird. In einem Sinne ist nichts so einfach, und in einem anderen ist nichts so schwer. Ob wir [vor den großen Geschäften] kapitulieren oder nicht, ist eine Frage des moralischen Willens und nicht des wirtschaftlichen Gesetzes.

Chestertons bevorzugte Lösung geht dahin, dass fast jedes Unternehmen ein kleines Unternehmen ist. Wo größere Unternehmen notwendig sind, sollten sie den Angestellten gehören; sie sollten von einer Zunft geführt werden, die ihre Beiträge bündelt und ihre Ergebnisse teilt. Er glaubt, dass kleine Geschäfte regiert werden können – auch wenn sie sich selbst regieren. Er glaubt, dass kleine Läden unterstützt werden können – wenn wir sie unterstützen.

Distributivismus ist Demokratie. Der Distributivismus basiert auf Eigentum. Demokratie kann nur funktionieren, wenn Eigentum breit verteilt ist. Demokratie bedeutet Selbstverwaltung. Eigentum bedeutet Selbsterhalt. In einer distributistischen Gesellschaft produzieren und nutzen die Menschen ihre eigenen Güter, machen ihre eigenen Gesetze und sind nicht von Außenstehenden abhängig.

Chesterton sagt nicht, dass es keinen Platz für den Austausch gibt, noch sagt er, dass der Mensch nichts vom Staat braucht. Er sagt, dass es diese Dinge geben muss, aber in einem angemessenen Verhältnis. Weder der Händler noch der Regierungsbeamte sollten eine dominierende Rolle in der Gesellschaft spielen.

Ist das realistisch? Chesterton sagt, dass der Distributivismus eine Sache ist, die von den Menschen gemacht wird; er ist keine Sache, die den Menschen angetan werden kann. Es kann getan werden, wenn wir uns dafür entscheiden. Es bedeutet, dass wir mehr Kontrolle über unser Leben erlangen. Es bedeutet, dass wir aufhören, Lohnsklaven und Konsumentensklaven zu sein. Es bedeutet, fair und frei und treu zu sein. “Das Ziel des menschlichen Gemeinwesens”, sagt Chesterton, “ist das Glück des Menschen. Aber das bedeutet nicht, dass wir verpflichtet sind, reicher, fleißiger, effizienter, produktiver oder fortschrittlicher zu sein. Wir sind nicht verpflichtet, irgendetwas von diesen Dingen zu sein, wenn sie uns nicht glücklicher machen”.

Input: Überkorrekter Realismus gegen die Unterschöpfung Tolkiens

Der Brief Tolkiens vom 25. April 1954 – die ersten Teile von “Der Herr der Ringe” erschienen im Juli desselben Jahres – an den Proofreader Naomi Mitchison enthält einige interessante Hintergrundinformationen (enthalten in Letters, S. 173-180): 

Eigene Kompetenzgrenzen

Ich bin Philologe, und auch wenn ich mich gerne genauer mit anderen kulturellen Aspekten und Merkmalen befassen würde, liegt das nicht in meinem Kompetenzbereich.

Zum Verlauf des Narrativs

In der Geschichte gibt es eine gute und eine schlechte Seite, Schönheit gegen rücksichtslose Hässlichkeit, Tyrannei gegen Königtum, gemäßigte Freiheit mit Zustimmung gegen Zwang.

Zu den Elben

(Dies ist eine) Rasse, die den Menschen im Aussehen ähnelt (und zwar umso mehr, je weiter sie zurückliegt) und in früheren Zeiten die gleiche Gestalt besaß. … (Sie) stellen in Wirklichkeit Menschen mit stark verbesserten ästhetischen und schöpferischen Fähigkeiten, größerer Schönheit und längerem Leben sowie Adel (nobility) dar.

Zu Sauron und den Ringen

Das eigentliche Silmarillion und das Erste Zeitalter endete mit der Vernichtung der urzeitlichen dunklen Macht (von der Sauron nur ein Leutnant war). … Die Drei Ringe waren nämlich gerade mit der Macht der Erhaltung, nicht der Erschaffung, ausgestattet. Obwohl sie unbefleckt waren, weil sie weder von Sauron gemacht noch von ihm berührt wurden, waren sie dennoch teilweise Produkte seiner Anweisung und standen letztlich unter der Kontrolle des Einen.

Zu den Orks

Orks (das Wort ist meines Erachtens tatsächlich vom altenglischen orc ‘Dämon’ abgeleitet, aber nur wegen seiner phonetischen Eignung) werden nirgends eindeutig als von einer bestimmten Herkunft stammend beschrieben.

Zu Zauberern

Ihre eigentliche Funktion, die von Gandalf beibehalten und von Saruman pervertiert wurde, bestand darin, die angeborenen Kräfte der Feinde Saurons zu fördern und hervorzubringen. Gandalfs Gegenspieler war, genau genommen, Sauron, in einem Teil von Saurons Operationen; so wie Aragorn in einem anderen war.

Zu den Balgrogs

Die Balgrogs, deren Hauptwaffen die Peitschen waren, waren urzeitliche Geister des zerstörenden Feuers, Hauptdiener der urzeitlichen dunklen Macht des Ersten Zeitalters.

Auf Peter Hastings, den Manager eines katholischen Buchladens, reagierte Tolkien in einem Brief im September 1954 (in Letters, S. 187-195). Hastings warf Tolkien vor, im metaphysischen Bereich über Grenzen hinaus gegangen zu sein. Konkret:

Böses habe keine Fähigkeit zur Erschaffung.

Tolkien: (Es herrsche ein anderes Verständnis in der Beziehung zwischen Schöpfung und Unterschöpfung (subcreation) vor.) (Ein Standpunkt möge) aus der Sicht der Realität (der äußeren Wirklichkeit) grundlegend “falsch” sein. Aber innerhalb dieser imaginären Welt können sie nicht falsch sein, denn so ist sie nun einmal geschaffen.

Die Fähigkeit zur Reinkarnation bei Elfen sei problematisch.

Tolkien verweist erneut auf das Diktum seiner sub-creation und sieht dies dort als gedachte Möglichkeit einer neuen Modus der Existenz. In der gleichen Richtung sieht er die Möglichkeit von Nachkommen zwischen Elben und Menschen als biologische Möglichkeit innerhalb seiner geschaffenen Welt an.

Es sei ebenso problematisch, dass Sauron trotz seiner extrem-bösen Existenz eine Kooperation mit den Elfen aufrecht erhalten konnte.

Tolkien: Sauron war natürlich nicht von Anfang an “böse”. Er war ein “Geist”, der vom obersten dunklen Herrscher (dem obersten unterschöpferischen Rebellen) Morgoth korrumpiert wurde. … Zu Beginn des Zweiten Zeitalters war er noch schön anzusehen oder konnte noch eine schöne sichtbare Gestalt annehmen – und war in der Tat nicht gänzlich böse.

Orks hätten nicht vom Dunklen Herrsch erschaffen werden können.

Tolkien: Baumbart sagt nicht, dass der Dunkle Herrscher Trolle und Orks “erschaffen” hat. Er sagt, dass er sie als Nachahmung bestimmter bereits existierender Kreaturen “erschaffen” hat. Zwischen den beiden Aussagen klafft meines Erachtens eine große Kluft. … (Orks seien) im Grunde eine Rasse von “vernunftbegabten” Kreaturen, wenn auch schrecklich verdorben, ebenso wie viele Menschen, die man heute trifft.

Dies widerspiegelt anschaulich, wie wir mit einem «realistischen» Mindset den Aussagegehalt zu starr übertragen können anstatt uns auf diese Unterschöpfung Tolkiens einzulassen. Kindern gelingt dies übrigens oft besser als Erwachsenen.

Input: Der Herr der Ringe und die christliche Weltsicht

Douglas Wilson, leidenschaftlicher Verfasser von “What I learned in Narnia” (meine Rezension) skizziert in zwei Blogbeiträgen (hier und hier) die Eckpfeiler der theistischen Weltsicht von J. R. R. Tolkien.

Gott

Auf der ultimativen Ebene der Mythologie (im Silmarillion) füllt Gott notwendigerweise den Platz aus, den nur er ausfüllen kann – Illuvatar. Er ist der Schöpfer. Auch hier überlässt er die Details der Schöpfung den Valar (Engelwesen). Aber beachten Sie, wie Tolkien damit ein anderes Problem löst – das Problem nämmlich, dass Gott die Rolle einer Figur in einer fiktiven Welt einnimmt, die von einem von uns geschaffen wurde.

Mensch

Der Mensch (ohne die entsprechende Sprache zu verwenden) trägt eindeutig Gottes Bild (Imago Dei). Illuvatar hat dem Menschen zudem die Gabe des Todes gegeben, um die ihn die Elben beneiden. Zwischen Gott und den Menschen findet etwas Besonderes statt, und was das sein könnte, wird nie ausdrücklich gesagt. Apropos Elben: Das zeigt, wie komplex Tolkiens Sicht auf die Menschheit ist.

Die einzigen “Kinder” von Mittelerde, die nicht in irgendeiner Weise Menschen sind, sind die Zwerge. Die Hobbits sind Menschen. “Die Hobbits sind natürlich wirklich als ein Zweig der spezifisch menschlichen Rasse gedacht” (Letters, S. 158). Deshalb können sie bei dem großen Volk in Bree wohnen. Sie verkörpern das robuste Heldentum der einfachen Menschen.

Elben: “Sie verkörpern die wirklichen Menschen mit stark verbesserten ästhetischen und schöpferischen Fähigkeiten, großer Schönheit, längerem Leben und Adel – die Elbenkinder” (S. 176). Sie sind biologisch eins mit den Menschen und können sich mit ihnen vermählen – und tun es auch.

Orks müssen verderbte Wesen (corruptions) sein (Letters, S. 178), und, wie Tolkien es ausdrückt, “Elben können sich in Orks verwandeln” (S. 287, vgl. 191). Das bedeutet natürlich (in Anbetracht dessen, was Elben sind), dass Orks menschliche Potenzial zur Sünde repräsentieren. Tolkien geht sogar so weit zu sagen, dass “viele Menschen, denen man heute begegnet”, genauso schrecklich verdorben seien wie die Orks (S. 190).

Sünde

Die Darstellung der Sünde ist eine von Tolkiens großen Stärken. Unterhalb von Illuvatar ist Sünde auf jeder Ebene möglich, und sie kommt auch auf jeder Ebene vor. Unter den Valar sündigt Morgoth. Die Elben streben nach verbotenem Wissen, und ihre Anwesenheit in Mittelerde ist das Ergebnis ihres “Falls”. Die vollständige Verderbnis der Orks zeigt, wie weit dieser Prozess gehen kann. Selbst Galadriel ist eine reumütige Frau. Natürlich sündigen auch die Menschen. Die Hobbits verbünden sich mit Saruman, um das Auenland zu verderben.

Erlösung

Auf der anderen Seite würde ich sagen, dass dies Tolkiens schwächster Punkt ist. Die Erlösung scheint von allen Seiten als einfache Reue akzeptiert zu werden. Es scheint kein Gefühl für die Notwendigkeit einer Sühne zu existieren. Morgoth sündigt fortwährend und kommt dann davon, indem er Reue vortäuscht. Sauron täuscht Reue vor. Gollum kommt der Reue einen Schritt näher. Tolkien könnte seine Position verteidigen, indem er sagt, die Reue sei vorgetäuscht.

Offenbarung

Die Offenbarung fehlt nicht unbedingt. Die Menschen (im Buch) wissen einfach um grundsätzliche Dinge. Und die Bösen stellen diese nicht in Frage. Dies ist natürlich eine Geschichte, und die Wahrheitsträger in dieser Geschichte sind “Märchen”.

Magie

Der ganze Sinn der Magie ist die Manipulation von Materie, um Macht zu erlangen. Genau das tut Harry Potter. In der Welt von Der Herr der Ringe ist das Gegenteil der Fall. Die Guten stellen eher ein Negativbild der Magie dar. Der Ring der Macht ist das ultimative Symbol der Magie im traditionellen Sinne. Der ganze Sinn des Buches besteht darin, ihn zu zerstören und allen Versuchungen zu widerstehen, ihn zu benutzen. Alle derartigen Versuchungen sind in Wirklichkeit Versuchungen, das zu tun, was wir “weiße Magie” nennen würden.

Veränderung

Beachten Sie das Thema der verschiedenen Veränderungen – aber die Betonung der Veränderung liegt auf den guten Charakteren. Die Bösen sind eintönig gleichförmig. Aber: Gandalf der Graue wird zu Gandalf dem Weißen. Frodo, der Hobbit, wird zum Quasi-Elben. Samwise, der Hobbit, wird ein echter Hobbit, oder ein Quasi-Mensch. Streicher wird zu Aragorn. Arwen wird sterblich.

Technologie

Baumbart sagt über Saruman, dass er “einen Verstand für Metall und Räder hat und sich nicht für wachsende Dinge interessiert.” Gandalf sagt zu Saruman: “Wer ein Ding zerbricht, um herauszufinden, was es ist, hat den Pfad der Weisheit verlassen.”

Gleich und ungleich

  • Was haben Faramir und Gandalf gemeinsam?
  • Was haben Arwen und Eowyn gemeinsam?
  • Was haben Frodo und Gollum gemeinsam?
  • Was haben Boromir und Aragorn gemeinsam?
  • Was haben Theoden und Denethor gemeinsam?

Doug Wilson unterhält sich mit N. D. Wilson über Magie in der Literatur (hier und hier). Ihre Argumentation: Die Bibel ist von Magie, nämlich Wundern, durchsetzt. Das starke Bewusstsein der unsichtbaren Welt ist keine frühere Stufe in der Entwicklung der Menschen. Dies widerspiegelt das Denken nach der Aufklärung. Leider hat sich unser oft ein funktional atheistisches Weltbild bemächtigt. Die Frage ist demnach nicht die Existenz, sondern Intention und Zielrichtung. Es geht um den Widerstreit der Mächte der Finsternis und des Lichts. Die einen streben nach der Selbstvergottung, die andere haben Gottes Ehre zum Ziel.

Zitat der Woche: Der Mensch hat die Lumpen seiner Herrschaft behalten

Aus Tolkiens Schlüsselaufsatz “On Fairy Tales” (1938; zu deutsch: Über Märchen):

Obwohl der Mensch schon lange entfremdet ist, ist er weder ganz verloren noch ganz verändert.

Er mag entehrt sein, aber er ist nicht entthront, und behält die Lumpen der Herrschaft, die er einst besaß

Der Mensch, der Unterschöpfer, das gebrochene Licht, das aus einem einzigen Weiß in viele Schattierungen zersplittert und endlos kombiniert wird in lebendigen Formen, die sich von Geist zu Geist bewegen.

Obwohl wir alle Ritzen der Welt mit Elfen und Kobolden füllten, obwohl wir es wagten, Götter und ihre Häuser aus Dunkelheit und Licht zu bauen, und die Saat der Drachen säten – es war unser Recht (Gebrauch gemacht oder missbraucht).

Dieses Recht ist nicht verfallen: Wir machen immer noch nach dem Gesetz, nach dem wir geschaffen sind.

Zitat der Woche: Der Flirt, eine Kümmerform von Liebe

Frankl – unnachahmlich – in seinem Grundlagenwerk “Ärztliche Seelsorge” (1947):

In unbewußter Absicht vorbeisehend an der geistigen Person des Partners ist aller Flirt, alle durchschnittliche Erotik von gestern und heute. … Der vielfach am meisten bevorzugte weibliche Typus ist nun die unpersönliche Frau – die weibliche »Un-Person«, zu der man keine persönliche Beziehung haben muß, zu der man eine unverbindliche Beziehung haben kann, die Frau, die man eben »haben« kann und daher nicht »lieb haben« muß: sie ist Eigentum – ohne Eigenart – und ohne Eigenwert. … Der Flirt stellt eine Kümmerform von Liebe dar. Daß es eine Redewendung wie: diese Frau habe ich »gehabt« überhaupt gibt, läßt bis auf den Grund dieser Form von Erotik blicken. Was man »hat«, kann man tauschen, was man besitzt, kann man wechseln; auch die Frau, die ein Mann »besessen« hat, kann er ebenso wechseln; kann er sich doch eine andere sogar »kaufen«. (Die Frau) will »genommen« werden – sie will gar nicht ernst genommen werden, als das genommen werden, was sie eigentlich ist: ein Mensch in seiner Einzigartigkeit und Einmaligkeit. … Sie will unpersönlich sein und irgendeinen Typus darstellen, der gerade in Mode ist und auf dem Jahrmarkt erotischer Eitelkeit in hohem Kurs steht. Einen solchen Typus will sie möglichst getreu imitieren und muß dabei sich selbst, ihrem Selbst, untreu werden. … Dem Manne in seinen Wünschen ergeben, gibt sie ihm bereitwillig, was er braucht und »haben« will. So gehen beide leer aus.

Zitat der Woche: Kierkegaard und der Einzelne

Einmal mehr bewundere ich die analytisch-literarische Stärke von Rüdiger Safranski (* 1945). Er hat Sören Kierkegaard meines Erachtens sehr trefflich charakterisiert (in Einzeln sein, Kapitel 7):

Was aber hat es mit der Kategorie des Einzelnen bei Kierkegaard auf sich? Was ist damit gemeint über den bereits damals geläufigen Individualismus hinaus, wonach jeder einen Anspruch hat, wichtig genommen zu werden, jeder aber auch besorgt sein sollte, etwas aus sich zu machen und sich selbst irgendwie zur Geltung zu bringen?

… (Bei Kierkegaard steht) die Frage im Mittelpunkt, was es bedeutet, wirklich ein Christ zu sein in einer Gesellschaft, die formell und nominell als christlich gilt. Seine Antwort: Christsein bedeutet, sich als Einzelner allein vor Gott gestellt zu fühlen. (Er vertrat die Ansicht, dass) die christliche Offenbarung ursprünglich die Einzelheit des Einzelnen anspricht, sie wachruft, herausfordert.

… Und so sieht er es als seine Aufgabe an, das Christentum wieder zu verinnerlichen, und das heißt: zu vereinzeln. Sein ursprünglicher Sinn soll wiederhergestellt werden, der vollständig verloren geht, wenn, wie etwa seinerzeit in Dänemark, die protestantische Taufe mit der Staatsbürgerschaft verbunden war, die man bei ausdrücklich erklärtem Unglauben verlor.

(Der Glaube sollte) wieder existentiell verstanden werden. Es war Kierkegaard, der diesen Ausdruck zum ersten Mal emphatisch verwendete als Bezeichnung für das, was den Einzelnen unbedingt angeht und wodurch er sich womöglich überhaupt erst in seiner Einzelheit erfährt.

Gott macht den Menschen auf radikale Weise zum Einzelnen — das ist der Kern der religiösen Erfahrung Kierkegaards. Vor Gott erst, im Glauben also, wird man wahrhaft zu sich selbst gerufen. … Glaube, verstanden als Hingabe, ist nicht eine Art Überzeugung, die man mit anderen teilt, auch nicht bloß ein gemeinschaftliches Ritual; er erschöpft sich nicht in guten Taten und sittlich korrekten Überzeugungen, durch die man sich Ansehen verschafft. Glaube ist für Kierkegaard, so könnte man sagen, ein vertikaler Akt, den jeder Einzelne ganz alleine vollziehen muss, ohne horizontale Absicherung. Glaube ist eben kein Gemeinschaftswerk, alleine muss man dazu imstande sein, alleine vor Gott.

… Der Sprung ist die für Kierkegaard maßgebliche Kategorie des inneren Handelns und damit der Freiheit. Den Vorgang des Sprungs kontrastiert Kierkegaard mit dem naturwissenschaftlichen Begriff der Kausalität einerseits und dem Hegel’schen Begriff der Vermittlung andererseits. Kausalität ist die Notwendigkeit, dass und wie A auf B folgt. Die Natur macht keine Sprünge, heißt es. Hier gibt es einen allseitigen Zusammenhang, der Freiheit ausschließt. Die andere Art, den allseitigen Zusammenhang zu verstehen, war zu Kierkegaards Zeit die Hegel’sche Vermittlung. Wenn etwas mit etwas vermittelt ist, so wird ein bedingender Zusammenhang konstatiert, der zwar nicht so eng und strikt ist wie Kausalität, aber doch objektiv genug, um das Plötzliche, Spontane, bloß Unwillkürliche zurückzuweisen.

Die ominösen Sprünge ereignen sich für Kierkegaard, wenn der einzelne existierende Mensch seine Freiheit ergreift, indem er sich entscheidet. Mit jeder Entscheidung ist ein Sprung verbunden, er kann größer oder kleiner sein. Je individueller das Leben geführt wird, desto diskontinuierlicher, sprunghafter verläuft es. Diese selbstbestimmte Sprunghaftigkeit antwortet auf die Zumutung, wie mit einem sonst umgesprungen wird. Entscheidung als Sprung ist für Kierkegaard die existentielle Situation schlechthin. Diese Deutung der menschlichen Situation wird er an den Existentialismus des 20. Jahrhunderts weitergeben, allerdings ohne den christlichen Glaubenssinn dieses Sprungs.

Ich bin seit Jahren daran Kierkegaard besser fassen zu lernen. Bisher halfen mir besonders die literarische Biografie von Joachim Garff und der philosophische Leben-Streifzug Der Philosoph des Herzens. Meine Distanziertheit versuchte ich hier zu fassen. Weitere Hinweise habe ich unter Der alte Freund Kierkegaard notiert.

Studienmaterial: Prozess der Entscheidfindung

John Frames Herleitung einer christlichen Ethik und detaillierte Erläuterungen zum Entscheidungsprozess sind sehr hilfreich. Den Kurs gibt es als Video, Audio sowie als Manuskript.

Aus der ersten Lektion habe ich einige Prinzipien zur Herleitung sowie die tri-perspektivische Methodologie herausgeholt:

Mit unserer Definition wird betont, dass die christliche Ethik jede Dimension des christlichen Lebens berührt. Ethik ist: Theologie als ein Mittel zur Bestimmung dessen, was gut und böse ist.

Zunächst bekräftigen wir, dass Gott selbst der ultimative Maßstab für Recht und Unrecht, für Gut und Böse ist. Damit lehnen wir ab, dass die ultimative Moral eine Norm außerhalb Gottes ist, der auch er entsprechen muss, wenn er als gut gelten soll.

Die zweite Aussage, die wir treffen wollen, wenn wir uns auf Gott und seinen Segen konzentrieren, ist, dass Gottes Handlungen den Maßstab der Moral darstellen. Eine der wichtigsten Formen, wie Gott seine Zustimmung zu dem, was richtig und gut ist, zeigt, besteht darin, Segen zu spenden. Ebenso zeigt er seinen Hass auf das, was falsch und böse ist, indem er Segen zurückhält und Flüche ausspricht.

Da die Bibel die Christen lehrt, jeden Aspekt ihres Lebens und ihres Seins nach Gottes moralischen Maßstäben auszurichten, muss sich die christliche Ethik nicht nur mit dem Verhalten, sondern auch mit Gefühlen, Orientierungen, Vorlieben, Neigungen, Präferenzen, Gedanken, Vorstellungen, Überzeugungen und unserem Wesen selbst befassen.

Alle Ungläubigen “leben nach dem Fleisch” (Röm 8,5-9). Ihre Natur ist böse, und deshalb sind auch ihre Handlungen und Haltungen böse. Paulus identifizierte die gefallene Natur als die Quelle eines Geistes, der Gott feindlich gesinnt ist und sich dem Gesetz Gottes nicht unterordnen will und kann.

Der richtige Maßstab erfordert die Unterordnung unter die gesamte Bibel. Das Westminster-Bekenntnis sagt nicht nur, dass das Gesetz Gottes ein Kriterium für alle guten Werke ist, sondern dass Gottes Wort als Ganzes ein Kriterium für gute Werke ist. Das heißt, dass gute Werke gemäß der Lehre der gesamten Offenbarung, insbesondere der Heiligen Schrift, getan werden müssen, auch gemäß den Teilen, die nicht formell zum Gesetz gehören.

Einige betonen unser christliches Gewissen und die Führung durch den Heiligen Geist und bestehen darauf, dass Handlungen gut sind, wenn sie mit diesen inneren Indikatoren übereinstimmen. Andere betonen die Heilige Schrift und bestehen darauf, dass Handlungen gut sind, wenn sie dem Gebot der Heiligen Schrift entsprechen, und schlecht, wenn sie es nicht sind. Wieder andere betonen das Ergebnis von Handlungen und bestehen darauf, dass Handlungen gut sind, wenn sie gute Folgen nach sich ziehen, und schlecht, wenn sie schlechte Folgen mit sich bringen.

Ethisches Urteilsvermögen beinhaltet die Anwendung von Gottes Wort auf eine Situation durch eine Person.

Wenn wir der Heiligen Schrift als unserer einzigen unfehlbaren Regel folgen, dann werden wir sehen, dass die Bibel selbst uns lehrt, nicht nur Gottes Wort, sondern auch die Situation und die Person zu berücksichtigen, wenn wir den gesamten Prozess der ethischen Untersuchung betrachten.

  • Situation: Die Heilige Schrift selbst …, wenn sie uns über ethische Themen belehrt, (beruft) sich auf Gottes souveräne, vorsehende Kontrolle seiner Schöpfung.
  • Norm: Wir betreiben Ethik aus der normativen Perspektive, wenn wir uns auf die Bibel berufen, um uns zu sagen, was wir tun sollen.
  • Person: Die existenzielle Perspektive konzentriert sich auf das Selbst in der Konfrontation und Interaktion mit Gott.

Zu John Frame habe ich eine knappe Zusammenfassung seines Schaffens in meiner Serie “Theologen für eine neue Generation” verfasst.