Input: Deine grösste Fähigkeit ist deine Verfügbarkeit

Danny Fröse hat eine ausgezeichnete Buchbesprechung zum neu übersetzten “Gott, Gier und Geld” von Costi Hinn, dem Neffen Benny Hinns, verfasst.

Aufgrund meiner, medizinisch gesehen, unheilbaren MS-Erkrankung habe ich es schon oft erlebt, dass liebevolle Geschwister ihren uneingeschränkten Glauben an Heilung an mir beweisen wollten. Man wollte mir die Krankheit „austreiben“, weil sie als ein Fluch angesehen wird.

Doch nicht nur ich muss mich damit auseinandersetzen, dass eine falsche Lehre über Gott und Heilung enttäuschte Hoffnungen zurücklässt. Millionen von Menschen sind gefangen in dem Glauben, dass es Gottes ausdrücklicher Wille ist, uns mit Gesundheit und Wohlstand zu segnen.

Eindrücklich sind die 10 Hinweise im 11. Kapitel “Wie man die Verführten erreicht”:

  1. Gebet: Wo Gebet gegenwärtig ist, kann Hass nicht überleben.
  2. Wahrheit: Wir müssen selbst das Evangelium kennen!
  3. Selbstprüfung: Wir wenden das Evangelium zuerst auf das eigene Herz an.
  4. Kontakt: Bemühe dich um ein persönliches Treffen.
  5. Fragen: Durch aufrichtige Fragen gelangen wir zu einem besseren Verständnis.
  6. Die Wahrheit in Liebe sagen: Es ist schwierig und auch demütigend, Menschen zu lieben, mit denen wir nicht übereinstimmen
  7. Meinungsverschiedenheiten nicht persönlich nehmen
  8. Die Türe offen lassen: Das Schließen der Tür und das Niederbrennen von Brücken ist nur aus sehr wenigen Gründen vertretbar.
  9. Echte Hilfe zur Verfügung stellen: Ein verändertes Herz ist erst der Anfang der Arbeit!
  10. Nicht aufgeben: Egal, wie dunkel der Tag scheint oder wie irregeleitet die Menschen sind, Gläubige dürfen sie niemals aufgeben

Zitat der Woche: Ein paar Prozente weniger fernsehen und dafür die ganze Bibel lesen

Tim Challies schreibt im lesenswerten Bibelkunde-Buch “Visual Bibel Guide” (S. 85):

Um die Bibel kennenzulernen, musst du sie fleißig studieren. Und um die Bibel fleißig zu studieren, musst du sie sorgfältig lesen. Auf viele wirkt es wie eine beängstigende Aufgabe, die Bibel ganz zu lesen. Der durchschnittliche Amerikaner liest nur fünf Bücher im Jahr. Da scheint es für Christen eine Strapaze zu sein, die sechsundsechzig Bücher der Bibel jedes Jahr zu lesen. Wenn wir es aber ins rechte Licht rücken, stellt das jährliche Lesen der gesamten Bibel eine sehr kleine Verpflichtung dar im Vergleich dazu, womit wir sonst typischerweise unsere Zeit verbringen. Der durchschnittliche Leser benötigt etwa fünfzehn Minuten am Tag, um in einem Jahr die gesamte Bibel zu lesen. Im Vergleich dazu verbringt der durchschnittliche, erwachsene Amerikaner pro Tag fünf Stunden und vier Minuten vor dem Fernseher. Wenn der durchschnittliche Amerikaner sich also nur fünf Prozent der Zeit nähme, in der er oder sie fernsieht, und sie dem Bibellesen widmete, würde er oder sie die gesamte Bibel in einem Jahr durchlesen. Es macht also Mühe, die Bibel zu lesen, nicht hauptsächlich, weil sie verwirrend oder schwierig zu lesen ist, sondern weil wir ihr keine Priorität einräumen. R. C. Sproul stimmt dem zu: „Hierin liegt also das wahre Problem unserer Nachlässigkeit. Wir versagen in unserer Pflicht, Gottes Wort zu studieren, nicht so sehr, weil es schwer zu verstehen ist, nicht so sehr, weil es fade oder langweilig ist, sondern weil es uns Mühe macht. Unser Problem besteht nicht in einem Mangel an Intelligenz oder Leidenschaft. Unser Problem besteht darin, dass wir faul sind.”

Zitat der Woche: Sich durchs Leben treiben lassen

In der auf vier Teile angelegten Serie “Die Suche nach Wirklichkeit und Bedeutung” von David Gooding & John Lennox adressieren die beiden Akademiker die Gefahr, auf die sich viele junge Erwachsene bedenkenlos einlassen:

Viele Studenten haben ein Problem – viele Probleme sogar, aber eines ganz besonders: Ihre Kindheit ist vorbei, das Erwachsenenleben beginnt, und nun müssen sie sich einer Flut von Veränderungen stellen, die die Unabhängigkeit des Erwachsenseins mit sich bringt. Das kann spannend sein, ist manchmal aber auch beängstigend: Plötzlich muss man auf eigenen Füßen stehen und selbst entscheiden, wie man leben möchte, welche Berufslaufbahn man einschlagen will, welche Ziele man verfolgen und welche Werte und Prinzipien man sich zu eigen machen will. Wie trifft man solche Entscheidungen? Zunächst einmal durch reichlich Nachdenken. Mit der Zeit werden wachsendes Wissen und Erfahrungen einem diese Entscheidungen leichter machen. Aber vernachlässigt man diese grundlegenden Entscheidungen zu lange, besteht die Gefahr, dass man sich einfach durchs Leben treiben lässt. Schnell vernachlässigt man dabei den charakterformenden Prozess, die eigene Weltsicht zu durchdenken. Denn genau das brauchen wir: Einen in sich stimmigen Rahmen, der dem Leben eine echte Perspektive und überzeugende Werte und Ziele gibt. Eine solche Weltsicht zu gestalten – besonders zu Zeiten, in denen die traditionellen Vorstellungen und Werte der Gesellschaft radikal infrage gestellt werden –, kann eine gewaltige Aufgabe für jeden sein, nicht zuletzt auch für Studenten.

Buchhinweis: Der alte Freund Kierkegaard

Aus einem spannenden Gespräch auf der Strasse nahm ich die Empfehlung für eine neue Kierkegaard-Biographie entgegen. Ich widmete mich der gut lesbaren, im Vergleich zur opulenten Gaarff-Biographie (meine Rezension) schlank daher kommenden philosophischen Biografie von Clare Carlisle.

Kierkegaard bleibt mir theologisch und persönlich nach wie vor fremd – siehe dieser Beitrag. Daran konnte auch Peter Kreeft mit seinem flammenden Plädoyer für die Detektivarbeit des Denkers (meine Rezension) nichts Substanzielles ändern.

Nach wie vor sehe ich vor allem den “Sprung des Glaubens” (siehe diese Serie von Ron Kubsch) sowie seinen verinnerlichten Glaubenszugang – vor allem auf der postmodernen Folie der Gegenwart – als problematisch an. Ja, ich weiss um die Kritik an Francis Schaeffer und dessen pauschaler Kierkegaard-Deutung. Prominent vertrat diese Kritik der von mir sehr für seine Serie “History of Philosophy” geschätzte Arthur F. Holmes.

Carlisle öffnete mir die Türen zu Kierkegaard. Schon in der Vorrede bringt sie es auf den Punkt. Kierkegaard habe Philosophie betrieben, indem er ins Innere (des Menschen) blickte. Er fokussierte auf den Punkt im Menschen, in dem alles zusammenkam: Dem Herzen. Alle Gedankenströme wurden durch seine eigene Existenz hindurch kanalisiert.

Ja, diese 300 Seiten lohnen sich zu lesen.

Input: Die Folgen langer Isolierung durch Lockdown

In einem offenen Brief von Psychologen, Therapeuten und Psychiatern schreiben diese für Deutschland:

Bundeslandübergreifend zeigen sich in der kinder- und jugendpsychiatrischen und -psychotherapeutischen Versorgung vermehrt Angststörungen, Depressionen, Schlafstörungen, Essstörungen, und Substanzmissbrauch. Zudem wird ein Anstieg von Patient:innen berichtet, die aufgrund von akuter Suizidalität/Krisen oder nach häuslicher Eskalation kinder- und jugendpsychiatrisch versorgt werden müssen. … (Es zeige sich) ein alarmierendes Bild von verstärkten Ängsten, Spannungen im häuslichen Umfeld, häuslicher Gewalt, Leistungsabfall und Versagensängsten, stark erhöhtem Medienkonsum und Gewichtszunahme. …

Eltern von Kleinkindern berichten vermehrt von Trennungsängsten beim Übergang in dieNotbetreuung. Im häuslichen Rahmen schildern sie Verhaltensauffälligkeiten. Die Kinder zeigen unkontrollierte Wutausbrüche, Aggressionen und Schlafprobleme. Gegenwärtig er- scheinen uns die vorgestellten Patient:innen jünger als üblicherweise.

Insbesondere bei Schulkindern, die im Sommer bedeutsame Transitionen wie die Ein- schulung oder den Wechsel zur weiterführenden Schule bewältigt haben, ist derzeit die Häufung von Schulängsten auffällig. Bereits vor Pandemiebeginn bestehende Schul- ängste verstärken sich durch den unregelmäßigen Schulbesuch.

Die Adoleszenten zeigen sich ebenso deutlich belastet. Besonders die Altersgruppe der jüngeren Adoleszenten muss als stark gefährdet hinsichtlich missbräuchlicher Medien- und Internetnutzung und der Entwicklung von Essstörungen angesehen werden.

10 Hinweise … zu Ablenkungen

Einer meiner Jungs fragte mich, wie er sich besser bezüglich Gewohnheiten beobachten könne. Ich entwickelte dazu einige Fragen entlang des Tagesablaufs. Es gibt nichts Wirksameres als das zu ändern, was ich täglich tue bzw. unterlasse.

  1. Wann gingst du am Vorabend ins Bett? Wie war dein Erwachen am Morgen?
  2. Was tatest du in der ersten Viertelstunde?
  3. Wie trug das Frühstück zur Tagesstimmung bei?
  4. Was nahmst du nachher in Angriff oder eben nicht?
  5. Was war dein erster grosser Brocken, den du anpacktest?
  6. Gab es etwas, was dich aus der “Bahn der Umsetzung” brachte?
  7. Was ist das innere Argument für Verschiebungen von geplanten Vorhaben?
  8. Ab wann begann sich Frust einzustellen?
  9. Wie sieht das innere Gedankenmuster in Frustmomenten aus? Wie äusserte sich das gegen aussen?
  10. Wie und wann steigst du aus?

Zitat der Woche: Der rare Schatz christlicher Genügsamkeit

Von einem Freund bin ich auf das Werk “The Rare Jewel of Christian Contentment” des Puritaners Jeremiah Burroughs (1599-1646) hingewiesen worden. Worin besteht das Geheimnis christlicher Genügsamkeit?

Obwohl ich keine äußeren Annehmlichkeiten und weltlichen Bequemlichkeiten besitze, um meine Bedürfnisse zu befriedigen, so habe ich doch einen ausreichenden Anteil zwischen Christus und meiner Seele, der mich in jedem Zustand reichlich befriedigt.

Oftmals versuchen wir unseren Mangel falsch zu befriedigen:

Meine Brüder, der Grund, warum ihr keine Zufriedenheit in den Dingen dieser Welt habt, ist nicht der, dass ihr nicht genug von ihnen habt. Das ist nicht der Grund, sondern weil sie nicht Dinge sind, die im Einklang mit eurer unsterblichen Seele stehen, die von Gott selbst dazu befähigt ist. Viele Menschen denken, wenn sie Sorgen haben und nicht zufrieden sind, liege es daran, dass sie nur wenig in der Welt haben, und wenn sie mehr hätten, wären sie zufrieden. Das ist so, als ob ein Mann hungrig wäre. Um seinen hungrigen Magen zu befriedigen, sollte er seinen Mund aufreißen, um den Wind aufzunehmen, und dann denken, dass der Grund, warum er nicht zufrieden ist, darin liege, dass er nicht genug von dem Wind bekommen hat. Nein, der Grund ist, dass Wind nicht für einen hungrigen Magen geeignet ist.


Andrew Davis hat 2019 das Thema in “Power of Christian Contentment” aufgegriffen.

Input: Gottes Wort als Antwort auf existentielle Fragen

Aus einer eben bewerteten Bachelorarbeit in Systematischer Theologie zitiere ich die Antwort auf Paul Tillichs Kritik der orthodox-protestantischen Offenbarungslehre:

Entgegen der Darstellung Tillichs besteht die biblische Offenbarung zwar aus propositionalen Wahrheiten, sie ist aber weit mehr als die Summe dieser Wahrheiten. Die Bibel setzt sich zusammen aus Schriften unterschiedlicher Gattungen – von erzählter (und theologisch gedeuteter) Geschichte des Volkes Gottes, über Weisheitsliteratur bis hin zu den Lehrtexten der neutestamentlichen Briefe. In all diesen Büchern offenbart sich Gott zwar durchgehend durch Worte, aber mit einer großen Bandbreite an Variationen…

Die biblische Offenbarung ist nicht „aus einer fremden Welt in die menschliche Situation hineingefallen“. Gott inspirierte sein Wort, indem er die Persönlichkeiten der Schreiber berücksichtigte (Paulus schreibt beispielsweise stilistisch gesehen anders als Johannes). Gott offenbarte sein Wort bzw. sich selbst, indem er Sitten und Bräuche der damaligen Kultur berücksichtigte (bspw. der Bundeschluss mit Abraham mit der Spaltung der Tierkörper in 1Mos 15). Er offenbarte sich, indem er sich selbst mit Attributen beschreibt oder benennt, die den Menschen aus ihrer Lebenswelt bekannt sind (z.B Hirte, Vater, Licht etc.). Gott spricht in die konkrete Lebenssituation von Menschen hinein (z.B die Zivilgesetzgebung des Pentateuch regelt das Zusammenleben für Menschen im Nahen Osten des 2. Jahrtausends vor Christus und Jesu Gleichnisse greifen Alltagssituationen der Menschen um die Zeitenwende auf). Dabei ist Gott der Lebenswelt der Menschen niemals unterworfen, er lenkt sie sogar aktiv durch seine Vorsehung, aber er spricht immer wieder in diese hinein und berücksichtigt diese.

Auch Tillichs Postulat, dass eine supranaturalistische Sicht der Bibel bedeute, dass die Bibel „Fragen, die der Mensch niemals gestellt hat“ beantworte, ist eine Karikatur orthodoxer Theologie. Gerade um Antworten auf die – um es in Tillichs Sprache zu sagen – existentiellen Fragen des Lebens zu geben, hat Gott dem Menschen sein Wort gegeben. In diesem Wort verwendet er gleich die ersten Kapitel, um einige dieser Fragen zu beantworten (z.B.: Woher kommen wir Menschen? Zu welchem Zweck sind wir auf der Erde? Warum ist die Welt so kaputt, wie wir sie erleben? Etc.).

Dabei ist die Heilige Schrift viel mehr als ein Buch, das uns Antworten auf die großen Fragen gibt. Im Kern stellt sie uns in Beziehung zu dem dreieinigen Gott, der die Antwort auf alle existentiellen Fragen des Lebens ist. Aber in dieser Bundesbeziehung gibt sie uns immer wieder konkrete Antworten.

Kolumne: Die vier Phasen vieler Erziehungssituationen

Viele Erziehungssituationen lassen sich in vier «Phasen» einteilen:

Schlüsselsituation 1: Abweichung

Die Erziehungsperson erteilt eine Anweisung. Das Kind hört nicht oder nicht genau hin. Dies hat sich als Gewohnheit eingespielt. Vielleicht wiederholt der Vater oder die Mutter die Anweisung (besser nicht, denn mit jeder Wiederholung relativiert er die eigene Anweisung.) Das Kind, die eigene Idee bereits fest eingeplant, zieht sie ohne Zögern durch. 

Schlüsselsituation 2: Konsequenzen spüren lassen

Der Auftrag ist nicht ausgeführt. Zeit geht ins Land. Das Kind hat das nächste Unternehmen bereits im Kopf und fordert von den Eltern die dazu nötige Unterstützung ein. (Typischerweise besteht diese in einer Alltagshandlung, z. B. Essen, Kleidung oder Unterstützung bei den Aufgaben.)

Die Eltern gehen auf den Moment der Anordnung zurück. Das Kind weiss nichts mehr davon bzw. will nichts davon gewusst haben. Innert Sekunden folgen zwei, drei Rechtfertigungen, warum es nicht möglich war den Auftrag umzusetzen. Vater oder Mutter hören zu und gehen zum Punkt zurück; vielleicht wird die Selbstrechtfertigung gleich thematisiert. Der Auftrag besteht nach wie vor. Wahrscheinlich hat sich das Kind schon Nachteile eingehandelt. Die Eltern gleichen nicht aus.

Schlüsselsituation 3: Wieder in die Gemeinschaft holen 

Es geht durch das Tal der Tränen und des Selbstmitleids. Die Eltern bleiben auf dem Punkt. Wenn sie sehen, dass das Kind wieder einhängt und auf den «Pfad des Gehorsams» zurückgekehrt ist, können sie (erst dann!) wieder auf das Kind zugehen. Es geht nicht darum die Folgen abzufedern, sondern um Barmherzigkeit zu üben. Wichtiges Prüfkriterium: Geht es um die eigene Harmonie oder Komfort oder um das Wohl des Kindes – dass es sich nicht verhärtet oder mutlos wird?

Schlüsselsituation 4: Gemeinsam auf die Begebenheit zurückblicken

Im Nachgang, z. B. am Abend, wird die Situation reflektiert. «Was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?» «Wie würde es sich auswirken, wenn du erneut deine eigene Idee durchziehst? Was werden später Ehepartner oder Vorgesetzter dazu sagen?» «Wie beurteilt unser Schöpfer diesen Vorgang?» Bekenntnis und Bereinigung stärken die Bindung zwischen Eltern und Kind. 

Zitat der Woche: Die Kirche, unser Körper und Corona

Mein Freund Jochen Klautke stellt in einem Artikel der neusten “Bekennenden Kirche” (Nr. 84) fest:

Angesichts (der) ernüchternden Sachlage stelle ich folgende Fragen: Könnte es nicht sein, dass wir Christen die rechte Seite der Waage unter anderem deswegen so wenig gewichten, weil wir vom Zeitgeist die Geringschätzung des Körpers übernommen haben? Oder anders gefragt: Sind wir wirklich bereit, die körperliche Anwesenheit und Zugewandtheit (mitsamt Mimik, Nähe und Körperkontakt), die gemäß der Heiligen Schrift und der Schöpfungsordnung ein unverzichtbarer Aspekt der Nächstenliebe sind, als Bedrohung und nicht als Bereicherung anzusehen?

Ich habe den Eindruck, dass aktuell diejenigen als verrückt angesehen werden, die physische Nähe für eine Bereicherung halten. Dabei liegt die Beweislast auf der Seite derer, die den Körper des anderen einseitig als Bedrohung wahrnehmen und dies der Gemeinde zu vermitteln suchen. Sie müssen gut und nachvollziehbar begründen können, warum es ausgerechnet an dem Ort, an dem Nächstenliebe gelebt werden soll wie sonst nirgendwo in dieser Welt, in Ordnung ist, die physischen Aspekte der Nächstenliebe preiszugeben. Anders formuliert: Sie müssen zeigen, dass die linke Seite der Waage schwerer wiegt als die rechte.

… Die Gefahr ist groß, dass Leute am Rand der Gemeinde auf der Strecke bleiben. Es besteht die reale Gefahr, dass Singles und ältere Menschen unserer Gemeinden vereinsamen mit all den negativen Konsequenzen, die das nach sich zieht. (Körperliche) Gemeinschaft mit anderen Christen ist ein unverzichtbares Mittel, das Gott benutzt, um uns im Glauben zu bewahren, zu er- mutigen und zu stärken (zum Beispiel: 1Kor. 12,21–25; Röm. 12,5–8). Von daher ermutige ich Sie, auf jeden Fall den Präsenzgottesdienst Ihrer Gemeinde zu besuchen – auch dann, wenn Sie die Corona-Maßnahmen Ihrer Gemeinde für zu locker oder für zu einschränkend halten.