Zehn Dinge, die wichtig sind, wenn man Papa wird (1): Schuld abschieben

Mein knapp 11-jähriger Sohn hat in einer Männerrunde (mein Input, 20 Minuten) einen kleinen Vortrag «Zehn Dinge, die wichtig sind, wenn man Papa wird und ist (und was ich nicht empfehle)» gehalten.

Er schreibt in seiner Reinschrift:

In jeder Familie gibt es das Schuld-Herumschieben. Das ist bis zu unserem letzten Tag so. Man gibt die Schuld nicht Jesus, sondern einem anderen. Man gibt sie dem ‘Sündenbock’. Es ist für uns leichter sie einem anderen zu geben als sie Gott zu bekennen und ihm den ‘Dreck’ offenzulegen. Ich würde den Papas empfehlen, dieses Thema immer wieder zu besprechen.

Tatsächlich ist dies ein ständiges Thema in Familien. In unserem Fall mit sieben Personen sind die Möglichkeiten der Schuldweitergabe vielfältig. Ein Hin- und Her-Geschiebe entsteht. Mein Sohn hat ebenfalls erkannt, dass dies nicht einfach «abgestellt» werden kann.

Dazu passend: Der fröhliche Tausch (Martin Luther)

Standpunkt: Schamorientierte Evangeliumsverkündigung und die geistliche Krise der westlichen Kirche

Ron Kubsch hat einen Kommentar von Andreas Boppart, Leiter Campus für Christus im deutschsprachigen Raum, aufgenommen und hinterfragt:

So frage ich mich etwa (auf der rein empirisch-pragmatischen Ebene), ob die Verkündigung heute tatsächlich so sehr auf die Wahrheits- und Schuldfrage abzielt, wie Boppart das voraussetzt? Hören wir denn das Wort von dem heiligen Gott und der Vergebung der Sünden tatsächlich noch oft? Anders gefragt: Sind die Kirchen voll, in denen ein „ganzheitliches Evangelium“, das die Schuldfrage in den Hintergrund schiebt, angeboten wird? Auf den Kanzeln und christlichen Medien-Kanälen wimmelt es von „Du bist wertvoll“- und „Du bist so angekommen, wie Du bist“-Botschaften. Trotzdem stecken die Kirchen in einer geistlichen Krise. Es scheint so, also ob die Versicherung, „du bis ok und gehörst dazu“, die Sehnsucht der Menschen nicht stillen kann. Offensichtlich trägt diese Botschaft nicht durchs Leben. Und ich frage mich auch, ob es stimmt, dass wir in einem schamorientierten Europa leben? Vielleicht leidet Europa ja in einem gewissen Sinn mehr an seiner Schamlosigkeit als an der Schamsättigung?

Umgekehrt meint er in den Kommentaren:

Die Stärke der Evangeliumsverkündigung liegt nicht darin, dass wir Fragen beantworten, die die Menschen stellen (so wichtig das ist), sie liegt darin, dass die Botschaft vom Kreuz unser Herz aufdeckt. Gott kennt uns besser, als wir selbst uns kennen. Das Wort vom Kreuz deckt auf, dass unsere Herzen Götzenfabriken sind. Wir stehen so unter dem Sog der Sünde, dass wir Gott denkerisch nicht ehren und dienen wollen. Wir haben uns so tief in die Götzenanbetung verstrickt, dass Gott selbst kommen muss, um unsere falschen Denkvoraussetzungen aufzubrechen und uns aus unserer Sündennot zu retten. Gott sucht uns, er kommt zu uns in seinem Sohn, um uns einen Weg aus unserer tragischen Verstricktheit zu eröffnen.

Die eigentliche Not von uns Menschen ist es, dass wir stolz an uns selbst festhalten. Wir lieben das Geschaffene mehr als den Schöpfer. Und sollten wir unseren Unglauben durchschauen, wollen wir mit eigenen Ressourcen die Probleme lösen. Wir wählen den Weg der Selbstrechtfertigung und möchten Gott beweisen, dass es doch nicht so schlimm um uns bestellt ist.

Predigt: Wir wollen sein wie die anderen!

Fragestellung: Warum biedert sich Gottes Volk seiner Umgebung an?

Mitschnitt (40 Minuten)

Hinweise zum Lesen des alttestamentlichen Erzähltextes

  • Den Gesamtverlauf beachten (alles läuft auf Jesus, den Mann nach seinem Herzen, hin)
  • Das grosse Thema der frühen Propheten verstehen: Bundes(un)treue
  • Den kunstvollen Erzählrahmen berücksichtigen: Volks- und Familiengeschichte
  • Die Anordnung des Textes in den Augenschein nehmen: Der Hintergrund (1Sam 8,1-3); die drei Kommunikationsläufe Volk > Samuel > Gott (und umgekehrt)

Hauptpunkte

  1. Die Orientierung nach aussen: Fehlgeleitete oder fehlende Führung. Wer prägt dich? Auf wen hörst du (nicht)?
  2. Die Orientierung nach innen: Götzendienst. Welches ist dein aktueller Götze (zum Beispiel unbedingt angestrebte Gefühlszustände)? Was sind Hausgötzen der Familie/Generationen und der Kirchgemeinde/des Landes?
  3. Der alleinige Retter Jesus und Führer, die dich zu Ihm führen (am Beispiel Jonathans)

Anwendung

  1. Erkenne, wer dir nicht helfen kann.
  2. Orientiere dich an geistlichen gesinnten Männern und Frauen (auch anderer Generationen), die dich zu Christus führen.
  3. Entsorge Götter – einzeln und gemeinsam.

Predigt: Zeige mir deinen Willen!

Predigt in der Jugendgruppe der EFG Unna (Mitschnitt, 36 Minuten)

Botschaft: Vertraue Gottes souveränem Willen und suche Seinen moralischen Willen. (Der alte Mensch will sich Gottes souveräner Führung verweigern und seinen eigenen durchdrücken. Zudem vernachlässigt er Seinen moralischen Willen und legitimiert für sich die Ausnahme. Dafür verlangt er nach unmittelbarer Unterstützung in der Erfüllung seiner Wünsche.) 

1. Bedenke Gottes souveränen Willen (Römer 1,8-15)

  • Anlass:  Weltmission (1,8) – nicht Weltreise 
  • Anliegen: Flehen um Änderung von Gottes souveränem Willen (1,9) 
  • Verlangen: Gegenseitige Stärkung (1,10-11) 
  • Realität: oftmals verhindert, so viel an mir liegt (1,13-15) 
  • Erfüllung: anders, als Paulus sich dies vorgestellt hatte (Apg 27+28) 

2. Suche Gottes moralischen Willen. 

  • Zielsetzung: Wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt (4,1) 
  • Schutzraum: Sich der Unzucht enthalten (4,3) 
  • Kontrast zum Umfeld: Leidenschaftliche Begierde als Kennzeichen der Heiden (4,5) 
  • Diesseitige Konsequenzen: Bruder wird übervorteilt (4,6) 
  • Jenseitige Konsequenzen: Den Heiligen Geist verwerfen (4,8) 

Input: Es ist nicht nötig, abstossend zu wirken

Aus dem bewegenden Interview mit Costi Hinn, Neffe des bekannten Wohlstandpredigers Benny Hinn:

„Wir können recht haben, aber es ist nicht nötig, damit abstoßend zu wirken.“ Ein anderer riet mir einmal: „Predige mit Tränen in den Augen.“ Diese weisen Worte haben sich über die Jahre als hilfreich erwiesen. Wie schwer es auch sein mag, wir müssen eine gottgemäße Haltung bewahren, wenn wir mitten in einer massiven Meinungs­verschiedenheit mit jemandem stehen. Es ist entscheidend, sich immer daran zu erinnern, dass auch alle Menschen, die im Irrtum gefangen sind, eine lebendige Seele von Gott haben. Sie sind Gottes Missionsfeld. Nach meiner Erfahrung erreicht man Menschen am besten, wenn man ehrliche Fragen stellt und das Handeln seiner Gegner so weit wie möglich respektiert. Menschen mit Forderungen und aggressiven und unbedachten Bemerkungen zu bedrängen, treibt sie nur in eine Verteidigungshaltung oder sie gehen auf Konfrontation. Gute Beziehungen aufzubauen und zu erhalten, mit dem Ziel die Wahrheit weiterzugeben, ist für jeden Christen weise und vernünftig. Es muss allerdings auch gesagt werden, dass die Zeit kommen kann, wo wir eine gefährliche Beziehung beenden sollten und Menschen meiden, die in ihren falschen Überzeugungen schamlos sind (Jud 23). Es gab Momente, da musste ich meiner Familie auf sehr direkte Weise gegenübertreten.

Zitat der Woche: Der Irrtum, alle Dinge nach Sicherheit zu kalkulieren

Nicht als Faupax im frühen Leben, sondern als Spätherbststurm: Friedrich Hänssler erlebte in fortgeschrittenem Alter die Insolvenz seines Lebenswerks. Das Kapitel “Prüfung: Die Insolvenz und wie danach weiterging” (254-261) ist eindrücklich:

Das ist überhaupt der grösste Irrtum: alle Dinge, Eventualitäten und Wege aufgrund des Bedürfnisses nach Sicherheit kalkulieren, vorausplanen und berechnen zu wollen. …
Für die meisten Menschen aber – in frommen wie in nicht frommen Kreisen – ist das Thema Scheitern ein Tabuthema, und genau das sollte es nicht sein. …
Die Identität des Christenmenschen kommt in erster Linie aus der Beziehung, aus der Verbundenheit mit Gott, der in mir und durch mich wirkt. Wenn ich nach menschlichen Massstäben scheitere, werde ich nicht zerstört.
… Der gottgefällige Mensch weiss, dass er kein Anrecht, keinen Anspruch hat auf irgendetwas im Leben. Alles ist Geschenk. Doch zwischen dem theoretischen Wissen und dem praktischen Handeln und Erleben liegen oft weite Wege.
… Je nach Standpunkt hörte ich Sätze wie: ‘Das hat man kommen sehen.’ ‘Der wollte auch immer hoch hinaus.’ ‘Warum hat er auch so billige Verkaufspreise gemacht.’ ‘Er wollte die Buchhändler kaputt machen.’ ‘ Er hätte nicht so viel verschenken sollen!’ usw. Am bezeichnendsten war für mich der Satz: ‘Das wäre mir nie passiert!’
… Bei allem Durcheinander der Gedanken fiel mir auf, dass … der Verlust des Verlags, des kompletten Familienvermögens, mich nicht so sehr umgeworfen und gepackt hatten wie Vorkommnisse anderer Art. Das lag wohl darin begründet, dass ich in den guten Zeiten schon seit Jahren immer wieder im Gebet zu Jesus sagte: ‘Herr, dieser Verlag gehört nicht mir. Er gehört allein Dir. Bitte benütze ihn als Werkzeug in Deiner Hand.’
…. Der Kampf mit den Selbstbeschuldigungen, mit dem Gedanken, Verlierer zu sein, war seinerzeit eine schwer zu tragende Last. Hinzu kam die Beschäftigung mit der veränderten Beurteilung meiner Person, meines Ansehens, das ich spürbar ruiniert hatte, und in so mancher dunklen Stunde brach gewiss auch ein Stück Selbstmitleid durch.
… Durch die seitens der Interimsgeschäftsleitung eingeleitete Insolvenz sind Autoren, Lieferanten, Gläubiger zu Schaden gekommen – das tut mir und der ganzen Familie ausgesprochen leid, bis zum heutigen Tag.

Zu meiner Kurzrezension geht es hier.

Input: Jede Gemeinde braucht geistliche Mütter

Ich pflichte Jen Wilkin nachdrücklich bei (Artikel):

Ich weiß, dass meine Tage als Mutter niemals vorüber sein werden, weil ich durch den Aufruf verpflichtet bin, die Erde mit Trägern des Ebenbildes Gottes zu füllen. Genauso wie mich meine biologischen Kinder brauchten, um sie in Selbstbeherrschung, Fleiß und Gehorsam auszubilden, so brauchen auch junge Gläubige in der Gemeinde Menschen, die reifer sind, um sie in der Gottesfurcht auszubilden. Jede gläubige Frau, die an Reife wächst, wird irgendwann eine geistliche Mutter für die werden, die nach ihr kommen, egal ob sie jemals eine physische Mutter wird. Sie erfüllt die grundlegendste Berufung einer Mutter: die Hilflosen und Schwachen zu Reife und Stärke zu bringen. Sie hilft dem jungen Gläubigen, sich von der reinen Milch des Wortes zu ernähren, lehrt treu die grundlegenden Lehren des christlichen Glaubens und ist ein Vorbild der Frucht des Geistes. Sie ist verfügbar, auch wenn es ihr nicht immer passt, so wie die Mutter eines neugeborenen Säuglings und lässt zu, dass ihr Zeitplan und ihre persönlichen Bedürfnisse manchmal geopfert werden, um sich für die geistlich Jungen und Verletzbaren einzusetzen. Und sie fasst diesen Dienst nicht als eine Bedrängnis, sondern als eine heilige Verpflichtung auf und findet ihre tiefste Erfüllung in den schwankenden ersten Schritten der Treue zu Christus und den stotternden ersten Worten der Wahrheit bei ihren geistlichen Kindern.

Mein Gebet: Es fehlt uns an geistlichen Müttern!

Zitat der Woche: Pluralismus als Geisteszustand

Bei meinen Re-Readings habe ich erneut das ausgezeichnete Werk «The Gagging of God» zur Hand genommen.

Wir haben ein Stadium der Pluralisierung erreicht, in dem die Wahlfreiheit (choice) nicht nur ein Zustand, sondern ein Geisteszustand darstellt. Die Wahl ist zu einem Wert an sich geworden, sogar zu einer Priorität. Modern zu sein bedeutet, süchtig nach Wahlmöglichkeiten und Veränderung zu sein. Veränderung wird zum eigentlichen Wesen des Lebens. (221; Kindle-Position)

Die Postmoderne ist eine Sichtweise, die nicht zuletzt davon abhängt, was als die fundamentalen Grenzen der Deutungshoheit wahrgenommen wird: Da die Interpretation nie mehr als meine oder unsere Interpretation sein kann, ist keine rein objektive Haltung mehr möglich. (1144)

Der philosophische Pluralismus ist im Grunde genommen eine erkenntnisbezogene Haltung: Er kauft sich in einen Komplex von Theorien über das Verständnis und die Interpretation ein, der Zweifel daran aufkommen lässt, ob die objektive Wahrheit zugänglich ist, und der die meisten, wenn nicht alle Bedeutungen im Interpreten selbst, nicht im interpretierten Text oder Objekt verortet. (860)

Das Evangelium der relativistischen Toleranz ist vielleicht die derzeit am meisten evangelistische Bewegung in der westlichen Kultur, die Zustimmung verlangt und keine Rivalen duldet. (492)

Was bedeutet “aufgeschlossen” (open-minded)? Es bedeutet nicht mehr, dass Sie starke Ansichten haben oder nicht, aber dennoch verpflichtet sind, den entgegengesetzten Argumenten ehrlich zuzuhören. Vielmehr bedeutet es, dass Sie sich dogmatisch der Ansicht verschrieben haben, dass alle Überzeugungen, die eine andere als verkehrt ansehen, unangemessen und engstirnig sind. (539)

Eines der Hauptargumente dieses Buches ist, dass das konfessionelle Christentum weder die Moderne noch die Postmoderne vollständig annehmen kann, doch muss es aus beiden gewisse Lehren ziehen; es muss sich vielen Merkmalen des philosophischen Pluralismus energisch entgegenstellen, ohne sich in die Moderne zurückzuziehen. (294)

Wir müssen nicht nur den gesamten Ratschluss Gottes verkünden, sondern dies auch in einer Umgebung tun, in der das Thema als vage oder sogar ausdrücklich irrelevant wahrgenommen wird. (632)

Aufsatz: Die Grosse Geschichte des Alten und Neuen Testaments

In letzter Zeit habe ich das Alte und Neue Testament intensiv im Hinblick auf unser Leben in einer säkularen Welt gelesen.

Je jedem der Testamente habe ich eine überblickende Predigt mit diesem Fokus gehalten (Altes Testament; Neues Testament).

Die Texte wurden zudem als Aufsätze veröffentlicht (Altes Testament; Neues Testament).

Der christliche Glaube basiert auf einer «Großen Erzählung». Diese Ausdrucksweise spielt auf den Denker Jean-François Lyotard (1924-1998) an, der behauptete, dass die Zeit der großen Erzählungen vorbei sei. An der Stelle dieser einenden Geschichte gebe es bloss noch die kleinen Geschichten unserer eigenen Lebensverläufe. Das (Alte und) Neue Testament stellt uns in die „Große Geschichte“ von Gottes Heilsplan hinein. Diese ist kein seelen-tröstender Mythos, sondern Offenbarung Gottes in Zeit und Raum. Um es konkreter werden zu lassen: Jesus starb an einem wirklichen Kreuz aus Holz in Palästina! Wir müssen aufpassen, dass wir nicht vor lauter Gewöhnung an virtuelle Welten eine ähnliche Anschauung von der Bibel zu konstruieren beginnen.

10 Hinweise … zum Verabschieden

Eine berufliche Etappe meines Lebens nähert sich dem Ende. Ich habe mir Gedanken dazu gemacht, wie ich diese Zeit wertschätzen und mich von ihr verabschieden kann.

  1. Der Blick nach vorne ist wichtig; doch ohne bewussten Blick zurück unvollständig.
  2. Sei dir bewusst, dass unsere Gesellschaft den Abschied verdrängt.
  3. Plane bewusst genügend Zeit für die Verabschiedung ein.
  4. Besuche Stätten deines Wirkens und der Begegnung (nochmals).
  5. Rufe dir und anderen Schlüsselmomente in Erinnerung.
  6. Bleibe an Orten und Aussichten stehen und danke Gott bewusst für diese.
  7. Danke anderen dafür, was sie dir gaben – und dich allenfalls herausforderten.
  8. Notiere dir Lernlektionen – angenehme und unangenehme.
  9. Frage danach, was anderen von dir in Erinnerung bleiben wird.
  10. Frage andere ebenfalls nach ihrer Einschätzung und ihren Plänen.