Hinweise: Gute Podcasts

Auf dem Blog christusallein sind gute Podcasts gesammelt und vorgestellt worden.

  1. Seelsorge: CCEF on the Go
  2. Predigten FeG München-Mitte: FEG München-Mitte
  3. Interviews von Nancy Guthrie: Help me teach the Bible 
  4. Gespräch zwischen Mark Dever und Jonathan Leeman: Pastors‘ Talk 
  5. Kultur des Jüngermachens statt Programmen: The Vine Project
  6. Gemeindegründung: Acts 29 "Churches Planting Churches"
  7. Rechtes Denken: RZIM – Just Thinking
  8. Lutherisches: Tischgespräche
  9. Al Mohler: The Briefing
  10. Al Mohler: Thinking in Public
  11. Matthew Anderson: Mere Fidelity
  12. BBC Podcast: In Our Time
  13. Vorlesungen Westminster Seminary: Lectures Archive
  14. Vorlesungsserien John Frame: History of Philosophy and Christian Thought

Hanniel hirnt: Ich habe selbst ca. 100 kurze Podcasts zu Fragen erstellt und bin daran, zu jedem Bibelbuch ("Vogelflug") einen Überblick zu schaffen.

Predigt: Nicht zu entschuldigen

Zunächst setzen Sie sich hin, holen Ihre Bibel und lesen Römer 1,18 – 3,20 durch. Sie dürfen dies ruhig zwei-, dreimal wiederholen. Oder Sie lassen sich den Text vorlesen. (Falls Sie englisch verstehen, lesen Sie die Einleitung der NIV Study Bible. Oder Sie laden sich Text und Notizen der MacArthur-Studienbibel herunter. Kennen Sie das Bibelprojekt? Sehen Sie sich diese Zusammenfassung der ersten vier Kapitel von Römer an.) und Es handelt sich um eine ausgefeilte Anklagerede mit dem Fazit: Alle Menschen sind schuldig vor Gott. Dann lesen Sie noch Römer 1,16-17 (die Programmtafel zum Römerbrief) sowie Römer 3,21-28 mit der überraschenden Wendung des Freispruchs. "Die Gerechtigkeit Gottes (kommt) durch den Glauben an Jesus Christus zu allen und auf alle, die glauben." (3,22)

In dieser Predigt (Podcast, 24 Minuten), die in der Reformierten Kirchgemeinde Leutwil-Dürrenäsch hielt, spreche ich über:

  • Die verbreitete Ansicht, dass jeder für sich selbst entscheiden müsse, was für ihn gut und böse bzw. richtig und falsch sei. Lernen Sie meine drei Gegenfragen und die Antworten darauf kennen.
  • Die erstaunliche Tatsache, dass jeder Mensch über Gottes Urteil weiss, trotzdem gegen Seine Ordnung handelt und sich darüber freut, wenn andere es auch tun (Römer 1,32).
  • Die ebenso erstaunliche Feststellung, dass Gottes Ordnung jedem Menschen ins Herz geschrieben ist; es zeigt sich gegen innen durch das Gewissen und gegen aussen im Hin und Her von Anklage und Entschuldigung (Römer 2,14-15).
  • Die beiden grundsätzlichen Antworten der Menschen auf die Anklage Gottes: Die einen denken: "Ich werde sicherlich davonkommen. Ich bin bis jetzt noch immer davongekommen und habe gute Karten in der Tasche." Die anderen realiseren, dass sie schuldig sind und suchen bei dem Zuflucht, der Gottes Forderung für sie erfüllt hat: Jesus (Römer 2,3-4).

Der Kerngedanke in einem Satz: Jeder Mensch verfügt über einen inneren Massstab für Gut und Böse. Deshalb ist er nicht zu entschuldigen.

Hat es Sie gepackt? Lesen Sie meine Predigt zu Römer 1,1-17 und zu Römer 1,18-23 nach.

Ausserdem gibt es von mir einen vierteiligen Vogelflug durch den Römerbrief (2 1/4 Stunden, Teil 1Teil 2Teil 3 Teil 4) sowie einführende Vorträge, die ich in Aidlingen gehalten habe.

Übrigens: Der Pfarrer von Leutwil-Dürrenäsch, Michael Freiburghaus, bloggt seit neustem auf michaelfreiburghaus.ch.

Kolumne: Für Sie hat es Platz, für dieses Buch nicht

Angeregt durch einen schwarzen Bruder, dessen Statement "Die Christen müssen wieder auf die Strasse gehen" und seine Gewohnheit, seine grosse Bibel im Zug demonstrativ auf das Tischchen zu legen und betend die Reaktion abzuwarten, habe ich mir eine ESV Thinline Bible gekauft (hier meine begeisterte Rezi) und eine 12er-Schachtel Buntstifte eingepackt.

Auf meinem 40-minütigen Arbeitsweg lese ich täglich in der Bibel. Dabei habe ich wenige einfache Prinzipien, vorab das Gebet Gott möge mir die Augen öffnen. Ich lese ein Kapitel sorgfältig durch und streiche es mit meinem Farbsystem an (so fein, dass der Lesefluss nicht wesentlich gestört wird). Wenn ich ein Kapitel nicht verstanden habe, zu müde oder zu abgelenkt war, wiederhole ich die Lektüre einige Male oder kehre am nächsten Tag dorthin zurück.

Dazu paart sich das Gebetsanliegen, dass mich Menschen auf meine Lektüre ansprechen. Meine Erfahrungen bis heute waren gemischt. Positiv fällt ins Gewicht, dass die Leute tatsächlich von ihrem Smartphone wegblicken, weil der Anblick so ungewöhnlich ist. Der Nachbar beginnt gewöhnlich mitzulesen, was mich sehr freut und weiter beten lässt. Ich merke auch deutlich den Widerstand, den dieses Buch in der Öffentlichkeit hervorruft.

Am schönsten ist es natürlich, wenn die andere Person auch eine Bibel hervorholt. Das ist mir bis jetzt nie mit Einheimischen, jedoch regelmässig mit ausländischen Passagieren passiert. Ein älterer Herr bemerkte beim Absitzen blitzschnell die Schachtel mit der Bibel und meinte, als ich höflich fragte, ob ich mich setzen dürfte: "Für Sie hat es Platz, aber nicht für dieses Buch." Beschwichtigend fügte er hinzu: "Dies war nur ein Spass." Es ist keiner. In unserer neuheidnischen Umgebung hat es für alles und jedes Platz, jedoch nicht für dieses Buch. Der Glaube ist aus der Öffentlichkeit verbannt.

Interview: Selbstführung, Selbstoptimierung und Produktivität (I)

Viktor, Blogger von christusallein.com, stellte mir einige herausfordernde Fragen zum Thema Selbstführung und Produktivität.

In der Beantwortung bringe ich Aspekte ein, die mir im eBook "Ich führe mich, weil Gott mich führt" vor Augen waren. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung der Neujahrspredigt 2017 zu Römer 1,1-17.

Sollen wir als Christen auf das gefragte Thema der Selbstoptimierung eingehen? Es beschäftigt mich, dass wir Selbstoptimierung um unserer selbst willen betreiben. Damit kippen wir in eine neue Form des Götzendienstes.

 Leider ist die aus der Wirtschaft bekannte Strategie der Nachahmung unter Christen verbreitet. Wer das Programm christlicher Verlage durchsieht, entdeckt zahllose Titel aus dem Bereich der Lebensberatung. Es geht in erster Linie um die Selbstoptimierung.

Der nicht erlöste Mensch im Westen wird kulturell konditioniert, zum Götzendiener an sich selbst zu werden. Seine „wirklich wichtigen Dinge“ weisen darauf hin, was er anbetet. Dabei können, wie es Timothy Keller eindrücklich in seinem Buch „Es ist nicht alles Gott, was glänzt“ aufzeigt, seine Götzen sehr komplexer Natur sein. Mehr dazu in meinem Beitrag „Beziehungsgötzen entlarven“. Ein Beispiel: Im Bereich der Selbstführung kann die Befriedigung in der Erreichung von selbst gesteckten Zielen zum Gefühlsgötzen werden.

Modell: Die innere Latte (Perfektionismus)

Ich modelliere zum Thema Perfektionismus. Um die Darstellung zu verstehen, lese man zuerst meinen Aufsatz "Befreit werden von der Herrschaft des Perfektionismus" sowie die Artikel "Mein Ordnungsperfektionismus" und "Mein Perfektionismus hat doch seine guten Seiten!" Die Darstellung will von links nach rechts gelesen werden.

Wie sieht die Ausgangslage eines Perfektionisten aus? Die „innere Latte“ der Erwartungen weicht deutlich vom wirklich Erreichten ab. Dies kann die (räumliche) Ordnung, Beziehungen, Urlaub, Arbeitsproduktivität oder einen sonstigen Bereich betreffen. Dies erzeugt eine innere Spannung, die uns Energie entzieht.

Auf welchem Weg können wir diesen Perfektionismus „ungut stabilisieren“? Wir lassen die „innere Latte“ auf derselben Höhe hängen oder setzen sie sogar noch höher. Dies bewirkt in der Realität oft einen Rückgang des Erreichten. Dies erhöht die Spannung.

Mit der Hilfe von Christus setzen wir die Latte bewusst tiefer an oder hinterfragen sie sogar gänzlich. Widerstrebende Gefühle werden über Monate, Jahre oder gar lebenslang die Begleiterscheinung sein. Diese erkennen wir als Anzeichen eines geistlichen Kampfes. Gleichzeitig setzen wir mutig kleine, erreichbare Ziele und versuchen trotz Rückfällen umzusetzen.

Wir bitten täglich darum, dass Er unser Denken erneuert. Sobald wir einen kleinen Schritt umgesetzt haben, richten wir uns auf ein nächstes Teilgebiet. Manchmal werden wir die Feststellung machen, dass unsere Erwartungen sich bereits geändert haben. Wir gehen davon aus, dass uns der Kampf täglich bis ans Lebensende begleiten wird.

Buchbesprechungen: Zweimal Sherlock Holmes

Mein Dritter hat alle Geschichten schon gelesen, bei mir standen sie auf der Leseliste. Neugierig ging ich an die Sherlock Holmes-Geschichten. Es interessieren mich die persönlichen Charakterisierungen und die dahinter liegenden Ideale der Weltsicht. Ich meine eine Parallele entdeckt zu haben: Sowohl der Finanz- wie auch der Gesundheitsbereich, den beiden Branchen, in denen ich meine letzten 20 Jahre verbracht haben, folgen im Management oft der "Logik der Deduktion".

Sherlock Holmes – Eine Studie in Scharlachrot.

… meiner Ansicht nach gleicht ein Menschenhirn ursprünglich einer leeren Dachkammer, die man nach eigener Wahl mit Möbeln und Geräten ausstatten kann. Nur ein Tor füllt sie mit allerlei Gerümpel an, wie es ihm gerade in den Weg kommt und versperrt sich damit den Raum, welchen er für die Dinge braucht, die ihm nützlich sind. Ein Verständiger gibt wohl acht, was er in seine Hirnkammer einschachtelt.

Sherlock Holmes – Sein erster Fall

(Holmes hatte) selten auf seine Verwandten Bezug nehmen hören und kaum jemals auf seine eigene Jugend. Dieser Mangel an Mitteilsamkeit hatte den über das allgemein Menschliche hinausgehenden Eindruck, den er auf mich machte, noch gesteigert, und er erschien mir manchmal als einsamer Fels im Meer, als Verstandesmensch ohne Herz, ebenso bar menschlicher Sympathie wie hervorragend durch seine Intelligenz.

Ich kann es mir nicht verkneifen, auf Chestertons Pater Brown-Geschichten zu verweisen.

Input: Datingkultur – alles muss stimmen und passen, nur auf Einheit im Glauben kann ich verzichten?

In meiner frisch erstellten Abhandlung zur Sexualität bin ich von einem Freund auf eine Lücke aufmerksam gemacht worden. Sie betrifft die Datingkultur.

Meine These: Das kurzfristige Vertragsdenken, kombiniert mit dem Gedanken des Marktes von Angebot und Nachfrage, dominiert die Datingkultur.

„Wo hast du sie kennengelernt?“ Oftmals lautet die Antwort: „Im Internet.“ Ich sage nicht, dass diese Form des Kennenlernens grundsätzlich verkehrt wäre, gebe aber zu bedenken: Plattformen fördern das wirtschaftliche Denken in Beziehungen. Es geht zudem bei der Suche nach einem Ehepartner nicht in erster Linie um das Übereinstimmen von kurzfristigen Bedürfnissen. Die ideale Präsentation steht im Vordergrund, der Abgleich mit der Wirklichkeit umso wichtiger. Gemeinsames Freizeitvergnügen wird sich eine ungenügende Basis für die Planung einer lebenslänglichen Bindung erweisen.

Nun bin ich mir wohl bewusst, dass Perfektionismus (eigene unrealistische Erwartungen) umgekehrt zum Stolperstein werden kann. Hier sind einige Hinweise zur Prüfung des Gegenübers:

  1. Frage nach der Vorgeschichte mit früheren Partnern. Schäme dich nicht dafür, nachzufragen, ob dies sexuelle Beziehungen beinhaltete.
  2. Lerne unbedingt die Herkunftsfamilie kennen, und dies nicht nur wirtschaftlich oder sozial, sondern auch geistlich.
  3. Begnüge dich nicht mit künstlichen Ausschnitten aus dem Leben des anderen (Essen, Party).
  4. Beachte insbesondere Engpässe (starke Anspannung, überraschende Hindernisse, grosser Arbeitsanfall). Wie fallen die Reaktionen aus?
  5. Gehe nicht einfach über Bedenken geistlicher Art hinweg. Dies wird langfristig entscheidend sein.

Zwei Fragen:

  • Handelst du aus Unzufriedenheit oder gar Verzweiflung heraus? Wie würde das Urteil von Menschen, die dich gut kennen und Jesus lieben, ausfallen?
  • Was mir besonders am Herzen liegt: Beachtest du zu stark den Moment und zu wenig die nächsten Jahrzehnte? Was würde sich an deiner Beurteilung ändern?

Mein Freund gab im Austausch zu bedenken:

Man wird ein Paar und lernt einander erst danach kennen. Ich meine es wäre weiser einander zuerst kennenzulernen ehe man ein Paar wird. … Die großen Fragen werden erst in der bereits eingegangenen Beziehung gestellt, statt davor. Man erspart sich vieles, wenn die Grundlagen geklärt sind. Besonders fällt mir auf, dass die Frage nach dem Glauben sehr nachgeordnet wird. Das offenbart mehr über das Herz des Christen als einem manchmal klar ist. Es gilt das Motto: alles muss stimmen und passen, nur auf Einheit im Glauben kann ich verzichten.

In meinem Büchergestell: Neu erstanden

In den letzten Tagen habe ich antiquarisch neu erstanden:

Ulrich Eibach. Medizin und Menschenwürde. TVG, 1997 (5. Auflage). Gute Abhandlungen in deutscher Sprache sind rar.

Claus Westermann. Theologie des Alten Testaments in Grundzügen, V & R, 1978. Hoch interessantes Inhaltsverzeichnis.

György Dalos. Der Vorhang geht auf: Das Ende der Diktaturen in Osteuropa. C. H. Beck, 2009. Rück- und Querblick.

György Dalos. 1956. Der Aufstand in Ungarn. C. H. Beck, 2006. Neue Geschichte, die wir vergessen haben.

Martin Burckhardt. Eine kurze Geschichte der Digitalisierung. Penguin, 2018. Wichtiger roter Faden.

Christopher Lasch. Geborgenheit. Die Bedrohung der Familie in der modernen Welt. dtv, 1998. Moderne Sozialisationstheorien zur Familie.

(ausgeliehen) Andrew Glazzard. The Case of Sherlock Holmes: Secrets and Lies in Conan Doyle's Detective Fiction. Interessante Einblicke in die viktorianische Gesellschaft.

Was fange ich mit solchen Büchern an?

  • Ich lege sie an einen für mich wahrnehmbaren Ort.
  • Ein bis zwei Aufsätze bzw. Abschnitte werden probe gelesen.
  • Dann werden sie auf die Liste der konsultierten Bücher gesetzt.
  • Nach einer zweiten Leseetappe entscheide ich mich, ob ich etwas dazu schreibe.

Aufsatz: Wenn die Kinder heranwachsen

In fest & treu 4/2018 schildere ich drei Arten von Gesprächen mit meinen heranwachsenden Söhnen.

Ehe ich mich’s versah, ist nun auch der Jüngste der fünf Söhne im Schulalter. Meine Frau sagte mir vor Jahren: „Als fünffacher Buben-Vater wirst du zunehmend gefordert sein, wenn die Söhne größer werden.“ Tatsächlich hat die Beanspruchung zugenommen. Es geht um den Auftrag, meine Söhne „in der Zucht und Ermahnung des Herrn“ (Eph 6,4) aufzuziehen. Das bedeutet, laufend Alltagssituationen aus der biblischen Weltsicht mit ihnen zu reflektieren (vgl. 5Mo 6,7–9). Hier berichte ich von drei Arten Gesprächen, die ordentlich Kraft und Energie kosten und deren Durchführung ich als entscheidend betrachte. 

Es geht um 

  • Zielgespräche
  • Bewertungen erfahren und hinterfragen
  • Vor- und Nachbereitung

Wenn ihr wüsstet, wieviel Kraft mir diese Gespräche kosten.

Hanniel hirnt (126-134): Die Geschichte der Bundesuntreue Israels

Der zweite Teil der Bibel, bei den Juden die frühen Propheten genannt, liefert die Rahmenerzählung darüber, wie Israel im Bund blieb bzw. ihn brach. Der Bruch war in 5. Mose mehrmals angekündigt worden. Die Bücher spannen den Bogen von der Landnahme bis zur Deportation (Nordreich) bzw. zum Exil (Südreich). Ich gehe durch Josua, Richter, die Samuelbücher und die Königsbücher (Dauer 5 1/2 Stunden).

Josua: Josua führt Gottes Volk in die Ruhe ein (50 Minuten)

Richter: Die Sackgasse des Ungehorsams (45 Minuten)

1. Samuel: Samuel, der erste Prophet (27 Minuten); Der erste König und der Mann nach dem Herzen Gottes (32 Minuten)

2. Samuel: Ein ewiges Haus für David (65 Minuten)

1. Könige: Höhepunkt und schneller Verfall (33 Minuten); der kurze Höhepunkt (33 Minuten); dem Verderben entgegen (20 Minuten)

2. Könige: Der Fall und der Same der Hoffnung (40 Minuten)