Standpunkt: Was bei der Onlinepredigt verloren geht

Diese Gedanken sprechen mir aus dem Herzen. Sie kommen aus einer Diskussion online:

Gemeinde ist nicht nur Predigt hören. Wo bleibt das einander Dienen? Das füreinander einstehen im Gebet? Das persönliche Gespräch mit Gästen, die zum ersten Mal im Gottesdienst sind? Wo sehen Menschen die Liebe der Geschwister untereinander? Ich bin auch dankbar für die vielen (Online-)Predigten, die verstärkt auch Menschen erreichen, die bisher die Türschwelle einer Gemeinde nicht betreten haben. Sicher eine wertvolle Zeit, in der das Wort Gottes eine ungeahnte Verbreitung erfährt. Aber lesen wir das NT, insbesondere die Briefe, stellen wir fest, dass dauerhaft einiges verloren geht, das zum Gemeindeleben dazu gehört. Da wäre zum Beispiel das Dienen mit seinen Gaben. Derzeit sind Pastoren/Prediger, Technikteams und Musikteams extrem herausgefordert. Aber Geschwister mit anderen Begabungen zum Teil in die Passivität gedrängt. Hier sind die Gemeindeleiter auch zusätzlich gefordert, ihren Hirtendienst wahrzunehmen, da man einfach die Geschwister nicht mehr sieht. Im Gemeindeleben fällt es (hoffentlich) auf, wenn jemand längere Zeit nicht kommt. Aber was weiß man schon von der Nicht-Teilnahme am Online-Gottesdienst? Ich denke, neben der technischen Kompensation sind auch viele andere Umstellungen notwendig. Hier braucht es Gebet und Kreativität. Nicht zu vergessen unsere verfolgten Geschwister, die nicht so ohne weiteres online versorgt werden können und nun noch wesentlich schwerer Möglichkeiten des Treffens und der gegenseitigen Ermutigung haben. Sie brauchen dringend unser Gebet.

VD: TG

Buchhinweise: Exzellentes Futter für den Geist

Es gab keinen Moment in der Geschichte, in denen die Menschen mehr Zugriffe zu ausgezeichneter Literatur gehabt hätten. Durch das Internet ermöglicht der Allmächtige gerade in allen Kontinenten bis in die entlegensten Winkel diesen Zugriff. Meine Empfehlungen zum Stöbern:

  1. Wachsendes Angebot an Buchbesprechungen auf der E21-Seite.
  2. Ausgezeichnete Neuerscheinungen bei Crossway, u. a. The Rise and Triumph of the Modern Self.
  3. Übersicht und Zitate aus dem Blog Tolle Lege zu neuer reformatorischer Literatur.
  4. Auswahl der Gospel Coalition zu 2020
  5. Book Consensus 2020 und Top Books 2020 von Tim Challies
  6. Online-Bücher von Desiring God
  7. Best Books for Pastors 2020 von IX Marks

Jahresende (9): Leidenschaftlich weiter gebloggt

Mein 11. Blogger-Jahr war von einer grösseren Umstellung begleitet. Mein Leben scheint grob in 10-Jahres-Blöcken zu verlaufen. Auf die letzten 30 Jahre bezogen: 10 Jahre (höhere) Ausbildung; 10 Jahre Familiengründung & Zweitstudium; 10 Jahre Home Education & Autor/Blogger. Nach 20 Jahren interner Personal- und Führungskräfteentwicklung bin ich Anfang 2020 neue Wege gegangen und habe Aufträge bei mehreren Unternehmen angenommen. Ich habe meine Beiträge halbiert – die “Produktion” fiel von 360 auf 180.

Es entstanden 2020:

Zur “Wühlkiste” aus früheren Jahren: Hörressourcen & Herzblutbeiträge (2019); Hörempfehlungen für das neue Jahr (2019); Bücher die mich interessieren (2018); ausgewählte Beiträge (2018); 12 Herzblutbeiträge (2018); Lesechallenge für das Auslandsemester (2018); Top-Posts 2017; Hinweise und Empfehlungen zum Lesen (2017). Meist gelesene und Herzblutbeiträge (2016); Top-Beiträge (2015).

Jahresende (8): Leidenschaftlich weitergelesen

Das Lesen fasziniert mich von klein an. Es übt eine solch starke Anziehungskraft aus, dass ich es anderen Beschäftigungen vorziehe. Dies hängt zunächst mit der Begabung zusammen. Mütterlicherseits lässt sich die Freude an Sprache, Lesen und Schreiben über Generationen zurückverfolgen. Zudem war es in meiner Kindheit auch eine Frage der Verfügbarkeit. Einen Fernseher hatten wir nicht – Gott sei Dank. Das Regal des Vaters in der Stube lud mich hingegen ein, davor zu verweilen. Ein noch grösseres Regal befand sich auf dem Dachboden. In meiner Zimmerecke unter dem Dach bildete sich ebenfalls eine kleine Sammlung.

Worin liegt die inhaltliche Anziehungskraft? Mit dem Lesen betrete ich neuen Raum. Ich beschäftige mich mit anderen Personen, anderen Orten und anderen Zeiten. Einige wenden ein: Lesen ist eine begrenzte Tätigkeit, weil es im Kopf stattfindet. Ich erwidere: Ja und nein. Mit den zahlreichen gedanklichen Ausflügen arbeite ich stets auch an eigenen Bewertungen und erweitere meinen Handlungsspielraum. Ich baue mir automatisch eine eigene Vorstellungswelt auf, die den Blick auf die innere und äussere Welt bereichert.

Ich gebe unumwunden zu, dass das Lesen nur zu schnell zum Götzen mutieren kann. Dies hat zur Folge, dass mich ungesunde Gedanken in den Bann ziehen. Lesen kann mit der Flucht vor der Realität verbunden sein und vermeidendes Verhalten unterstützen.

Im vergangenen Jahr erfüllte das Lesen bei mir zwei Hauptfunktionen. Im Lesen konnte ich zur Ruhe kommen. Ich war ungestört und konzentrierte mich auf einen Punkt. Zudem verbanden sich Gedanken aus den Büchern mit aktuellen Problemstellungen. Dabei mache ich die Erfahrung, dass allgemeine Literatur aus Philosophie, Geschichte, Literatur und Theologie gerade so hilfreich sein können wie spezifische Fachliteratur. Um ehrlich zu sein: Bei Fachliteratur ist mein Aufmerksamkeitsradius kleiner – ich schweife bald ab.

Ein kleiner Seufzer entfährt mir. Ich hätte gerne noch mehr gelesen (zum Beispiel manche Werke auf dieser Liste von Tolle lege). Die Dankbarkeit für das, was drin lag, überwiegt jedoch bei weitem. Dieses Jahr konzentrierte ich mich auf das Wiederholen von bereits Gelesenem. Manche Bücher nahm ich hervor, um mir einen Teil erneut vorzunehmen. Andere hörte ich mir nochmals als Hörbuch an. Überhaupt wird mir die Rekapitulation zu einer zunehmend wertvolleren Angelegenheit!

Jahresende (7): Erwünscht – Humor!

Was wünsche ich mir vermehrt? Humor. Wärt ihr darauf gekommen? Ich denke wohl kaum. Zunächst möchte ich kurz aufzählen, was ich nicht darunter verstehe. Ich verbitte mir den Zynismus. Er zeugt von vergangenen Ent-Täuschungen und der latenten Befürchtung, dass um die Ecke die nächste lauert. Auch schlüpfrige Bemerkungen, um sich von der Wirklichkeit abzulenken, sind nicht mein Ansinnen. Spätestens nach einer kurzen Zeit in diesem Modus beginnt sich in mir ein schales inneres Gefühl auszubreiten. In diesem Fall nehme ich diese innere Resonanz ernst. Drittens meine ich auch nicht die gespielte Fröhlichkeit, um sich selbst und der Umgebung zu gefallen und sich Leichtigkeit einzureden.

Ich meine vielmehr: Zuerst eine gesunde Portion Selbstdistanzierung. Ich nehme mich und mein Bemühen aus der Distanz wahr und muss zu Recht darüber schmunzeln, manchmal laut herauslachen. Dann gibt es auch die Paradoxien des Alltags. Aus dem besten Bemühen entstehen – Fehler, Verspätungen, Missverständnisse. Ich nehme sie mir vor und beginne zu lachen. «Es ist auch zu komisch.» Wenn ich durch die Welt gehe, entdecke ich in der Vielfalt an natürlichen (geschaffenen) und vom Menschen kreierten Erscheinungsformen manch Amüsantes. Es geht um Bäume, Tiere, Landschaften. Aber auch um Häuser, Gärten, Bilder. Ich nehme die Besonderheit und Einmaligkeit wahr und freue mich. 

Manchmal, wenn ich ganz müde bin, sehe ich mich plötzlich in eine entspannte Fröhlichkeit versetzt. Meine innere Kontrolle ist heruntergesetzt. Das bedeutet nicht, dass ich mich gehen liesse. Vielmehr nehme ich nicht alles tod-ernst.

Noch eine Form des Humors schwebt mir vor. Sie mag mit der Selbstdistanzierung zusammenhängen. In gewissen Momenten befällt mich eine Form des Katastrophen-Perfektionismus. Ich beginne mir auszumalen, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Im Nachhinein stelle ich fest, dass meine Einschätzung weit übertrieben war. Dies entlockt mir Beschämung – und dann ein Schmunzeln.

Jahresende (6): Mit der Bibel durchs Jahr

Seit früher Jugend ist mir die Freude an der Bibel geweckt. Eben lese ich dieser Tage wieder die Geschichte Davids. Es ist wohl das 50. Mal in meinem Leben. Kann es sein, dass es noch immer «spannend» bleibt? So fragte mich mein Jüngster, als ich dies am Küchentisch erzählte. 

Auch in diesem Jahr habe ich mit Startpunkt Aidlingen im August eine neue Tour durch die Bibel gestartet. Dieses Mal habe ich eine Schlachter 2000-Grossdruckausgabe als Begleiter und Dokumentationsortgewählt. Da diese Bibel voluminös ist, lese ich unterwegs oft direkt vom Olive Tree Bible Study App. Von dort kann ich jederzeit auf die ESV Study Bible oder die NIV Study Bible zugreifen. Auch die beiden KommentarePreaching the Word oder Tyndale Commentary ziehe ich zu Rate.

Phasenweise lese ich den hebräischen und griechischen Text mit der englischen Übersetzung daneben. Die Youtube-Clips «Daily Dose of Hebrew» sind eine nahrhafte Ergänzung

Insgesamt bleibe ich bei meinem seit Jahren gepflegten extensiven Lesen. Das bedeutet, ich gehe in einem Jahr durch die gesamte Bibel. Je länger je mehr lege ich Verlangsamungen ein und studiere einzelne Abschnitte wie Johannes 1,1-18 oder Genesis 1-3 mehrere Male gründlich.

Wie ich es mit Markierungen halte, habe ich in mehreren Podcasts «Wie lese ich meine Bibel?» festgehalten. 

Jahresende (5): Ringen mit der Begrenzung

Die Phase jenseits der Lebensmitte ist von einem beschleunigten Realisieren der eigenen Begrenztheit geprägt. Klar, die einen mögen sie mehr realisieren als die anderen. Einige haben zum Beispiel einen schweren Unfall hinter sich, leiden an einer chronischen Krankheit oder sind durch eine schmerzhafte Trennung von ihrer Familie gegangen. Die suggestive Kraft der Werbung, die uns dauernd umgibt und unsere innere Erlebenswelt mitformt, möchte uns weismachen, dass wir ewig jung bleiben und uns nur für die eine oder andere Option zu entscheiden bräuchten. 

Das Jahresende markiert für mich den Punkt, mich meinen Grenzen vor meinem Schöpfer bewusst zu werden. Dies beinhaltet mehrere Aspekte.

  1. Be-Grenz-ung: Im Unterschied zu unserem Erfinder ist unser Körper mit einem Verfalldatum versehen. Unsere Begabungen und Kräfte sind endliche Güter. Die Wahrnehmung einer Option ist die Entscheidung gegen viele andere Möglichkeiten. Diese Endlichkeit der Geschöpfe wäre übrigens auch ohne Sündenfall Tatsache gewesen! 
  2. Schwachheit: Ein mit der Begrenzung zusammenhängender Aspekt ist die Schwachheit. Es gibt spezifische Schwächungen, die z. B. mit dem Alter zusammenhängen. Die Sehschwäche fällt darunter. Weniger offensichtlich ist die unterschiedliche Veranlagung des Menschen. Einige scheinen weniger widerstandsfähig gegen physische oder psychische Hindernisse zu sein als andere.
  3. Sündhaftigkeit: Zwar ist die Schöpfung auf Entwicklung angelegt. Doch die Überheblichkeit des Menschen bestand gerade darin wie Gott sein zu wollen. Die gesamte Schöpfung seufzt seit dem Fall des Menschen unter einer Last. Krankheiten sind die Folge von Sünde. Damit meine ich keineswegs immer individuelle Sünde, sondern das Resultat der Gefallenheit der gesamten Schöpfung.

So neige ich wechselweise auf zwei Seiten zu kippen. Die erste, mir geläufigere «Fall-Seite» lautet «Mehr wollen als geht». An die Grenzen zu gehen und zu trainieren ist eine hilfreiche Fähigkeit. Während dies viele auf der körperlichen Seite tun – Viktor Frankl redet von der modernen Askese aufgrund des Sinnvakuums – teste ich meine Begrenzung mehr auf der intellektuellen Seite. So liegen in meiner virtuellen Schublade wohl fünf angefangene Bücher. Ab und zu öffne ich diese Schublade und seufze, um dann von meiner Frau daran erinnert zu werden, dass es unterschiedliche Jahres-Lebens-Zeiten gibt. Mich tröstet die Aussicht, dass ich spätestens in der zukünftigen Welt diese Gedanken weiterentwickeln werde. Vielleicht auch früher.

Doch leider gibt es noch eine zweite «Fallseite». Anstatt die Begrenzung zu übersteuern suchen verweigere ich das, was vor Füssen liegt. Ich re-signiere, enthalte also meine Unterschrift dort vor, wo ich sie hätte geben müssen. Ich bin nicht bereit, die Ver-Antwort-ung nicht übernehmen. Typischerweise geschieht das dort, wo sie am angebrachtesten gewesen wäre, nämlich bei meinen Nächsten.

Mein Gebet: Lass mich meine Grenzen respektieren, mich meiner Schwachheit rühmen (denn dort wird Er besonders mächtig) und meine Sünde hassen. Gewähre mir Raum für das, was realisiert werden möchte. Und hilf mir bis dahin, das anzupacken, was jetzt vor Füssen liegt.

Buchhinweis: Dissertation zur Young-Restless-Reformed Bewegung

Brad Vermurlen hat seine Dissertation zur Young-Restless-Reformed-Bewegung (siehe diese Buchbesprechung sowie dieser Kommentar von D. A. Carson) verfasst. Zum Buch heisst es:

Vermurlen develops a new theory for understanding how conservative religion can be strong and thrive in the hypermodern Western world. His paradigm uses and expands on strategic action field theory, a recent framework proposed for the study of movements and organizations that has rarely been applied to religion. This approach to religion moves beyond market dynamics and cultural happenstance and instead shows how religious strength can be fought for and won as the direct result of religious leaders’ strategic actions and conflicts.

In der TGC-Buchbesprechung wird die Bewegung so zusammengefasst:

They’re not all “Truly Reformed,” but they all consider themselves to be “Reformed-ish.” In terms of beliefs, the New Calvinists affirm the “doctrines of grace” but identify with multiple denominational (and non-denominational) traditions. They affirm biblical inerrancy, and almost all are gender complementarians. They think of themselves as missional, though they don’t all define that word the same way. They also care about cultural engagement and value contextualization, though there is also some disagreement about these priorities. In 2016, a lot of them expressed reservations about Donald Trump’s candidacy, and many identified as “Never Trumpers.” They care about racial reconciliation, yet race has become a polarizing issue in recent years. Regrettably, some black Calvinists have distanced themselves from the New Calvinism. Most New Calvinists aren’t classic cessationists, though relatively few actually embrace the miraculous spiritual gifts in their personal lives or ministries.

Nebenbei bemerkt ist der denkerische Ansatz des Soziologen sehr interessant:

I think relativism, empiricism, radical social constructionism, existentialism, exclusive scientism, identity politics, and certain forms of feminism are fundamentally mistaken, and so I reject them. Instead, I embrace an approach consisting of ontological realism, epistemic perspectivalism, rational adjudication, basic human goods, teleology, virtue ethics, and attention to human biology and cognition. A shorter way of saying some of this is that I work from a neo-Aristotelian and critical realist philosophy of (social) science. I also think there is much to gain from the natural law tradition.

Jahresende (4): Ringen – gesorgt sein lassen

“Ich bin arm und elend; der Herr aber der Herr sorgt für mich.” (Psalm 40,18)

Es gibt ein Hindernis nicht für sich sorgen zu lassen: Das fehlende Eingeständnis über unseren wahren Zustand (elend und arm). Umgekehrt ist die ständige Beschäftigung mit der eigenen Unfähigkeit ebenfalls unrühmlicher Verschleiss – nämlich der Zeit und Energie, die uns geschenkt worden sind.

Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet.” Dazu fordert uns Jesus auf (Matthäus 6,25). Sorge bedeutet Ressourcenverschleiss für Eventualitäten. Dies ist zu wenig gesagt: Es ist mangelndes Grundvertrauen in die Fähigkeiten des Versorgers.

Ich bin Versorger meiner Familie. Als Haushalter Gottes empfange ich von Ihm Fähigkeiten und Mittel, um die mir Anvertrauten geistlich und materiell zu versorgen. Doch: Was habe ich, was ich nicht von Ihm empfangen habe? (1. Korinther 4,7)

“Treibt nicht Vorsorge für das Fleisch.” (Römer 13,14) Wenn es um Begierden geht, sind wir in der Lage, gut vorzusorgen. Diese Fähigkeit sollen wir vielmehr für die weise Planung zum Guten einsetzen (vgl. Sprüche 10,5; Sprüche 31,25).

“Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen.” (Jakobus 4,13) Wir sind uns im Westen gewöhnt das zu besorgen, wozu wir gerade Lust verspüren. Corona hat uns einen Teil dieser (Konsumenten-)Freiheit genommen. Gott gedankt?

“Leben und Gnade hast du mir gewährt, und deine Fürsorge bewahrte meinen Geist.” (Hiob 10,12) Hiob sah in die Vergangenheit und war sprachlos angesichts seiner (leidvollen) Gegenwart.

Es klingt mir das Lied im Herzen: “BEFIEHL du deine Wege
und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. … DEM HERREN musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen: es muss erbeten sein.”

Es heisst also: Gesorgt sein lassen.

Jahresende (3): Gelernt – der Mensch denkt, Gott lenkt

Kürzlich bin ich erneut an Sprüche 16 vorbeigekommen. Dort wird in V. 1-9 das souveräne Wirken Gottes dem menschlichen Bemühen gegenübergestellt:

Die Pläne des Herzens sind Sache des Menschen,
aber die rechte Antwort der Zunge kommt von dem HERRN.
Alle Wege des Menschen sind rein in seinen Augen,
aber der HERR prüft die Geister.
Befiehl dem HERRN deine Werke,
und deine Pläne werden zustande kommen.
… Das Herz des Menschen denkt sich seinen Weg aus, aber der HERR lenkt seine Schritte.

Als Ältester von fünf Kindern bin ich von klein auf gewohnt, voranzugehen. Wenn ich nicht … den Kontakt anbahne, nachfrage, schreibe, erinnere, mahne … dann läuft gar nichts. Dies ist zumindest ein “Belief” – eine Überzeugung in meinem Lebensrucksack.

Wenn ich dieses innere Prinzip meiner Wirklichkeit 2020 gegenüberstelle, gestehe ich offen ein: Es kam anders, als ich es ansteuerte. Im wechselvollen Pandemiejahr erlebte ich die punktgenaue Versorgung Gottes. Bei meinen geschäftlichen Anbahnungen hatte ich oft den Eindruck, dass die Türen nur von innen her geöffnet werden könnten. Mein Versorger öffnete ganz präzis Türen dort, wo ich es nicht vermutet hätte.

Es nimmt mich wunder, einmal aus der Ewigkeitsperspektive auf mein inneres Leben zurückzublicken zu können. Ich vermute, dass der “Reinheitsgehalt” meiner Entscheidungen nicht der ist, den ich im Hier und Jetzt vermute…