Vor – während – nach der E21-Konferenz: Empfehlungen eines Daheimgebliebenen

Ich fahre diese Jahr nicht an die E21-Konferenz. Umso mehr freue ich mich darüber, dass mein ältester Sohn dabei ist. Der letzte Besuch von John Piper 2012 ist mir in lebendiger Erinnerung (Mitschriften „Eine pralle Ladung“).

  • Es beginnt mit der Dankbarkeit. Gross war 2011 meine Freude, als die erste Konferenz stattfand (siehe meine Review „Ich kann sie kaum mehr erwarten, die E21-Konferenz!“)
  • Bete für die Redner, für die Arche-Gemeinde und für alle Helfer. Bitte vor allem darum, dass dein eigenes Herz verändert, erneuert und geheiligt wird.
  • Die Vorbereitungszeit gehört zum Konferenzbesuch. Hier sind meine 10 Hinweise unter dem Motto „Sieh dich nicht als Konsument“. Wer immer dir Gott über den Weg schicken – bei der Hinreise, im Hotel, an der Konferenz: Du bist sein Nächster!
  • Wo immer du eine Not siehst, zögere nicht dich selbst mit deinen Ressourcen einzusetzen. Eine Person, die alleine steht? Sprich sie an und frage, wie sie zu der Konferenz gekommen ist. Überforderte Helfer? Packe gleich an. Hast du finanzielle Rücklagen? Öffne deine Geldbörse. Was du vorausgeschickt hast, besitzt du wirklich.
  • Die Rückkehr von einer Konferenz gehört zu den „sensiblen Momenten“. John Piper hat darüber berichtet, wie er diese Momente gestaltet. Überlege dir also vorab, wie du damit umgehen wirst, wenn du ausgepumpt nach Hause kommst (hier meine Überlegungen).
  • Noch heikler ist der Transfer, die Veränderung von täglichen Gewohnheiten. Nach der Josia-Konferenz 2016 habe ich 10 Hinweise für die Zeit notiert, in denen uns der Alltag wieder einholt.
  • Unternimm in deiner Kirchgemeinde konkrete Schritte, die Gott zur Erneuerung nützen kann. Hier sind einige 10 Ideen.

P. S. Die Homepage wurde grundlegend überarbeitet. Sieh dir die neue Version an und lies gleich den Artikel „Freundlicher theologischer Liberalismus“.

Hanniel hirnt (257): Wer war Herman Bavinck?

Sechs Jahre nach Abschluss meiner Dissertation lese ich erneut intensiv Herman Bavinck. Wer war dieser Mann? Weshalb ist er für das 21. Jahrhundert so aktuell?

Hier habe ich – als Auftakt einer neuen Serie zur erstmals erschienenen Ethik – einen Beitrag zu Bavinck aufgenommen (22 Minuten).

Zudem habe ich vor einigen Jahren einen einführenden Aufsatz geschrieben (längere Version; kürzere Version in GuDh 2/2014).

Bonner Querschnitte hat zudem ein Interview über Bavinck veröffentlicht.

Auf meiner Bavinck-Seite findest du über ein Dutzend z. T. ausführliche Buchbesprechungen zu Bavinck.

Jubiläum: Du schickst Lernmomente. Ich verschenke Buchpakete!

Bald 10 Jahre schreibe ich öffentlich. Fast 5000 Beiträge sind entstanden. Aus der Anfangsidee hat sich ein umfangreicher Dienst entwickelt. Meine ursprünglichen Ziele sind weit übertroffen. Ohne die vielfältige Entlastung durch meine Frau, den Minimal-Lifestyle und die Teilzeitarbeit, ermöglicht durch die “gnädige Hand” meines Gottes, wäre dies alles nie entstanden.

Die beiden Buchpakete
A – “Innere Nöte: Bibel, Sex, Smartphone”, enthaltend: “Wie dein Smartphone dich verändert”; “Tiefer graben”; “Nach sexuellen Verletzungen die Freude wiederfinden”
B – “Äussere Verunsicherung: Leid, Islam, theologischer Liberalismus”, enthaltend: “Islam oder Christentum”; “Leid meldet sich nicht an”; “Christentum oder Liberalismus”

Die Aufgabe:
a) Beschreibe in ungefähr 5 ganzen Sätzen, was “Hanniel bloggt” in deinem Denken und Handeln angestossen hat.
b) Füge den Link zu mindestens einem Artikel des Blogs bei.
c) Die Geschichten werden als Denkanstösse auf dem Blog veröffentlicht; schön wäre es, wenn du dazu deinen Vornamen und dein Alter verraten könntest.
d) Schicke deine Message an hanniel.strebel(at)bluewin.ch

Für jeden vollständigen, veröffentlichten Beitrag verschicke ich via cbuch.de dein gewähltes Paket A oder B (solange Vorrat; Sortimentsänderung vorbehalten) zu.

Empfehlungen fürs Lesen:
a) Reserviere dir in der Agenda Lesezeiten (z. B. kapitelweise).
b) Bilde nach Möglichkeit eine Zweierschaft zum Lesen.
c) Berichte mindestens einer anderen Person regelmässig vom Gelesenen.
d) Gestalte nach Möglichkeit eine Serie in der Familie, der Jugendgruppe oder im Hauskreis.
e) Wenn du ein Buch schon besitzt: Bete darüber, wem du es weiterschenken kannst.

Zitat der Woche: Denken, dass es wehtut

Der Sozialethiker Arthur Rich, Schüler von Emil Brunner, schreibt über seinen Lehrer Emil Brunner (in Emil Brunner in der Erinnerung seiner Schüler, S. 80-81):

Emil Brunner war ein scharfer, strenger und hartnäckiger Denker. Seine Ansprüche an das Denkvermögen und an den Denkwillen der Studenten waren auch dementsprechend hoch. Ich erinnere mich noch gut an eine Seminarsitzung im Sommersemester 1936. Zur Diskussion stand die Freiheitskonzeption Augustins im Zusammenhang seiner Prädestinationslehre. Wie vertragen sich menschliche Freiheit und göttliche Vorsehung zueinander? Wir taten uns an dieser dornenvollen Frage schwer und fingen an zu resignieren. Da hat uns Emil Brunner angefahren: «Sie dürfen nicht so schnell aufgeben. Sie müssen noch viel eindringender nachdenken. Erst dann denken Sie wirklich, wenn Denken weh tut.» Dieses Wort, daß Denken weh tut, wenn man es wirklich betreibt, hat mich damals tief getroffen und ist mir seither stets gegenwärtig geblieben. Es wurde mir zu einem Stachel in meiner ganzen Arbeit. Dabei ging mir, je länger je mehr, etwas auf, was ich an Emil Brunner immer bewundert habe: der tiefere Grund für die Durchsichtigkeit, Verständlichkeit und Einfachheit der Sprache in seinen Vorlesungen wie in seinen wissenschaftlichen Werken, die ihn zu einem der besten theologischen Prosaisten unserer Zeit machte. Dahinter steht nicht nur, aber doch wesentlich sein unnachgiebiges, den Schmerz nicht scheuendes und den Dingen auf den Grund gehendes Denken. Nur wer eine Sache in ihrem Eigentlichen durchackert, begriffen und verstanden hat, wird von der Wahrheit angerührt und vermag sie auf einfache, begreifliche und verständliche Worte zu bringen. Dabei geht es um eine Einfachheit, die mit Simplizität nichts zu tun hat, sondern ein Zeichen für Reifes, Wahres und Gültiges ist.

Zitat der Woche: Liberalismus und Verstaatlichung der Bildung

Mein 10-jähriger Sohn zeichnete vor kurzem ein Mindmap zur Schweiz und meinte dann nachdenklich: “Zur Geografie weiss ich viel, auch zu Produkten; zur Geschichte habe ich jedoch fast nichts aufgeschrieben.” Wichtiges Statement – uns Erwachsenen geht es leider ähnlich.

Ich stiess auf einen geschichtlichen Abriss der Bundesverwaltung. Nur schon die Etappierung ist interessant. Im Teil “Auf dem Weg zum Bundesstaat 1815-1848” ist zu lesen:

Die liberalen Regierungen förderten vor allem das Bildungswesen, etwa durch die obligatorische Volksschule, die Errichtung von Lehrerseminaren und die Gründung von Universitäten (Zürich 1833, Bern 1834). Solche Massnahmen stiessen aber bald auf den Widerstand von vielen kirchentreuen Reformierten und Katholiken. Sie befürchteten, dass Rationalismus und Materialismus die christliche Offenbarung verdrängen würden. Nach einem von Pfarrern begleiteten Protestzug von Landbewohnern musste 1839 die liberale Regierung in Zürich einer konservativen weichen („Züriputsch“).

Zum Züriputsch gibt es hier interessante Hinweise.

Hanniel hirnt (256): Diagnostik von komplexen Situationen

In meiner Beratungstätigkeit treffe ich immer wieder anspruchsvolle Beziehungskonstellationen an. Mit Lehrkräften habe ich einige “Variablen” überdacht (Ausschnitt 15 Minuten)

Säkulare Prägung: Trennung zwischen öffentlichem und privatem Leben; privates Leben ist innerlich, das öffentliche gehört den säkularen Experten. Viele ehemals kirchliche Bereiche sind nun säkular besetzt mittels how-to Manualen zur Steigerung der Zufriedenheit.

Beteiligte/Akteure: Direkt Involvierte; indirekt Beteiligte (Beeinflusser; auch Medien)

Musterbildung / Gewohnheiten (Prozesse), z. B. Vorbereitung – Prüfung – Resultat – Betäubung – Bestrafung, dann erneut…

Begriffe / biblische Weltsicht (Deutungen): Schuld und Scham; Selbstsühnung (Opfer) und Selbstrechtfertigung (Täter); Ehrgeiz vs. Faulheit; Allmacht (Stolz) vs. Ohnmacht (Verzweiflung)

Metamodell (Motivationen): Eigene Erwartungen an mich (Perfektionismus; Erwartungen von anderen (Menschenfurcht); Erwartungen an andere (Stolz)

Hanniel hirnt (255): Das war eine gute Predigt

Welches sind Beoachtungspunkte für eine Predigt? Ich unterscheide zwischen grundsätzlichen und ergänzenden Kriterien. Zunächst:

  • Entsprach die Botschaft der Predigt der Botschaft des Bibeltextes? Wird der Text von Gott her gelesen?
  • Führt die Predigt zu Christus (ohne gekünstelten Bezug)?
  • Meint es der Prediger ernst? (Predigte er es auch sich selbst?)
  • Ist die Ausarbeitung mit Kommentaren abgeglichen (heikle Stellen erkannt)?
  • Tritt die Person zugunsten der Botschaft in den Hintergrund?

Dann:

  • Subtext des Predigers: Was wird durch die Gesamtwirkung weitergegeben?
  • Sind die Anzahl Aspekte innerhalb eines Gliederungspunktes verdaubar? Ist eine Linie erkennbar?
  • Wie ist die Anwendung ausgearbeitet? (Sind es immer dieselben drei, vier Punkte oder werden sie aus dem Text heraus erarbeitet?)

Hier geht es zum Podcast (13 Minuten). Je nach Sprecher gibt es noch weitere Kriterien, die aufgrund von Persönlichkeit, biografischem Werdegang und Situation der Gemeinde in Betracht gezogen werden müssen.

Weiterlesen: Der Gottesdienst-Konsumententest

Zitat der Woche: Warum der Mensch nach Gott fragen muss

Emil Brunner in seinem populärsten Buch “Unser Glaube” (S. 7-8):

Es ist eigentlich eine geistige Erkrankung, wenn der Mensch fragt: Gibt es einen Gott? Fast möchte man sagen: es ist die Frage eines Verrückten, d. h. eines Menschen, der nicht mehr einfach und nüchtern und klar die Dinge sehen kann, wie sie sind. Aber etwas von dieser Verrücktheit geht heute durch die ganze Welt, und wir spüren alle ihre Folgen. Man kann aber wohl sagen: Es ist eine neue Verrücktheit, an der wir da heute leiden. Sonst haben die Menschen — soweit uns die Geschichte Kunde gibt von Menschen — nie gefragt: Gibt es einen Gott?, sondern: Wie ist Gott? Aber uns sind wohl die Erfolge der Wissenschaft und Technik in den Kopf gestiegen, haben uns die Sinne verwirrt. Wir meinen, es müsse alles durch unsern Verstand erklärt sein, und was wir nicht mit unserem Verstand machen, das sei eben Zufall. Wir meinen, wir seien die einzigen, die Ordnung und etwas Kunstvolles machen in der Welt. Und merken nicht, dass wir um etwas Kunstvolles zu machen ja bereits ein kunstvoll gemachtes Gehirn und kunstvoll gemachte Hände haben müssen, die wir sicher nicht gemacht haben! Die Frage: Gibt es einen Gott? ist das Ausweichen vor dem Ernst.

… Und doch: Wenn Gott ist, warum müssen wir dann nach ihm fragen? Unser Herz kommt nicht von Gott los, es weiss von Gott, aber nichts Rechtes. Unser Gewissen spricht uns von Gott, aber undeutlich. Unsere Vernunft bezeugt Gott, und doch weiss sie nicht, wer er ist. Die Welt deutet wie mit Millionen Fingern auf Gott hin, aber sie kann ihn uns nicht zeigen. Wer ist Gott, was will er mit uns, was will er von uns, wo will er mit der Welt hinaus? Auf diese Fragen wissen wir keine Antwort, und solange diese Fragen keine Antwort finden, wissen wir nicht, wer Gott ist. Gott recht erkennen könnten wir nur, wenn er sich uns offenbarte. Dass es einen Gott gibt, sagt uns die Vernunft, das Gewissen, die Natur mit ihren Wundern. Aber wer Gott ist, das sagen sie uns nicht. Das sagt uns Gott selbst in seiner Offenbarung.

Predigt: Die Texte (wieder) von Gott her lesen

Wir waren zu Besuch bei unseren Geschwistern in Bern. Patrick Pfänder (mein Interview von 2017) führte uns durch Jona 1. Er tat dies mit der Absicht den Bibeltext sprechen zu lassen. Das bedeutete, den Abschnitt nicht in erster Linie um die gut verwertbare Geschichte Jonas, sondern von Jahwe her auszulegen.

Jona lebte in einer Zeit des scheinbaren Segens. Dank Jahwes Güte vergrösserte das Zehnstämmereich sein Gebiet fast bis zu den Grenzen unter Salomo. Doch geistlich stand es schlecht um das Volk bestellt. Die Assyrer standen vor der Türe (lies 2. Könige 14,23-27).

Ein paar Anstösse aus meinen Notizen (10 Hinweise zur Mitschrift der Predigt):

  • Willentlicher Ungehorsam

Jona beginnt mit der Ansprache Jahwes. Dies ist der Ausgangspunkt. Der Auftrag an seinen Propheten würde heute der Aufforderung gleichkommen, in den Strassen von Teheran das Evangelium zu verkündigen. Jona wurde in den Schurkenstaat schlechthin gesandt.

Gehorsam kostet viel. Wir empfinden ihn jedoch oft wie Lebertran: Als nötige, schreckliche Medizin. Gott möchte uns jedoch an einen anderen Punkt führen: Dem des Begehrens nach Ihm (Psalm 119, z. B. V. 24 oder 47).

  • Uneingeschränkte Souveränität

Manche mögen ein absolut ruhiges Leben im Ungehorsam. Doch es ist ein schlüpfriger Boden (Psalm 73,18). Jahwe warf einen Sturm auf das Meer. Vorbei war der Schlaf, welcher der Flucht folgte.

Die Seemänner pflegten – wie viele – einen Schlechtwetterglauben (statt einen Allwetterglauben). Jona, zur Rede gestellt, rezitierte ein tadelloses Bekenntnis, das allerdings in auffallendem Gegensatz zu seiner Handlung stand!

  • Unerwartete Gnade

Jona ist die einzige direkte Parallele von Jesus zu einem Propheten. Es ist ein Gegenbild, das entsteht: Jesus geriet schuldlos in den intensivsten Sturm – und bezahlte dies mit dem Leben.

Junge Verkündiger

Ich freue mich sehr über junge Verkündiger, welche die Texte wieder vom Subjekt – Gott selbst – her lesen (siehe auch mein Beitrag zu Jochen Klautkes Serie durch Esther).

Die neu gegründete ERB Basel ging übrigens ebenfalls durch den Propheten Jona (Mittschnitt der Predigten).

Manchen mag Gemeindegründung töricht erscheinen (Wenn die Gemeindegründung töricht erscheint); der Widersacher sind viele (Drei Ziele und drei Widersacher der Gemeindegründung). Es ist eine harte, hoffnungsvolle Arbeit. Ich bin gespannt, welche Männer (und Frauen) in unseren Ländern bereit sein werden, ihre Lebenskraft dafür einzusetzen!

Zitat der Woche: Der bittersüsse Kampf eines Todkranken

Als ich seine drei letzten Bücher (2017/18) rezensierte (über sexuelle Verletzungen, Leid und Heiligung) sagte ich zu meiner Frau: “Das hört sich nach dem Vermächtnis des gottesfürchtigen Seelsorgers an.” Erst spät erfuhr ich von der terminalen Diagnose (Bauchspeicheldrüsenkrebs) von David Powlison. Über seinen Heimgang und seine Hinterlassenschaft habe ich berichtet (Ein grosser Seelsorger ist von uns gegangen; Erinnerungen seiner Freunde).

Nun ist sein letztes Buch “Safe and Sound: Standing Firm in Spiritual Battles” (über den geistlichen Kampf anhand von Epheser 6) erschienen. Mit Hilfe von Deepl habe ich aus dem Schlussteil einen Text übersetzt (gefunden bei Justin Taylor). Er bewegt mich sehr. Ich habe einige Sätze hervorgehoben.

Vor sechs Monaten wurde bei mir Bauchspeicheldrüsenkrebs in Stadium 4 diagnostiziert. Während ich schreibe, sehe ich mich der realen Möglichkeit meines eigenen Todes gegenüber. Durch Gottes Gnade konnte ich weiterarbeiten, aber ein Großteil meiner Arbeit ist bittersüß. Ich gebe Verantwortlichkeiten und Aufgaben an andere weiter. Ich bin daran beteiligt, Zukunftspläne zu machen, an denen ich wahrscheinlich nicht beteiligt sein werde. Unsere Familie wächst mit den Enkeln weiter. Ich frage mich, ob ich hier sein werde, um mein nächstes Enkelkind zu kennen zu lernen. Diejenigen, die ich liebe, sind auch mitten in diesem Kampf mit mir – meine Frau, Kinder, Enkelkinder, Großfamilie, Freunde, Freunde bei der Arbeit. Wir alle sind mit dem Bösen von Tod und Krankheit konfrontiert. Inmitten dieses Kampfes tragen und rüsten uns die Waffen, die Christus gibt, um gegen den letzten Feind zu kämpfen – den Tod selbst. . . .

Heute bin ich aufgerufen, diesen letzten Kampf mit Jesus als meiner Rüstung und seinem Geist als meiner Stärke zu führen. . . . Die Welt sagt uns, dass die Medizin unsere einzige Hoffnung ist. Wir wollen nicht darauf fixiert sein, eine Therapie zu finden. Wir wollen weise sein. Also beten wir. Wir rüsten uns mit der Wahrheit, dass der Herr nahe ist und unser guter Hirte sein wird. Wir nehmen das Schwert des Geistes auf und erinnern uns an Jesu Worte ” Genug für den Tag ist seine eigene Mühe” und bitten um Hilfe einen Tag nach dem anderen (Mt 6,34).

Die Versuchung, in verschiedene Fluchtwege abzugleiten, ist auch gegenwärtig – Fernsehen, Sport, Essen. Meine Flucht nimmt eine ungewöhnliche Wendung: Ich vergrub mich in einer langen Biographie von Joseph Stalin. Nichts ist wirklich falsch am Lesen! Aber die Versuchung, sich nicht zu verpflichten, ist vorhanden. Doch ich höre die Stimme meines guten Hirten. Ich erinnere mich an Jesus am Kreuz, der dem Tod ins Auge blickte, aber immer noch voll und ganz mit der Betreuung seiner Mutter beschäftigt ist, Worte des Lebens zu dem Dieb neben ihm spricht – und ich kann auch dabei bleiben. Ich kann mit und für meine Frau Nan, meine Familie, meine Freunde und diejenigen, mit denen ich arbeite, beten. Ich kann ihre Sorge dem großen Hirten der Schafe anvertrauen.

Die Versuchung, auf die Lügen des Satans zu hören, ist sicherlich noch vorhanden.

Ich habe mein Leben dafür eingesetzt, den Menschen zu helfen, zu erkennen, wie zentral und relevant Christus und sein Wort für die wahren Dinge sind, mit denen sie persönlich, zwischenmenschlich und situationsbedingt kämpfen. Aber ich weiß auch, wie viele andere Stimmen nach der Aufmerksamkeit der Menschen schreien. Stimmen, die rufen: “Wir können deine Angst erklären”, “Wir können deine Depressionen lösen” und “Wir können dir drei Tipps geben, die deine Kommunikation verbessern”. Ich weiß, dass es einfach ist, die Stimmen der Welt, des Fleisches und des Teufels zu hören. Ich weiß, dass unser Verständnis von Wahrheit anfällig sein kann. Ich befürchte, dass die Treue zur Heiligen Schrift damit verkörpert und vorangetrieben wird, dass wir aussteigen und die nächsten Herausforderungen in einer Weise angehen werden, die Jesus gegenüber treu ist. Wenn ich mich sorge, wende ich mich an Christus. Ich gürte mich mit dem Gürtel der Wahrheit aus dem Schwert des Geistes, denn es ist Jesus, der seine Gemeinde baut, und die Tore der Hölle können sie nicht überwinden (Mt 16,18).

Wenn ich über diesen letzten Kampf nachdenke, sehe ich, dass der Herr mich mein ganzes Leben lang auf diesen Kampf vorbereitet hat. . . .

Inmitten meiner Verwirrung, meines Unglaubens und meiner Angst vor dem Tod benutzte Gott Hesekiel 36,25-27, um mich zum Glauben zu führen. Es war meine erste Begegnung mit dem Gürtel der Wahrheit, den Jesus seinem Volk gibt. Es war meine erste Begegnung mit dem Schwert des Geistes, das freilegt und heilt. In diesem Moment kannte ich die Wahrheit dessen, was Paulus an die Korinther geschrieben hatte: “Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten, er hat es auch in unseren Herzen licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.” (2 Kor 4,6). Es war Gott, dessen Licht in mein Herz strahlte und mich aus dem Schlaf der Sünde und des Todes erweckte.

Jetzt, mehr als vier Jahrzehnte später, starre ich dem Tod ins Gesicht. Anstatt dass mein Glaube versagt, bleibt die Verheißung eines neuen Herzens wahr. Gott leuchtet immer noch in die Dunkelheit meines Herzens, um mir die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi zu geben. Die Realität des Todes hat mir die Wahrheit des Wortes Gottes lebendig gemacht. Ich erlebe jetzt das Ende von 2 Korinther 4: “Darum lassen wir uns nicht entmutigen; sondern wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. Denn unsere Bedrängnis, die schnell vorübergehend und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, da wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare; denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.” (V. 16-18)

Manchmal bin ich versucht, den Mut zu verlieren. Aber mein guter Hirte führt mich zum Leben, nicht zum Tod. Eines meiner Lieblingslieder ist “My Song Is Love Unknown”, geschrieben von Samuel Crossman im 17. Jahrhundert. Es beginnt: “Love to the loveless shown that they might lovely be.” Und dann fährt er fort: “Oh my friend, my friend indeed, who at my need his life did spend.”

Seit dem ersten Tag, an dem der Herr mit seiner Barmherzigkeit und Gnade in mein Herz eingedrungen ist, habe ich nie das Gefühl der Freundschaft Jesu verloren, dass er Geliebten Liebe gezeigt hat, um sie schön zu machen, die Unfreundlichen, die selbstsüchtig waren und sich nur um sich selbst drehten. Das ist das Evangelium des Friedens. Meine Füße sind für diesen Kampf mit meinem letzten Feind gerüstet. So verliere ich nicht den Mut. Wenn Nan und ich zusammen beten, verlieren wir nicht den Mut. Und selbst wenn ich es täte oder sie es täte, würde Gottes Barmherzigkeit und Gnade unveränderlich bleiben. Wir können uns jederzeit umdrehen und um Hilfe in unserer Zeit der Not bitten. Er ist immer in der Nähe.

Darum geht es in der ganzen Bibel. Es geht um Leben und Tod; es geht darum, was mit dir geschehen wird, wenn du stirbst; es geht um richtig und verkehrt, wahr und falsch, Hoffnung und Verzweiflung, Gehorsam und Leichtsinn, Glauben und Götzendienst. Das ist das Drama, in dem wir und diejenigen, denen wir dienen, leben. Und das Wunder ist, dass wir ein neues Herz, ein Herz aus Fleisch und einen neuen Geist erhalten, damit wir für immer leben können und werden.

Was für ein Privileg war es für mich, meinem treuen Retter in all den Jahren zu dienen.

Was für ein Privileg war es, mit anderen in Not zu leben.

Und was für eine Freude wird es sein, ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen.