Buchbesprechung: Trümmer des Sozialismus und bleibender Reiz des Marxismus

Wie lebte es sich auf den Trümmern des Sowjetimperiums? Dies beschreibt Swetlana Alexijewitsch eindrücklich in “Secondhand-Zeit: Leben auf den Trümmern des Sozialismus”. In meiner Besprechung fasse ich zusammen:

Mit dem Untergang des Sowjetimperiums verschwand nicht nur eine überholte Ideologie. Es ging ein Koloss unter, der den Menschen Orientierung, Lebenssinn gab, sowie er bedingungslose Hingabe verlangte. Abgelöst wurde er durch schnöden Konsum, mafiöse Verhältnisse, kapitalistisch getünchten Raubbau an Mensch und Natur. Dies erkannten viele altgediente Kommunisten als wahrhaft billigen und unwürdigen Ersatz für das Gewesene.

Hier liegt meines Erachtens auch der Reiz des Kulturmarxismus. Wenn wir Christen diese Lebenshaltung des Konsums einfach übernehmen, bieten wir keine zugkräftige Alternative. Klaus Bockmühl zeigt in seinem Buch “Herausforderungen des Marxismus” auf, weshalb es so viele Neigungs- und Überzeugungsmarxisten gibt. In meiner Besprechung schreibe ich:

Der Marxismus weist Züge einer innerweltlichen Religion, der seinen Anhängern umfassenden Lebenssinn eröffnet und umgekehrt umfassende Lebenshingabe verlangt (6). Oder wie es der Schriftsteller Peter Weiss ausdrückt: Der Marxismus bietet Geschichtsbewusstsein, ein Handlungsprinzip und das Gefühl der Zugehörigkeit (26). 

Zitat der Woche: Geschichte ist Mumpitz

Die Auslöschung (bzw. Umschreibung/Neudeutung) der Geschichte ist ein erfolgreiches Werkzeug für die Indoktrination. Dies wird eindrücklich in Huxleys “Schöne neue Welt” gezeigt.

»Sie alle kennen wohl den schönen und wahren Ausspruch Fords des Herrn: Geschichte ist Mumpitz. Geschichte«, wiederholte er langsam, »ist Mumpitz.« (S. 48)

Ein (widerliches) Beispiel der Sexualethik:

Allein, wer mit der Geschichte nicht vertraut ist, dem klingen die meisten historischen Tatsachen unglaublich.« Er enthüllte die unfaßbare Wahrheit. Während langer Zeiten, vor dem Erdenwallen Fords des Herrn und sogar noch ein paar Generationen später, wurden erotische Spiele bei Kindern für widernatürlich gehalten – (brüllendes Gelächter!) -, ja nicht nur das, sondern auch für unanständig – (hört, hört) – und daher rücksichtslos unterdrückt. Ungläubiges Staunen malte sich auf den Gesichtern seiner Zuhörer. Armen kleinen Kindern ihre harmlosen Spiele zu verbieten! Es ging ihnen einfach nicht ein. »Selbst Heranwachsenden wie Ihnen -« »Ist das möglich!« »Von ein bißchen heimlicher Selbstbefriedigung und Gleichgeschlechtlichkeit abgesehen, gab es gar nichts.« »Ga-ar nichts?« »Meist erst mit zwanzig Jahren.« »Mit zwanzig Jahren?« echoten die Studenten ungläubig im Chor. »Jawohl, mit zwanzig Jahren«, wiederholte der Direktor. »Ich habe Ihnen ja gesagt, Sie werden es nicht glauben.« »Und was geschah?« wurde gefragt. »Was waren die Folgen?« »Die Folgen waren furchtbar«, ließ sich plötzlich eine tiefe, volltönende Stimme vernehmen. (S. 46)

Hier geht es zu einer kurzen Rezension.

Kolumne: Wenn sich die Strategie der Struktur beugt

Die Struktur soll der Strategie folgen. So lautet ein betriebswirtschaftlicher Grundsatz. Dieser präsentiert sich jedoch in Wirklichkeit oft umgekehrt: Die Strategie beugt sich der Struktur. Was wir auf den Lebenszyklus von Unternehmen beziehen, können wir auch auf das Leben Einzelner und von Familien übertragen. Das will heissen: Entspricht der Lebensstil, der gewohnte Ablauf der täglichen Handlungen, den angestrebten Langfristzielen? Das wiederum wirft die Frage auf: Habe ich überhaupt Langfristziele? Könnte ich beschreiben, wie ich mit 50 oder 60 Jahren gerne sein möchte? (Die Frage nach dem Sein ist übrigens viel wichtiger als die Frage nach dem Erreichten.) Erst daraus könnte ich ja eine Strategie ableiten. Drehen wir die Sache um: Wer keine solche Überlegungen angestellt hat, peilt innerlich trotzdem (unbewusst) Langfristziele an!

Führen wir uns drei verschiedene Ausgangslagen vor:

  1. Die erste besteht aus einem Lippenbekenntnis wie „ich möchte täglich die Bibel lesen“ oder „unsere gegenseitige Liebe soll wachsen“. Vielleicht hat sich jemand in einem lichten Moment, bei einem Lebensereignis (Heirat, Geburt, Tod, Krankheit) etwas vorgenommen. Der Alltag holt ihn sofort wieder ein. Das gelebte Bekenntnis steht demnach im offensichtlichen Widerspruch zur Einsicht.
  2. Noch häufiger meine ich dieses Szenario entdeckt zu haben: Es besteht ein aufrichtiger Wunsch, eine bestimmte Lebensweise zu pflegen. Die tief sitzenden Gewohnheiten verunmöglichen jedoch die Umsetzung. Das wirkt sich einschränkend auf das Befinden und die Schaffenskraft aus.
  3. Natürlich gibt es auch diejenigen, die keinen Blick für die Abweichung besitzen (blinder Fleck). Sie kommen kaum zum Durchatmen. Sie stehen zwischen Arbeit, Freizeit, Weiterbildung und Versorgung von Kindern. Sie spulen von einem zum nächsten. Vielleicht kommt es zwischenzeitlich zu einem gesundheitlichen Einschnitt. Dieser kann jedoch mittels Medikamenten unterdrückt werden.

Manchmal kommt es zu einem Schock und einer Krise. Der Partner verabschiedet sich. Die Kinder rebellieren und scheren aus. Die Beförderung zerschlägt sich zum wiederholten Mal. Heute beobachte ich einen ersten Schock schon bei Berufsanfängern nach den ersten Jahren. Es tritt eine starke Ernüchterung ein. Ihre (unbewussten) Erwartungen haben sich in der Wirklichkeit zerschlagen. Eigentlich wollten sie … (man setze ein beliebiges berufliches oder privates Ziel ein), doch die Arbeits- und Freizeitrealität hat sie eingeholt. Mitte Vierzig ist dann die Lücke zwischen dem eigenen Lebenstraum und dem Alltag so gross geworden, dass eine Umstellung des Alltags unumgänglich scheint.

Die ohne Gott ausgehandelte Lösung lautet, das Problem in der Umgebung zu suchen. Der Wohnort ist der falsche, das Schulhaus, der Ehepartner oder die Arbeitsstelle. Das bedeutet etwas an der Umgebung auszutauschen. Dafür werden enorme finanzielle Mittel und auch Kräfte freigesetzt bzw. in Kauf genommen. Das spätmoderne Menschenbild des Westens lautet: Orientiere dich an einer Vergleichsgruppe von real bekannten oder medial vermittelten Vergleichspersonen. Tue es ihnen gleich. Beginne einen neuen Lebensabschnitt. Du kannst dich jederzeit neu „konfigurieren“. Der Bruch wird wegen dem enormen Druck von aussen vollzogen. Ein neuer Weg wird eingeschlagen. Die Anfangseuphorie hält für eine Zeit. Doch ehrlicherweise hat man ja sich selbst und die Gewohnheiten mitgenommen…

Was bedeutet dies für einen Menschen, den Christus erneuert hat? Grundsätzlich steht er in einem Kampf. Er will das Neue, das Alte holt ihn immer wieder ein (wie es Paulus in Römer 7 beschreibt). Trotzdem: Das neue Leben regt sich. Es entsteht Zug in eine andere Richtung. (Andernfalls ist die Frage angebracht, ob diese Erneuerung schon geschehen ist.) Als Personalentwickler formuliere ich es wie folgt: Welcher „kleine“ Schritt ist heute angesagt? Ich treffe so viele Dauervorwände an, die uns davor schützen, nicht anzufangen. Ja, es wird einige Monate dauern, bis eine kleine Änderung des Alltags in die Gewohnheit übergegangen ist. Doch kämpfe nicht an (zu) vielen Fronten. Beginne mit … einer bewussten Minute im Gebet mit deinem Ehepartner. Schlage deine Bibel für fünf Minuten aus und frage dich, wie sich Gott in diesem Abschnitt zeigt. Mein tagesaktuelles Anliegen: Wenn meine Frau etwas sagt, dann erhebe ich mich sofort und setze es um. Bleibe ermutigt!

Kolumne: Wie ich mit den finanziellen Mitteln umgehe

Erst kürzlich habe ich die Podcast-Serie “Mir wird nichts mangeln” aufgenommen. Auf diesem Hintergrund formuliere ich einige Überlegungen zum Umgang mit den eigenen finanziellen Mitteln:

Zuvorderst steht die Frage nach dem Motiv.

  • Weshalb möchte ich etwas haben?
  • Untersuche insbesondere, ob du deinem Bedürfnis nach Kompensation nachgibst.
  • Ein weiterer “schiefer” Antrieb ist die Menschenfurcht – etwas deshalb anzuschaffen, weil es andere auch haben und du keine schlechte Falle abgeben möchtest.
  • Eng verknüpft damit ist der Neid und das Vergleichsdenken (“das will ich auch”, “das kann ich mir auch leisten”).

Nach der Motivklärung, gewissermassen als Beglaubigung, kommt der vorher-/nachher-Check.

  • Überprüfe bei deinen letzten zehn Anschaffungen, was du davon wie brauchst (bzw. nicht brauchst).
  • Wo hast du dich täuschen lassen? Weshalb?
  • Ist ein Muster erkennbar (oder sogar mehrere)?
  • Welche Ressourcen hat es gebraucht?
  • Noch wichtiger: Wieviele Ressourcen (inkl. Zeit und Kraft) verschlingt es immer noch?

Erst jetzt kommen die faktischen Überlegungen.

  • Führe ein monatliches Tableau. Rechne sämtliche Kosten für den einzelnen Monat aus.
  • Vergleiche immer wieder mit den Vorjahren.
  • Stelle ein Budget auf. Begründe die Abweichungen (darunter/darüber).
  • Unterteile zwischen fix anfallenden und laufenden Kosten.
  • In der Ehe: Es kann hilfreich sein, für beide einen Freibetrag zu definieren.
  • Speise verschiedene Konten, um gezielt Mittel zu äufnen.
  • Überlege dir bei jeder Einkommensänderung, welche Auswirkungen es auf die Steuern hat.
  • Täusche dich nicht, indem du z. B. laufende Kosten oder Abschreibungen unvollständig rechnest (typisch z. B. für das Auto: Monatliche Ersparnis für die Wiederbeschaffung, Rückstellung für Reparaturen, Kosten für Steuern/Versicherungen).

Von keinem Menschen habe ich in dieser Beziehung so viel gelernt wie von Randy Alcorn. Lest mein eBook “Freudig vom Ziel her leben”.

Zitat der Woche: Der Subtext des Predigers

Timothy Keller spricht von drei verschiedenen “Texten”: Dem biblischen Text, dem Kontext des Hörers und drittens dem Subtext im Herzen des Predigers. Es geht dabei um die geistliche Reife und die Gegenwart des Heiligen Geistes, wenn gepredigt wird.

Dieser Subtext ist die Botschaft hinter der Botschaft – das, was wir (bewusst oder unbewusst) ‘eigentlich’ meinen, unterhalb der sprachlichen Oberfläche der Worte. … Was wir ‘eigentlich’ meinen, signalisieren wir zu einem grossen Teil durch solche Dinge wie unser Stimmlage, Gestik und Mimik, und diese eigentliche Bedeutung kann sich selbständig machen und unsere schöne Predigt ‘kapern’.

Er führt drei Beispiele auf:

  1. Der Subtext der gegenseitigen Bestärkung: “Es handelt sich um ein kommunikatives Ritual, mit dem wir unsere Gruppe von anderen abgrenzen und ein Gefühl der Sicherheit und des Dazugehörens schaffen. Ein Ritual ist es in dem Sinne, dass seine Hauptfunktion darin besteht, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. … Viele Kirchgemeinden pflegen diesen Subtext der Identitätspflege, der eine Art ‘Torwächterfunktion’ hat. Diese Gemeinden wollen es nicht, dass man sie hinterfragt oder ihnen Neues zumutet.”
  2. Der Subtext der Selbstvermarktung: “Der Prediger versucht, seine Kompetenz zu demonstrieren und die ‘Produkte’ seiner Gemeinde zu ‘verkaufen’. … (D)er tiefere Sinn der Übung besteht darin, Menschen für die Gemeinde oder den ‘Verein’ zu gewinnen.” Scheinbar geht es um Gäste, indirekt jedoch mehr darum, die Insider zu stärken. Die rhetorischen Anforderungen an den Prediger sind hoch.
  3. Der Subtext des Trainings für den Alltag: “Hier geht es darum, den Hörern Wissen zu vermitteln, damit sie ihr Leben entsprechend führen können – ‘Tipps für den Alltag’ gewissermassen. … Die Gemeindemitglieder wollen Informationen und Erkenntnisse bekommen, die sie bisher noch nicht hatten.”

Wenn der Subtext zum eigentlichen Hauptziel wird, “verliert unsere Predigt ihre lebendige Kraft, und wir werden nicht Christus ähnlicher, sondern immer selbstgefälliger”.

Keller formuliert dann noch einen vierten Subtext. Dieser geht über Informationsvermittlung, Ansprechen der Gefühle und Lebensveränderung hinaus, der Subtext der Anbetung:  “Der Prediger signalisiert seinen Zuhörern: ‘Schaut her, wie gross und wunderbar Christus ist – viel grösser und wunderbarer, als ihr bisher gedacht habt! Alle eure Probleme kommen eigentlich daher, dass ihr dies nicht seht!’ Meine Meinung nach sollten alle Kirchen und Gemeinden sich dieser Botschaft verschreiben, die das Herz aller echten, guten Predigt ist.”

Timothy Keller. Predigen. Brunnen: Giessen/Basel, 2017. S. 189-193

Zitat der Woche: Jeder von ihnen ist ganz auf sich selbst zurückgezogen

Alexis de Tocquevilles (1805-1859) beschreibt in “Über die Demokratie in Amerika” die Vorlieben der Amerikaner für freiwillige Vereinigungen:

Amerika ist das Land, in dem man die Möglichkeiten der Menschen, sich zusammenzuschliessen, am meisten ausgenutzt und dieses mächtige Mittel auf den verschiensten Gebieten angewendet wird. Abgesehen von den dauernden Zusammenschlüssen, die das Gesetz in Form von Gemeinden, Städten und Grafschaften bewirkt hat, gibt es eine Menge anderer, die ihre Entstehung und Entwicklung der privaten Initiative verdanken.

Der Bürger der Vereinigten Staaten lernt von klein auf, dass er sich im Kampf gegen die mancherlei Schwierigkeiten des Lebens auf sich selbst verlassen muss; er hat für die Obrigkeit nur einen misstrauischen und unruhigen Blick und ruft ihre Macht nur zu Hilfe, wenn er es gar nicht vermeiden kann. … In den Vereinigten Staaten schliesst man sich zu Zwekcen der öffentlichen Sicherheit, des Handels und der Industrie, der Moral und der Religion zusammen. Es gibt nichts, was der menschliche Wille nicht durch die freie Tätigkeit der verienigten Macht Einzelner zu erreichen hoffte.

… Amerikaner jeden Alters, jeden Ranges, jeder Geistesrichtung schliessen sich fortwährend zusammen. Sie haben nicht nur kaufmännische und Berufsvereine, denne alle angehörigen, sie haben auch unzählige andere Arten: religiöse, sittliche, ernste, oberflächliche, sehr allgemeine und sehr besondere, gewaltige und ganz kleine; die Amerikaner tun sich zusammen, um Feste zu geben, Seminarien zu begründen, Gasthöfe zu bauen, Kirchen zu errichten, Bücher zu verbreiten, Missionare zu den Antipoden zu entsenden; sie errichten auf diese Weise Spitäler, Gefängnisse, Schulen. Handelt es sich schliesslich darum, eine Wahrheit zu verkünden oder ein Gefühl mit Hilfe eines grossen Beispiels zu fördern, so gründen sie Vereinigungen.

Der britische Historiker Niall Ferguson kommentiert die zeitgenössische rapide Abnahme des sozialen Kapitals (mit Blick auf GB):

Der Verfall des britischen ‘Sozialkapitals’ hat sich deutlich beschleunigt. Nicht nur die Mitgliederzahlen von Parteien und Gewerkschaften verringerten sich drastisch, auch alteingeführte Wohltätigkeitsorganisationen und Vereine mit humanitärer Zielsetzung haben ‘einen erheblichen Mitgliederverlust’ zu verzeichnen.

Nochmals de Tocqueville über eine Gesellschaft ohne Vereinsleben:

Ich sehe eine unübersehbare Menge ähnlicher und gleicher Menschen, die sich rastlos um sich selbst drehen, um sich kleine und gewöhnliche Freuden zu verschaffen, die ihr Herz ausfüllen. Jeder von ihnen ist, ganz auf sich zurückgezogen, dem Schicksal aller anderen gegenüber wie unbeteiligt; seine Kinder und seine besonderen Freunde sind für ihn die ganze Menschheit; was seine übrigen Mitbürger angeht, so ist er zwar bei hnen, aber sieht sie nicht, er berührt sie, aber er spürt sie nicht; er lebt nur in sich und für sich selbst selbst … Über diesen Bürgern erhebt sich eine gewaltige Vormundschaftsgewalt, die es alleinübernimmt, ihr Behagen sicherzustellen und über ihr Schicksal zu wachen. Sie ist absolut, ins Einzelne gehend, pünktlich, vorausschauend und milde. Sie würde der väterlichen Gewalt gleichen, hätte sie – wie diese – die Vorbereitung der Menschen auf das Mannesalter zum Ziel; sie sucht aber, im Gegenteil, ddie Menschen unwiderruflich in der Kindheit festzuhalten … So breitet der Souverän, nachdem er jeden Einzelnen der Reihe nach in seine gewaltigen Hände genommen und nach Belieben umgestaltet habe, seine Arme über die Gesellschaft als Ganzes; er bedeckt die Oberfläche mit einem Netz kleiner, verwickelter, enger und einheitlicher Regeln, das nicht einmal die originellsten Geister und die stärksten Seelen zu durchdringen vermögen, wollen sie die Menge hinter sich lassen; er bricht den Willen nicht, sonder er schwächt, beugt und leitet ihn; er zwingt selten zum Handeln, steht vielmehr ständig auf dem Handeln im Wege; er zerstört nicht, er hindert die Entstehung; er tyrannisiert nicht, er belästigt, bedrängt, entkräftet, schwächt, verdummt und bringt jede Nation schliesslich dahin, dass sie nur noch eine Herde furchtsamer und geschäftiger Tiere ist, deren Hirte die Regierung.

Zitate aus Niall Ferguson. Der Niedergang des Westens. Propyläen: Berlin, 2013. S. 130-132; 139-141.

 

Buchbesprechungen: Rück- und Einblick

In letzter Zeit habe ich mein Verzeichnis der besprochenen Bücher in Ordnung gebracht. Weit über 700 Titel stehen auf der Liste. Manchmal lohnt es sich, still zu stehen und zurückzublicken. Hier ein kleiner Einblick.

Aus der Anfangsphase. Mit diesen Büchern habe ich gestartet.

Ich wagte mich in philosophisches und gesellschaftskritisches Gelände.

Ich kam auf den Gedanken, Rezensionsexemplare anzufordern:

Immer wieder kam eine Anfrage von einer Zeitschrift.

Ab und zu veröffentlichte ich auch einen kritischen Kommentar.

Viele Autoren griff ich wiederholt auf, woraus später Abhandlungen entstanden. Die Erstlinge:

Es gibt sie, die Lektüreberichte zu belletristischer Literatur.

Und zur Geschichte.

Von Sozialphilosophen habe ich viel profitiert.

Nicht zu vergessen die Biografien. Zum Teil entwickelte ich eine Hingabe auch punkto Rezension.

Input: Pleiten, Pech, Pannen? Die verrückt-normale Woche eines Familienvaters

So sieht eine Woche eines Familienvaters aus, der sich in der Schule Gottes befindet. Es könnte mir selbst so ergangen sein.

Oh ja, es lief noch viel mehr anderes schief!  Natürlich musste ich auch immer wieder an das Sprichwort denken, dass ein Unglück nur selten allein kommt und Ja, ich habe es oft erlebt, dass in einer ungewöhnlich hohen Kompressionsrate sehr viele Missgeschicke in kürzester Zeit geschahen, ja tatsächlich fängt auch mein Nachname mit P an, so dass die Überschrift wohl eher heißen sollte: Pleiten, Pech und Pannen bei Paulis, aber das wäre dennoch nur ein Teil der Geschichte: Denn in all diesem „Schabernack“ und all diesen Lächerlichkeiten des Alltags, dieser Gezwungenheit, war doch Gott mitten dabei, für Ihn waren all diese Situationen, irgendwie nicht lächerlich, er gab mir Ruhe nicht auszurasten, den Frieden, nicht zu denken, dass man „doch etwas besseres zu tun hatte“ und bei all der Verzweiflung schließlich doch zu IHM aufzublicken.

 Lesen!

Input: Eine Charakterisierung des Reiches Gottes

In einem ausgezeichneten Artikel erklären zwei Theologen den Begriff des Reiches Gottes. Starke Leseempfehlung. Hier meine Notizen:

Definition

  • Drei falsche Gleichsetzungen: Himmel, Gemeinde, Ethik/Aufruf zu sozialer Aktion
  • Ein übergreifendes Konzept, das sich Kategorisierungen entzieht (wie wenn man Amerika oder Afrika zu definieren sucht)
  • Drei Elemente: Die Macht des Königs über das Volk des Königs am Ort des Königs (power, people, place)
  • Das Reich Gottes ist … eine Geschichte, die sich durch den biblischen Kanon entfaltet; eine eschatologische Gemeinschaft, die sich teilweise mit der Gemeinde überlappt, eine reale Sphäre

Regent

  • Gott regiert über sein Königreich.
  • Er regiert durch seine Agenten. Adam hat als königlich-priesterlicher Regent versagt. Der zweite Adam hat durch seinen Tod und seine Auferstehung das Recht für die ewige Regierung erworben.
  • Am Ende der Geschichte werden die Seinen mit Christus regieren.

Ankunft

Schon/noch nicht: Das Reich Gottes ist schon hier, aber noch nicht in seiner Fülle. Beide Realitäten gehen Hand in Hand.

Ort

  • Der Gedanke der Herrschaft dominiert die Auslegung zum Reich Gottes seit Jahrzehnten.
  • Es geht jedoch nicht ohne Volk und ohne Ort. Das Reich Gottes ist eine verborgene soziale Ordnung. Die Grenzen des Reiches sind innerhalb der Gemeinde zu finden.

Lebensstil der Christen im Reich Gottes

Jesus Nachfolger ahmen seine Lebensweise nach. Sie finden Gefallen an seinem Gesetz (Ps 1,1-2); sie fürchten Gott (Pred 12,13); sie leiden für ihren König.

Weiterlesen: Verhängnisvolle Verkürzungen des Begriffs (D. A. Carson)

Buchbesprechung: Friedrich Dürrenmatt – Begegnung mit dem Schweizer Schriftsteller

In den letzten Wochen habe ich mich intensiv mit Friedrich Dürrenmatt (1921-1990) auseinandergesetzt.

Zum Einstieg empfehle ich die berühmte Rede an Vaclav Havel “Die Schweiz als Gefängnis”, wenige Wochen vor seinem Tod gehalten.

Zudem kann ich die Dokumentation von Charlotte Kerr (1927-2018), Dürrenmatts zweiter Frau, empfehlen. In der Folge 9 spricht er über sein Schreiben, in der Folge 19 über seinen (fehlenden) Glauben an einen persönlichen Gott.

Ich empfehle die ausgedehnte Biografie von Peter Rüedi. Besonders interessant ist in den ersten Kapitel nachzulesen, wie er sich vom Glauben (sein Vater war evangelischer Pfarrer) abwandte.

Zum Einstieg nehme man das Dürrenmatt Lesebuch, das gesammelte Werk gibt es vergleichsweise günstig.