Neujahr: Rückblick und Ausblick für einen ruhigen Moment

Meinem Ältesten habe ich für eine ruhige Minute folgende Fragen ins sein Tagebuch notieren dürfen:

Rückblick

  • Was war eine wesentliche Veränderung 2018?
  • Wie bin ich in der Erkenntnis von Jesus gewachsen (siehe 2. Petrus 3,18)?
  • Was war ein Tiefpunkt? (Wie bin ich rausgekommen?)
  • Welches waren wichtige Kontakte?
  • Welche Befürchtung beschäftigt mich immer wieder?
  • Welche Bücher haben mich geprägt?
  • Wie habe ich für meinen Körper gesorgt?
  • Welche Urlaubserinnerungen bleiben?
  • Welches sind drei Freuden im Tagesablauf?
  • Welches war die wichtigste Optimierung im Tagesablauf?

Ausblick

  • Welches ist mein Entschluss, der für mein geistliches Wachstum sich als entscheidend erweisen wird?
  • Wie wird es Ende 2019 in den Bereichen sein, in denen ich mich am häufigsten aufhalte (Familie, Kirche, Arbeit/Ausbildung)?
  • Zeichne eine Gebetslandkarte mit wichtigen Dingen zur Anbetung und zum Danken, andererseits mit den Anliegen.

Hier sind einige hilfreiche Artikel aus dem Umfeld der Gospel Coalition (englisch):

Neujahr in Sicht (6): Gesegnet, ohne Furcht

Zwei Artikel von Desiring God haben mich sehr ermutigt. Ich habe einige Schlüsselaussagen übersetzt.

Fürchte dich nicht vor dem kommenden Jahr!

  1. Wir leiden wie jeder andere auch. An manchen Orten in der Welt leiden wir sogar mehr wegen unseres Glaubens an Jesus.
  2. Gott ist nicht für das Böse verantwortlich; doch auch das Böse und das Leid sind nicht ausserhalb seinen vollkommenen Zielen für uns.
  3. Wie auch immer das letzte Jahr für dich gewesen ist, Gott hätte nicht besser zu dir sein können, als er es war.
  4. Das ist das Gute, zu dem alle Dinge in deinem Leben wirken – dass Jesus gleich gestaltet wirst.
  5. Wenn alle Dinge von Gott zum meinem Guten gestaltet werden, dann hat Gott alle Dinge in meiner Realität so angeordnet, wie ich sie am meisten brauche.

Was heisst es gesegnet zu sein?

  1. Ist für Gläubige das gesegnete Leben gleichbedeutend mit dem erfolgreichen Leben? Nein! Es gibt keinen Hinweis auf materiellen Wohlstand oder perfekte Umstände in irgendeiner neutestamentlichen Referenz dieses Begriffs.
  2. Das griechische Wort, das mit „gesegnet“ übersetzt wird … bedeutet, vollkommen zufrieden zu sein. Es bezieht sich auf diejenigen, die die Gunst Gottes empfangen unabhängig von ihren Umständen.
  3. Schmerz und Verlust verwandeln uns. Während sie uns manchmal aufwecken, können sie uns auch zu einem tieferen Leben mit Gott drängen, als wir es je für möglich gehalten haben.
  4. Die Prüfungen an sich sind kein Segen, doch sie sind Kanäle für den Segen.

Neujahr in Sicht (5): 10 Vorsätze für die mentale Gesundheit

John Piper erinnerte sich an die geniale Vorlesung seines Lehrers Clyde Kilby, dem Professor für englische Literatur und C. S. Lewis-Spezialisten. Dies waren seine 10 Vorsätze für die mentale Gesundheit.

  1. Mindestens einmal täglich werde ich andauernd zum Himmel schauen und daran denken, dass ich, ein Bewusstsein mit Gewissen, auf einem Planeten bin, der im Weltraum mit wunderbar mysteriösen Dingen über mir und über mich unterwegs ist.
  2. Anstelle der gewohnten Vorstellung von einer sinnlosen und endlosen evolutionären Veränderung, zu der wir weder etwas hinzufügen noch wegnehmen können, nehme ich an, dass das Universum von einer Intelligenz geleitet wird, die, wie Aristoteles über das griechische Drama sagte, einen Anfang, eine Mitte und ein Ende erfordert.
  3. Ich werde nicht in die Unwahrheit verfallen, dass dieser Tag oder irgendein Tag nur ein weiterer rätselhafter Tag ist, der 24 Stunden dauert, sondern ein einzigartiges Ereignis, das, wenn ich so will, voller würdiger Möglichkeiten ist.
  4. Ich werde mein Leben nicht in eine dünne, gerade Linie verwandeln, welch die Abstraktion der Realität vorzieht.
  5. Ich werde meine Einzigartigkeit nicht durch Neid anderer mindern.
  6. Ich werde meine Augen und Ohren öffnen. Einmal täglich werde ich einfach auf einen Baum, eine Blume, eine Wolke oder eine Person starren.
  7. Ich werde manchmal auf die Frische meines Blickes zurückschauen, den ich in der Kindheit hatte, und versuchen, zumindest für eine Weile, mit den Worten von Lewis Carroll, das "Kind der reinen, ungetrübten Stirn und träumenden Augen des Staunens" zu sein.
  8. Ich werde Darwins Rat folgen und mich regelmäßig phantasievollen Dingen wie guter Literatur und guter Musik zuwenden, vorzugsweise, wie C. S. Lewis vorschlägt, einem alten Buch und zeitloser Musik.
  9. Ich werde nicht zulassen, dass der teuflische Ansturm dieses Jahrhunderts all meine Energien an sich reißt, sondern stattdessen, wie Charles Williams vorgeschlagen hat, "den Moment als den Moment erfüllen". Ich werde versuchen, jetzt gut zu leben, denn die einzige Zeit, die existiert, ist das Jetzt.
  10. Selbst wenn ich mich als falsch erweisen sollte, werde ich mein Leben unter der Annahme riskieren, dass diese Welt weder idiotisch ist noch von einem abwesenden Vermieter geführt wird, sondern dass heute, heute noch, an diesem Tag, ein Strich auf der kosmischen Leinwand angebracht wird, den ich mit Freude als einen Strich des Architekten verstehen werde, der sich Alpha und Omega nennt.

Neujahr in Sicht (4): Würde ich gerne mit mir zusammen sein?

Einer meiner Freunde stellt ab und zu die geniale Frage: „Würde ich gerne mit mir zusammen sein?“ Dies sind 10 Kriterien, die ich dafür habe und um die ich bitte:

  1. Ich habe andere empor, gerade dann, wenn sie sich erniedrigt fühlen.
  2. Ich fühle mich so abhängig, dass ich ohne nachzudenken Jesus um Hilfe anrufe.
  3. Eigene Anwandlungen von Stolz lassen mich entsetzt zurück und treiben mich auf die Knie.
  4. Ich höre selbst leise Andeutungen und frage nach.
  5. Ich juble mit den Jubelnden und weine mit den Weinenden.
  6. Ich bin für „alltägliche“ Dinge dankbar.
  7. Ich schöpfe Weisheit bei vielen Brüdern und Schwestern, die mir vorangegangen sind.
  8. Ich erinnere mich an Anliegen, die schon längst vergessen sind.
  9. Ich empfinde tiefe Freude für zeitlose Texte und Musik.
  10. Ich empfinde tiefe Freude in der Natur.

Neujahr in Sicht (3): Beziehungs-Not

Die (unbewusst) gelebten zwischenmenschlichen Dogmen führen zur Beziehungsnot. Der Einfachheit fasse ich in einigen Thesen zusammen:

  1. Beziehungen werden grundsätzlich als befristete Verträge eingegangen.
  2. Das Kriterium für die Aufrechterhaltung ist der emotionale "Payback".
  3. Das Selbst steht prinzipiell vor dem Du.
  4. Es gilt die Erwartung, dass (Ab-)Brüche ohne emotionalen Folgen bleiben.
  5. Nach Brüchen gibt es die Möglichkeit sich zu betäuben.
  6. Sich wiederholende Muster in Beziehungen können ausgeblendet werden. (Der andere ist schuld.)
  7. Ein Teil der Gescheiterten beginnt Dividenden zu bezahlen, meistens in Form von Depressionen.
  8. Mit zunehmendem Alter fällt ein Teil aus dem Beziehungsmarkt.
  9. Besonders hart trifft es Frauen ohne Kinder in der zweiten Lebenshälfte, die sich in der ersten Hälfte bewusst für "Karriere" entschieden haben.
  10. Eine Minderheit verfällt dem Therapiewahn.

Ich erwarte in meiner und den folgenden Generationen eine massive Zunahme der Beziehungsnot.

Neujahr in Sicht (2): Leere Kirchen

Ich stand mit Freunden unterhalb der Kirche unseres Stadtteils. Wir beteten. Ich musste weinen. Das be-elendet mich zutiefst, dass die Kirchen unserer Stadt zwar noch unterhalten werden, jedoch praktisch leerstehen. Ich kenne die Zahl nicht auf die Kommastelle genau. Doch besucht eine Zahl im tief einstelligen Prozentbereich am Sonntag eine Kirche. Und was hören sie dort? Zumeist ist es eine Mischung von säkularisierten, das heisst von allem Übernatürlichen entkleideten Gutmenschentum, sentimentalen Einlagen und mystischen Ergüssen.

Ich möchte niemandem Unrecht antun. Gott spricht durch sein Wort. Allerdings habe ich den Eindruck, dass er in unserem Land insgesamt das Gericht bestätigt, das er über die Gottlosen angekündigt hat. Paulus schreibt den Thessalonichern, dass die ungläubigen Menschen nicht gehorsam sind (2. Thessalonicher 1,8) und die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben (2. Thessalonicher 2,10).

Was mich erschaudern lässt, ist diese Erkenntnis: Der Freipass ist die Strafe. Gottes Zorn ist bereits in der Gegenwart wirkam (Römer 1,18; im Griechischen die Gegenwartsform). Er äussert sich in einer ganz anderen Form, als wir es uns vorstellen. Gerade die vermeintliche "Autonomie" – die Illusion eines von jeder Bindung gelösten Ichs – erweist sich als das Gegenteil: Die Versklavung an die eigenen Vorstellungen und Begierden.

Ich sehe nicht schwarz, aus zwei Gründen: Zuerst beeindruckt mich, wie Gott in den anderen Erdteilen wirkt. Wer sich den Weltverfolgungsindex ansieht, erkennt die Korrelation auf einen Blick. Die Völker toben gegen Jesus (Apostelgeschichte 4,23-31), und Er lässt sein Wort laufen. Kein Mensch kann es unterdrücken oder die Souveränität darüber erringen (Lukas 12,4-5).

Vielleicht werden sich die Kirchen auch bei uns wieder füllen. Vielleicht benützt Gott dazu die tiefe Geburtenrate der Einheimischen und schickt Menschen, die wieder hören wollen. Vielleicht geschieht es in einer nächsten oder übernächsten Generation. Bis dahin will ich, so lange mir Gott die Kraft dazu gibt, Material dazu bereitstellen.

Neujahr in Sicht (1): Eines meiner Geheimnisse

Weihnachten ist ein guter Tag, um euch eines meiner Geheimnisse weiterzugeben. Die Denk- und Lebensvoraussetzung dazu ist nicht machbar: Jemand muss uns nämlich die Augen dafür öffnen, woher wir kommen (wir sind die Geschöpfe des persönlich-unendlichen Gottes), wie es um uns steht (wir stecken tief im Morast der Sünde, die unser gesamtes Sein betrifft) und woher uns Hilfe kommt (von Gottes Sohn, der Mensch geworden ist).

Wenn meine Frau dabei ist, schmunzelt sie bisweilen oder blinzelt mir zu. Woher kommt es, dass ich an bestimmten Orten (ich lasse sie ungenannt) scheinbar sicher auftreten kann? Fragen stelle, die sich sonst niemand traut (um ehrlich zu sein: ich eigentlich auch nicht)? Einen Schritt in die Komfortzone des anderen vorwage (obwohl es mir selbst eigentlich unangenehm wäre)? Mich überwinde, eine Antwort zu geben, die nicht den Erwartungen entspricht und wofür ich keinen Applaus ernte?

Ich gehe durch diese Momente im tiefen Bewusstsein, dass ich Kind dessen bin, dem alles, aber auch wirklich alles gehört. Ich gehöre Ihm im Leben und im Sterben. Es kann mich nichts mehr von Ihm trennen. Er wird mich garantiert in sein ewiges Reich nehmen. Noch besser: Ich gehöre schon zu seiner Mannschaft, allerdings noch "undercover". Ihm ist alle Macht gegeben – egal, ob es Menschen, Orte oder Gebäude sind. Ich gehe in grösster Zuversicht selbst da, wo ich von mir aus nichts auszurichten hätte.

Ich kann euch verraten: In dieser Haltung lebt sich's anders. Ein Wort der Wahrheit überwindet die ganze Welt.

Lied: Fröhlich soll mein Herze springen

Dies ist eine Botschaft nicht nur (aber auch) für Erfolgreiche; vielleicht eher für Einsame, Enttäuschte, Frustrierte. Es gibt eine Freude, die unser Herz springen lässt. Paul Gerhardt hat sie wunderbar zu Papier gebracht. Hier sind einige Ausschnitte zum Nachdenken, den ganzen Text erhältst du hier.

(2) Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute.

(3) Sollt uns Gott nun können hassen, der uns gibt, was er liebt über alle Maßen?

(7) Die ihr schwebt in großem Leide, sehet, hier ist die Tür zu der wahren Freude.

(8) Wer sich fühlt beschwert im Herzen,
wer empfind't seine Sünd
und Gewissensschmerzen,
sei getrost: hier wird gefunden,
der in Eil machet heil
die vergift'ten Wunden.

(10) Du bist meines Lebens Leben;
nun kann ich mich durch dich
wohl zufrieden geben.

Ich wünsche meinen Lesern nichts mehr, als dass sie diese Freude erfassen kann!

Predigt: Das kenne ich schon!

Vor-weihnächtliche Predigt zu Römer 2,17 – 3,8 (zum Bibeltext; zum Mitschnitt der Predigt).

Einstieg: Ich wuchs durch Gottes Vorsehung in einer christlichen Gemeinde auf. Ich hatte alles schon tausende Male gehört. Damals hätte ich mich wohl als Experte angesehen.

Zusammenhang: Paulus zeigt in einer weit abgesteckten Anklagerede auf, dass sowohl Heiden, die ohne die Zehn Gebote lebten, wie auch Juden, welche als Volk die Torah bekommen hatten, vor Gott schuldig sind.

Den Bibelabschnitt Vers für Vers erschliessen:

  • Erstes Argument: Dass ihr das Gesetz besitzt, wird euch im Gericht nichts nützen, sondern vielmehr gegen euch verwendet werden (Römer 2,17-24).
  • Paulus doppelt nach: Dass ihr beschnitten worden seid, ist kein äusserliches Zeichen, sondern der Hinweis auf einen inneren Zustand (Römer 2,25-29).
  • Dann entkräftet er mehrere Einwände, ob Gott gegenüber seinem untreuen Volk seine Verheissungen fahren liess oder ob die Sünde denn nicht die Gnade vergrössert (Römer 3,1-8).

Systematisch gefasst:

  1. Ich verfüge nicht über das Buch, es verfügt über mich.
  2. Ich verfüge nicht über äussere Zeichen, sie zeigen auf mein Herz.
  3. Meine Übertretung vergrössert den Zorn, er entschuldigt mich nicht.

Anwendung für die nächsten Tage:

Im weiteren Verlauf des Römerbriefes zeigt Paulus auf, dass ein von Gott verändertes Herz danach verlangt, nach Gottes Ordnung zu leben. Prüfen wir unser Herz in diesen Tagen. Vielleicht gibt es… Stress, Eifersucht, ungerechte Behandlung, böse Worte, wenn wir auf unsere Nächsten treffen. Ja, es geht um mich. Ich bin verantwortlich für meine Reaktion – in Gedanken, Worten und Taten (vgl. Römer 3,19). Ich kann mich selbst nicht rechtfertigen. (Natürlich finde ich immer einen Grund, warum die anderen falsch liegen.) Die Gerechtigkeit kommt zu den Glaubenden in Jesus (3,22). Wie wäre es, dies von Moment zu Moment in Erinnerung zu rufen und aus dieser Kraft zu leben? So werde ich zum «Sklaven der Gerechtigkeit» (Römer 6,18-19).

Zitat der Woche: Liebe deine Eltern

Vanessa Dück, Bloggerin auf orangenkerne.blogspot.com, in ihrem Hammer-Artikel im neuen Timotheus-Magazin #33:

… als 12-Jährige sass ich da und sah in ihrem Ratschlag nur meine Eltern als 12-Jährige vor mir. Und die Tatsache, dass es damals eine andere Zeit war, hat alles, was sie sagten, für mich hinfällig gemacht. Dabei habe ich aber ihr ganzes Leben zwischen ihrem zwölften Geburtstag und meinem zwölften Geburtstag übersehen.

Mache ich mir bewusst, dass ich den grössten Teil des Lebens meiner Eltern nicht dabei war, sehe ich ihre Ratschläge mit anderen Augen. Was ist zwischen ihrem und meinem zwölften Lebensjahr geschehen? Welche Gedanken habe sie zu diesem Ratschlag geführt, den sie mir heute geben? Was hat sie zu den Personen gemacht, die sie heute sind?

Ich bin 27. Wir sind die Generation, die Traditionen grundsätzlich blöd findet und die dennoch befolgt, auch ohne sie ernsthaft hinterfragt zu haben. Wir sind die, die behaupten, wir würden viel Wert auf die Meinung der 'Älteren' legen, fragen aber nicht sie, sondern unsere besten Freunde. Je älter ein Prediger ist, desto härter wird unser Urteil. Wir denken nicht mehr so schlecht von unseren Eltern wie damals, als wir 12 waren, und wir gehben uns der Illusion hin, das sei genug. Wir denken, wir würden unsere Eltern jetzt endlich ehren, weil wir uns nicht mehr mit ihnen streiten. Dabei liegt das doch meistens daran, dass wir einfach nicht mehr mit ihnen in einem Haus leben.

… Wann werden wir anfangen, sie als Menschen mit ihrer Vergangenheit und Geschichte zu sehen? Wann sind wir endlich bereit, ihre Fehler zu verzeiehn, ohne dass sie darum bitten? So, wie wir es bei unseren Nächsten tun sollten?