Konsumismus als Ersatzreligion

Norbert Bolz, Medienwissenschaftler, stellt in seinem 2002 erschienenen Buch “Das konsumistische Manifest” den Konsumismus als Ersatzreligion dar:

Der Konsum integriert die postmaterialistische Gesellschaft durch Verführung. Das gemeinsame Angebot der postmodernen Märkte lautet: Wiederverzauberung der entzauberten Welt. Und wo gezaubert wird, gilt: „Man will der Betrogene sein“. … Das Warenangebot ist nur noch Beihilfe zur Selbsttäuschung.

Bolz entwickelt ein Dreistufenmodell des Konsums:

  1. System der Bedürfnisse: „Befriedige mich!“
  2. Wunschökonomie: „Verführe mich!“
  3. Der Konsum als Produkt: „Verändere mich!“

Zeit-Not

Wie sieht dein Tagesablauf aus? Brett Harris schreibt (hier):

Sometimes a whole day can slip by and nothing gets accomplished. Often it’s 15 minutes here, a half-hour there, 20 minutes here, an hour there, and suddenly you’re wondering where the day went.

Übernehme ich Verantwortung für meinen Tag? Oder bin ich Opfer meiner Zeitfresser? Nochmals Harris:

They might seem harmless — the book we’ve already read, the online forum or message board where we “reach out,” the 5-minute video we found online, the new World Magazine comic section, the video game that’s fun and clean, a review of the latest star-studded flick, or that article on Google News about the kitten with two heads.

Was wäre alles drin gelegen, wenn ich die Zeit anders genützt hätte?

If we were to devote all the time we spend reading random news stories online to reading life-changing, soul-feeding books, how might our relationship with Christ flourish?

If we were to devote all the time we spend watching television to developing our talents in the areas of writing, speaking, musical instruments, filmmaking, painting, sewing, gardening, woodworking, web design, landscaping, computer programming, etc. how much more effective might we be in the Kingdom of God?

Paulus schrieb:

Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht töricht, sondern klug. Nutzt die Zeit; denn diese Tage sind böse. (Epheser 5,15+16)

Passende Bücher:

Alex & Brett Harris. Do Hard Things: A Teenage Rebellion Against Low Expectations.

Alex & Brett Harris. Start Here: Doing Hard Things Right Where You Are

Lernerlebnis Nr. 58: Katechesen lesen.

In seiner Einführung zu dem von Calvin verfassten Genfer Katechismus (1545) schreibt Saxer:

Calvin legte zeitlebens grössten Wert auf einen guten Katechismus zur Unterrichtung der Jugend und sah darin eine unentbehrliche Grundlage der Kirche. Entsprechend sorgfältig waren denn auch seine Anordnungen für die Durchführung des Unterrichts in Genf. Die Genfer Kirchenordnung schrieb vor, dass allsonntäglich in den drei Kirchen der Stadt … um 12 Uhr mittags mit den Kindern Katechesen gehalten wurden. Die Eltern und Lehrer wurden streng verpflichtet, für den Besuch zu sorgen und sie dort hinzuführen. Viermal im Jahr fand am Sonntag vor den Abendmahlsfeiern eine öffentliche Befragung statt, bei der die Kinder eine Zusammenfassung des Katechismus zu beantworten resp. zu rezitieren hatten.

Aus: Calvin Studienausgabe. Band 2. Gestalt und Ordnung der Kirche. Neukirchener Verlag: Neukirchen-Vluyn 2010.

Etwas informeller gestalte ich die Lesung der Katechesen – mehrmals pro Jahr während zwei Wochen, vor und nach den Mahlzeiten. Denn ich halte viel von Auswendiglernen (das aber nie die aktive Reflektion ersetzen soll).

Das weiss ich auch heute noch nicht

In seinem 74. Lebensjahr schrieb der greise Augustinus seine Rectatractiones. Er konnte zumindest einen Teil seines Lebenswerkes nochmals durchgehen, kommentieren, da und dort seine Entwicklung festhalten. So schrieb er zur Frage nach der Herkunft der Seele, „wie sie entsteht, so dass sie im Leibe west“:

Das habe ich damals nicht gewusst und weiss es auch heute noch nicht. (Augustinus. Retatractiones. I,1,3)

Diese Ehrlichkeit nehme ich mir zu Herzen. Sie bewahrt vor mancher unbesonnenen Spekulation.

Gott ruft uns zur Demut, Integrität und zur Einfachheit!

Christ Wright, internationaler Direktor von Langham International, hat in Cape Town ein herausforderndes Referat (siehe hier) gehalten. Die letzte Woche waren dort über 4’000 Führungskräfte und Missionsexperten zusammen. Die rund 20-minütige Ansprache hat mich sehr bewegt.

Bevor wir uns über die Welt beklagen, sollten wir auf uns selber blicken. Ein Blick in das Alte Testament (Wright ist Alttestamentler) zeigt: Haupthindernis für Gottes Heilswirken war sein eigenes Volk. Alle paar Seiten stolpern wir über das Thema “Götzendienst”. Man stelle sich vor: Das Volk, das nach seinem Namen genannt ist, lief konstant anderen, falschen Göttern hinterher. Wright benennt drei Hauptgötter:

  1. Der Gott der Macht und des Stolzes
  2. Der Gott von Popularität und Erfolg
  3. Der Gott der Gier und des Besitzes

AHDS diagnostiziert – dabei war das Kind zu früh eingeschult

Ron Kubsch hat kürzlich auf einen Beitrag von Wolfgang Bergmann aufmerksam gemacht, der sich auf eine Studie der Michigan State University bezieht:

Nach einer gründlichen Studie der Michigan State University stellt sich heraus, dass etwa die Hälfte aller ADHS-Diagnosen (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) unzureichend bis unzutreffend sind. Eine der Ursachen für eine voreilige Diagnose beruhte schlicht darauf, dass diese Kinder zu früh eingeschult worden waren. Sie waren unruhig, konnten sich nicht konzentrieren – und entsprechend der oberflächlichen Symptom-Diagnostik klebte ihnen das Etikett ADHS auf der Stirn.

Hier geht es zum Beitrag.

Die Lehre der Prädestination – ein Alibi für Passivität?

Biograf Brown schreibt über Augustinus:

Eine von der Tat losgelöste Prädestinationslehre war ihm unvorstellbar. Niemals hatte er die Freiheit verleugnet, um sie bloss um so wirksamer zu machen in der rauhen Umgebung einer gefallenen Welt. Unter anderem verlangte diese Welt unablässige Geistesarbeit, um Wahrheit zu erlangen, und harten Verweis, um Menschen zu bewegen.

Aus: Peter Brown. Augustinus von Hippo. Societäts-Verlag: Frankfurt am Main: 1973.

Verflachtes Sündenverständnis (5)

Der Mensch ist nicht nur Subjekt der Sünde, sondern auch Objekt; weil die Sünde ihn in der Hand hat, hat er es nicht in der Hand, sich von ihr zu befreien, muss er allein durch die Gnade von ihr befreit werden.

Die Gnade kann nur radikal verstanden werden, wenn auch die Sünde radikal verstanden wird.

Aus: Horst Georg Pöhlmann. Abriss der Dogmatik. Chr. Kaiser Gütersloher Verlagshaus: Gütersloh 20026.