Lernerlebnis Nr. 21: Einmal aufbauen – und die nächste Packung.

An einem regnerischen Sonntag haben wir die online ersteigerte Beute (14,2 kg Lego) abgeholt. Wohl gemerkt: Fast alles Spezialteile, von der Marsstation über Star Wars-Krieger bis zum Tieflader war alles dabei – in Einzelteilen. Was werden die Kinder wohl mit Tausenden von solchen Einzelteilen anfangen? Ganz einfach: Sie kombinieren und bauen mit ihrer unerschöpflichen Fantasie neue Fahrzeuge und Gebilde. Das ist mir sympathischer als die Lego-Strategie: Einmal aufbauen, sich kurz daran freuen und dann die nächste Packung zu kaufen.

Sentimentalität als Gefahr für den Glauben (2): Wenn die Liebe zum anderen an den eigenen positiven Emotionen gemessen wird

Sentimentalität ist selbst-referenzierte Emotionalität. Die Liebe zum Nächsten wird mit der Liebe zu den eigenen Emotionen verwechselt. Das Wichtigste ist demnach, dass die eigenen Gefühle in Ordnung sind.

Zum Beispiel: Das Begräbnis von Prinzessin Diana war für Tausende eine Projektionsfläche ihrer eigenen Gefühle. Eine fromme Variante: „Faked feelings“ über angebliche Nähe zu Gott; fromme Argumentationen, um vom wirklichen Frust abzulenken…

Die Folge: Menschen wenden sich von Christen ab und stellen erbittert fest, dass diese ihr eigenes „komfortables kleines Game“ in der Kirche spielen.

Dick Keyes. Sentimentality: Significance for Apologetics. In: Francis Schaeffer. A Mind and Heart for God. P & R Publishing: Phillipsburg 2010.

Sentimentalität als Gefahr für den Glauben (1): Wenn das Böse und die Gebrochenheit geleugnet wird

Sentimentalität sieht die Welt ohne Sünde, Böses, Gebrochenheit, Gewalt, Komplexität und Verwirrung. Diese unangenehmen Dinge werden verleugnet, trivialisiert und vereinfacht. Die Welt ist eine Welt der Wärme, der Harmonie und der Einfachheit, denn sie wird durch die Linse der Unschuld und der Nettigkeit gesehen. Solche Gefühle, oft getränkt mit Nostalgie, sind abgetrennt von der Realität.

Zum Beispiel: Die Medien suggerieren schon den Kleinen eine solche Welt. Die ganze Welt ist wunderbar, jedermann liebt sie, und sie können das haben, was sie sich wünschen.

Die Folge: Suchende Menschen können eine solche Welt nicht ernst nehmen, denn sie bricht bei jedem Realitäts-Check zusammen. Dies ist Anlass zu Zynismus.

Dick Keyes. Sentimentality: Significance for Apologetics. In: Francis Schaeffer. A Mind and Heart for God. P & R Publishing: Phillipsburg 2010.

Lernerlebnis Nr. 19: Die Eltern erzählen ihren Kindern, was sie sehen.

Schauplatz: Landiwiese vor dem Zirkus Knie. Es ist Samstagmorgen. Manch ein Vater hat sich, bequem gekleidet, mit seiner Kleinfamilie auf den Weg gemacht, um die Tiere des Zirkus (gemäss Hompage sind es rund 100) zu bestaunen. Ich stehe mit meinen vier Jungs vor den Affen und staune ebenfalls. Denn die meisten Väter erzählen voller Eifer ihren Kindern, was sie gerade sehen. Also immer noch im Leistungsmodus. Bei mir läuft das umgekehrt. Meine Burschen erzählen mir, was sie sehen…

Wir können wissen

Nothing is more practical, nothing is more basic, than the conviction that there is truth that can be known. Without this conviction, life becomes more and more intolerable and mor and more filled with alientation. The more consistently people live with the loss of truth, the more their lives will fall apart, for the center does not hold.

Jerram Barrs, in: Bruce A. Little (Ed.). Francis Schaeffer – A Mind and Heart for God. P & R Publishing: Phillipsburg 2010.

Optionen statt Positionen

Middelmann schreibt über seinen Schwiegervater Francis Schaeffer:

The freedom to lay things out, to consider options, to debate alternatives – rather than merely to repeat positions – made Schaeffer attractive as a person.

Udo Middelmann in: Bruce A. Little (Ed.). Francis Schaeffer – A Mind and Heart for God. P & R Publishing: Phillipsburg 2010.

Die Bergpredigt (3): Ethik für gestern, heute und morgen

The Sermon expresses the only righteousness acceptable to God in this or in any age. Jesus offers a closer definition of the constant Divine moral requirement and does not depart from either the creation ethic or that of the Old Testament; consequently, the Sermon is relevant as the standard of conduct, convicting men of sin, restraining public wickedness, and ruling the life of the believer.

Greg Bahnsen. Theonomy in Christian Ethics. CMP: Nacogdoches 2002.

Die Bergpredigt (2): Hinweise aus dem Text zur Interpretation

Aus dem Text selbst ergeben sich eine Reihe von Hinweisen für seine Interpretation:

  • Die Jünger sind die eigentlichen Adressaten der Bergpredigt.
  • Die Bergpredigt beginnt nicht mit Geboten, sondern mit dem Evangelium (Seligpreisungen).
  • Die Seligpreisungen stehen in alttestamentlicher Tradition.
  • Am Anfang und am Ende der Bergpredigt finden sich Texte, die das Tun der Gläubigen zum Thema haben.
  • Jesus bestätigt das alttestamentliche Gesetz (Mt 5,17-20).
  • Jesus hält der falschen Auslegung die richtige entgegen.
  • Jesus beruft sich konkret auf alttestamentliche Gesetze.
  • Die Bergpredigt ist keine Radikalisierung ins Innerliche, denn die alttestamentliche Ethik beschäftigt sich ebenso mit der inneren Seite!

Aus: Thomas Schirrmacher. Ethik. Bd. 5. RVB/TVR: Hamburg/Nürnberg 2002.

Die Bergpredigt (1): Interpretationsmodelle

Die Bergpredigt (Matthäus 5-7), zentrales ethisches Lehrstück von Jesus, ist von verschiedenen hermeneutischen Standpunkten aus interpretiert worden. Die wichtigsten Sichtweisen:

  • Die Katholiken meinten, sie sei nur von einzelnen zu erfüllen, die sich besondere Verdienste erwerben wollen.
  • Die Lutheraner hingegen betonten, dass die Bergpredigt Gesetzescharakter trage und deswegen unerfüllbar sei.
  • Aus der täuferisch-mennonitischen Optik sind Christen zum radikalen Gewaltverzicht aufgerufen.
  • Die Dispensationalisten (welche die Heilsgeschichte Gottes in verschiedene Zeitabschnitte unterteilt sehen), erkennen darin ein Programm für einen zukünftigen Zeitabschnitt,
  • Leo Tolstoi Programm zur Sozialreform,
  • und die Situationsethik die Erfordernisse des Reiches Gottes für einen bestimmten Augenblicks.

Aus: Thomas Schirrmacher. Ethik. Bd. 5. RVB/TVR: Hamburg/Nürnberg 2002.