Lernerlebnis Nr. 4: Eltern bitten ihre Kinder um Vergebung.

Keine Unternehmung, die nicht davon spricht, dass sie eine “Fehlerkultur” wolle. Auch die Familie ist ja ein Kleinunternehmen. Eine wichtige Hürde für eine positive Familienatmosphäre ist das Bekennen von Fehlern.

So geschehen gestern morgen: Ich fauchte meinen Dritten an und fasste ihn sehr unsanft an den Schultern. Ich realisierte: Jetzt hast du eben aus dem Affekt gehandelt. Ich nahm meinen Sohn auf die Seite auf meine Knie und sagte ihm, dass es mir Leid tue. Er schaute mich mit festem Blick an und vergab mir.

Keine Frage des Wissens, sondern des Willens

Der Gedanke, dass man den Menschen durch Bildung verbessern und die Übel der Menschheit durch intellektuelle Aufklärung beseitigen könne, ist eines der Grundprobleme der griechischen Philosophie, des Humanismus und der Aufklärung. Das staatliche Erziehungssystem und das humanistische Bildungsideal verdanken ihre Existenz der Idee der Hebung der Sitten durch Bildung.

Dahinter steht der Gedanke, dass der Menschen nur deswegen falsch handelt, weil er unwissend ist oder falsch denkt, nicht aber, weil sein Wille böse ist und er unfähig ist, das Gute aus eigener Kraft zu tun. Man will die ethische und verantwortliche Seite aller Gedanken, Worte und Taten auf eine Wissensfrage reduzieren, die den Menschen bestenfalls dann verantwortlich macht, wenn er Bescheid weiss.

Aus: Thomas Schirrmacher. Theologische Ethik. Bd. 1. S. 62.

Wenn Oma gestorben ist

Mein Zweiter (5): Gehen wir an die Beerdigung, wenn Oma gestorben ist?

Mein Ältester (6): Ich kaufe ihr dann einen Blumenstrauss.

Darauf mein Zweiter: Nein, den sieht sie dann ja gar nicht mehr.

Worauf mein Ältester antwortet: Dumm, dass man überhaupt stirbt.

Theorie und Praxis?

Theorie und Praxis ist eine künstliche Trennung in unseren Köpfen, seit den Griechen mitgeschleppter Ballast. Theorie ist das, was im Kopf geschieht. Und Praxis ist das, was wir tun. Dabei ist das eine nicht vom anderen zu trennen. Bei jeder Handlung denken wir schliesslich auch! Jede einzelne Bewegung wird vom Hirn geplant, gesteuert und bewertet.

Deshalb sage ich: Theorie und Praxis fallen zusammen. Es gibt zwei Überbetonungen: Die einen kommen vor lauter Denken nicht ins Handeln (“Praxisferne”), und die anderen handeln lieber einmal mehr, als sie über ihr Handeln reflektieren würden (“Theorieverdrossene”). Beide Übertreibungen führen zu Effektivitätsverlusten. Zu welcher Übertreibung neigst du?

Charlotte Mason – eine Bildungsphilosophie von gestern für morgen

Charlotte Mason (1842-1923), englische Pädagogin, Gründerin einer Lehrerausbildungsstätte, Herausgeberin einer Zeitschrift und von sechs Büchern, investierte ihr Leben ins Thema Lernen. Die Philosophie von Mason steht im angelsächsischen Raum sowohl bei Privatschulen wie auch in der Home Education-Bewegung hoch im Kurs. Im deutschen Sprachraum ist Charlotte Mason hingegen kaum bekannt. Mason betont die Elternverantwortung, die Priorität der Charakterentwicklung, und das Bewusstsein, dass es beim Lernen um Beziehung und nicht in erster Linie um Wissen geht.

Dieser Vortrag ist eine Einführung zu Charlotte Mason. Für eine ausführlichere Einführung empfehle ich "Um der Kinder willen" von Susan Schaeffer Macauley, hier bestellbar.

Passende Bücher:

A Charlotte Mason Education: A Home Schooling How-To Manual

For the Children's Sake: Foundations of Education for Home and School

When Children Love to Learn: A Practical Application of Charlotte Mason's Philosophy for Today

Bindungen zu Gleichaltrigen wegen Bindungslücke der Eltern

Der Bindungsforscher Gordon Neufeld definiert Bindung als Orientierungsrahmen, der sich in körperlicher Nähe, Nachahmung und Identifikation, Zugehörigkeit und Loyalität, Bedeutsamkeit und Vertrautheit ausdrücken kann. Das Kind entwickelt eine sogenannte Primärbindung entweder zu den Eltern oder aber zu Gleichaltrigen. Eine Primärbindung zu den Eltern gibt den Eltern natürliche Autorität, welche zur Übernahme der Fürsorge nötig ist. Sie steuert die Aufmerksamkeit des Kindes und hält das Kind in der Nähe der Eltern. Diese werden zu Vorbildern und Signalgebern. Die Kinder wollen es den Eltern recht machen.

Eine Bindung zu Gleichaltrigen hingegen entsteht aus der Unfähigkeit heraus, eine Bindungslücke von Seiten der Eltern zu ertragen. Durch den Machtwechsel verlieren die Eltern an Einfluss. Die vermeintliche Unabhängigkeit der Kinder ist in Wirklichkeit eine übertragene Abhängigkeit. Die Kinder verlieren ihren natürlichen Schutz vor Stress und werden durch verletzendes Verhalten unsicher. Da die Reife bei den Bindungspersonen fehlt, tritt an die Stelle der Verlässlichkeit die Unberechenbarkeit. Der Entwicklungs- und Reifeprozess beim Kind wird dadurch gehemmt. Ruhe und innere Erfüllung fehlen. Die für die Individualität und Entwicklung der Unabhängigkeit erforderliche schützende Umgebung geht verloren.

Aus: Gordon Neufeld. Unsere Kinder brauchen uns! Genius-Verlag: Bremen 2006.

P. S. Dass die von ihm entworfene Sichtweise kontrovers diskutiert wird, macht diese Leserrezension auf Amazon deutlich: „Die von ihm propagierte Eltern-Kind-Bindung ist alles andere als eine freundschaftliche gleichberechtigte Beziehung, sie ist von Grund auf hierarchisch und autoritär und an den Zweck gebunden zu erziehen.“

Was ist heller…

der Scheinwerfer des Landrovers  (Auto von Opa) oder ein Engel?

Typische Frage meines Zweiten zur Auferstehungsgeschichte (drei Frauen kommen in die Grabhöhle und treffen zwei Engel).

Geschichte aus Gottes Sicht

Heilsgeschichte als solche hat mit Gottes Handeln zu tun. Es ist der spezielle Teil der Weltgeschichte, in dem Gott sein Handeln offenbart, weil es einen direkten Bezug zu unserem Heil hat. Entstehung, Geschichte und Ende ist alles Handeln Gottes. Wir sehen nur die äusseren Fakten. Ein Grossteil von Gottes Handeln ist verborgen. Er erklärt uns jedoch die Ereignisse, die eine besondere Bedeutung für unsere Beziehung zu ihm haben. Diese Erklärungen hat er nicht vom Himmel fallen lassen, sondern durch fortschreitende Offenbarung in der Bibel mitgeteilt.

Heilsgeschichte verläuft nach Gottes Heilsplan, d. h. es gibt einen dahinter stehenden Plan. Es wird durch sein Einwirken in Wort und Tat gestaltet. Es ist also kein menschliches Handeln, das religiös interpretiert wird. Trotz Umwegen und Sprüngen verläuft dieses Wirken zusammenhängend.

Aus einer Vorlesung “Biblische Heilsgeschichte”

Demütige Klarheit – eine Haltung, der ich nacheifern will

Der Kirchenvater Augustinus legt am Anfang seines theologischen Hauptwerkes “De trinitatae” seine Haltung gegenüber den Lesern dar: Demütige Klarheit!

Daher möge jeder, der dies liest, wo er meine sichere Überzeugung teilt, mit mir weitergehen, wo er mit mir schwankt, mit mir suchen, wo er einen Irrtum seinerseits erkennt, zu mir zurückkehren, wo einen meinerseits, mich zurückrufen.

So wollen wir gemeinsam auf dem Wege der Liebe einhergehen, uns nach dem ausstreckend, von dem es heisst: ‚Suchet sein Antlitz immer.’ Ein solches von Ehrfurcht getragenes und Zuverlässigkeit verbürgendes Übereinkommen möchte ich vor dem Herrn unserem Gott mit allen Lesern meiner Werke schliessen, für alle meine Schriften, ganz besonders aber für dieses Werk über die Einheit der Dreieinigkeit, des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes, weil nirgends das Irren gefährlicher, das Suchen mühseliger, das Finden fruchtbringender ist.

Wenn also jemand beim Lesen sagt: Das ist nicht gut dargelegt, da ich es nicht verstehe, so trifft er mit seinem Tadel meine Darstellungsweise, nicht den Glauben; vielleicht hätte es wirklich lichtvoller gesagt werden können. Indes gilt, dass kein Mensch jemals so sprach, dass er in allem von allen verstanden wurde.

Wenn also jemandem in meiner Abhandlung etwas missfällt, so sehe er zu, ob er andere, die sich mit solchen Gegenständen und Fragen beschäftigt haben, versteht, während er nur mich nicht versteht. Ist es so, dann lege er mein Buch beiseite — er kann es auch wegwerfen, wenn er will — und schenke lieber Zeit und Mühe jenen, die er versteht

Auch den Schlusssatz schrieb er im tiefen Bewusstsein seiner eigenen Begrenztheit und Fehlbarkeit:

Du, Herr, Gott, du der Eine, du Gott Dreieinigkeit, was immer ich in diesen Büchern von dir her gesagt habe, mögest du auch als dir gehörig gelten lassen; wenn ich etwas von mir her gesagt habe, dann lass es nicht gelten, und auch so lass mich dein bleiben! Amen.