Bindungen zu Gleichaltrigen wegen Bindungslücke der Eltern

Der Bindungsforscher Gordon Neufeld definiert Bindung als Orientierungsrahmen, der sich in körperlicher Nähe, Nachahmung und Identifikation, Zugehörigkeit und Loyalität, Bedeutsamkeit und Vertrautheit ausdrücken kann. Das Kind entwickelt eine sogenannte Primärbindung entweder zu den Eltern oder aber zu Gleichaltrigen. Eine Primärbindung zu den Eltern gibt den Eltern natürliche Autorität, welche zur Übernahme der Fürsorge nötig ist. Sie steuert die Aufmerksamkeit des Kindes und hält das Kind in der Nähe der Eltern. Diese werden zu Vorbildern und Signalgebern. Die Kinder wollen es den Eltern recht machen.

Eine Bindung zu Gleichaltrigen hingegen entsteht aus der Unfähigkeit heraus, eine Bindungslücke von Seiten der Eltern zu ertragen. Durch den Machtwechsel verlieren die Eltern an Einfluss. Die vermeintliche Unabhängigkeit der Kinder ist in Wirklichkeit eine übertragene Abhängigkeit. Die Kinder verlieren ihren natürlichen Schutz vor Stress und werden durch verletzendes Verhalten unsicher. Da die Reife bei den Bindungspersonen fehlt, tritt an die Stelle der Verlässlichkeit die Unberechenbarkeit. Der Entwicklungs- und Reifeprozess beim Kind wird dadurch gehemmt. Ruhe und innere Erfüllung fehlen. Die für die Individualität und Entwicklung der Unabhängigkeit erforderliche schützende Umgebung geht verloren.

Aus: Gordon Neufeld. Unsere Kinder brauchen uns! Genius-Verlag: Bremen 2006.

P. S. Dass die von ihm entworfene Sichtweise kontrovers diskutiert wird, macht diese Leserrezension auf Amazon deutlich: „Die von ihm propagierte Eltern-Kind-Bindung ist alles andere als eine freundschaftliche gleichberechtigte Beziehung, sie ist von Grund auf hierarchisch und autoritär und an den Zweck gebunden zu erziehen.“

Was ist heller…

der Scheinwerfer des Landrovers  (Auto von Opa) oder ein Engel?

Typische Frage meines Zweiten zur Auferstehungsgeschichte (drei Frauen kommen in die Grabhöhle und treffen zwei Engel).

Geschichte aus Gottes Sicht

Heilsgeschichte als solche hat mit Gottes Handeln zu tun. Es ist der spezielle Teil der Weltgeschichte, in dem Gott sein Handeln offenbart, weil es einen direkten Bezug zu unserem Heil hat. Entstehung, Geschichte und Ende ist alles Handeln Gottes. Wir sehen nur die äusseren Fakten. Ein Grossteil von Gottes Handeln ist verborgen. Er erklärt uns jedoch die Ereignisse, die eine besondere Bedeutung für unsere Beziehung zu ihm haben. Diese Erklärungen hat er nicht vom Himmel fallen lassen, sondern durch fortschreitende Offenbarung in der Bibel mitgeteilt.

Heilsgeschichte verläuft nach Gottes Heilsplan, d. h. es gibt einen dahinter stehenden Plan. Es wird durch sein Einwirken in Wort und Tat gestaltet. Es ist also kein menschliches Handeln, das religiös interpretiert wird. Trotz Umwegen und Sprüngen verläuft dieses Wirken zusammenhängend.

Aus einer Vorlesung “Biblische Heilsgeschichte”

Demütige Klarheit – eine Haltung, der ich nacheifern will

Der Kirchenvater Augustinus legt am Anfang seines theologischen Hauptwerkes “De trinitatae” seine Haltung gegenüber den Lesern dar: Demütige Klarheit!

Daher möge jeder, der dies liest, wo er meine sichere Überzeugung teilt, mit mir weitergehen, wo er mit mir schwankt, mit mir suchen, wo er einen Irrtum seinerseits erkennt, zu mir zurückkehren, wo einen meinerseits, mich zurückrufen.

So wollen wir gemeinsam auf dem Wege der Liebe einhergehen, uns nach dem ausstreckend, von dem es heisst: ‚Suchet sein Antlitz immer.’ Ein solches von Ehrfurcht getragenes und Zuverlässigkeit verbürgendes Übereinkommen möchte ich vor dem Herrn unserem Gott mit allen Lesern meiner Werke schliessen, für alle meine Schriften, ganz besonders aber für dieses Werk über die Einheit der Dreieinigkeit, des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes, weil nirgends das Irren gefährlicher, das Suchen mühseliger, das Finden fruchtbringender ist.

Wenn also jemand beim Lesen sagt: Das ist nicht gut dargelegt, da ich es nicht verstehe, so trifft er mit seinem Tadel meine Darstellungsweise, nicht den Glauben; vielleicht hätte es wirklich lichtvoller gesagt werden können. Indes gilt, dass kein Mensch jemals so sprach, dass er in allem von allen verstanden wurde.

Wenn also jemandem in meiner Abhandlung etwas missfällt, so sehe er zu, ob er andere, die sich mit solchen Gegenständen und Fragen beschäftigt haben, versteht, während er nur mich nicht versteht. Ist es so, dann lege er mein Buch beiseite — er kann es auch wegwerfen, wenn er will — und schenke lieber Zeit und Mühe jenen, die er versteht

Auch den Schlusssatz schrieb er im tiefen Bewusstsein seiner eigenen Begrenztheit und Fehlbarkeit:

Du, Herr, Gott, du der Eine, du Gott Dreieinigkeit, was immer ich in diesen Büchern von dir her gesagt habe, mögest du auch als dir gehörig gelten lassen; wenn ich etwas von mir her gesagt habe, dann lass es nicht gelten, und auch so lass mich dein bleiben! Amen.

Einen ausgewogenen trinitarischen Glauben leben – eine Alternative zum Bestseller “Die Hütte”

Welche Bedeutung ein ausgewogenes Verständnis der Trinität hat, ist mir in letzter Zeit bewusster geworden. Arthur Pink schrieb:

Wollte ich in umfassender Form beschreiben, was nach  meinem Bibelverständnis die Seligkeit der Kinder Gottes auf Erden ausmacht, … so würde ich ohne Zögern antworten: Es ist ihre persönliche Erkenntnis der Personen der dreieinigen Gottheit und ihr Gemeinschaft mit ihnen.

Nicht von ungefähr rühren denn auch die meisten Irrtümer der Kirchengeschichte bis zum heutigen Tag aus einem verzerrten Verständnis der Trinität, so dass Calvin schrieb:

So sind auch die Alten, durch mancherlei Kämpfe gegen falsche Lehren geübt, dazu genötigt worden, ihre Überzeugung mit äußerster Genauigkeit auszusprechen, um nur ja nicht den Gottlosen irgendwelche Schlupfwinkel zu lassen; denn diese benutzten die Hülle der Worte als Versteck für ihre Irrtümer.

Dieser Vortrag orientiert sich am ausgezeichnenten Buch von Thomas W. Johnson "What Difference Does the Trinity Make?" Ein besseres Verständnis der Trinität wird unseren Alltag verändern.

Passende Bücher:

Life in the Trinity: An Introduction to Theology with the Help of the Church Fathers.

The Deep Things of God: How the Trinity Changes Everything

Der andere war’s!

Die Opfer-/Täterdynamik entwickelt sich schon sehr früh im Leben eines Menschen. Während es eigentlich um mich geht, zeige ich reflexartig auf andere. Schon auf den ersten Seiten der Bibel ist dies dokumentiert: „Die Frau, die du mir gegeben hast…“ Indirekt wies Adam Gott selbst die Schuld zu: Wie kannst du, Gott, mir ein solch missliches Geschöpf zur Seite stellen! Der Ruf Gottes (“Adam, wo bist du?”) hat diesen nicht zur Umkehr, sondern in die Rebellion geführt.

Wir brauchen die Rechtfertigung und Erlösung durch Jesus Christus; sonst bleiben wir – wenn nicht in unserem Verhalten, so doch innerlich – in der Opferhaltung gefangen. Der Mensch spielt göttlichen Richter und erhebt sich damit selbst. Er muss befreit werden zu einer realistischen Sicht auf sich selbst.

Gedanke aus einer Vorlesung “Psychologie und Theologie der Vergebung”

Jeder Mensch ist Theologe

Mit dem Wort ‘Gott’ kann vieles gemeint sein. Und so gibt es auch vielerlei Theologien. Kein Mensch, der nicht bewusst oder unbewusst oder halbbewusst – als Gegenstand seines höchsten Begehrens und Vertrauens, als Grund seiner tiefsten Bindung und Verpflichtung auch seinen Gott oder seine Götter hat und insofern auch Theologe ist.

Das gilt nicht nur da, wo man diese Gottheit als Inbegriff der Wahrheit und Macht irgendeines höchsten Prinzips positiv zur Geltung bringen oder doch gelten lassen möchte, sondern auch da, wo man es auf ihre Leugnung abgesehen hat, die ja praktisch doch nur darin bestehen wird, dass man genau ihre Würde und Funktion etwa auf die ‘Natur’, auf einen unbewussten oder gestaltlosen Lebensdrang, auf die ‘Vernunft’, auf den Fortschritt oder auf den fortschrittlich denkenden und handelnden Menschen, vielleicht auch auf ein erlösendes Nichts überträgt, in das einzugehen des Menschen Bestimmung sei: Theologien sind auch solche scheinbar ‘gottlosen’ Ideologien.

Karl Barth. Einführung in die evangelische Theologie. TVZ: Zürich 2006.

Die Grundstruktur des Christseins: Indikativ, dann Imperativ

Die Grundstruktur des Christseins kann zusammengefasst werden in: Indikativ, dann Imperativ!

Erst dürfen wir hören, dass wir in Christus frei gesprochen sind – die Bibel nennt dies gerechtfertigt – und anschliessend, so führt die Bibel aus, sollen wir danach handeln. Anders formuliert: Du bist gerechtfertigt (indikative Verbform) und darum gilt: Sei gerecht! (imperative Form) Du bist in Christus freigesprochen. Sorge dann dafür, dass du wie ein Befreiter lebst.

Paulus bringt es auf den Punkt:  "Auch ihr sollt davon ausgehen, dass ihr für die Sünde tot seid, aber in Jesus Christus für Gott lebt." (Römer 6,11) Darum fährt er fort: "Lasst entsprechend die Sünde nicht länger als König in eurem sterblichen Körper herrschen." (Römer 6,12)

Aus: Wim Rietkerk. In dubio – Handbuch für Zweifler. VKW: Bonn 2010. S. 63. (englische Version)

Passende Bücher:

Os Guinness. Doubt: Faith in Two Minds.