Wenn der Fernseher zum Hausaltar mutiert

Der Fernseher ist Menetekel des Sozialverlustes der Eltern. … Er stellt eine passive Versorgungssituation her. … Die Familie sammelt sich rund um den strahlenden Apparat, als sei er eine Art „Mutter Gottes-Altar“. Zu ihm darf man ein leicht regressives, kleinkindlich gieriges Verhalten einnehmen – und so sieht der Familienabend denn auch oft aus. Alle im Rund, jeder leicht verdauliche, weiche Speise (Kartoffelchips und Snacks) auf dem Schoss, die er sich, während ihm vom Bildschirm 30 000 Lichtpunkte pro Minute in die Augen flackern, fast ohne Unterbrechung (kein Aufschub, kein „Verzicht“) in den Mund schiebt.

Wolfgang Bergmann. Ich bin der Grösste und ganz allein. Patmos: Düsseldorf 2010.

Ähnliche Beiträge