10 Hinweise … für die Notwendigkeit von Gemeindeneugründungen

Ich bin in letzter Zeit selbst Teil einer Neugründung geworden und stehe in Kontakt mit mehreren Gründungsinitiativen.

  1. Wenn 95-98 % der Einwohner einer Region nicht mehr zur Kirche gehen, dann besteht sehr wohl genügend Platz für neue Gemeinden.
  2. Das grosse Lehr-Vakuum hat viele evangelikale Gemeinden von innen her so zerfressen, dass ein äusserliches Bekenntnis durch ein Einzelereignis «umgeblasen» werden kann.
  3. Dem «Mainstream-«Evangelikalismus gebe ich wenig Überlebenschancen. Der grosse Teil ist in den letzten Jahren durch leichtsinnige «Weichspülerei» – einer verdeckten Form des Kulturoptimismus und der unbedachten Anpassung – ausgehöhlt worden.
  4. Wiederbelebung mag vor allem dort angebracht sein, wenn die Mehrzahl oder die komplette Ältestenschaft mit konsequenter Verkündigung und Nachfolge vorangehen.
  5. Neue Gemeinden können sich innerhalb bestehender Gemeindebünde formieren, sich auf der Grundlage bestehender klassischer Bekenntnisse neu formieren, aus anderen Verbänden austretende Gemeinden aufnehmen.
  6. Netzwerke wie E21 und Josia, die personell und theologisch sehr gemeindenahe konzipiert sind, sehe ich als notwendige Ergänzung zur Zurüstung, zur gegenseitigen Ermutigung und zur Sensibilisierung für verunsicherte, suchende Verantwortliche.
  7. Ein Kernstück im ent-kirchlichten Westen wird das gemeinsame Leben sein – also die Kunst eines christlichen Lebens in den beiden Ständen als Familien und Singles.
  8. Gastfreundschaft zu gelegener und ungelegener Zeit über Generationen, Nationalitäten, soziale Schichten und Interessensschwerpunkte hinweg ist ein Schlüssel für Evangelisation und das Entfalten der Schönheit der von Christus wiederhergestellten Beziehungen.
  9. Ergänzende Angebote wie Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder und Betagte sowie generationsübergreifendes Wohnen sind ebenso gefragt; es geht um einen tragfähigen Aufbau überschaubarer Strukturen. 
  10. Gezielte Angebote für verschiedene Lebensphasen nicht im Sinne der Zielgruppen-Segmentierung – wie Orientierung beim Erwachsenwerden, Weiterentwicklung des Berufsverständnisses, Hilfestellung nach Beziehungsbrüchen. Ältere, reifere Männer und Frauen leiten jüngere an (Titus 2).

Buchzusammenfassung: Wie das Christentum den Westen grundsätzlich umgestaltete

In regelmässigen Abständen höre ich mir ein Kapitel aus dem Hörbuch “Dominion” (engl. eBook für 5 USD; dt. Übersetzung) an. Kürzlich habe ich eine zentrale Aussage des Autors über die Antike wiedergegeben. Die farbigen Einzeldarstellungen machen es mitunter schwierig, den Faden nicht zu verlieren. Deshalb suchte ich im Netz nach einer Zusammenfassung und fand diese Zusammenschau. Anhand dieser qualitativ hochstehenden Verdichtung wiederholte ich Hauptaussagen der ersten 12 Kapitel.

Gesamtbotschaft: Herrschaft ist ein Buch über die Reichweite (domain) von Jesus Christus. Seine Majestät und Macht, wie sie über die Jahrhunderte gewachsen ist, um die mächtigste kulturelle Kraft zu werden, die die Menschheit je kannte.

Vorwort: Die Römer betrachteten die Kreuzigung als den schlimmstmöglichen Tod, den jemand ertragen konnte. … Es dauerte Jahrhunderte, doch schließlich “diente ein Leichnam als Ikone der Majestät”.

Perser & Griechen: Kyrus und Darius glaubten, dass sie durch den Willen einer Art göttlichen Wesens herrschten und dies gab ihnen das Recht, anderen ihren Willen aufzuzwingen. Das Universum hatte einen Zweck. Es gab ein “Muster für die Dinge”. … Aristoteles lehrte, dass es im Himmel eine kreisförmige Bahn gab, die ewig und geordnet war, aber von “einem Beweger abhing, der sich selbst nie bewegte.” … Aristoteles blickte also auf die Welt und kam zu dem Schluss, dass es eine irdische Ordnung gab, eine Hierarchie, mit bestimmten Menschen an der Spitze. Aristoteles blickte also auf die Welt und kam zu dem Schluss, dass es eine irdische Ordnung gab, eine Hierarchie, mit bestimmten Männern an der Spitze.

Jerusalem (Kapitel 2): Die Juden kamen früh zu dem Schluss, dass sie nicht nur den höchsten Gott verehrten, sondern dass es keine anderen Götter gab. Außerdem war der Mensch einzigartig. Nur er war nach dem Ebenbild des einen Gottes geformt worden. … Jeder Jude, vom König bis zum einfachsten Bauern, war diesem (göttlichen) Gesetz unterworfen.

Galatien/Paulus (Kapitel 3): Dass das Gesetz des Gottes Israels in das menschliche Herz eingeschrieben sei, dort von seinem Geist geschrieben, war eine Vorstellung, die sich gleichermaßen auf die Lehren der Pharisäer und Stoiker bezog – und doch war sie beiden gleichermaßen fremd. … Damit dass unser Körper der Tempel des Heiligen Geistes ist, hat Paulus die Einstellung zum Sex als Sakrileg bezeichnet, die für die meisten Männer in Korinth oder Rom selbstverständlich war.

Lyon/Irenäus – Origenes – Konstantin (Kapitel 4): “Die Bereitschaft der Christen, unerträgliche Qualen auf sich zu nehmen – die denen, die sie verurteilten, nur als Wahnsinn erscheinen konnten – gründete sich auf eine ehrfurchtgebietende Überzeugung: dass ihr Erlöser an ihrer Seite war.” … Kaiser (Konstantin), der das Christentum zur religio licita erklärte, entdeckte noch etwas anderes an diesem Glauben. Wahre Religion bestand nicht aus richtigen Ritualen oder Opfern. Sie bestand aus dem richtigen Glauben.

Barmherzigkeit – Martin von Tours (Kapitel 5): Das Mitgefühl für die Armen kann nicht aus dem Nichts herbeigerufen werden. Die Logik, die das Mitgefühl aus zwei wohlhabenden Männern wie Basilius und Gregor hervorrief, “ergab sich aus den Grundlagen ihres Glaubens.” … Währenddessen entstand in Gallien eine neue Art von Held – ein christlicher Held. Er wird nicht als heroisch angesehen, weil er politische oder militärische Macht ausübt, sondern weil er beides meidet.

Himmel – der Einfluss irischer Mönche (Kapitel 6): Holland beschreibt eine radikal neue Auffassung von Zeit. Die Alten hatten geglaubt, dass sich die Geschichte in Zyklen bewegt, aber die Christen hatten eine lineare Sicht. … “Geschult im grimmigen, anspruchsvollen Mönchtum seiner Heimat, erschien Columbanus den Franken als eine Figur von ehrfurchtgebietender und sogar erschreckender Heiligkeit.” Der Einfluss der irischen Mönche ist unermesslich.

Späte Antike – Islam (Kapitel 7): “Provinzen des kampfesmüden römischen und persischen Reiches fielen wie zerkochtes Fleisch, das vom Knochen rutscht, in den Griff der arabischen Kriegerbanden.” Wenn sie von den muslimischen Horden gefangen genommen wurden, mussten Christen und Juden, obwohl Menschen “des Buches”, eine Steuer zahlen und sich ihren arabischen Eroberern unterwerfen. … Während das Christentum für immer aus dem Nahen Osten und Nordafrika vertrieben wird, breitet es sich in Nordeuropa aus. Holland widmet einen Abschnitt dem Wachstum des Christentums in England und der bemerkenswerten Karriere von des Mönchs Bede (672-735).

(Neuer Abschnitt «Christendom») Bekehrung der Barbaren (Kapitel 8): Die “barbarische Bekehrung” ging nicht von den zivilisierten römischen Christen des Mittelmeerraums aus. Sie kam dröhnend aus den Weiten des ehemaligen Reiches, aus Irland und England. Deren Bewohner sahen ihre barbarischen Mitmenschen nicht als abstoßende Kreaturen, die man meiden sollte, sondern als Geschöpfe Gottes, die in der Finsternis lebten und dringend Licht brauchten. Und Licht lieferten sie. … “Wie konnte das Gesetz Gottes in die Herzen der Christen geschrieben werden, wenn sie nicht richtig christlich waren? Ohne Erziehung waren sie dem Untergang geweiht.”

Revolution (Kapitel 9): Holland wendet sich dem großen Thema der “Investitur” zu und sieht darin einen Wendepunkt in der Weltgeschichte. … Bischof Hildebrand, der spätere Papst Gregor VII., griff die Häresie an, kämpfte aber auch für die Reinheit und Macht der Kirche. Er forderte den Zölibat, nicht nur für Mönche, sondern auch für den “weltlichen” Klerus. … Was aus dieser Kontroverse hervorging, war etwas ganz Neues in der westlichen Kultur. Die Unterscheidung zwischen dem “Säkularen” und dem “Religiösen”. Sie wurde zu einem festen Bestandteil des Selbstverständnisses des Westens. Gregor hatte versucht, die gesamte Gesellschaft unter die Ägide der Kirche zu bringen.

Verfolgung (Kapitel 10): Holland beginnt das Kapitel mit einer Vignette über die heilige Elisabeth, eine Frau von erstaunlicher Hingabe, die im Alter von 24 Jahren starb und kurz darauf heiliggesprochen wurde. Als königliche Prinzessin verschenkte sie all ihren Reichtum und widmete ihr kurzes Leben dem unermüdlichen Dienst an den Armen. Er präsentiert auch den heiligen Franz von Assisi, den größten der Bettelmönche … Der Papst sanktionierte einen Kreuzzug gegen die Albigenser, die Heimat der “Katharer” oder “Reinen”. Zum ersten Mal wandte die Kirche ihre Feindschaft gegen Mitchristen.

Fleisch (Kapitel 11): Die Sexualordnung vor dem Aufkommen des Christentums war davon ausgegangen, dass “jeder Mann in einer Machtposition das Recht hatte, seine Untergebenen auszubeuten.” Dann hatte die Bibel diese ganze Ansicht umgestaltet. “Nie zuvor war ein Versuch, die Sexualmoral neu zu kalibrieren, in einem solchen Ausmaß unternommen worden. Niemals zuvor hatte man einen so durchschlagenden Erfolg gehabt.” … Der Einzelne, nicht der Patriarch, entschied, ob er eine Ehe eingehen wollte oder nicht. … Prostitution wurde verurteilt, aber es war auch klar im Neuen Testament, dass sie mit Nachsicht behandelt werden und Vergebung erlangen konnten, egal wie weit sie gefallen waren. Und dann war da noch die Homosexualität. Diese wurde von der Kirche weiterhin verurteilt.

Apokalypse (Kapitel 12): Im 15. Jahrhundert gab es eine starke Erwartung der Wiederkunft oder des Endes der Welt oder einer Art von dramatischem, weltveränderndem Ereignis. … Die Herrschaft von Jesus Christus reichte sogar bis in die Köpfe der spanischen Eroberer.

10 Hinweise … zum Jahrhundert-Unwetter

Auch wenn ich selbst nicht betroffen bin, was mir den Vorwurf eines Lehnstuhl-Predigers eintragen kann, ziehe ich einige Schlussfolgerungen aus den Unwettern der vergangenen Wochen.

Ein Windstoss Gottes genügt, um mein irdisches Leben zu Ende zu bringen. Das Bernd-Sturmtief fegte diesen Monat durch einen Stadtteil Zürichs und riss Bäume wie Zündhölzer aus.

Einige Wochen Starkregen genügen, um mein Hab und Gut zu rauben. Flüsse verlassen ihr Bett, in dem sie über Jahr und Tag gezähmt scheinen.

Was du nicht hast, bereitet dir keine Sorgen. Einige Male wurde unser Garten von kurzen Hagelschauern heimgesucht. Ich bin dankbar, dass ich nicht um einen Wagen (und andere Güter) bangen musste.

Schicke dein Hab und Gut voraus. Einer meiner Freunde mahnte wiederholt: “Nur das, was du weg gegeben hast, gehört dir ganz.” In christlicher Terminologie: Wir verwalten und verteilen Gottes Gaben; wir schicken sie voraus in die künftige Welt.

Du hast nichts, was du nicht empfangen hast. Alles, aber auch wirklich alles, bekommen wir letztlich von anderen. Wir sind abhängig von unserer Umgebung – denken wir da nur an Wasser und Nahrung.

Staunend nehme ich von der Welle der Solidarität in unserem Nachbarland Kenntnis.

Ein Staat lebt nicht von der Zentrale, sondern von dezentralen kleinen Kooperativen. Ich ziehe den Hut vor den Bauern, Förstern und Handwerkern, die innert Stunden mit ihrem Gerät vor Ort waren und sich unverzüglich an die Räumungsarbeiten machten.

Geben ist seliger als Nehmen. Neben der Erschöpfung strahlt von vielen Helfern eine grosse Zufriedenheit aus. Es ist SINN-VOLL zu helfen – im Gegensatz zur Kernbotschaft der Konsumgesellschaft, die uns weismachen will, dass nur das zähle, was wir für uns selber nehmen.

Zusammenstehen in der Not schweisst zusammen. Wieviele Bilder von Gruppen sah ich über die sozialen Medien, die im gemeinsamen Einsatz zusammengewachsen sind! (Umgekehrt bin ich mir bewusst, dass für manche Familien die Not zur Zerreissprobe werden kann.)

Es braucht mutige Einzelne, die sich nicht wichtig nehmen. Die Aussage des Unternehmers, der unter Einsatz seines Lebens einen Abfluss in einen gefährdeten Damm gebaggert hat, mag stellvertretend dafür stehen. “Ich bin 68, aber ein Jungbrunnen. Ich bin jeden Morgen um fünf Uhr als erster im Betrieb. Wissen Sie, ich bin ein gläubiger Mensch. Ich habe mich zwei Mal gesegnet als ich runter gefahren bin. ,Du Herr, musst wissen, was passiert`, habe ich gesagt. Und ich hatte keine Sekunde Angst.”

Unsere Politiker brauchen Gebet. Der Möglichkeit Frust und Ohnmacht über soziale Netzwerke auf Kosten von Verantwortungsträgern auszulassen sind Tür und Tor geöffnet. Jede Person in öffentlicher Verantwortung muss eines Tages Rechenschaft über Motive und Taten ablegen. Wir Christen sind aufgefordert für diese Menschen anhaltend zu beten.

10 Hinweise … zum Einsatz von Hörbüchern

Eine neue Gewohnheit aufbauen: Seit ca. zwei Jahren habe ich das Anhören von Hörbüchern zu meiner täglichen Gewohnheit werden lassen. Insbesondere während Transfers zur Arbeit, zu Kunden und zu Menschen, die ich besuche, höre ich mir längere Werke an.

Vorlesungen unterwegs anhören: Vor einem Jahr habe ich in der Sommerlektüre einige Vorlesungsreihen empfohlen. Dies ist Teil meiner Bemühungen, einen noch besseren Zugang zu den Klassikern zu finden.

Gelesenes wieder hervorholen: Zudem habe ich begonnen, bereits Gelesenes wieder hervorzugehen und nochmals zu lesen (siehe dieser Beitrag über Bücher in der Quarantäne). Der Rekord wird durch “Lewis on the Christian Life” gehalten. Nach dem Lesen höre ich mir die auditive Version zum dritten Mal an. Im Herbst 2020 habe ich einige Hinweise notiert, zu welchen Werken ich erneut gegriffen habe.

Vorlesestimmen recherchieren: Angenehmen Stimmen wie z. B. Sean Runnette gehe ich nach und nehme Werke auf meine Hörliste, die in meinem Interessensgebiet stehen

Mit Geschichten die Imagination auf- und ausbauen: Ja, es darf bei mir auch mal poetisch sein; und Geschichten haben einen hohen Stellenwert. In einem Beitrag “Hörbücher für Kinder (und Erwachsene)” spreche ich einige Empfehlungen aus.

Neben diesen inhaltlichen Anregungen folgen fünf methodische Hinweise:

Lass dich nicht entmutigen, wenn du einen Teil nicht mitbekommst. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.

Besorge dir das Buch bzw. E-Buch. So kannst du wichtige Passagen markieren oder ein Kapitel nochmals lesen. Sehr lohnend ist auch das parallele Lesen und Hören – das habe ich von meinen Kindern gelernt.

Wiederhole zentrale Passagen. Wir leben in einer Welt, die von einem Datenhappen zum nächsten hechelt. Stehe still – auch innerlich, um für dich wichtige Abschnitte zu wiederholen. Es gibt zudem die Möglichkeit des Markierens.

Fasse das Gehörte in eigenen Worten zusammen. Aus dem Bemühen, die Gedankengänge noch besser nachzuvollziehen, habe ich begonnen Aussagen von wichtigen Büchern mündlich zusammenzufassen. Das kann für sich alleine passieren, besser noch im Gespräch mit Freunden.

Lass andere an deinen Schätzen teilhaben. Warum nicht in einem ruhigen Moment z. B. am Abend einen Abschnitt vorspielen und sich dann darüber unterhalten?

Input: Als Westler den Zugang zur Bibel wiedergewinnen

J. I. Packer (1926-2020) hat sich im Lauf seines Lebens oftmals mit dem Einfluss der Bibel auf das Leben des Westlers auseinandergesetzt. Leland Ryken trägt in seiner Biografie einiges davon zusammen (in Teil III “Livelong Themes”, Kapitel 17 “The Bible”):

Der Platz der Bibel im Leben des Westlers

  • Die Autorität der Bibel: “Gottes Autorität in und durch die offenbarte Wahrheit der Bibel muss stets unseren Glauben und unser Verhalten kontrollieren und prägen.”
  • Die Bibel ist unter den Christen arg vernachlässigt worden: “Einst wussten die meisten Menschen im Westen etwas von dem, was in der ‘Guten Schrift’ stand, um uns in unserem Leben zu führen; heute jedoch wissen nur sehr wenige oder kümmern sich darum, was die Bibel lehrt.”
  • Dies ist keine Nebensache, sondern eine Hauptsache: “Die Unkenntnis der Bibel ist eine Tragödie, denn sie garantiert praktisch die Unkenntnis von Gott.”
  • Die Bibel wieder in den Mittelpunkt des Lebens zu stellen, ist dringend notwendig: “Die Wahrheit und Weisheit der biblischen Botschaft wieder in den Köpfen der Menschen zu verankern … ist vielleicht die dringendste Aufgabe der Kirche heute.”  (255f; Taking God Seriously, 2013)

Welches ist eine angemessene Haltung der Bibel gegenüber?

  • Wir werden nicht bestrebt sein, die Bibel zu verstehen, wenn wir nicht ihre Autorität akzeptieren;
  • wir werden sie nur insofern verstehen, als wir sie richtig interpretieren;
  • die Bibel zu verstehen bedeutet, ihre Lehre zu aufzunehmen;
  • Gott gibt dieses Verständnis durch seinen Heiligen Geist und durch den Beitrag der christlichen Gemeinschaft und ihrer Überlieferungen. (255; Beyond the Battle for the Bible, 1980)

Was bedeutet dies für unsere Herangehensweise an die Bibel?

  • Wir müssen einen biblischen Text in Übereinstimmung mit der Absicht des Autors interpretieren;
  • wir müssen von der Kohärenz, Harmonie und Wahrhaftigkeit der Bibel ausgehen;
  • wir müssen einzelne Teile der Bibel interpretieren, indem wir sie in den Kontext des gesamten biblischen Kanons stellen;
  • wir müssen auf einen biblischen Text mit einer Vermehrung unseres Glaubens reagieren. (257; Understanding the Bible: Evangelical Hermeneutics)

Dies sind einige Grundregeln für die Interpretation:

  • Wir müssen die menschlichen Autoren der Bibel berücksichtigen und ihre menschlichen Absichten respektieren (auktoriale Absicht);
  • wir dürfen einen Text nicht allegorisieren, im Widerspruch zu dem, was der Autor beabsichtigte (die wörtliche Auslegung der Schrift);
  • die Bibel ist kein Code, sondern ein Buch, das jeder in seinen Grundgedanken verstehen kann (die Verständlichkeit der Schrift);
  • jede Bibelstelle ist in einen bestimmten historischen Kontext eingebettet (die Notwendigkeit, historisch zu kontextualisieren);
  • einzelne Teile der Bibel müssen im Licht anderer Teile interpretiert werden (“die Analogie der Schrift”);
  • wir müssen anerkennen, dass die unveränderliche Wahrheit der Bibel in historische Besonderheiten eingebettet ist, die wir auf unsere eigenen Situationen neu anwenden müssen (die universelle Relevanz der Bibel); 
  • es kann keine Bedeutung in einen biblischen Text hineingelesen werden, sondern muss aus ihm herausgelesen werden (die Notwendigkeit der Exegese und eines induktiven Zugangs zum Text). (258; Concise Theology)

Was sind die Funktionen der Bibel?

  • Die Bibel ist eine Bibliothek von einzelnen Büchern.
  • Die Bibel ist eine Landschaft, d.h. “ein Panorama des menschlichen Lebens”.
  • Die Bibel ist ein Brief, der von Gott an jeden Leser persönlich gerichtet ist.
  • Die Bibel ist ein Lauschposten, an dem wir die Stimme Gottes hören können.
  • Die Bibel ist ein Gesetz von Gott – “seine Landkarte des idealen Lebens”.
  • Die Bibel ist ein Licht für unseren Weg. 
  • Die Bibel ist eine Rettungsleine, die ertrinkenden Menschen zugeworfen wird.  (259; Truth and Power: The Place of Scripture in Christian Life)

Hanniel hirnt (300): Hoffnung & Besorgnis aus Sicht eines Vaters

Mit Eltern der FeG München-Mitte bilden wir im Rahmen eines Seminarzyklus eine “lernende Gemeinschaft”. In einer halben Stunde beschreibe ich Beobachtungen, die mich hoffnungsvoll stimmen und die mir Besorgnis bereiten.

Hoffnung und Besorgnis sind in einer biblischen Weltsicht von der Perspektive geprägt, dass wir nicht auf uns selbst abstützen oder uns auf einen “Experten” zu verlassen. Wir suchen Zuflucht bei unserem Dreieinen Gott und vertrauen Seinen Verheissungen.

Buchhinweis: Wenn dein agnostischer Pastor dich in das dekonstruktivistische Fahrwasser zieht

Berthold Schwarz, systematischer Theologe aus Giessen, schreibt:

Die Zahl derer, die in christlichen Elterhäusern aufgewachsen sind und die beim Glauben an Jesus Christus aus welchen Gründen auch immer ins Straucheln geraten sind, nimmt besorgniserregend zu. Die Gruppe der sog. „progressive Christians“ – also ehemalige Evangelikale oder bekenntnis-konservative Christen – nimmt starken negativen Einfluss auf Gemeinden im deutschsprachigen Raum, führt zu Irritationen, Dekonstruktionen von klassisch-biblischen Glaubensinhalten und sogar zu Gemeindespaltungen. Viele Gemeindeleitungen sind intellektuell aufgrund der vorgebrachten agnostischen Argumente gegen den Glauben oder für einen progressiv-unbiblischen „Gottes-Glauben“ überfordert und hilflos. Alisa Childers, eine amerikanische Christin, Influencerin, Musikerin, Apologetin, hat sich zur Aufgabe gemacht, diese „unter die zermalmenden Räder“ des Agnostizismus und der bibelkritisch-liberalen Theologie geratenen Christen und Suchenden „herauszureißen“ (Judas 23) und zum erneuerten Glauben zu ermutigen.

Childers Buch “Ankern” erscheint dieser Tage in deutscher Sprache. Mein Freund Lars Reeh hat die englische Version vor einem halben Jahr rezensiert.

Peter und Paul Bruderer haben Childers neulich interviewt. Die Autorin meint, dass die Bewegung sich schnell weiter entwickle und mittlerweile selbstverständlich von einem postermodernistischen Framework aus argumentiere. Sie empfiehlt dem reifen Christen einen “progressiven” Pastor sofort anzusprechen, einem Neuling in Glauben die Gemeinde schnell zu verlassen (ab Minute 14).

Zur Vertiefung empfehle ich den Artikel “Wie Kirchgemeinden und Verbände theologisch liberal werden” sowie meine (anspruchsvollen) Podcastserien zur Gegenwartskultur im Spiegel Nietzsches sowie zu Truemans Buch zum (post)modernen Selbstverständnis.

Aus den Medien: Kein Mensch mit einem IQ > 50 zweifelt noch am Klimawandel

Aufmerksam las ich mir die Kommentarspalte zu einem Unwetter-Artikel durch. 

A) Bestätigung für den Klimawandel

Kooperation mit Klimazielen: Die Schweiz hat ihre Klimaziele seit 2015 nicht verschärft. Das ist ein Affront gegenüber jenen Ländern, die tatsächlich ihre unmittelbar wirksamen Klimaziele nach oben korrigiert haben.

Titanic-Szenario: Ja, es wird immer ungemütlicher. Aber die Kapelle wird bis zum bitteren Ende weiterhin fröhlich das Lied “Nö, es gibt keinen menschengemachten Klimawandel” spielen. Irgendwann werden sie dann verstummen, und die Ruhe wird einkehren. Danach kann der Planet sich wieder erholen, uns braucht er dazu nicht.

Vertrauenssache: Alle Skeptiker, die hier von “gesundem Menschenverstand” und “selbständigem Denken” faseln, sollten doch Mal schnell einen Blick auf ihre Schulzeugnisse werfen und dann überlegen, ob diese Begriffe bei ihnen wirklich passend sind. Mit etwas Ehrlichkeit dürftet ihr dann feststellen, dass es vielleicht doch sinnvoller ist, den Wissenschaftlern zu vertrauen.

Mehr Extreme: Das Problem ist ja eben genau, dass es immer mehr Extreme gibt. Beispiel: Die Polarkappen schmelzen –> weniger globale Abkühlung + weniger Sonnenlicht, das reflektiert wird; die Polarkappen sind ein wichtiger “Mega-Reflektor”, wenn man so will. (Das führt sowohl zu) “zu trocken” (als auch zu) “mehr nass”. Das kann bspw. an vorangegangenen Dürren liegen: Höhere Verdünstung, mehr Wasser in der Luft, mehr Regenwolken und dann auch mehr Starkregen. 

Rückgabe an die Natur: Zum Klimawandel gehört offensichtlich auch, realistisch einzuschätzen, dass es immer mehr traditionell bebaute Flächen gibt, die in Zukunft nicht mehr bewohnt werden können, sondern an die Natur zurückgegeben werden müssen – und diese Rückgabe gemeinschaftlich zu schultern und sozialverträglich zu gestalten.

Die Frage nach den Denkvoraussetzungen: Die irrational denkenden Skeptiker sollten endlich verstehen, dass zu ihren Aussagen “die Wahrheit kommt ans Licht” und “die Hintergrundmächte werden bald auffliegen” es jeweils auch eine Erklärung bedürfte: “Was ist die Wahrheit”? “Wer sind die Hintergrundmächte”? Würden diese Erklärungen mitgeliefert, dann entstünde eine Diskussionsgrundlage. 

B) Anarchistischer Zynismus

Keine Massnahmen: Wofür Hochwasserschutz-Massnahmen? Ein gesunder Mensch kann schwimmen lernen!

Zynismus gegen Hysterie: In AKW wird Wasser zum kühlen der Brennstäbe eingesetzt. Also je mehr Wasser desto sicherer. Falls Du Dich unsicher fühlst, impfen hilft gegen Hysterie.

Mein Schlauchboot… steht bereit.

Religion vs. Intelligenz: Religiosität als Sonderform eines Instinkts ist eine Verhaltensweise, die über so lange Strecken der Evolution sinnvoll war, dass sie sich als gängiges, nicht ständig bewusst hinterfragtes und erbliches Verhaltensmuster etabliert hat. Weil eine höhere Intelligenz Menschen aber im höherem Mass erlaubt, auch gegen instinktive Verhaltensweisen zu handeln, wenn die Situation es rational erfordert, korrelieren Intelligenz und Religiosität negativ.

Reinspringen & Verbote: Je mehr Verbote, desto mehr Verbotsbrecher kommen. Hört endlich auf den Menschen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Wenn jemand schwimmen gehen will soll er/sie das aber nachher nicht reklamieren, wenn etwas passiert. Selbstbestimmung ist zentral. … Jeder lebensmüde Mensch kann da reinspringen und vorher noch schnell die Nummer 143 anrufen.

C) Fakten und Risiken abwägen

Umgebung berücksichtigen: Der Mensch begradigt alles, eliminiert die Auen, staut wo er nur kann. (Zürich ist auf einem Sumpfkegel gebaut.)

Vorsorgen: Man hat Bauland und Ackerland gebraucht, und deshalb den Flüssen ihre Ausweichgebiete genommen. Nun wird’s aber besser, durch das verdichtete Bauen und den Hochhäusern hat man Platz für weitere zwei Millionen. (Als nächstes ist ein Entlastungsstollen für die Sihl geplant.)

Hochwasser in den letzten Jahrzehnten: Ich rate allen, welche sich betreffend Hochwasser aufregen, sich zu fragen wie sie ohne Wasser leben würden. Wasser kommt und fliesst wieder ab, dies habe ich in den letzten 66 Jahren oft genug erlebt. Dies Jahr blieb das Wasser tiefer als 1970 & 1995. 2005 kam es nicht bis zu Haustür. // Hochwasser gibt es seit Menschengedenken. Wenn man das nur über eine Generation betrachtet ist das doch sehr kurzsichtig. Fragt die alten Bewohner auf der Welt. Mit Klimahysterie fliesst das Wasser nicht schneller ab.

Dürre und Nässe: Wenn wir sonnige Sommer haben, schreien alle nach Wasser für die Natur. Wenn wir Wasser haben, wird auch wieder gemotzt. Wetter ist Natur, die lässt sich nicht vom Geld beeinflussen.

Extremereignis ausgeschlachtet: Seltsam, dass man nun ein tragisches Extremwetterereignis sofort ausschlachtet und darin ohne jegliche Evidenz eine Folge des Klimawandels sehen will. Der Nationale Klimareport des DWD schreibt ausdrücklich, dass in den Sommern der letzten Jahrzehnte weder die Niederschlagsmengen noch die Zahl der Starkregentage noch die Zahl der Extremniederschläge zugenommen haben. Es ist komplett unredlich, von *einem* Extremwetterereignis nun weitreichende Schlüsse zu ziehen, und es ist irrational, nun überall Klimapanik zu verbreiten. (Deutscher Klimareport)

Zitat der Woche: Die verstörenden Grundauffassungen der klassischen Antike

Tom Holland im frisch übersetzten “Herrschaft: Die Entstehung des Westens” (S. 27):

Je mehr Jahre ich mit dem Studium der klassischen Antike zubrachte, desto fremder fand ich sie. Die Werte des Leonidas, dessen Volk eine besonders mörderische Form von Eugenik praktizierte und seine jungen Männer darin ausbildete, nachts aufmüpfige Untermenschen umzubringen, hatten nichts mit meinen eigenen Vorstellungen zu tun; ebensowenig wie diejenigen Caesars, der eine Million Gallier umgebracht und eine weitere Million versklavt haben soll. Nicht nur solche extremen Auswüchse an Herzlosigkeit bereiteten mir Unbehagen, sondern das vollständige Fehlen eines Gespürs dafür, dass die Armen oder Schwachen auch nur den geringsten Eigenwert haben könnten. Warum fand ich das verstörend? Weil ich hinsichtlich meiner moralischen und ethischen Grundauffassungen nicht einmal ansatzweise ein Spartaner oder Römer war. Dass mein Gottesglaube im Laufe meiner Teenagerjahre verkümmert war, bedeutete nicht, dass ich aufgehört hatte, christlich zu sein. Über ein Jahrtausend lang war die Zivilisation, in die ich hineingeboren wurde, die Christenheit gewesen. Die Grundannahmen, mit denen ich aufgewachsen war … stammten nicht aus der klassischen Antike, noch weniger aus der “menschlichen Natur”, sondern ganz klar aus der christlichen Vergangenheit dieser Zivilisation. Der Einfluss des Christentums auf die Entwicklung des Westens war so tiefgreifend, dass er unsichtbar geworden war. Die Revolutionen, an die man sich erinnert, sind die unvollendeten; das Schicksal derer, die triumphieren, besteht darin, dass man sie als Selbstverständlichkeit ansieht.”

VD: AW

Zitat der Woche: Dankbarkeit – weil es kein verdientes Gut gibt

Überdenkenswerte Worte zur Dankbarkeit von Dietrich Bonhoeffer:

Dankbarkeit entspringt nicht aus dem eigenen Vermögen des menschlichen Herzens, sondern nur aus dem Worte Gottes. Dankbarkeit muß darum gelernt und geübt werden. …

Jesus Christus und alles, was in ihm beschlossen ist, ist der erste und letzte Grund aller Dankbarkeit. … In Christus gibt Gott uns alles. …

Dankbarkeit sucht über der Gabe den Geber. Sie entsteht an der Liebe, die sie empfängt. …

Dankbarkeit ist demütig genug, sich etwas schenken zu lassen. Der Stolze nimmt nur, was ihm zukommt. Er weigert sich, ein Geschenk zu empfangen. …

Dem Dankbaren wird alles zum Geschenk, weil er weiß, daß es für ihn überhaupt kein verdientes Gut gibt. Er unterscheidet darum nicht zwischen Verdientem und Unverdientem, zwischen Erworbenem und Empfangenem, weil in seinen Augen auch das Erworbene Empfangenes, das Verdiente Unverdientes ist. …

In der Dankbarkeit gewinne ich das rechte Verhältnis zu meiner Vergangenheit, in ihr wird das Vergangene fruchtbar für die Gegenwart. Ohne die Dankbarkeit versinkt meine Vergangenheit ins Dunkle, Rätselhafte, ins Nichts. Um meine Vergangenheit nicht zu verlieren, sondern sie ganz wiederzugewinnen, muß allerdings zur Dankbarkeit die Reue treten. …

Es ist die Ursünde der Heiden, daß sie Gott, dessen Dasein sie wußten, nicht „als Gott gedankt haben“ (Röm. 1,21). Wo Gott als Gott erkannt wird, dort sucht er als Erstes den Dank seiner Geschöpfe.

Bonhoeffer, D. (2015). Konspiration und Haft 1940–1945. (J. Glenthøj, U. Kabitz, & W. Krötke, Hrsg.) (Sonderausgabe, Bd. 16, S. 491-493). Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus.