Advent-Dank (2): Wie mich meine Frau ermutigt

Danken verändert Denken. In dieser Vorweihnachtszeit denke ich über Selbstverständliches nach, für das ich danken kann.

Die zweite Fünfer-Serie geht an meine Frau. Es geht nicht darum, dass nur "Ausserordentliches" meine Bewunderung bekommen würde. Es ist gerade die Selbstverständlichkeit, mit der sie Dinge tut, die mich ermutigt.

  1. Sie geht am Samstagmorgen früh raus, um die besten Fänge (Einkäufe) für die Familie zu tätigen.
  2. Sie setzt Blumenzwiebeln mit der Stirntaschenlampe – in freudiger Erwartung des Frühlings.
  3. Sie verzichtet auf manche Maschine mit dem einfachen Satz: "Es wird schon zur rechten Zeit etwas kommen." Gott hat ihr schon oft genau das Werkzeug geschenkt, das sie brauchte.
  4. Sie flechtet in beeindruckender Geschwindigkeit den Sonntagszopf.
  5.  Sie fasst in drei Sätzen Sachverhalte zusammen, über die ich wochenlang nachgedacht habe – und hat sie schon umgesetzt.

Für welche Ermutigungen, die Gott durch deine(n) Nächsten tut, kannst du danken? (Für Ehepartner: Welche Seiten an deinem Gegenüber spielst du eher herunter oder wertschätzt du noch zu wenig?)

Advent-Dank (1): Eine Handvoll Selbstverständlichkeiten

Am Jahresende 2015 schrieb ich 10 Beiträge über eine Handvoll Dinge (Umgang mit sozialen Medien, Aha-Momente als Vater und als Ehemann, Erfahrungen beim Bibellesen, Lieblingsorte, nicht fertig gelesene Wälzer, Gründe für glückliches Arbeitnehmer-Dasein, Hilfsmittel für die Familienandacht, Blogger mit Buchempfehlungen).

Dieses Jahr zähle ich jeweils eine Handvoll Gründe auf, für die wir Gott danken können. Das Augenmerk liegt nicht auf dem, was (noch) nicht da ist, sondern auf dem Vorhandenen. Ich gehe noch einen Schritt weiter und danke auch für das Nicht-Vorhandene. Es sind keine ausserordentlichen, sondern gerade die ordentlichen Dinge. Wir dürfen diese dankbar aus Gottes Hand nehmen (vgl. 1. Timotheus 4,4).

Diese fünf Dinge, die ich nenne, sind nicht selbstverständlich. Andere Menschen zu anderen Zeiten und in anderen Gegenden verfüg(t)en nicht darüber. Das bedeutet, dass ich kein Anrecht auf sie habe und gleichzeitig Gott für sie danken kann. Also:

  1. Sauberes Trinkwasser (Qualitätswerte Zürcher Trinkwasser)

  2. Eigenes Bett (Warum man im eigenen Bett am besten schläft)

  3. Kopfhörer, die mich vom Lärm der Pendler abschirmen

  4. Öffentlicher Verkehr bis vor die Haustür; es gab keinen Tag, an dem ich nicht angekommen wäre

  5. Das Hallenbad, in dem ich meinen von der anstrengenden Kopfarbeit harten Schädel oft entspannen konnte

Was wären deine fünf "Selbstverständlichkeiten", für die du danken kannst?

Buchhinweis: Gastfreundschaft = Hausschlüssel

Dies ist Beispiel einer Buchbesprechung, die in sich zu mir gesprochen hat.

  1. Gastfreundschaft ist Teil eines radikal-normalen Lebens: Gott zu gehorchen in dem, was Er uns vor die Füsse legt.
  2. Gastfreundschaft bringt Unordnung und Risiken jeder Art mit sich. Es ist jedoch noch gefährlicher, unseren Kindern eine Art von Zuhause vorzuleben, in denen Leid für Seine Sache fremd bleibt (2Tim 1,8). Der Götze Sicherheit ist zu schnell installiert.
  3. Durch Gastfreundschaft können andere Menschen sehen, wie Christen „wirklich“ leben.
  4. Unsere Heime sollten nicht nur Rückzugsorte und Festungen werden (und damit zum Götzen verkommen), sondern „Krankenhäuser“ und „Inkubatoren“.
  5. Es gehört dazu, Einkommen und Komfort zu opfern, um wirklich verfügbar zu sein. Helikopter-Eltern, an hohem Einkommen Interessierte und Viel-Reisende können dies kaum umsetzen.

Das besprochene Buch: The Gospel Comes with a House Key: Practicing Radically Ordinary Hospitality in Our Post-Christian World von Rosaria Butterfield

Hier geht es zu einem kurzen biografischen Abriss der (aussergewöhnlichen) Autorin.

Kolumne: 10 Botschaften, die ich meinen Söhnen immer wieder sage

Eine keinesfalls abschliessende Liste:

  1. Die Schmerzen derer, die einem anderen Gott nacheilen, werden gross sein.
  2. Viel Geld zu verdienen ist kein Ziel, sondern höchstens Nebenprodukt.
  3. Es gibt nicht nur den Plan A (Ehe und Familie).
  4. Gebet ist nicht (nur) Bitten, sondern vor allem Antworten.
  5. Viele theologische Irrtümer entstehen aus falschen Betonungen und unzulässige Verkürzungen.
  6. Höre aufmerksam auf die Rückmeldung deiner Feinde.
  7. Als Christ wirst du von vielen nicht akzeptiert werden (und von anderen überraschenderweise schon).
  8. Das Urteil der anderen ist manchmal nicht das richtige und keinesfalls das letzte.
  9. Ich wünsche dir kein einfaches, aber ein von Gott erfülltes Leben.
  10. Es gehört zur wunderbaren Eigenart des christlichen Glaubens, dass wir sofort Busse tun und umkehren dürfen.

Übrigens: Diese Bücher empfiehlt Tim Challies zum Thema Elternschaft.

Interview: Langfristige Ziele, Zielvisualisierung, Morgenritual (3)

Auf christusallein.com habe ich ein längeres Interview zum Thema Selbstführung gegeben (Teil I, Teil II).

Im dritten Teil beschreibe ich mein langfristiges Ziel, nehme Stellung zur Zielvisualisierung und berichte über mein Morgenritual. Meinen Fokus setze ich auf das Ausmisten von Götzen.

Wenn der Götze entdeckt ist, muss ausgemistet werden. Ich mache ein aktuelles Beispiel: Es ist mir klar geworden, dass ich innerlich der Fantasie „wenn meine Söhne erwachsen sind, dann…“ nachhing. Innerlich stellte ich mich auf eine ruhigere Zeit ein. Mit Gottes Hilfe befreie ich mich in diesen Monaten von dieser Flucht-Fantasie. Ich rechne damit, dass der Kampf intensiver, mein Nervenkostüm angespannter und mein Ringen um die wahre Freude anspruchsvoller werden wird.

Passendes Buch zum Thema: Wenn die Freude nicht mehr da ist

Zitat der Woche: Jeder Mensch weiss über Recht und Unrecht

In den ersten fünf Abschnitten seines berühmten Buches "Das Christentum schlechthin" (den Titel "Pardon, ich bin Christ" finde ich sehr unpassend; engl. Mere Christianity) wird über die Frage eines universalen Moralgesetzes nachgedacht.

Lewis stellt fest.

Immer wenn Sie jemanden treffen, der behauptet, er glaube nicht daran, dass es Recht und Unrecht wirklich gibt, werden Sie feststellen, dass derselbe Mensch das im nächsten Atemzug zurücknimmt.

Wie denn?

Vielleicht bricht er ein Versprechen, das er Ihnen gegeben hat, aber wenn Sie versuchen, ein Versprechen ihm gegenüber zu brechen, wird er sich im Nu beklagen: «Das ist nicht fair!»

Im Moment, in denen jemand von Fairness spricht, muss er etwas haben, woran er dies misst.

… er beruft sich auf irgendeinen Verhaltensmaßstab und geht davon aus, dass dieser auch der anderen Person bekannt ist.

Dass es diesen Massstab gibt, zeigt die übliche Reaktion des Gegenübers. Dieser sagt nicht:

«Steck dir deinen Maßstab sonst wohin.» Stattdessen versucht er fast immer, plausibel zu machen, dass sein Verhalten in Wirklichkeit gar nicht gegen den Maßstab verstoße, oder wenn doch, dass es irgendeine besondere Entschuldigung dafür gebe.

Schlussfolgerung:

(B)eide Seiten (haben) eine Art Gesetz oder irgendwelche Regeln über Fairness und Anstand oder eine Moralvorstellung im Kopf, wie auch immer man es nennen will, über die sie sich im Grunde einig sind.

Allerdings fügt Lewis hinzu:

Niemand von uns hält das Naturrecht wirklich ein.

Interessiert?

Interview: Selbstführung, Organisation, Tools (2)

In diesem Herzblutinterview werde ich über Selbstführung, Organisation und Tools befragt. Zum ersten Teil geht es hier.

Ich bin darüber besorgt, dass wir endlos nach neuen Ratgebern verlangen, wie wir besser arbeiten, besser Beziehungen pflegen, besser Kinder erziehen, besser unsere Freizeit verbringen können. Die Flut an Ratgebern erweist sich als Symptombekämpfung. Die Frage müsste zuerst lauten: Was bist du unruhig in mir, mein Herz? Was treibt mich an? Weshalb tue ich, was ich tue? Ich vermute, dass aus der ehrlichen Beantwortung der Fragen ganz andere Prioritäten hervorgehen würden.

Zudem stelle ich – etwas schwarz-weiss, zugegeben – zwei Thesen auf:

  • Ablenkung ist eine Folge des Sinnvakuums.
  • Fehlende Organisation ist die Folge schlechter Gewohnheiten.

Hinweise: Gute Podcasts

Auf dem Blog christusallein sind gute Podcasts gesammelt und vorgestellt worden.

  1. Seelsorge: CCEF on the Go
  2. Predigten FeG München-Mitte: FEG München-Mitte
  3. Interviews von Nancy Guthrie: Help me teach the Bible 
  4. Gespräch zwischen Mark Dever und Jonathan Leeman: Pastors‘ Talk 
  5. Kultur des Jüngermachens statt Programmen: The Vine Project
  6. Gemeindegründung: Acts 29 "Churches Planting Churches"
  7. Rechtes Denken: RZIM – Just Thinking
  8. Lutherisches: Tischgespräche
  9. Al Mohler: The Briefing
  10. Al Mohler: Thinking in Public
  11. Matthew Anderson: Mere Fidelity
  12. BBC Podcast: In Our Time
  13. Vorlesungen Westminster Seminary: Lectures Archive
  14. Vorlesungsserien John Frame: History of Philosophy and Christian Thought

Hanniel hirnt: Ich habe selbst ca. 100 kurze Podcasts zu Fragen erstellt und bin daran, zu jedem Bibelbuch ("Vogelflug") einen Überblick zu schaffen.

Predigt: Nicht zu entschuldigen

Zunächst setzen Sie sich hin, holen Ihre Bibel und lesen Römer 1,18 – 3,20 durch. Sie dürfen dies ruhig zwei-, dreimal wiederholen. Oder Sie lassen sich den Text vorlesen. (Falls Sie englisch verstehen, lesen Sie die Einleitung der NIV Study Bible. Oder Sie laden sich Text und Notizen der MacArthur-Studienbibel herunter. Kennen Sie das Bibelprojekt? Sehen Sie sich diese Zusammenfassung der ersten vier Kapitel von Römer an.) und Es handelt sich um eine ausgefeilte Anklagerede mit dem Fazit: Alle Menschen sind schuldig vor Gott. Dann lesen Sie noch Römer 1,16-17 (die Programmtafel zum Römerbrief) sowie Römer 3,21-28 mit der überraschenden Wendung des Freispruchs. "Die Gerechtigkeit Gottes (kommt) durch den Glauben an Jesus Christus zu allen und auf alle, die glauben." (3,22)

In dieser Predigt (Podcast, 24 Minuten), die in der Reformierten Kirchgemeinde Leutwil-Dürrenäsch hielt, spreche ich über:

  • Die verbreitete Ansicht, dass jeder für sich selbst entscheiden müsse, was für ihn gut und böse bzw. richtig und falsch sei. Lernen Sie meine drei Gegenfragen und die Antworten darauf kennen.
  • Die erstaunliche Tatsache, dass jeder Mensch über Gottes Urteil weiss, trotzdem gegen Seine Ordnung handelt und sich darüber freut, wenn andere es auch tun (Römer 1,32).
  • Die ebenso erstaunliche Feststellung, dass Gottes Ordnung jedem Menschen ins Herz geschrieben ist; es zeigt sich gegen innen durch das Gewissen und gegen aussen im Hin und Her von Anklage und Entschuldigung (Römer 2,14-15).
  • Die beiden grundsätzlichen Antworten der Menschen auf die Anklage Gottes: Die einen denken: "Ich werde sicherlich davonkommen. Ich bin bis jetzt noch immer davongekommen und habe gute Karten in der Tasche." Die anderen realiseren, dass sie schuldig sind und suchen bei dem Zuflucht, der Gottes Forderung für sie erfüllt hat: Jesus (Römer 2,3-4).

Der Kerngedanke in einem Satz: Jeder Mensch verfügt über einen inneren Massstab für Gut und Böse. Deshalb ist er nicht zu entschuldigen.

Hat es Sie gepackt? Lesen Sie meine Predigt zu Römer 1,1-17 und zu Römer 1,18-23 nach.

Ausserdem gibt es von mir einen vierteiligen Vogelflug durch den Römerbrief (2 1/4 Stunden, Teil 1Teil 2Teil 3 Teil 4) sowie einführende Vorträge, die ich in Aidlingen gehalten habe.

Übrigens: Der Pfarrer von Leutwil-Dürrenäsch, Michael Freiburghaus, bloggt seit neustem auf michaelfreiburghaus.ch.

Kolumne: Für Sie hat es Platz, für dieses Buch nicht

Angeregt durch einen schwarzen Bruder, dessen Statement "Die Christen müssen wieder auf die Strasse gehen" und seine Gewohnheit, seine grosse Bibel im Zug demonstrativ auf das Tischchen zu legen und betend die Reaktion abzuwarten, habe ich mir eine ESV Thinline Bible gekauft (hier meine begeisterte Rezi) und eine 12er-Schachtel Buntstifte eingepackt.

Auf meinem 40-minütigen Arbeitsweg lese ich täglich in der Bibel. Dabei habe ich wenige einfache Prinzipien, vorab das Gebet Gott möge mir die Augen öffnen. Ich lese ein Kapitel sorgfältig durch und streiche es mit meinem Farbsystem an (so fein, dass der Lesefluss nicht wesentlich gestört wird). Wenn ich ein Kapitel nicht verstanden habe, zu müde oder zu abgelenkt war, wiederhole ich die Lektüre einige Male oder kehre am nächsten Tag dorthin zurück.

Dazu paart sich das Gebetsanliegen, dass mich Menschen auf meine Lektüre ansprechen. Meine Erfahrungen bis heute waren gemischt. Positiv fällt ins Gewicht, dass die Leute tatsächlich von ihrem Smartphone wegblicken, weil der Anblick so ungewöhnlich ist. Der Nachbar beginnt gewöhnlich mitzulesen, was mich sehr freut und weiter beten lässt. Ich merke auch deutlich den Widerstand, den dieses Buch in der Öffentlichkeit hervorruft.

Am schönsten ist es natürlich, wenn die andere Person auch eine Bibel hervorholt. Das ist mir bis jetzt nie mit Einheimischen, jedoch regelmässig mit ausländischen Passagieren passiert. Ein älterer Herr bemerkte beim Absitzen blitzschnell die Schachtel mit der Bibel und meinte, als ich höflich fragte, ob ich mich setzen dürfte: "Für Sie hat es Platz, aber nicht für dieses Buch." Beschwichtigend fügte er hinzu: "Dies war nur ein Spass." Es ist keiner. In unserer neuheidnischen Umgebung hat es für alles und jedes Platz, jedoch nicht für dieses Buch. Der Glaube ist aus der Öffentlichkeit verbannt.