Hanniel hirnt (294): Erlebte Grenzen eines gegenkulturellen Lebens

Als Christen dürfen wir uns zuversichtlich der Realität zuwenden. Das Hinsehen in meine Lebenswelt Ü45 hält einige ernüchternde Einsichten bereit. Weil meine Hoffnung ausserhalb von mir selbst zu finden ist, bin ich getrost. Zugespitzt ausgedrückt: Gerade diese Ernüchterung lässt mich noch vermehrt bei Dem Zuflucht suchen, der das Ende kennt. Es hilft mir das Vorläufige vom Letztgültigen zu unterscheiden. Und: Es lässt mich meine Hoffnung überprüfen. Welche Stücke halten der biblischen Offenbarung stand, welche nicht?

Fünf familiäre und gesellschaftliche Grenzen

  • Die Realität der säkularen Tertiärbildung
  • Der Sog der Virtualität
  • Die Grenzen des Gefragtseins als Arbeitskraft Ü45
  • Die Einseitigkeit meiner Begabung
  • Die fehlende Präsenz der Kirche in unserer Gesellschaft

Fünf persönliche Herausforderungen

  • Vertrauen vs. Kontrolle
  • Selbstbeherrschung vs. Konsequenzen spüren lassen
  • Das Prinzip von Säen und Ernten
  • Die Lücke zwischen Gesagtem und Gemeintem
  • Die Lücke zwischen Gedachtem und Gelebtem

Hier geht es zum Podcast (16 Minuten). Weiterführend:

Input: Der Platz des Denkens aus christlicher Weltsicht

Bei der Lektüre von Tim Chesters “Stott on the Christian Life” – ich kann diese Buchreihe übrigens nur empfehlen, der Band über C. S. Lewis ist sogar als Hörbuch erschienen – bin ich auf dessen Schrift “Your Mind Matters” (erschwinglich erhältlich für die Logos-Bibliothek) gestossen. Es handelt sich um die Verschriftlichung von Konferenzvorträgen aus dem Jahr 1972.

Stott hat seinerseits von der Begegnung mit Harry Blamires und dessen Werk The Christian Mind: How Should a Christian Think?” profitiert. Chester fasst zusammen:

Blamires definiert den christlichen Verstand (engl. christian mind) als  “einen Verstand, der geschult, informiert und ausgerüstet ist, um mit Daten säkularer Kontroversen innerhalb eines Bezugsrahmens umzugehen, der aus christlichen Voraussetzungen gebildet ist.  Ein christlicher Denker, so Blamires, “fordert gängige Vorurteile heraus”, “stört die Selbstgefälligen”, “behindert die emsigen Pragmatiker”, “stellt die Grundlagen von allem um ihn herum in Frage” und “ist ein Ärgernis”. Blamires beklagt den Mangel an “christlichem Geist” in der zeitgenössischen Kirche. “Es ist schwierig, dem völligen Verlust der intellektuellen Moral in der Kirche des zwanzigsten Jahrhunderts mit Worten gerecht zu werden. Man kann sie nicht charakterisieren. ohne auf eine Sprache zurückzugreifen, die hysterisch und melodramatisch klingt.”

Anhand der biblischen Grundlehren von Schöpfung, Offenbarung, Erlösung und Gericht zeigt Stott den Platz des Denkens innerhalb einer christlichen Weltsicht auf. Ich zitiere nochmals Chester:

Erstens hat Gott die Menschheit mit der Fähigkeit zu denken geschaffen. Dies ist ein Faktor, der uns von anderen Tieren unterscheidet. In der Tat werden nicht denkende Menschen in der Heiligen Schrift dafür getadelt, dass sie sich bestialisch verhalten (Pss. 32:9; 73:22). … Trotz unserer Sündhaftigkeit befiehlt Gott den Menschen, zu denken und die Welt um sie herum zu deuten (Jes 1,18; Matthäus 16,1-4; Lukas 12,54-57).

Zweitens weist die Selbstoffenbarung Gottes auf die Bedeutung des Verstandes hin, denn Gottes Offenbarung ist rationale Offenbarung, sowohl seine allgemeine Offenbarung in der Natur als auch seine spezielle Offenbarung in der Heiligen Schrift…

Drittens müssen Christen ihren Verstand gebrauchen, weil die Errettung durch die Verkündigung des Evangeliums erfolgt – Worten, die an den Verstand gerichtet sind. Menschliche Rationalität ist der Schlüssel zur Erlösung. … Nicht nur, dass das Evangelium spricht den Verstand an; es erneuert auch den Verstand (Eph. 4,23; Kol. 3,10). …

Der vierte Grund, warum Christen ihren Verstand gebrauchen sollten, liegt darin begründet, dass die Lehre vom Gericht von der Bedeutung des Verstandes ausgeht. “Denn wenn eine Sache biblischen Lehre über das Gericht Gottes klar ist, dann diese, dass Gott  dass Gott uns nach unserer Erkenntnis beurteilen wird, nach unserer Antwort (oder dem Fehlen einer Antwort) auf seine Offenbarung.”

Stott wendet diese Sichtweise auf zentrale Lebensbereiche an:

  • Anbetung: Das erste Merkmal der Herzensanbetung ist, dass sie auf der Vernunft basiert; der Verstand ist voll beteiligt.
  • Glaube: Der wahre Glaube ist im Wesentlichen vernünftig, weil er auf den Charakter und die Verheißungen Gottes vertraut. Ein gläubiger Christ ist jemand, dessen Geist über diese Gewissheiten nachdenkt und auf ihnen ruht.
  • Heiligung: Das Hauptgeheimnis des heiligen Lebens ist der Verstand. Die erste und offensichtlichste Art und Weise, wie wir den Verstand brauchen, um Heiligkeit zu entwickeln, ist die Notwendigkeit zu wissen, was Gott von uns verlangt.
  • Führung: Wie bestimmt ein Mensch den spezifischen Willen Gottes für sein oder ihr Leben? “Es gibt nur eine mögliche Antwort … nämlich indem man den Verstand und den gesunden Menschenverstand benutzt, die Gott einem gegeben hat . . . im Vertrauen darauf, dass Gott dich durch deine eigenen geistigen Prozesse führt.”
  • Evangelisation: Die Verkündigung von Christus kann sich nicht auf emotionale oder anti-intellektuelle Appelle für Entscheidungen verlassen. Die Menschen müssen verstehen, wer Christus ist, wenn sie sich auf ihn berufen sollen. Stott verweist zunächst auf die Verpflichtung des Paulus, Menschen zu “überreden” (Apg 17,2-4; 19,8-10; 2. Kor 5,11).

Meiner Meinung nach ist die Denkfeindlichkeit im evangelikalen Umfeld nach wie vor sehr verbreitet. Weshalb? Weil er zwei übermächtige Konkurrenten hat:

  1. Pragmatismus: Es funktioniert.
  2. Emotivismus: Es fühlt sich gut an.

Input: Selbstverleugung und Selbstbejahung

Ron Kubsch beschreibt John Stotts ausgewogene biblische Sichtweise zu einer viel diskutierten Facette menschlichen Daseins. Es geht nicht um Selbsthass oder Selbstliebe, sondern um Selbstverleugnung und Selbstbejahung.

Stott löst die Spannung auf, indem er von einer zweifachen Identität des Christen spricht. … Weil das so wichtig ist, zitiere ich das im Zusammenhang aus der deutschen Ausgabe von Das Kreuz. Zunächst schreibt er:

„Was wir sind (unser Selbst oder unsere persönliche Identität) ist zum Teil das Resultat der Schöpfung als Ebenbild Gottes und zum Teil das Resultat des Sündenfalls als entstelltes Ebenbild. Das Selbst, das wir verleugnen, von dem wir uns lossagen und das wir kreuzigen sollen, ist unser gefallenes Selbst, alles in uns, was nicht mit Jesus Christus vereinbar ist (daher seine Aufforderungen ‚verleugne er sich selbst‘ und dann ‚folge mir nach‘). Das Selbst, das wir bejahen und wertschätzen sollen, ist unser erschaffenes Selbst, alles in uns, was mit Jesus Christus vereinbar ist (daher seine Aussage, dass wir uns selbst finden werden, wenn wir uns durch Selbstverleugnung verlieren). Wahre Selbstverleugnung, die Verleugnung unseres falschen, gefallenen Selbst, ist nicht der Weg zur Selbstzerstörung, sondern zur Selbstfindung.“8

Das bedeutet, wir verneinen in uns das, was zu dem gefallenen Selbst gehört, bejahen aber, was unter der Verheißung des neuen Menschen steht. Stott schreibt weiter:

„Was immer wir also durch die Schöpfung sind, müssen wir bejahen: Unsere Rationalität, unser Bewusstsein moralischer Verpflichtung, unsere Sexualität (sei es Männlichkeit oder Weiblichkeit), unser Familienleben, unsere Begabung zu ästhetischem Empfinden und künstlerischer Kreativität, unsere Haushalterschaft über die fruchtbare Erde, unseren Hunger nach Liebe und unser Erleben von Gemeinschaft, unser Bewusstsein der transzendenten Majestät Gottes und unseren angeborenen Drang, niederzufallen und ihn anzubeten. All dies (und mehr) ist Teil unserer erschaffenen Menschlichkeit. Es stimmt, dass es durch Sünde befleckt und verbogen wurde. Doch Christus kam, um es zu erlösen, nicht um es zu vernichten. Deshalb müssen wir es dankbar und positiv bejahen. Was immer wir hingegen durch den Sündenfall sind, müssen wir verleugnen oder ablehnen: Unsere Irrationalität; unsere moralische Verderbtheit; unsere Verwischung sexueller Unterscheidungsmerkmale und unseren Mangel an sexueller Selbstbeherrschung; die Selbstsucht, die unser Familienleben verdirbt; unsere Faszination für das Hässliche; unsere träge Weigerung, Gottes Gaben zu entwickeln; unsere Verschmutzung und Zerstörung der Umwelt; die antisozialen Tendenzen, die wahre Gemeinschaft behindern; unsere stolze Autonomie und unsere götzendienerische Weigerung, den lebendigen und wahren Gott anzubeten. All dies (und mehr) ist Teil unserer gefallenen Menschlichkeit. Christus kam nicht, um sie zu erlösen, sondern um sie zu vernichten. Deshalb müssen wir sie entschieden verleugnen oder ablehnen.

Zitat der Woche: Das Licht scheuen

Wir hören uns in der Familie das Hörbuch von “Der Herr der Ringe” an. Bei der Figur von Gollum läuft uns ein Schaudern über den Rücken; er ist uns eine Warnung. Gandalf schildert seine (tragische) Geschichte in Kapitel 2:

Gollum ist ein Lügner, und seine Worte muss man sieben. Zum Beispiel sagte er, der Ring sei sein ›Geburtstagsgeschenk‹, und dabei blieb er. Er habe ihn von seiner Großmutter bekommen, die noch viel Schönes dergleichen besessen habe – eine lächerliche Geschichte. … Der Mord an Déagol lag Gollum schwer auf der Seele, und er hatte sich eine Entschuldigung zurechtgelegt, die er seinem ›Schatz‹ immer von neuem wiederholte, während er im Finstern seine Fischgräten abnagte, so lange, bis er beinahe selbst daran glaubte. Es war sein Geburtstag gewesen, und Déagol hätte ihm den Ring schenken müssen. Offenbar war der Ring nur aufgetaucht, um ihm zum Geschenk gemacht zu werden. Darum war er sein Geburtstagsgeschenk, und so weiter. …

Licht, ob von Sonne oder Mond, scheute und hasste er noch immer, und ich glaube, das wird wohl so bleiben; aber er war gerissen. Er lernte, sich vor dem Tageslicht und vor dem Mondschein versteckt zu halten; und in dunkler Nacht konnte er sich mit seinen fahlen kalten Augen rasch und lautlos zurechtfinden und kleine, ängstliche oder unvorsichtige Geschöpfe überwältigen. …

Mordor zieht alle bösen Dinge an, und die dunkle Macht legte sich gerade mit aller Willenskraft ins Zeug, um sie dort zusammenzurufen. Der Ring des Feindes muss in Gollum auch Spuren hinterlassen haben, so dass er für den Aufruf empfänglich wurde. Und überall munkelte man damals von dem neuen Schatten im Süden und seinem Hass auf den Westen. Da hatte Gollum seine neuen guten Freunde, die ihm bei seiner Rache zur Hand gehen würden! Der erbärmliche Narr! In jenem Land wird er allzu viel erfahren haben, mehr als für ihn gut ist. …

»Es tut mir Leid«, sagte Frodo. »Aber ich habe Angst, und für Gollum empfinde ich kein Mitleid.« »Du hast ihn nicht gesehen«, warf Gandalf ein. »Nein, und ich will ihn nicht sehen«, sagte Frodo. »Ich verstehe dich nicht. Soll das heißen, du und die Elben, ihr habt ihn am Leben gelassen, nach all diesen Greueltaten? Jedenfalls ist er jetzt ebenso schlimm wie nur irgendein Ork. Er ist schlicht ein Feind. Er hat den Tod verdient.« »Verdient hat er ihn, und ob! Viele, die noch leben, haben den Tod verdient. Und manche, die sterben, hätten das Leben verdient. Kannst du es ihnen wiedergeben? Also sei auch nicht zu schnell fertig mit dem Todesurteil! Denn selbst die Weisesten können nicht sehen, wie alles ausgehen wird. Ich habe nicht viel Hoffnung, dass Gollum, bevor er stirbt, noch geheilt werden kann, doch eine geringe Aussicht besteht. Und sein Schicksal ist mit dem Schicksal des Ringes verknüpft. Mein Herz sagt mir, dass er, ob zum Guten oder zum Bösen, am Ende noch eine Rolle zu spielen hat; und dann könnte von Bilbos Mitleid das Schicksal vieler anderer abhängen – nicht zuletzt deines. Jedenfalls, wir haben ihn nicht getötet; er ist sehr alt und sehr elend. 

Evangelium21 Konferenz: Die Mahnung zur Heiligung

Ron Kubsch predigte zum Abschluss der E21-Konferenz zu den letzten Versen von 2. Petrus. Wir haben uns diese Predigt als Familie angehört und sind sehr gesegnet worden.

Petrus ruft am Schluss seines Briefes zu einem heiligen Wandel auf. Er wusste darum, dass Wiederholen hilft Dinge besser zu verstehen. Deshalb schärft er am Schluss Bekanntes und zieht ein Fazit.

1. Strebt nach einem untadeligen Leben

Mit dem “darum” bezieht er sich auf das vorher Dargelegte zum kommenden Tag Gottes. Der Aufruf zum unbefleckten und untadeligen Leben steht im Gegensatz zu den Eigenheiten der Lügenlehrer. Petrus bezeichnete diese als “Schandflecken”. Der Orientierungspunkt der Erlösten ist hingegen das unbefleckte Lamm.

Dem errettenden Glauben folgen gerechte Werke. Wer Christus kennt, lebt im Licht, und dieser Glaube bringt gute Früchte hervor. Die Heiligung ist ein lebenslanger Prozess; wir sind nicht irgendwann damit fertig auf dieser Erde. Zur Neuausrichtung gehört die anhaltende Bussbereitschaft.Die Heiligung lebt von der Gemeinschaft mit Christus. Petrus selbst wusste das: Er weinte bitterlich nach seinem Fehltritt und empfing Vergebung.

Johannes Calvin (1509-1564) ist uns in dieser Haltung ein Vorbild. So weit es ging, bemühte er sich am Ende seines Lebens trotz vielfältiger körperlicher Beschwerden darum, seine Arbeiten fertig zu stellen. Sein Argument: Warum sollte mich mein Herr bei seinem Kommen untätig vorfinden

2. Achte und nutze Gottes Geduld

Christen verknüpfen die Heiligung mit der Retterliebe; sie begreifen die Geduld des Herrn und den Aufschub als Anlass  zur Rettung von Menschen. Die leichtfertigen Lehrer meinten: Er ist bisher nicht gekommen und wird auch nicht kommen – und lebten nach ihren eigenen Begierden.

Christen entwickeln geistliche Sehnsüchte; sie haben Lust an dem, was Gott gefällt. Sie verkündigen das Wort vom Kreuz mit Ernst und Leidenschaft. Wir wollen den Wald, die Gesundheit und die Schönheit retten. Vieles ist in der Tat rettungswürdig. In der Gemeindearbeit müssen wir Prioritäten setzen. Die Tierliebe darf die Retterliebe nicht überschreiben.  

3. Hüte dich vor den Schriftverdrehern

Diese Notiz wirkt überraschend. Petrus spricht vom geliebten Bruder Paulus und verweist allgemein auf dessen Weisheit. Manche heutige Ausleger vertreten die These: Petrus war doch Fischer und Vertreter des praktischen Christentums; Paulus mit seiner erstklassigen Bildung war der grosse Theoretiker des Glaubens. Und ja, es gab eine echte Konfrontation zwischen den beiden (siehe Galater 2,11-14). Drei Anstösse.

  • Wir brauchen, wenn es um die Wahrheit des Evangeliums geht, den Mut einander zuzuhören und zu ermahnen. Das geht nicht, wenn wir alles nebeneinander stehen lassen.
  • Trotz unterschiedlicher Persönlichkeiten konnten die beiden gut zusammenarbeiten. Es kann anstrengend sein, doch genau so baut Gott seine Gemeinde!
  • Sie fanden trotz Streit zusammen und haben gemeinsam der Sache des Herrn gedient.

Petrus und andere fanden einige Dinge von Paulus schwer verständlich. Das griech. Wort kommt nur hier im NT vor und bezeichnet dunkle Texte, die man nicht sofort erfassen kann und sich deshalb gründlich auseinandersetzen muss. Allerdings: Das schwer Verständliche wird verbogen, um die eigenen Sichtweisen auszubreiten.

Es kommt mir vor, als ob die Wortverdrehung zur Zeit Hochkonjunktur haben. Manche erwecken den Eindruck, dass sie Paulus besser verstehen als er sich damals selbst verstanden habe. Etliche gehen so weit zu behaupten, sie müssten dem Wort eine neue Bedeutung einhauchen. Rob Bell behauptet beispielsweise, die Bibel sei noch nicht abgeschlossen. Wir hätten den Auftrag, der Bibel einen Sinn zu geben. Vorsicht: Wer die Bibel verdreht, spielt mit dem Heil.

Gottes bewahrendes Handeln hebt unsere Verantwortung nicht auf. Es reicht nicht, die erbaulichen Aspekte des Evangeliums zu verkündigen. Ein fliessendes Fundament gibt keinen Lebenshalt. Darauf kann auch keine Gemeinde gebaut werden. Es reisst uns in den Abgrund. Wenn du jede Meinung stehen lässt, wird die Gemeinde eines Tages nicht mehr wissen, was das Evangelium ist.

4. Wachse in der Gnade und Erkenntnis

Die meisten Briefe enden mit Grüssen und einem Lobpreis an Gott. Hier wendet sich der Lobpreis an Christus. Petrus betont dessen Göttlichkeit. Dies ist mit einer Schlussmahnung verknüpft: Hört nicht auf diese Lehrer. Ruht euch nicht auf eurem Standpunkt aus, wachst in der Erkenntnis. Die Gegenwartsform betont den andauernden Prozess. Jesus selbst ist der Geber von Gnade und Erkenntnis. Gleichzeitig ist er die Person, an der wir wachsen. Die Freude an Jesus ist jetzt schon Realität. Nach Petrus fehlt es an Worten, diese auszudrücken (1. Petrus 1,6-8). Durch diesen Wachstumsproezss werden uns Sinne trainiert, dass wir nicht auf die Schriftverdreher hereinfallen.

Input: Gegenkulturelle Lebensgemeinschaften

In einer Art Folgeband zu «Die Benedikt Option: Eine Strategie für Christen in einer nachchristlichen Gesellschaft»[1] (2018) brachte Rod Dreher «Live not by Lies: A Manual for Christian Dissidents» (Nicht mit der Lüge leben: Ein Manual für christliche Dissidenten, 2020) heraus. Ich habe das Buch intensiv studiert und werde meine Erkenntnisse in einem Artikel gebündelt zusammenfassen.

Das Buch ist dem kroatischen Pater Kolakovic (1906-1990) gewidmet, der 1943 nach Prag floh und im Untergrund angesichts der nahenden Gefahr der totalitären kommunistischen Herrschaft die katholische Kirche der Slowakei im Untergrund organisierte (siehe dieser Buchhinweis sowie dieser kurze biografische Abriss). Dreher beschreibt sein Wirken so:

Der Flüchtlingspriester lehrte die jungen slowakischen Gläubigen, dass jeder Mensch vor Gott für sein Handeln verantwortlich sein müsse. Freiheit ist Verantwortung, betonte er; sie ist ein Mittel, um in der Wahrheit zu leben. Das Motto der Jocisten (einer 1924 gegründeten christlichen Gruppe) wurde zum Motto für das, was Pater Kolaković seine “Familie” nannte: “Sehen. Urteilen. Handeln.” Sehen bedeutete, wach zu sein für die Realitäten um einen herum. Urteilen war eine Aufforderung, nüchtern die Bedeutung dieser Realitäten im Lichte dessen zu unterscheiden, was man als wahr erkennt, besonders durch die Lehren des christlichen Glaubens. Nachdem sie zu einem Schluss gekommen sind, sollen sie handeln, um dem Bösen zu widerstehen.

… Die Familiengruppen kamen zunächst zum Bibelstudium und zum Gebet zusammen, hörten sich aber bald auch Vorträge von Pater Kolaković über Philosophie, Soziologie und intellektuelle Themen an. Pater Kolaković bildete seine jungen Anhänger auch darin aus, wie man im Geheimen arbeitet und den Verhören standhält, die, wie er sagte, sicher kommen würden. Die Familie dehnte ihre kleinen Gruppen schnell über das ganze Land aus. “Am Ende des Schuljahres 1944”, sagte Vaško, “wäre es schwierig gewesen, eine Fakultät oder eine weiterführende Schule in Bratislava oder in größeren Städten zu finden, wo unsere Kreise nicht tätig waren.” Im Jahr 1946 deportierten die tschechischen Behörden den aktivistischen Priester. Zwei Jahre später ergriffen die Kommunisten die totale Macht, genau wie Pater Kolaković es vorhergesagt hatte. Innerhalb weniger Jahre wurden fast alle Mitglieder der Familie inhaftiert und die tschechoslowakische institutionelle Kirche brutal zur Unterwerfung gezwungen. Aber als die Familienmitglieder in den 1960er Jahren aus dem Gefängnis kamen, begannen sie zu tun, was ihr geistlicher Vater sie gelehrt hatte.

Dreher berichtet in diesem Artikel von einem Netzfund, wo ein ehemaliger Student Kolakovics darlegt, welch inhaltlicher Reichtum, herunter gebrochen auf die Tagesstruktur, sich durch dessen Vorbild in sein Leben “ergoss”. Der slowakische Jurist Jan Canogursky beschreibt hier das Resultat des pionierhaften Wirkens.


[1] Zu diesem Buch habe ich den Artikel «In der Welt – nicht von der Welt: Denkfutter zu einem Leben einer christlichen (Gegen)kultur» verfasst, erschienen in Bibel & Gemeinde 4/2018.

Zitat der Woche: Gutes und Schlimmes trifft Gute und Böse

Der Kirchenvater Augustinus (365-430) entgegnete in seinem monumentalen Spätwerk “Vom Gottesstaat” dem Vorwurf, dass es dem Römischen Reich so erging, weil es die Götter verlassen hatte. Die dahinter stehende Frage leidvoller Zeiten, die Gute wie Böse trifft, ist so aktuell wie je zuvor:

Man könnte fragen: „Warum hat sich nun aber diese göttliche Erbarmnis auch auf Gottlose und Undankbare erstreckt?“ Doch wohl nur deshalb, weil sie der hat walten lassen, der täglich „seine Sonne aufgehen läßt über Gute und Böse und regnen läßt über Gerechte und Ungerechte“ (Zitat aus Matthäus 5,45). Obgleich sich nämlich nur einige von ihnen, nachdenklich geworden, reuevoll von der Gottlosigkeit bekehren, während andere, wie der Apostel sagt, „den Reichtum der Güte und Langmut Gottes verachten und durch ihre Verstocktheit und ihr unbußfertiges Herz sich Zorn häufen für den Tag des Zornes und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, der jedem vergelten wird nach seinen Werken“ (Zitat aus Römer 2,5f), so ist doch die Geduld Gottes den Bösen gegenüber eine Einladung zur Buße, wie die Geißel Gottes den Guten gegenüber eine Anleitung zur Geduld; und anderseits bedeutet für die Guten die Erbarmnis Gottes ebenso liebende Fürsorge, wie die Strenge Gottes für die Bösen den Zweck und Charakter der Strafe hat. Denn es hat der göttlichen Vorsehung gefallen, erst für die Zukunft den Gerechten Güter zu bereiten, deren sich die Ungerechten nicht erfreuen werden, den Gottlosen aber Übel, von welchen die Guten nicht werden geplagt werden; dagegen sollten die zeitlichen Güter und Übel den einen wie den andern zuteil werden, damit man nicht allzu begehrlich nach diesen Gütern strebe, wenn man nicht sieht, daß auch Böse sie besitzen, noch auch feige diesen Übeln aus dem Wege gehe, da doch zumeist auch Gute von solchen betroffen werden.

Der Gute läßt sich so wenig durch zeitliche Güter zum Übermut verleiten als durch zeitliche Übel niederbeugen; der Böse dagegen wird deshalb durch derartiges Unglück gestraft, weil er durch Glück verdorben wird. Doch zeigt Gott oft auch bei Verteilung von Gütern und Übeln sein Eingreifen ziemlich deutlich. Denn wenn jede Sünde offensichtliche Strafe träfe hienieden, so würde man meinen, es würde nichts für das jüngste Gericht aufgespart; wenn sich aber hinwiederum gar keiner Sünde gegenüber die Gottheit strafend offenbarte hienieden, so würde man glauben, es gebe keine göttliche Vorsehung. Und ähnlich das Glück: Schenkte es Gott nicht manchem auf seine Bitten mit augenscheinlichster Freigebigkeit, so würden wir sagen, er habe damit nichts zu schaffen; gäbe er es anderseits allen, die ihn darum bitten, so würden wir zu der Meinung kommen, man brauche ihm nur um solcher Belohnungen willen zu dienen, ein Dienst, der uns nicht fromm, sondern vielmehr begehrlich und habsüchtig machen würde.

Buch I, Kapitel 8 (VD: FW)

Evangelium21 Konferenz: Biblische Endzeitlehre verändert Leben

Rudolf Tissen predigt begeisternd über den einen ultimativen Tag – den Tag des Herrn. Diese Botschaft trieb mich auf die Knie. Unbedingt ansehen!

Gab es in deinem Leben einen Tag, den du richtig herbeigesehnt hat? Der Tag des Herrn ist der Tag schlechthin! Er ist das letztendliche Ziel unserer Heiligung. Der Ton von Petrus wechselt deutlich: Es geht ihm nicht mehr um die Wölfe, sondern um die Schafe. Er spricht über

  1. Die verspottete Verheissung

Die Strategie von Petrus lautet: Eine lautere Gesinnung seinen Hören aufzuwecken. Dies geschieht durch die Referenz auf die Verheissungen Seines Wortes. Jesus allein sprach 70-mal über das Letzte Gericht. Gottes Wort ist das Fundament für klares Denken. Zuhause zu sein in Gottes Wort ist der beste Schutzwall gegen die vielen falschen Stimmen. Die falschen Lehrer behaupteten, dass alles bleibe, wie es immer gewesen sei. Gott greife nicht ein in die Geschichte. Das widerspricht diametral der Lehre der Vorsehung. Es geht dem Feind darum, in unseren Köpfen eine Atmosphäre zu schaffen, die Wahrheit Gottes komisch und rückständig zu finden. Spott ist seine Hauptstrategie. Gott bewahrt in diesem Moment die Welt souverän aufrecht und bewahrt sie zum Gericht. Der Gedanke, dass das Relative eines Tages vom Absoluten weggefegt wird, einfach lächerlich für Relativisten.

Wieviel Präsenz hat die Wahrheit der Wiederkunft in deinem Kopf? Wir stehen in der Gefahr in einen frommen Deismus abzugleiten.

2. Der Gott der Verheissung

Gott hat einen anderen Blick auf die Zeit. Worauf wartet Gott denn? Es sind mittlerweile 2000 Jahre vergangen. In der Zwischenzeit ist ganz schön Furchtbares passiert. Petrus beantwortet diese Frage mit Gott selbst! Gottes Verhältnis zur Zeit unterscheidet sich von unserem. Kinder empfinden Zeit anders als ihre Eltern. Gott erlebt die Zeit nicht als Abfolge von Momenten, Er steht über ihr. «Ich nenne jegliche Zeit bald.» (Aslan zu Lucy) Er verspätet sich also nicht.

Dass er das Gericht aufschiebt, bringt Gottes Langmut zum Ausdruck. Es ist Ausdruck von Gottes Liebe zu seiner verlorenen Welt. Doch das Gericht kommt. Die Welt wird vollkommen erneuert und erlöst werden. Der Vater wird seinen Plan souverän vollenden – die Schöpfung kann nicht die Beute des Feindes werden.

Gott wird alles ans Licht bringen. Die Geschichte läuft auf einen Punkt grösstmöglicher Transparenz hin. Es ist Gottes Tag. Jesus wird sichtbar körperlich erscheinen. Die Realität seiner Majestät wird unwiderstehlich auf die Herzen gedrückt

3. Ein Leben im Licht der Verheissung

Der Lehrer verlässt die Klasse für einige Momente – und jeder macht, was er will. Gottes Verheissung sollte sich hingegen als positives Hoffnungszeichen auf sein Volk auswirken. Petrus spricht von heiligem Wandel (äusserlich) und Gottesfurcht (innerlich). Heilig zu leben heisst nicht anderes als Gott im Zentrum zu haben. Wir sollen richtig aktiv sein: Den Tag erwarten und beschleunigen.

Das zweite Kennzeichen dieses Lebens ist die Hoffnung auf eine neue Erde, auf der Gerechtigkeit wohnt. Wir werden ungetrübtes Schalom erfahren. Er wird die Tränen in befreites Lachen und Jubeln verwandeln. «Ich versuche jeden Tag für 30 Minuten an den Himmel zu denken.» (Richard Baxter) Dies beeinflusst deine Haltung gegenüber einer vergänglichen Welt, deine Prioritäten und Beziehungen. Biblische Endzeitlehre verändert Leben. Lasst uns jeden Tag an der Grenze zur Ewigkeit leben. Jesus sehnt diesen Tag am meisten herbei.

E21 Konferenz: Die Heiligkeit Gottes soll neu ins Bewusstsein rücken

(Mitschrift der Podiumsdiskussion mit Ron Kubsch, Christian Wegert & Matthias Lohmann; Link zum Livestream)

Heiligkeit Gottes in Vergessenheit geraten

(Ron) Die Heiligkeit Gottes ist ziemlich in Vergessenheit geraten. Wir sprechen viel über die Liebe Gottes. Unsere Herzen sind Götzenfabriken; wir malen uns gerne einen Gott an den Himmel, der unseren Vorstellungen entspricht. Dem echten Gott begegnen wir nur in Seiner Offenbarung. Deshalb brauchen wir Sein Wort.

(Christian) Die Darstellung des Kontrasts zwischen Sinai und Zion hat mich stark beeindruckt. Die auf dem Sinai offenbarte Heiligkeit löste unter Gottes Volk ein grosses Zittern aus. Gott ist so heilig, wie wir es uns gar nicht vorstellen können. Christus ist der einzige Mittler. Erst dann macht das Evangelium richtig Sinn.

(Matthias) Die Heiligkeit ist DIE Wesenseigenschaft Gottes schlechthin. Kein anderes Wesensmerkmal wird so oft erwähnt. Er ist heilig, heilig, heilig. Nirgends steht: Er ist Liebe, Liebe, Liebe.

(Christian/Matthias) Dieser Gedanken hat Konsequenzen für mich als Sünder. Wenn wir das falsch verstehen, fallen viele andere Lehren dahin. Es ist quasi der erste Dominostein.

Der Auftrag zur Heiligung

(Ron) Es gibt Christen, die Heiligung mit Gesetzlichkeit verwechseln. Wo tendieren wir zu einem ungesunden Heiligungsverständnis?

(Christian) Wir müssen klar zwischen Rechtfertigung und Heiligung unterscheiden. Die Schrift sagt klar: Wir sind aus Gnade durch den Glauben gerettet, nicht durch Werke. Das ist unumstösslich. Wenn jemand seine Unzulänglichkeit als Christ vor Gott sieht, meint er oft, er müsse wieder etwas tun um gerecht zu sein. In der Heiligung zu wachsen geschieht nicht deshalb um eine Heilsgunst zu erlangen, sondern als das Ergebnis gnädigen Handelns Gottes an uns. Der Antrieb ist das veränderte Herz – Gesetzlichkeit zielt hingegen auf Äusserlichkeit ab.

(Ron) Die Tugend des Ausharrens: Was heisst das für einen Pastor?

(Christian) Ausharren heisst unter der Last zu bleiben und nicht zu weichen. Für mich bedeutet das in Drucksituationen mich an das Evangelium zu erinnern. Ich reagiere nicht mit Ungeduld, Zorn oder Flucht.

Der Wegweiser zur Heiligung

(Ron) Wiederholung ist die Mutter allen Lernens. Petrus schien das gut zu finden. Ist eine Erinnerungskultur in der Gemeinde wichtig?

(Matthias) Wir brauchen beständige Erinnerung. Da sind immer wieder neue Leute da und in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Es wird aber dann langweilig, wenn ich selbst nicht mehr von den Wahrheiten ergriffen bin.

(Christian) Wir müssen als Pastoren nichts Neues erfinden. Das nimmt Last von den Schultern. Der Lehrdienst ist Erinnerungsdienst.

(Ron) Wir folgen nicht erdichteten Mythen, sondern historisch überlieferten Fakten. Es ist tatsächliches Geschehen. Die Bibel sei ein Zeugnis der Offenbarung – was ist das Problem an dieser Behauptung?

(Matthias) Wenn da wirklich nur Menschen reden, hat es keine Bedeutung. Warum soll ich einer Geschichte glauben, die sich jemand ausgedacht hat? Es ist wahr und ich baue mein Leben darauf. Die christliche Moral ist zwar hilfreich und gut, aber reicht niemals aus. Liberale Theologen lehren nicht nur schlecht, sie leben oft auch schlecht.

(Ron) Reicht es das Wort zu haben?

(Matthias) Erlebnisse waren oft gar nicht so hilfreich. Wir streben nach Gotteserfahrungen. Er gibt sie manchmal. Aber wir brauchen einen Raster, anhand dessen wir diese Erfahrungen interpretieren können. Wir brauchen nichts anderes als Gottes Wort, und nichts anderes ist unfehlbar.

Warum eine Konferenz zur Heiligkeit Gottes?

(Christian) Die Heiligkeit Gottes soll neu ins Bewusstsein kommen. Wir können durch Gesetzlichkeit (falsch verstandene Heiligung) oder Laisser-faire (billige Nachfolge) vom Pferd fallen.

(Matthias) Heiligung bedeutet Hineinwachsen. Viele verstehen dies als etwas Schweres und Freudloses. Richtig verstanden ist es etwas Gutes und Erstrebenswertes! Es besteht in reformierten Kreisen das Bedürfnis viel zu wissen. Wir wollen besser wissen und besser leben.


Buchhinweis: Tiefes Unbehagen mit dem Leben im 20. Jahrhundert

Malcolm Muggeridge (1903-1990) habe ich in all diesen Jahren erst einmal auf meinem Blog erwähnt. Ich habe immer wieder kleinere Stücke aus seinem Werk gelesen. Er wuchs als Kind eines überzeugten Sozialisten in Südlondon auf. Im ersten Band seiner Autobiographie (Chronicles of Wüstet Time; vom Regent College nach seinem Tod 1990 neu aufgelegt) beschreibt er diese Jugend ausführlich. Kürzlich habe ich das Werk sogar auf dem Netz (archive.org) entdeckt!

Sein Biograph Ian Hunter schreibt im exzellenten Vorwort zur Autobiographie:

Sein Gespür zeigte sich in den Wintermonaten 1932-33, als er als Aushilfskorrespondent für den Manchester Guardian in Moskau arbeitete. Er tat etwas Gewagtes: Er ließ sich von seinem russischen Dolmetscher ein Eisenbahnticket in die Ukraine und den Nordkaukasus kaufen. Was Muggeridge auf dieser ausgedehnten Bahnfahrt sah, hat er nie vergessen; Jahre später schrieb er, dass es “als eine albtraumhafte Erinnerung in meinem Kopf blieb”. Und er tat sein Bestes, um sicherzustellen, dass die Welt es nicht vergaß.

Er sah, wie die reichsten Weizenfelder Europas in eine Wildnis verwandelt wurden. Er sah eine Hungersnot – “geplant und absichtlich; nicht aufgrund einer natürlichen Naturkatastrophe wie Regenausfall oder Wirbelsturm oder Überschwemmung. Eine administrative
Hungersnot, hervorgerufen durch die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft … verlassene Dörfer, das Fehlen von Vieh, vernachlässigte Felder: Überall hungernde, verängstigte Menschen.’

In einer deutschen Siedlung, einer kleinen Oase des Wohlstandes in der kollektivierten Wildnis, sah er Bauern, die im Schnee knieten, weinten und um Brot baten. In sein Tagebuch schrieb er: “Was auch immer ich sonst ich in der Zukunft tun oder denken werde, ich darf nie so tun, als hätte ich das nicht gesehen. Ideen werden kommen und gehen; aber dies ist mehr als eine Idee. Es sind Bauern, die im Schnee niederknien und um Brot bitten. Etwas das ich gesehen und verstanden habe.’

Welchen Widerstand und welche öffentliche Schande ihm für diese Enthüllung entgegenschlug! Für seine persönliche Lebensreise bedeutete es einen deutlichen Schritt Richtung Theismus. Jahrzehnte später konvertierte er zum Katholizismus. Sein Buch “Jesus Rediscovered” (online; dt. “Jesus, der Mann, der lebt”) schrieb er, um…

um einer tiefen Unzufriedenheit mit den vorherrschenden Werten und Annahmen des 20. Jahrhunderts Ausdruck zu verleihen, und dem Gefühl, dass es eine Alternative gibt – eine Alternative, die vor zweitausend Jahren am See Genezareth und auf dem Hügel namens Golgatha vorgeschlagen wurde.