Der fünfte Bub (7): Hausmann- und Lehrerdasein.

Allerliebst: Mein Zweiter bringt im Spital seine fürsorgliche Seite ein. Es ist schön zu entdecken, welche Gaben jedes Kind hat! “Wo findest du es schöner, zu Hause oder hier?” Das ist eine seiner typischen Fragen. Er steht lange vor dem Bettchen des Bruders und streichelt ihm zärtlich über das Köpfchen. “Wahrscheinlich habt ihr einander noch, wenn wir schon gestorben sind.” So mutmasst meine Frau. “Ich habe Freude, dass ihr so viele Buben seid.” (Wusste ich’s doch.) “Überhaupt könnt ihr einander stärken und unterstützen.” – Langsam gewöhne ich mich ans Hausmann- und Lehrerdasein. Morgens um halb elf habe ich bereits wieder Hunger, denn bis dann ist schon drei Stunden intensiv gearbeitet worden. Das Motto lautet: Ständig in Bewegung, jede Minute wird genützt. Mit den Kindern frühstücken, ihnen die ersten Geschichten erzählen, Fragen beantworten. Lernen können wir überall: Am Tisch üben wir das Einmaleins, und ich führe die Subtraktion ein. Es geht weiter mit dem Einmaleins und einem Ball. Wir üben Englischvokabeln – in ganzen Sätzen. Das Klavierspiel gehört auch immer dazu, manchmal vierhändig. Auch im Spitalzimmer kann man lernen: Schönschriftübungen, ein Kapitel aus “Geschichten für kleine Leute” und eines aus “Räuber Hotzenplotz”. Auf dem Rückweg werden die Geschichten nacherzählt. Zwischendurch greife ich zum Atlas zeige, wo Lybien liegt, wie gross das Land ist und von was das Land lebt. Oder wir sehen uns die Werbung für die Kantonsratswahlen an und informieren uns übers Internet über Sitzverteilung, Aufgaben und Projekte der kantonalen Legislative.

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