Ich such’ mir eine neue Kirche (8): Fragen stellen allein genügt nicht.

Eigentlich habe ich auf dem Blog schon zu einer Menge Teilaspekte, die in dieses Thema hineinspielen, geschrieben.

  • Hier stellte ich fest, dass bei Gemeinde-Frustrierten oft das sündige Herz des Menschen entlastet und das System als abstrakte Grösse belastet wird. 
  • C. S. Lewis stellt es als eine List des Teufels hin, Menschen, die nicht vom Kirchgang zu kurieren sind, Feinschmecker in Sache Kirchgang werden zu lassen.
  • Oberman stellt in seiner Luther-Biografie fest, dass die Kirch-Gemeinschaft gerade das schützende und tragende Element ist: „Kirchengemeinschaft bedeutet, ‘dass kein Gläubiger je allein lebt oder allein stirbt, sondern in der Gemeinschaft der Heiligen geschützt und getragen ist.“
  • Von Weissenborn habe ich den eindrücklichen Vergleich des Segmentierungs-Denkens, das von der Wirtschaft in die Kirche transferiert wurde – das Zielgruppen-Finetuning.
  • Herausfordernd ist der 29. Artikel des Belgischen Bekenntnisses, der als die drei Kennzeichen einer wahren Kirche festhält: Die reine Predigt des Evangeliums, die Sakramente (Taufe und Abendmahl) sowie (jetzt hole man tief Luft) die Kirchenzucht. Ich sehe darum dringenden Handlungsbedarf: Mehr Verbindlichkeit.
  • Sind wir nicht auf der einen Seite vom Pferd gefallen? Ich befürchte ja. Vor lauter sucher-sensitivem Respekt haben wir die unangenehmen Seiten der biblischen Botschaft auszublenden begonnen. Darum halte ich es mit Marc Driscoll. Die Rückmeldung eines Gottesdienstbesuchers soll eher so sein: Du hast mir einen Schlag ins Gesicht gegeben. Jetzt hole ich meinen Kollegen, damit er auch einen abkriegt (siehe hier).
  • Und nicht zuletzt hat uns Francis Schaeffer ein tolles Vermächtnis hinterlassen: Die Komplementarität von Form und Freiheit. In diesem Aufsatz wende ich die Polarität auf das kirchliche Leben an. Weil die Kirche eine Gemeinschaft von begnadigten Sündern ist, tut sie gut daran, die von Gott gegebenen Normen zu beachten (Form). Auf der anderen Seite muss sie sich gegen jede Erstarrung wappnen, denn nur zu gern werden lieb gewordene Gewohnheiten in den Rang von Gottes Geboten erhoben (Freiheit).
  • Ich pflichte Kevin DeYoung bei, der bei eine zu starke Betonung der Innerlichkeit und eine Verachtung der (liturgischen) Formen feststellt. Ich wünsche mir vermehrt einen Ausgleich. Das ultimative Ziel jeder Predigt ist zu guter Letzt nicht ausschliesslich stimulierend. Ich habe genug Gottesdienste erlebt, in denen nach einer Stunde die erste Bibelstelle gelesen wurde, um sie auch gleich wieder zu verlassen. Die Folge: Unterversorgte Gottesdienstbesucher.
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