Wenn die Musik verhallt ist

Ich hole meine Frau von einem Konzert ab. Es ist früher Sonntagabend. Die Stadt Zürich präsentiert sich mit der Weihnachtsdekoration, den Lichtern entlang der Bahnhofstrasse und der Beleuchtung der historischen Gebäude weihnächtlich und friedlich. Nur an den Tramhaltestellen erhasche ich den Eindruck, dass der Schein trügt. Überdurchschnittlich viele betrunkene Menschen sitzen auf den Bänken. Ein älterer Mann in Jogginganzug und Sonnenbrille schnauzt einen meiner Söhne unwirsch an, als dieser ihn intensiv anblickt. Beim Aussteigen gibt es gar ein kleines Gerangel. Böse Worte fallen wie aus dem Nichts. Ich kann nicht in das Innere der Menschen blicken, doch da ist bestimmt viel aufgestauter Frust, Empörung, Enttäuschung und Bitterkeit. Den Höhepunkt der Unstimmigkeit erlebe ich jedoch an der Kirchentür.

Wir betreten den Vorraum und werden gleich vom Pförtner angeherrscht, draussen zu bleiben. Ebenso ergeht es einigen neugierigen Passanten. Dann öffnet sich die Tür, und die gut gekleideten Konzertbesucher strömen nach draussen. Vor der Damentoilette entsteht gleich ein Gedränge. Es gibt böse Worte und vor allem böse Blicke. Einige besonders eilige Besucher wollen schneller sein als die Masse und drängeln sich unsanft nach vorne. Es wird geschubst und gestossen. Dann beginne ich in die Gesichter der Menschen zu blicken. Ich fordere meine Söhne auf das gleiche zu tun. „Sehen sie glücklich aus?“ „Nein.“ Die Antwort kam prompt. Die Musik ist verhallt, das Event konsumiert, und der Mief der Seele macht sich wieder breit. Die ursprünglich für Gott komponierte Musik vermag des Herz des Menschen zwar punktuell zu besänftigen, aber nicht nachhaltig zu verändern. Nicht einmal für einige Stunden. Veränderung kann nur von innen nach aussen kommen. Es ist gut, sich zu Weihnachten daran zu erinnern. Die einzige Möglichkeit für die Veränderung ist das Wirken des dreieinen Gottes.