Die Karnevalisierung des Gottesdienstes

Nachdem ich zwei Jahrzehnte moderne und postmoderne Gottesdienstgestaltung miterlebt habe, stehe ich diesen Formen heute sehr skeptisch gegenüber. Die offensichtliche mittel- und langfristigen Folgen: Gottesdienst-Konsumkultur, erschreckend zurückgehende Bibelkenntnis, hoher Besucherumschlag. Insbesondere können – von grossen Sammelgemeinden abgesehen – auf diese Art kaum Jugendliche integriert und schon gar nicht langfristig gehalten werden.

Ich stimme der Analyse von Ron Kubsch über zeitgemässe Gottesdienstformen zu.

Gottesdienste sind heute vielerorts eine Spielfläche für Experimente geworden. Der Mensch ist das Maß aller Dinge, auch bei der Ausgestaltung der Gottesdienste. Dieser Anthropozentrismus sorgt dafür, dass wir in den Gottesdiensten immer häufiger dem begegnen, was wir sowie- so gut kennen, nämlich unsere Alltagskultur.

Es ist ratsam, sich über die Erneuerung des Gottesdienstes Gedanken zu machen. Wir sind aufgefordert, dies mit viel Mut und Kreativität zu tun. Natürlich muss es uns dabei ein Anliegen sein, dass die „Gute Nachricht“ von den Hörern verstanden werden kann. Als Luther die Bibel in deutscher Sprache unters Volk brachte und deutsch predigen ließ, wurden mehr Menschen erreicht und die geistliche Mündigkeit der Gemeindeglieder immens gestärkt. Aber Innovationen der Gottesdienstordnung können geistliche Aufbrüche nur dann fördern, wenn sie schriftgemäß sind. Nicht wir Menschen und der Zeitgeist gehören ins Zentrum. Das Evangelium von Jesus Christus muss die Mitte des Gottesdienstes sein. Wir brauchen vor allem den Mut, das Evangelium zu verkündigen. Das Wort Gottes muss Raum erhalten: durch Predigt, Schriftlesungen, Lieder, Gebete und die Sakramente. Das, was die Menschen brauchen und geist- liche Erneuerung möglich macht, liegt nicht in uns, sondern kommt von Gott.

Hier geht es zum Download des Artikels „Gottesdienst als Spielfläche –  Geistlicher Aufbruch durch neue Gottesdienstkulturen?“ Interessant finde ich insbesondere den Vergleich zwischen reformatorischem, modernem und postmodernem Gottesdienst (siehe Seite 24).