Der Wiedereinstieg ins Berufsleben (1): Arbeit im Spannungsfeld von Sinngebung und Störung

Den Wiedereinstieg ins Berufsleben nehme ich zum Anlass zu einigen Reflektionen über ethische und persönliche Aspekte der Arbeit. Die Arbeit steht in einem grundsätzlichen Spannungsfeld. Sie ist auf der einen Seite göttliches Mandat. Der Mensch hat bei seiner Erschaffung den Auftrag zu erhalten, über die Erde zu herrschen und sie sich untertan zu machen (Gen 1,28). Was dies bedeutet, hat er beim Erteilen des Gebots im Garten Eden erläutert. Er sollte diesen Garten bebauen, das heisst gestalten, und bewahren (Gen 2,15). Der Auftrag zum Erforschen und Entwickeln sollte von haushälterischer Sorgfalt begleitet sein. Wer Gottes Schöpfung in dessen Auftrag verwaltet, sollte verantwortungsvoll mit den vorhandenen Ressourcen umgehen und die gewonnenen Erkenntnisse zum Wohl des Geschaffenen einsetzen. Dieser Auftrag wurzelt in der guten Schöpfung Gottes und ist damit ursprüngliche Bestimmung des Menschen. Arbeit hat deshalb eine Gott gewollte, schöpferische und damit auch zutiefst befriedigende Seite. Diese Freude spüre ich immer dann, wenn ich die mir zugeteilten Gaben im Unternehmen, in das er mich gestellt hat, einsetzen darf. Menschen in Entwicklungs- und Lernprozessen anleiten zu dürfen, ist eine befriedigende Aufgabe. Sie bleibt es auch und gerade im Wissen, dass der Mensch in der Wechselwirkung von Denken und Handeln auch ein komplexes Wesen und Geheimnis bleibt.

Doch Arbeit hat noch eine zweite Seite: Sie wird wesentlich erschwert. Dies hat mit dem am meisten ignorierten Vorfall der ganzen Menschheit zu tun – dem Sündenfall. Seither ist alles anders. Der Mensch ist in seiner Einheit von Geist und Körper gestört. Sein Denken, Fühlen und Wollen ist von der Sünde beeinflusst. Dies wirkt sich auf seine Selbstwahrnehmung und all seine Beziehungen aus. Am Arbeitsplatz gibt es Feindschaft, Neid, Hass, Übervorteilung. Ja, es ist damit zu rechnen. Diese störenden Einflüsse können nicht einfach auf die Umgebung abgeschoben werden. Der Ansatzpunkt für all diese Einbussen ist das Herz des Menschen, seine innere Schaltzentrale. Die Sünde betrifft jedoch nicht nur ihn selbst, sondern auch seine Umgebung. Die Schöpfung ist nicht mehr in ihrem Originalzustand, sondern sie seufzt ebenfalls unter der Last der Sünde. So entsteht eine ungünstige Wirkung zwischen ausbeutenden Menschen und einer verfluchten Schöpfung. Gott sei Dank limitiert der Schöpfer und Erhalter das Böse, so dass es sich nicht in jedem Menschen, jeder Unternehmung, jeder Nation und jeder Zeit im gleichen Mass ausbreitet. Arbeit ist somit von wesentlichen Erschwernissen überschattet.

Wir neigen dazu, diese Tatsachen zu unseren Ungunsten zu interpretieren. Dies beeinflusst unsere Arbeit. Die einen investieren sich übermässig in die Arbeit. Sie machen sie zu ihrem Ersatzgott. Wenn die Arbeit einmal fehlt, fehlt alles – Sinn, Beziehungen, Tagesstruktur. Die anderen werten die Arbeit ab und denken, der beste Zustand sei die arbeitsfreie Zeit. Faulheit beginnt sich wie ein Geschwür im ganzen Leben auszubreiten. Darunter leidet alles, genau wie beim Arbeitssüchtigen. Wenn das Evangelium auch unsere Arbeit zu beeinflussen beginnt, verändert sie beidseitig. Sie befreit die einen von ihrem Ersatzgott, und sie befreit die anderen von ihrer Faulheit. Alles, was ihr tut, sagt Paulus zu den Arbeitenden, tut von Herzen für den Herrn und nicht für die Menschen (Kolosser 3,23).

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