Lebensprojekt Kind

Einmal mehr wird es in den Medien thematisiert:

Das Streben nach einer makellosen Schulleistung und, mehr noch, nach einer perfekten Kindheit und Jugend ist in den Mittelschichten zu einer kollektiven Zwangsvorstellung geworden. Und es ist auch ein zentrales politisches Projekt, ein immenser Markt und ein unendliches, diskursives Superthema, vielleicht das letzte Theater bürgerlicher Ambitionen.

Es geht um die Perfektionierung der Kindheit.

Das wird als Hindernis zur Familiengründung seltsamerweise nie diskutiert: wie abschreckend der Trend zur perfekten Kindheit und zur perfekten Eltern-Kind-Beziehung wirkt. In Wahrheit ist pädagogische und familiäre Perfektion stets erstrebenswert, aber keine Bedingung für ein glückliches Leben. Wenn man heute im Freundes- und Kollegenkreis mit erwachsenen Männern und Frauen über ihr Zuhause und ihre frühen Jahre spricht, dann ist man oft erstaunt darüber, aus welch windschiefen Verhältnissen ganz gerade Menschen wachsen.

Eigene Ängste werden auf die nächste Generation projiziert.

Eltern übertragen die eigene Fragilität und Unsicherheit einer die Gestalt immerzu wandelnden Berufswelt, in der permanent Leistung und Weiterbildung die Regel ist, auf den Nachwuchs. Dabei ist die allerbeste Basis für späteres Wohlergehen eine friedliche und fröhliche Kindheit, mit allem, was dazugehört.

Nennen wir es doch beim Namen: Solcher Perfektionismus ist – Götzendienst.

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