Die Schule als Ort, der Neugierde behindert

„Die Welt“ hat im Nachgang zur Anhörung der Familie wunderlich einen ausgewogenen Artikel veröffentlicht. Es ist leicht gemacht, die Familie einfach in eine Ecke zu stellen.

Auch die Wunderlichs sind religiös. Aber wer mit Petra und Dirk Wunderlich spricht, merkt schnell, dass Begriffe wie „fundamentalistisch“ oder „streng gläubig“ auf sie, die keiner bestimmten Kirche angehören, nicht wirklich zutreffen. Sie sagen nicht, Kinder müssen zu Hause unterrichtet werden, weil es so in der Bibel steht. Petra Wunderlich sagt, dass es ihnen um Werte gehe, die in der Schule zu wenig vermittelt würden. Und Dirk Wunderlich betont, dass es ihm auch um Gefühle gehe, die in unserer Gesellschaft zu kurz kämen, die verkümmerten, wenn Eltern und Kinder voneinander getrennt würden. Er spricht von Pornografie und toten Bildern in Fernsehen und Computern, die die Vorstellungswelt der Jugendlichen nährten. In der Schule sieht er einen unnatürlichen Ort, der Neugierde behindere, statt sie zu fördern.

Dass die Motive unterschiedlich sind, der Bildungsstand der Eltern ebenfalls, zeigen die nachher aufgeführten Beispiele:

(E)s sind nicht nur religiöse Motive, die Eltern veranlassen, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten. Häufig ist es schlicht der Eindruck, dass ein Kind nicht ins Schulsystem passt. So wie der älteste Sohn von Judith Menzel (Name geändert) aus Berlin. Schon als Kindergartenkind konnte er rechnen und sich erstaunlich lange mit einer Sache beschäftigen. Er war neugierig. Dann kam er in die Schule, und alles war anders. „Ich war entsetzt“, sagt die promovierte Naturwissenschaftlerin, „in welch desolatem Zustand er nach dem ersten Schuljahr war.“ Die Stifte waren angekaut, er hatte Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Und er stellte keine Fragen mehr. Judith Menzel entschloss sich mit ihrem Mann, es selbst zu versuchen. Im Schulamt trafen sie auf einen aufgeschlossenen Beamten. „Wir wurden von den Behörden wohlwollend toleriert“, sagt sie. Sie schloss sich dem Homeschooling-Netzwerk der christlichen Philadelphia-Schule an. Dort besuchte sie Seminare, in denen Lehrer Eltern beibrachten, wie sie selbst ihre Kinder unterrichten können. Über das Netzwerk kam Judith Menzel auch an Lehrmaterialien. Mathematik war kein Problem, da ließen sich die Leistungen leicht kontrollieren. Aufsätze hat sie beim Netzwerk eingereicht, wo sie von studierten Pädagogen bewertet wurden. Am Ende des Schuljahres riefen die Lehrer bei Menzels an, prüften zum Beispiel die Sprachkompetenz des Hausschülers und verglichen das Zeugnis, das die Mutter geschrieben hatte, mit ihren eigenen Bewertungen.