5 Gründe, warum ich mich auf die E21-Konferenz freue

Wie ein kleines Kind freue ich mich auf die Konferenz in Hamburg, die morgen beginnen wird. Ab und zu hört man abschätzige Bemerkungen über den Konferenztourismus, den Starkult und die gefühlsmässige Höhepunkte, die sich im Dickicht des Alltags wieder in Luft auflösen. Ohne diesen Einwänden widersprechen zu wollen, formuliere ich fünf Argumente für den Konferenzbesuch.

  1. Konferenzerinnerungen: Schon als 10-jähriger Bub freute ich mich mächtig auf die jährlich stattfindenden Konferenzen, die von meiner Herkunftsgemeinde veranstaltet wurden. Es ging über Jahre um den Epheserbrief. Vers für Vers arbeitete man sich durch den Text. Einige Brüder „dienten am Wort“, das heisst sie kommentierten den einzelnen Satz oder Satzteil, den Kontext des Briefes und der biblischen Heilsgeschichte. Ich fertigte mir fortlaufend Notizen an. Mit der Zeit lernte ich zwischen verschiedenen Stilen, Begabungen und Schwerpunkten der Redner zu unterscheiden. Ich merkte, wer sich an den Text hielt, wer seine immergleichen Gedanken unabhängig des Textes präsentierte, wer wem widersprach (indirekt oder direkt). Ebenso interessant waren die Transfers zum Konferenzgebäude. In unserem Mazdabus fuhren bis zu acht Gäste mit. Das bedeutete, dass ich mich manchmal zusammen mit einem ausländischen Missionar oder Lehrer auf eine Kiste im Gepäckraum drückte und dort Zeit für persönliche Gespräche hatte.
  2. Hunger nach Gottes Wort: Ich habe mich nie an ein Gemeindeumfeld gewöhnen können, in denen es als Kür galt, möglichst wenig die Bibel aufschlagen zu müssen. Zum Teil hat sich meiner Meinung nach eine eigentliche Verweigerungshaltung gegenüber dem Wort Gottes entwickelt. Es gilt als chic, möglichst viel von eigenen Erfahrungen und aktuellen (Psycho-)Ratgebern einzubringen. Ich habe nichts gegen Ratgeber, noch weniger gegen interessante biografische Portraits und neue Erkenntnisse aus Forschung und Geschichte. Diese Inputs kann ich jedoch an anderen Orten in noch höherer Qualität abholen. Wenn ich mich jedoch mit Glaubensgeschwistern treffe, so ist mein grösstes Anliegen aus Gottes Wort gestärkt zu werden. Er soll der Mittelpunkt der Überlegungen und Gespräche sein!
  3. Zweierlei Begegnungen: Es gibt zwei Arten von Begegnungen, die ich liebe. Die eine besteht darin, vertraute Gesichter wieder zu sehen und Worte „von Herz zu Herz“ austauschen zu können. Ich liebe Gespräche, die über die oberflächliche Befindlichkeit hinausgehen und eine existenzielle Dimension erreichen. (Vielleicht geht dieses Interesse zulasten des Humors.) Wie geht es einer Person wirklich? Was beschäftigt sie? Welche Fragen trägt sie mit sich herum? In welchen Lernprozessen steckt sie? Hier gilt es fragen und zuzuhören. Die andere Art der Begegnung besteht darin, auf neue Menschen zuzugehen. Ich bete oft darum, dass mir Gott Menschen über den Weg schickt, denen ich eine Stärkung sein darf und ich umgekehrt von ihnen lernen kann. Mich interessiert: Wie sind sie zum Glauben geführt worden? Warum gehen sie in ihre Gemeinde? Welche wichtigen Erfahrungen hat ihnen Gott widerfahren lassen? Warum sind sie zur Konferenz gefahren?
  4. Gebet: Es gibt nichts Schöneres als allezeit zu beten. Ich kann es leise für mich tun. Oft sind es sekundenlange Hilferufe. Erfrischend ist gerade an der Konferenz das Gebet zu zweit, in einer kleinen Gruppe oder in der ganzen Konferenzgemeinschaft. Beten ist ein Ausdruck davon, Gottes Gedanken vor ihm in aller Schwachheit und Unvollständigkeit zu äussern. Es beinhaltet Anbetung, Dank und gegenseitige Fürbitte. Es ist ein Ausdruck des Vertrauens und der freudigen Erwartung an den souveränen Gott. Überdies können Sorgen deponiert, Sünde bekannt und um Belebung für Gemeinde und Einzelne gefleht werden.
  5. Schätze sammeln: Ein Vorgesetzter hat mich einmal als „produktiven Archivar“ bezeichnet. Früher war es der Druckbleistift, heute ist es der Laptop. Ich habe mir bereits einen Raster zurecht gelegt, um wichtige Aussagen zu sammeln. Ich hoffe darauf, in den Vorträgen mitzuschreiben und einige Zusammenfassungen zeitnah auf den Blog stellen zu können.

Um den Kreis (im buchstäblichen Sinn) zu schliessen: Ich freue mich darauf, die gesammelten Schätze aus Gottes Wort, die Begegnungen und die neuen Erkenntnisse wieder in Gemeinde und Familie mitzunehmen.