Buchbesprechung: Was macht die Kirche zur Kirche?

R. C. Sproul. What is the Church? (17) Crucial Questions Series. Reformation Trust Publishing, 2013. 82 Seiten. Kostenloser Download.

Angesichts der Zersplitterung in der Christenheit ist die Frage legitim: Was macht eigentlich Kirche aus? Was sind ihre Charaktermerkmale? Ich treffe laufend Menschen an, die mir erklären, warum sie gerade die Kirchgemeinde gewechselt haben oder (noch häufiger) gar nicht mehr dahin gehen. Zu dieser Aussage erzählt Sproul übrigens eine anschauliche Geschichte. Als an einem Informationsabend einer Kirchgemeinde die Frage aufkam, warum es notwendig sei, einer Kirche anzugehören, kam der Pastor auf eine Idee. Die Gruppe war dabei zu grillen. Er ging zum Grill und legte einige Holzkohlenteile auf die Seite. Nach einigen Minuten führte er die Gruppe dahin. „Vor fünf Minuten waren diese Kohlen am Glühen. Jetzt sind sie ausgekühlt. Warum?“

Nur selten treffe ich auf Menschen, die eine Vorstellung davon haben, was eine Kirche überhaupt zur Kirche macht. In anderen Worten: Während die meisten klar definieren können, was ihren Geschmack trifft und was nicht, stocken die gleichen bei der Frage, auf welchen theologischen Grundlage sie ihre Entscheidung getroffen hätten.

Struktur

Sproul folgt der Gliederung des Nizänischen Glaubensbekenntnisses, um die Charaktermerkmale der Kirche herauszuarbeiten. Die Kirche ist eins, heilig, katholisch (allgemein) und apostolisch.

Wichtige Bibeltexte

  • Botschaften der falschen Propheten im Alten Testament: Friede, dabei war kein Friede
  • Hebräer 10,25
  • Stellen im NT, in denen Christen „Heilige“ genannt werden
  • Hebräer 12,18-24
  • Offenbarung 21,14
  • 1. Korinther 6,19-20

Wichtigste Botschaft

Wir mögen uns Christen nennen, doch welcher Christ verachtet die Braut von Christus?

Kernaussagen

  • Die Kirche hat sich immer mit Irrlehre beschäftigen müssen und darum zu jeder Zeit eine Unterscheidung zwischen rechter und falscher Lehre getroffen.
  • Einer der Skandale des Protestantismus ist dass Kirchenmitgliedschaft nicht durch ein gemeinsames Bekenntnis, sondern entlang von sozioökonomischer Ähnlichkeit definiert wird.
  • Die unsichtbare Kirche besteht aus allen wahren Gläubigen.
  • Wenn eine Person in Christus ist, dann ist er dazu gerufen, in Gemeinschaft mit anderen Christen zu treten.
  • Wenn wir zur Kirche gehen, betreten wir den Himmel selbst, wo Christus in seiner Himmelfahrt gegangen ist.
  • Christen sind das Eigentum ihres Herrn, der sie erlöst hat.
  • Kirche ist (nach den reformierten Bekenntnissen) dort, wo das Evangelium treu veründigt, wo die Sakramente richtig verwaltet und wo Kirchenzucht an den Mitgliedern geübt wird.

Gelernt

  • Eine Einheit, die nur so lange hält, bis man sich über Lehrfragen austauscht, ist keine Einheit.
  • „Liberale“ sind so lange tolerant, bis es um „orthodoxe“ Lehrmeinungen geht.
  • Auf fast jeder Seite des Neuen Testaments findet sich ein Aufruf, an dem von den Aposteln überlieferten Glauben festzuhalten.
  • Wo immer die Kirche sich versammelt, so klein sie sein mag, ist sie die universelle Kirche. Es ist die mystische Einheit (mystical union) Christi mit seiner Braut.
  • Warum nicht ehrlich sein und sagen „Ich lehne den christlichen Glauben ab“ anstatt eine veränderte Version auf anderem Fundament aufzubauen?