Die Funktion der Beichte

Überarbeitete Notizen aus der Vorlesung mit Dr. Ashley Null „Die Rechtfertigungslehre der Reformatoren“

Die sieben Sakramente der mittelalterlichen Kirche waren: Taufe, Konfirmation, Heirat (Meilensteine); letzte Ölung, Beichte (Krisen); Eucharistie, Priesterweihe. Durch die Sakramente kommt der Heilige Geist zu den Menschen, wenn der Priester die richtigen Worte in der richtigen Absicht spricht.

Sehen wir uns die Bedeutung von Taufe und Beichte im Lebensverlauf nach mittelalterlichem Verständnis an:

Seit Geburt haftet dem Menschen die Erbsünde an. Zudem bist er falsch „verkabelt“. Es gibt etwas in ihm, das ihn zum Bösen verleitet. Dies „Etwas“ gleicht dem Zunder, mit dem ein Feuer entfacht werden kann. Mit der Taufe wird jemand von der Erbsünde gereinigt, und es kommt die Gnade Gottes hinzu. Die Erbsünde ist ausgetilgt, aber der Zunder bleibt. Mit der Gnade, also der wirkenden Macht Gottes, wird die Person geheiligt. Wer auf das Gute hört, trifft gute Entscheide und vollbringt gute Werke. Wer aber der Lust sein Ohr leiht, verliert den Heiligen Geist. Wer in einem solchen Moment stirbt, geht direkt zur Hölle.

Was ist Sünde? Eines der zehn Gebote in Taten, Worte oder Begehren zu brechen. Wie wirkt sich das auf die Zuversicht in den Himmel zu gehen aus? Sie schwindet. Man benötigt die Sakramente. Es bleibt nur der Weg zurück zum Priester. Nach der Taufe bleibt die Busse, vermittelt durch die Beichte. Der Mensch fällt immer wieder aus dem Stand der Gnade. Wer in diesem Stand stirbt, kommt ins Purgatorium, damit seine zuletzt begangene Sünden verbrannt werden.

Der übliche Rahmen mit Sünde umzugehen, ist also die Busse. Sie besteht aus drei Teilen: Reue, Bekenntnis und Genugtuung (Satisfaktion). Zuerst kommt die schmerzvolle Selbstbestrafung, der Selbsthass und die tiefe Zerknirschung über der Sünde, gewirkt aus Liebe zu Gott. Satisfaktion bedeutet Ausgleich für schlechte Taten durch gute Taten. Nach der Beichte verteilt der Priester Aufgaben zum Ausgleich (Wiedergutmachung). Weshalb? Eine unendliche Sünde gegen einen unendlichen Gott verdient eine unendliche Strafe, also ist keine menschliche Aktion möglich. Das Verschulden gegen endliche Menschen gibt jedoch die Möglichkeit, etwas Endliches zu tun. Jede Sünde hat demnach zwei Konsequenzen: Eine gegenüber Gott, eine gegenüber den Menschen.

Wenn du dich selbst hasst, wird es Gott nicht mehr tun. Sagt dies nicht Paulus in 1Kor 11,31? Woher kommt der Selbsthass? Gott muss uns diese Reue eingeben (infuse). Sie ist eine vollkommene Liebe, also auch Gnade (= Gottes mächtiges Wirken). Gottes Anforderung an echte Reue zeigt sich in einem kompletten Bekenntnis. Wer etwas vergisst, weil er nicht genügend früh zur Beichte gekommen ist, sündigt. Also ist eine vollständige Auflistung und Frageliste durch den Priester vonnöten. Der Priester stellt Fragen, um Selbsthass hervorzubringen: Scham, Angst, Schuld und Verpflichtung. Das ganze Leben läuft zwischen Angst und Hoffnung ab, denn diese beiden Faktoren bringen diesen Hass, der gleichzeitig Liebe ist, hervor. Der Priester als Richter muss unterscheiden können, welche Strafe der Beichtende verdient hat. Erst dann wird Vergebung ausgesprochen. Durch das Aussprechen der Vergebung wird die Gnade erneut eingepflanzt und der Betreffende in den Stand der Gnade zurück versetzt. Zurück bleibt die Strafe gegenüber den Mitmenschen. Was passiert, wenn jemand stirbt, bevor er alles abgearbeitet hat? Er geht ins Purgatorium, weil Gott gnädig ist. Er gibt eine dem dem Menschen eine zusätzlich Chance, Dinge abzuarbeiten.

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