Urlaub: 12 Momente in Berlin

Die letzten Tage verbrachten wir in der geschichtsträchtigen Grossstadt Berlin.

Entspannt: Unsere drei Kleineren durften zum ersten Mal fliegen. Mein Jüngster fragte mich immer wieder: "Wie sieht es in einem Flugzeug aus?" Als er dann in seinem Sessel sass, lehnte er entspannt zurück. Mami war schliesslich dabei. Ich musste schmunzeln, als ich den kleinen Mann so abgeklärt dasitzen sah.

Verwirrt: Wir suchten nach der Hausnummer unserer Wohnung. Die Ziffernfolge an der Strasse war aufsteigend, wir konnten also nicht falsch liegen. Bald war die Strasse zu Ende; die Nummer fehlte. Also ging es zum anderen Ende der Strasse und nochmals zurück. Ein älterer Berliner Herr klärte uns auf. Da gebe es schon mal Sprünge. Er erkläre es sich so: Gewisse Häuser seien nach dem Krieg stehen geblieben, andere dazwischen neu gebaut worden. Also nichts mit einer klaren Reihenfolge. 

Verpflegt: Ich habe ausgerechnet, dass wir für fünf Tage 750 Euro eingespart haben, die wir fürs ein bis zwei Auswärtsmahlzeiten tägllich ausgegeben hätten! Anfangs tätigten wir einen Grosseinkauf. Wir entdeckten 8 Bretzeln für sage und schreibe Euro 1,20. Gebacken im Backofen und mit Käse und Fleisch gefüllte schmeckten sie wunderbar.

Verspätet: Mein Ältester wählte an seinem Geburtstag einen Besuch im deutschen Technikmuseum aus. Im "Science Lab" war ein Experiment zum Thema Kälte geplant. Wir kamen drei Minuten zu spät an. Die Türe war geschlossen. Enttäuscht standen wir im Vorraum. Lernpunkt: Ruhig bleiben, auch wenn etwas nicht gleich klappt! Meine Frau machte sich nachmittags nochmals auf, um mit den Älteren die nächste Vorstellung zu besuchen.

Gebummelt: Abends vor dem Ins-Bett-gehen gingen wir nochmals "auf die Gasse". Wir spazierten durch den Volkspark Friedrichshain. Durch ein Schlachtendenkmal kamen wir ins Gespräch über den Spanischen Bürgerkrieg. 

Geschnuppert: In der Buchhandlung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg stöberte ich durch das Sortiment. Ich war entsetzt ob der Auswahl der theologischen Literatur. Nur Sekundärwerke aus den letzten zwei Jahrzehnten! Eines der wenigen brauchbaren Gestelle enthielt Bände zur deutschen Geschichte. Ich erstand aus der Zeitgut-Reihe den Band "Also packten wir es an. Deutschland 1945-1947".

Vertieft: Nach einem Museumsbesuch meinte mein Ältester nachdenklich: "Die Informationen waren sehr oberflächlich. Nur einige Sätze und Musik dazu. Immer dann, wenn es spannend geworden wäre, gab es nichts mehr." Ein leiser Vorwurf an die Museumspädagogen. Ganz anders ging es uns dann in der Dauerausstellung zur deutschen Geschichte im Deutschen Historischen Museum. Wir wären gerne noch ein, zwei weitere Male hingegangen.

Ermüdet: Ich führte mit meinem Dritten abends ein kurzes Gespräch über seine Eindrücke. Er meinte, er sei so müde. Es ist gar nicht so einfach, ein Gleichgewicht zwischen Erleben und Erholen zu finden. Auch in den Ruhezeiten hatten die Buben immer wieder ein Spiel gefunden, mit dem sie sich gegenseitig wach hielten.

Inspiriert: Den Steglitzer Stadtteil suchten wir auf, um neben einem grossen Buchantiquariat dem Blindenmuseum einen Besuch abzustatten. Aus der eigenen Fabrikation verkauft diese Einrichtung Körbe, Bürsten und Möbel. Die Rückfahrt im Omnisbus verbrachten wir – lesend.

Bewahrt: Wir befanden uns an der Bootslandestelle in Feldberg, um eine Rundfahrt zu machen. Einen Augenblick hatte ich meinen vierten, ruhigen Sohn aus den Augen gelassen. Ein Hilfeschrei liess ich auf die linke Seite blicken. Mein Sohn hing zwischen Schiff und Steg, bis zum Gürtel im Wasser. Er kann nicht schwimmen. Bevor ich mich vom ersten Schock erholte, sprang der Kapitän hinzu und zog ihn herauf. Er fragte später: "Woher hatte ich solche Kraft, mich zu halten?"

Verfrüht: Gerade hatten wir unsere Wohnung nach dem Abstecher in die Mecklenburgerische Seenplatte wieder erreicht. Ich brach zur Abendandacht auf. Um die Ecke gekommen, sah ich den Bus vorbeifahren. Ich lief auf die Ampel, sie schaltete auf Rot. Der Bus fuhr weiter – 5 Minuten zu früh! Am Sonntagnachmittag waren die Strassen leer.

Zu zahlreich?  Es schien mir, dass nicht eben viele Touristenfamilien mit fünf Kindern Berlin besucht haben. In der U-Bahn kamen wir uns manchmal als Ausstellungsobjekt vor, wenn die Leute uns durchzählten. Zweimal mussten wir bei den Tickets eine Sonderlösung finden (im Museum lösten wir neben dem Familienticket noch eine Einzelkarte – seltsam!). Auf dem Rückflug beschwerten sich die Angestellten, weil ich mit dem Handy sieben Personen eincheckte. Alles ist auf Kleinfamilien ausgerichtet.

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