E21 LiveBlog „500 Jahre Reformation“: Über die Reformation einer Denomination

#5 Vortrag: Was wir von den Südlichen Baptisten lernen können (Albert Mohler)

Ich weiche von meiner Struktur ab und erlaube mir ein persönliches Wort. Albert Mohler führte 10 Lektionen über die bisher einzigartige Rückbesinnung einer grossen Denomination weg vom theologischen Liberalismus aus. Ich glaube, dass wir in der aktuellen gemeindlichen Situation im deutschen Sprachraum einige dieser Lektionen dringend berücksichtigen sollten.

  1. Isolation dauert nicht an. Gemeinden, die von Natur aus konservativ sind, können in einer falschen Gewissheit leben, dass sie vor dem theologischen Liberalismus geschützt seien. Nur schon die aktuelle Leit- und Massenkultur der Jugendlichen zeigt jedoch: Wir können unsere Kinder nicht davor schützen, von aussen beeinflusst zu werden.
  2. Pietismus ist keine Garantie für Orthodoxie. Unser Leben in der Frömmigkeit stützt auf unsere lehrmässigen Überzeugungen ab. Sobald diese weg sind, wird die Frömmigkeit des Evangeliums entleert.
  3. Der Pragmatismus unterminiert die Lehre. In der Mitte des 20. Jahrhunderts ging es nur noch um Wachstum. Orthodoxie wurde vorausgesetzt. Es ging um Programme. Dieser Pragmatismus schabt an der Lehre.
  4. Bekenntnisse sind notwendig, aber nicht genug. Das Bekenntnis wurde nicht umgesetzt. Dieses muss aber reguliert und eingefordert werden. Leiter sind aufgrund ihren Treue zu den Bekenntnissen einzusetzen.
  5. Reformation erfordert grossen Einsatz und Überzeugung. Manche setzten ihren guten Ruf aufs Spiel. Sie nahmen Probleme und Streitigkeiten in Kauf. Es bedurfte unglaublich grosser Überzeugungskraft. Denn es musste immer wieder gesagt werden, dass es sich um falsche Lehre handelt.
  6. Wiederherstellung ist sehr kostspielig. Es (ver)braucht unglaublich viel Energie und Zeit. Denn es geht nicht um ein einzelnes Treffen. In jedem Treffen und bei jeder Abstimmung musste gekämpft werden. Es wurden endlos viele Gespräche geführt. Die tiefsten Narben hinterliessen zerbrochene Beziehungen. Eine Gemeinde, die nicht bereit ist, menschliche Beziehungen für die Wahrheit zu riskieren, wird den theologischen Liberalismus aufnehmen. Die Kosten, die folgenden Generationen ohne Evangelium zu lassen, sind jedoch unendlich höher.
  7. Die grössten Feinde der Reformation sind nicht die Irrlehrer, sondern die Masse im Zentrum. Die Gefahr bei der Reformation ging von denen aus, die den Frieden in der Denomination bewahren und den Preis nicht bezahlen wollten. Es stellte sich die Frage: Wer würde bis zur Abstimmung treu bleiben? Die grössten Helden der Reformation waren Gemeindemitglieder, die ihren Urlaub geopfert haben, um für konservative Kandidaten abzustimmen. Von aussen, so Beobachter, sah es wie eine Bauernrebellion aus.
  8. Die grösste Herausforderung besteht im Transfer von einer Generation zur nächsten. Ein entscheidender Faktor war die Liberalisierung der nächsten Generation – ohne dass es den Eltern aufgefallen wäre.
  9. Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt: Frühe Reformationsstimmen wurden ausgelöscht, manche Versuche zur Reformation scheiterten. Auch all die liberalen Denominationen gingen nicht ohne Kampf verloren. Das führt zur Frage: Wann müssen wir gehen? Sobald es keine begründete Hoffnung auf eine Erholung gibt bzw. die Satzungen keine Veränderung mehr zulassen; sobald eine Gemeinde sich auf Irrlehre festlegt oder die Autorität ihres Bekenntnisses verleugnet. Spurgeon verliess seine Denomination wie Luther: Er wurde hinausgeworfen. Er hat den Hass vieler für den Rest seines Lebens gespürt. Er fühlte, dass etwas sehr Wertvolles verloren gegangen war. Es hat seine eigene Familie gespalten.
  10. Unsere Zuversicht bleibt in Christus. Auf diesen Felsen baut Gott seine Gemeinde. Das ist keine Verheissung an eine Denomination, an ein theologisches Seminar oder eine Missionsgesellschaft.