E21 Konferenz 18: Die Gnade Christi aus der ganzen Schrift anwenden

Redner: Bryan Chappell

Die fortlaufende Heilsgeschichte gipfelt in der Krönung von Christus. Christus-zentriertes Predigen bedeutet nicht, dass Christus in jedem Vers erwähnt wird. Es geht vielmehr um die sich entfaltende Geschichte. Einige Passagen sagen Dinge voraus (prophetic), andere Stellen sind vorbereitend wie Brücken (preparatory). Wieder andere zeigen die Folgen der Erlösung in Christus (resultative). Zudem sehen wir Wesen und Natur Gottes in der ganzen Schrift reflektiert (reflective).

Wie zeigt sich Gottes Wesen? Er gibt den Hungrigen Nahrung, Ruhe den Müden, Sieg den Wenigen. Er tut das, was wir für uns selbst nicht tun können. Diese Botschaft findet ihre letzte Erfüllung im Kreuz von Christus. Dort bereitet er die Gerechtigkeit, die wir für uns selbst nicht haben können. Es gibt also zwei wichtige Fragen beim Lesen: Was lehrt mich der Text über das Wesen Gottes und über das Wesen der Menschen? Wir versuchen nicht Jesus „magisch“ herauszuziehen, sondern die im Text vorhandene Gnade zu erkennen.

Wir müssen die Gnade Gottes in jeder Predigt verkündigen. Sonst beginnen die Menschen auf ihre Werke zu vertrauen und wollen Gott durch sie angenehm stimmen. Zu leicht verwechseln wir Identität mit unserer Performance. Das Gesetz sagt: Wer du bist, wird bestimmt durch dein Tun. Die Gnade sagt: Wer du bist, bestimmt was du tust. An dieser Unterscheidung hängt das Zentrum des Evangeliums. Sie bildet auch die Voraussetzung für unsere Heiligung. Jeder Imperativ basiert auf dem Indikativ; diese Ordnung kann nicht umgekehrt werden (Herman Ridderbos). Gott hat nicht gesagt: Wenn wir meinen Geboten folgt, dann lasse ich euch aus Ägypten. Oder: Werdet ein lebendiges Opfer, dann könnt ihr für Gott annehmbar sein.

Die Reihenfolge des Evangeliums geht von dem aus, was wir schon sind, zu dem, was wir tun. Das ändert zum Beispiel die Art, wie wir mit unseren Kindern sprechen. Früher sagte ich: „Du bist ein schlechter Junge, weil du etwas Schlechtes getan hast.“ Was habe ich ihm, theologisch übersetzt, vermittelt? Seine Leistung definiert seine Identität. Das ist aber nicht das Evangelium. Neu: „Das solltest du nicht tun, weil du mein Sohn bist und ich dich lieb habe.“ Was Christus getan hat, kommt zuerst. Christus lebt in mir. Was wir tun, ist eine Reaktion darauf. Denn ohne das Evangelium haben Menschen keine Kraft, Gott zu dienen.

Woher kommt die Kraft Gott zu ehren? 1. Aus dem Wissen, wer Gott ist und was er will. Lehre ist der Anfang. Sie ist notwendig, aber nicht ausreichend. 2. Als Menschen sind wir anfällig für die Sünde, auch für ganz schlimme. Auch durch praktischen Rat kann uns geholfen werden. Aber es reicht nicht aus. 3. Wir sind erlöst. Die Anfälligkeit für die Sünde ist nicht das Ende der christlichen Botschaft. Sie geht weiter: Du bist geliebt vom Vater, mit dem Sohn verbunden und mit dem Heiligen Geist erfüllt (2Kor 5). Damit haben wir uns grundlegend geändert und sind eine neue Kreatur geworden. Du bist nicht länger ein Knecht der Sünde. Das müssen wir in der Kraft des Evangeliums glauben. Wenn du denkst, dass du keinen Sieg haben kannst, hast du die Schlacht praktisch verloren. Doch das Morgen muss nicht wie Gestern sein! Echte Veränderung ist möglich durch die Erlösung. Wir glauben der Lüge nicht, dass man Menschen nicht helfen könne.

Warum sündigen wir dann noch? Wir sündigen, weil wir die Sünde lieben (Jak 1,13ff). Wenn wir versucht werden, führt uns unser eigenes Verlangen fort. Die Liebe zur Sünde verleiht ihr Macht. Was kann denn die Liebe für die Sünde ersetzen? Eine grössere Liebe! Wer Ihn wirklich liebt, hält seine Gebote. Die Liebe ist die stärkste Kraft. Sie treibt eine Mutter zurück ins brennende Haus.

Fazit: Wir predigen die Gnade Gottes aus der ganzen Schrift, weil wir erkennen, was mit Menschen aus Gottes Volk dann geschehen kann. Die Freude am Herrn wird dann ihre Stärke sein. Dies ist kein Add-on (Zusatz), es ist der Kern des Evangeliums. Wenn sie Gott mehr alles andere lieben, werden sie Ihm mehr als allen anderen dienen, und das bis zum Schluss.

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