Warum die Erkenntnis Gottes und die Erkenntnis des Menschen zusammen gehören

Es kann kein Mensch sich selbst betrachten, ohne sogleich seinen Sinn darauf zu richten, Gott anzuschauen, in dem er doch lebt und webt.

Wiederum vermag kein Mensch sich selbst wahrhaft zu erkennen, wenn er nicht zuvor Gottes Angesicht geschaut hat, und von dieser Schau aus dazu übergeht, sich selbst anzugehen.

Dies sind zwei Sätze aus dem berühmten Anfang der Institutio von Johannes Calvin (I,1.1). Gotteserkenntnis und Menschenerkenntnis gehören zusammen, sie bedingen einander. Eberhard Busch liefert die christologische Erklärung hierzu:

Die Erkenntnis Gottes und die des Menschen ist nach Calvin dann wahr, wenn beide in einem bestimmten Zusammenhang gesehen werden. Das hat einen theologischen Grund. Die Kirche bekennt, dass Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Das bedeutet erstens, dass das, wer Gott und wer der Mensch in Wahrheit ist, massgeblich in Jesus Christus offenbar ist, in dem Gott dazu erkennen gegeben hat. Zweitens bedeutet dies, dass der wahre Gott und der wahre Mensch in Jesus Christus in ihrer Unterschiedenheit und in ihrer Verbundenheit zu erkennen sind.

Calvin sieht in Christus Gott und Mensch in unlöslicher Verbundenheit. Darum ist in Calvins Werk zu lesen:

Wer Gott wahrhaft ehrt .., wird davor zurückschrecken, verleumderisch vom Menschen zu reden.

Wo Gott erkannt wird, wird auch Menschlichkeit gepflegt.

Eberhard Busch. Gott und Mensch. Aus: Herman J. Selderhuis (Hg.) Calvin Handbuch. Mohr Siebeck: Tübingen 2008. S. 222-223.

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