Der fünfte Bub (91): Eine Lektion zum Thema Anspannung und Stress.

Meine Frau steht an der Bushaltestelle. Sie hat sich mit vier meiner Jungs aufgemacht – zum Kinderarzt. Ein Aufbruch ist per se eine erhöhte Anforderung in einer anspruchsvollen Konstellation (Grossfamilie). Der Bus kommt zur Haltestelle. Meine Frau muss noch ein Ticket lösen. Sie öffnet ihre Börse und sieht: Sie hat zwei Franken zu wenig. Der Busfahrer wartet – freundlicherweise. Und meine Frau gerät zusätzlich zum Grundstress in eine Haltung der Anspannung. (Dabei hätte sie diese mit einem entspannten Winken “ich gehe einen Bus später” entschärfen können.) Sie braucht den ganzen Weg zum Arzt, um wieder in die Zone zurück zu kehren, in der sie im Stress die Ruhe behält – eine innere Ruhe. Nota bene musste sie auch beim Arzt zuerst eine halbe Stunde im Wartezimmer verbringen – mit einem Baby und drei Kleinkindern. Und mitten in der Konsultation wurde der Arzt aus dem Besprechungszimmer geholt. Er musste den Kühlschrank mit den Medikamenten notfallmässig umräumen. Das hiess: Nochmals 20 Minuten mit einem nackten Säugling im Untersuchungszimmer. “Das war mein anstrengendster Moment letzte Woche”, fasst sie zusammen. Mann fasst zusammen: Es geht also darum, im Stress nicht in eine Haltung der Anspannung zu fallen. “Sonst verbrennst du.” Ich kann aus meiner Erfahrung nur zustimmen: Das machst du zwei Stunden, und du bist reif für die Insel…

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