Ich such’ mir eine neue Kirche (7): Hinterfragt.

Nehmen wir nochmals den (fiktiven) Dialog aus der ersten Folge zur Hand. Ich stelle den Sprechern die Fragen, die mir durch den Kopf gehen.

‎- Lange mache ich das nicht mehr mit. Ich schwör’s.‎

  • Wie lange machst du das schon mit?‎
  • Seit wann unterscheidest du zwischen dir und dem Treiben?‎
  • Warum bist du dabei?‎
  • Wie lange wirst du es noch mitmachen?‎
  • Was müsste passieren, damit du deine Entscheidung sofort umsetzt?‎

‎- Immer das gleiche. Da reisst du dich sonntags aus dem Nest, kommst pünktlich an, setzt dich in ‎den vollen Raum, und gleich zieht sich dir der Magen zusammen.‎

  • Auf was führst du diese körperliche Reaktion zurück?‎
  • In welchen anderen Situationen zieht es dir auch den Magen zusammen?‎
  • Was zeigt dir das Magen-Zusammenziehen an?‎
  • Welche anderen Interpretationsmuster gäbe es?‎
  • Weshalb musst du dich sonntags aus dem Nest reissen?‎

‎- Genau. Der Lobpreis ist einfach nicht mein Stil. (Ein zweites Paar gesellt sich dazu, etwa fünf ‎Jahre jünger geschätzt, urbaner Style, wahrscheinlich trifft man die vier abends im Palais oder im ‎Kino an) Na ja, wenn es nur die Musik wäre. Die machen Gitarrenrock wie in den Achtzigern. Da ‎wird alles runtergebrettert. Das könnte man ja noch ertragen. Aber dann: Das lange obligate ‎Einstiegsgebet. Wenn ich mir dessen Gott vorstelle, so kommt mir halt doch der Polizist mit der ‎Leuchtkelle und der Trillerpfeife in den Sinn. Nur erschrecke ich etwas mehr, wenn die Pfeife ‎unerwartet ertönt.‎

  • Was ist dein Musikstil?‎
  • Welche Gefühle verbindest du mit einem guten Stil?‎
  • Was meinst du mit „runterbrettern“?‎
  • Weshalb bist du in diesem Punkt achtsam? In welchen anderen Punkten bist du achtlos?‎
  • Was ist für dich ein langes Gebet?‎
  • Welche Vergleichspunkte zwischen Gott und dem Polizisten meinst du genau?‎
  • Was sind die Eckdaten deines Gottesbildes?
  • An welchen Bibeltexten machst du diese Merkmale fest?‎

‎- Dann die ersten Ansagen. Kleingruppe, Tanzen für die Pensionäre, Töpfern für die praktisch ‎Begabten und natürlich der neuste Stand zum Zweitgebäude. Leider hat der Herr die letzten ‎‎300‘000 noch nicht schneien lassen.‎

  • Was geht dir in diesen Momenten durch den Kopf?
  • Zu welcher Zielgruppe zählst du dich?‎
  • Was vermisst du?‎
  • Wie verwaltest du dein Geld?‎
  • Für was gibst du besonders viel Geld aus?‎

‎- Und dann kommt die Predigt: Geschlagene 45 Minuten Eintopf. Gott ist gut, er vergibt, er umgibt ‎dich, er versorgt dich. Aber pass auf, die nächste Prüfung wartet bestimmt nach der nächsten ‎Kurve. So ganz ohne bekommst du dein Himmels-Ticket nicht. Das ständige „aber“, die ‎versteckten Hinweise auf Fallen. Diese negative Schelte. Das verdirbt mir gleich die Weekend-‎Laune.‎

  • Wenn du die 45 Minuten wöchentliche Predigt mit 14 Stunden Fernsehen pro Woche vergleichst: ‎Was kommt dir in den Sinn?‎
  • Was meinst du mit Eintopf?‎
  • Was bringt Abwechslung? Welche Reize sind dir wichtig?‎

‎- Klar, wenn es nur die Rhetorik wäre, könnte ich ja noch mitmachen. Doch ich verschliesse mich ‎innerlich. Vom ersten Wort des Gebets bis zum Amen nach der Predigt: Nur Sauerkraut und ‎Salzkartoffeln.‎

  • In welchen Momenten verschliesst du dich auch noch innerlich?‎
  • Wann hast du dich schon mal bei Sauerkraut und Salzkartoffeln geöffnet? Was war der Auslöser? ‎Was waren die Konsequenzen?‎
  • Was sagst du zu meiner Assoziation „Verweigerung“?‎

‎- Da gehst du hinterher raus und denkst: Warum bist du bloss gekommen? Das passt einfach nicht ‎mehr. Wo ist da der Geist? Die reden vom Bauvorhaben wie im Baudepartement, ‎Bürokratenkammer 27. Die lesen aus der Bibel, als ob mein Gott den ganzen Tag verstimmt wäre ‎über seine unfolgsamen Kinder.‎

  • Was passt? Umreisse mir deinen optimalen Sonntagmorgen.‎
  • An welchen Merkmalen machst du das Wirken des Geistes fest?‎
  • Was verbindest du mit Bürokratie?‎
  • Was sagst du über den zornigen Gott – was immerhin 500-mal in der Bibel erwähnt wird?‎
  • Was meinst du zur Sünde?‎
  • Wie definierst du Heiligung?‎
  • Was verbindest du mit dem Begriff Gnade?‎

‎- Wir müssen uns was anderes suchen. Was machen wir uns länger den Stress? Gute Gemeinschaft ‎kann ich übrigens auch ausserhalb der Kirche haben. Ein gutes Gespräch gibt’s nicht nur in der ‎Kleingruppe – gut, vielleicht noch eher in der Kleingruppe als beim freundlichen Nicken nach dem ‎Gottesdienst.‎

  • Wann bist du das letzte Mal ermutigt worden? Wodurch? Von wem?‎
  • Wann bist du das letzte Mal ermahnt worden? Was hast du daraus gemacht?‎

‎- Da muss einfach mehr drinliegen. Unser Gott ist ein Gott der Liebe. Er schenkt Freiheit, Weite. Er ‎baut auf.‎

  • Was liegt im anderen Fall drin?
  • Und erneut die Frage: Was meinst du mit Liebe, Freiheit und Weite?
  • Wie gehst du mit den Bibelpassagen um, in denen Gott abreisst?
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