Altes Testament: Hunderte von Ausführungsbestimmungen zum Gesetz

Mit meiner Familie nehme ich zur Zeit einige der Ausführungsbestimmungen durch, die Gott nach den Zehn Geboten Mose mitgeteilt hatte. Zwei Beispiele:

Ein hebräischer Sklave durfte nach sechs Jahren Dienst frei ausgehen. Wenn er aber von seinem Herrn eine Frau bekommen hatte, mussten diese und die Kinder bei seinem Herrn bleiben. Er konnte sich aus Liebe zu seiner Familie zum ewigen Dienst verpflichten. (2. Mose 21,1ff)

Das Volk wurde angehalten, die Ausländer nicht zu bedrücken – in Gedenken an die eigene Vergangenheit im Ausland. Witwen und Waisen durften nicht unter Druck gesetzt werden. Und einem Armen durfte kein Zins auferlegt werden. Ja, noch konkreter:

Wenn du je das Obergewand deines Nächsten als Pfand nimmst, so sollst du es ihm wiedergeben bis zum Sonnenuntergang; denn es ist seine einzige Decke, das Gewand, das er auf der Haut trägt! Worin soll er sonst schlafen? Wenn er aber zu mir schreit, so erhöre ich ihn; denn ich bin gnädig. (2. Mose 22,25+26)

In „zweiten Gesetz“, dem 5. Buch Mose, kommentierte und aktualisierte Mose viele Ausführungsbestimmungen im Hinblick auf die Landnahme. Ich habe ob den genauen und weisen Bestimmungen gestaunt, z. B.

Wer vom Wehrdienst ausgenommen wurde:

Und die Vorsteher sollen weiter mit dem Volk reden und sagen: Wer sich fürchtet und ein verzagtes Herz hat, der gehe hin und kehre wieder in sein Haus zurück, damit er nicht auch das Herz seiner Brüder so verzagt mache, wie sein Herz ist! (5. Mose 20,8)

Wenn jemand kürzlich eine Frau zur Ehe genommen hat, so soll er nicht in den Krieg ziehen, und man soll ihm nichts auferlegen; er soll ein Jahr lang frei sein für sein Haus und sich an seiner Frau erfreuen, die er genommen hat. (5. Mose 24,5)

Oder die Bestimmung gegen die sinnlose Abholzung von Bäumen bei der Belagerung einer Stadt:

Wenn du eine Stadt, gegen die du Krieg führst, längere Zeit belagern mußt, um sie einzunehmen, so sollst du ihre Bäume nicht verderben, indem du die Axt daran legst; denn du kannst davon essen und brauchst sie nicht abzuhauen. Ist denn der Baum des Feldes ein Mensch, daß er von dir mit in die Belagerung einbezogen wird? (5. Mose 20,19)

Oder die Bestimmungen zum Schutz der Frau:

Wenn jemand unter den Gefangenen eine schöne Frau findet, durfte er sie nicht einfach als Beutegut behandeln, sondern einen ordentlichen Übergang gestalten. (5. Mose 21,10ff)

Ebenso gab es Bestimmungen, die eine Frau davor schützte, zu Unrecht ins Gerede gebracht zu werden. (5. Mose 22,13ff).

Und was geschah, wenn jemand auf dem Weg ein Vogelnest fand?

Wenn du zufällig auf dem Weg ein Vogelnest antriffst, auf irgendeinem Baum oder auf der Erde, mit Jungen oder mit Eiern, während die Mutter auf den Jungen oder auf den Eiern sitzt, so sollst du die Mutter nicht samt den Jungen nehmen; sondern du sollst die Mutter auf jeden Fall fliegen lassen, und die Jungen kannst du dir nehmen, damit es dir gut geht und du lange lebst. (5. Mose 22,6-7)

Wenn auch manche Anordnung uns fremd anmutet, müssen wir bedenken: Gegenüber den damaligen Verhältnissen stellen die Bestimmungen eine Verbesserung dar. Und es ist überaus interessant, die dahinter stehenden Ordnungen Gottes zu entdecken.

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