Die Rückkehr in die Familie (4): Als alle Anspannung abfiel

Läuft alles wie am Schnürchen? Nein, ein Tag geht es besser, der andere ist durchzogen. Als ich mich am Abend meiner Rückkehr aufs Bett setzte, holte mich der Tag ein. Die Anspannung fiel von mir ab, der Temperaturunterschied machte sich bemerkbar. Und ich bekam einen Krampf am ganzen Körper. Für mich war es weniger schlimm als für meine Familie, die den Vorfall nicht richtig einordnen konnte. Ich wusste, wie ich in solchen Momenten vorzugehen hatte, stand auf und versuchte tief in den Bauch zu atmen. Nach drei, vier Minuten war es vorüber. Ich machte es mir im Bett bequem und besprach den Vorfall mit meiner „Mannschaft“. Angehörige tendieren dazu anzunehmen, dass es stets bergauf gehen muss bei Rekonvaleszenten. Das Leben verläuft anders, nämlich in Kurven, bergauf und -ab.

Dieses Erlebnis gemahnte mich an eine wichtige Tatsache des christlichen Lebens. Was passiert, wenn die Freude nicht mehr da? Was geschieht, wenn mein Herz nicht von Sehnsucht nach meinem Herrn und Retter überfliesst? John Piper schreibt im ersten Kapitel seines Folgebuches zu „Sehnsucht nach Gott“, „Wenn die Freude nicht mehr da ist“:

Es ist nicht das Ziel, Kissen weicher zu machen, sondern Opfer zu tragen
In diesem Buch möchte ich am meisten dem Missverständnis aus dem Wege gehen, dass ich schreiben würde, damit wohlhabende westliche Christen es bequem haben, als ob die Freude, an die ich denke, das psychologische »Tüpfelchen auf dem i« eines schon oberflächlichen Christentums sei. Daher sage ich gleich zu Beginn deutlich, dass ich schreibe, um eine Freude zu erwecken, die die tragende Kraft der Barmherzigkeit, der Mission und des Märtyrertods ist. Sogar jetzt beim Schreiben dieses Satzes werden Christen in der Nähe von Kano, Nigeria, zu Tode gehackt. Gestern wurde ein 26-jähriger amerikanischer Geschäftsmann im Irak von Terroristen enthauptet. Warum gerade er? Er war nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Diese Art des Todes wird besonders für Christen zunehmen. Im Sudan wird den Christen systematisch das Wasser vorenthalten, während sie an Verdursten und Unterernährung sterben, und verzweifelte Versuche, an die Brunnen zu gelangen, enden mit Mord, Vergewaltigung oder Entführung. Jeden Monat kommen neue Berichte über die Zerstörung christlicher Gemeinden und die Verhaftung von Pastoren in China. Im letzten Jahrzehnt wurden mehr als 500 christliche Gemeinden in Indonesien zerstört. Auf der ganzen Welt sind Missionare bedroht.

Wenn ich über die Frage spreche: »Was soll ich machen, wenn ich kein Verlangen nach Gott habe?«, dann spreche ich über die Frage: »Wie kann ich eine Freude in Christus erlangen oder wiederbekommen, die so tief und so stark ist, dass sie mich von der Sklaverei westlicher Bequemlichkeit und Sicherheit befreit, und die mich zu den Opfern der Barmherzigkeit und der Mission antreiben wird und mich im Angesicht eines Märtyrertods tragen wird?« Verfolgung ist für Christen normal. »Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden« (2. Timotheus 3,12). »Geliebte, lasst euch durch das Feuer der Verfolgung unter euch, das euch zur Prüfung geschieht, nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes« (1. Petrus 4,12). »Wir [müssen] durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes hineingehen« (Apostelgeschichte 14,22). Im Neuen Testament verkleinert diese ernüchternde Wahrheit nicht das Zentrum der Freude – sie vergrößert es. »Wir rühmen uns auch der Trübsale, da wir wissen, dass die Trübsal Ausharren bewirkt« (Römer 5,3). »Glückselig seid ihr, wenn sie euch … verfolgen. … Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln« (Matthäus 5,11-12). »Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet, indem ihr erkennt, dass die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt« (Jakobus 1,2-3). »Sie nun gingen aus dem Hohen Rat fort, voller Freude, dass sie gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden« (Apostelgeschichte 5,41).

Der Kampf um Freude in Christus ist kein Kampf, um die Kissen westlicher Bequemlichkeit weicher zu machen. Es ist ein Kampf um Stärke, damit man ein Leben der aufopfernden Liebe führen kann. Es ist ein Kampf, um Jesus auf dem Weg des Kreuzes zu begleiten und mit ihm dort zu bleiben, ganz egal was passiert. Wie wurde er auf diesem Weg getragen? Hebräer 12,2 antwortet: »… der um der vor ihm liegenden Freude willen … das Kreuz erduldete«. Der Schlüssel zur Ausdauer in der Angelegenheit der aufopfernden Liebe ist nicht heldenhafte Willenskraft, sondern tiefe, unerschütterliche Zuversicht, dass die Freude, die wir in der Gemeinschaft Christi geschmeckt haben, uns im Tod nicht enttäuschen wird. Opfer der Liebe wurden im Neuen Testament nicht durch Willenskraft getragen, sondern durch freudige Hoffnung. »Ihr habt sowohl mit den Gefangenen gelitten als auch den Raub eurer Güter mit Freuden aufgenommen, da ihr wisst, dass ihr für euch selbst einen besseren und bleibenden Besitz habt« (Hebräer 10,34).

Danke, John Piper, diese Theologie passt zu jedem Tag von mir, aber auch zu jeder Zeit, jedem Land und jeder Situation.