Wer für alles Verständnis zeigt, wird irgendwann sprachlos

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat vor wenigen Tagen eine „Orientierungshilfe“ zum Thema Familie unter dem Titel „Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ veröffentlicht. Der Vorsitzende schreibt in der Pressemitteilung über die Hermeneutik der Publikation:

Angesichts der Vielfalt biblischer Bilder und der historischen Bedingtheit des familiären Zusammenlebens entsprechen ein normatives Verständnis der Ehe als ,göttliche Stiftung‘ und eine Herleitung der traditionellen Geschlechterrollen aus einer vermeintlichen ,Schöpfungsordnung‘ weder der Breite des biblischen Zeugnisses noch unserer Theologie. Das „geschichtliche Gewordensein und der Wandel familiärer Leitbilder“ setze die Orientierungshilfe der EKD voraus…

Aha: Wenn sich der gesellschaftliche Konsens wandelt, wandelt sich die Interpretation der Bibel mit. Das bedeutet: Die oberste normative Ebene sind die gesellschaftlichen Veränderungen. Kirche soll sie mit etwas zeitlicher Verzögerung auch noch nachvollziehen. Die gesamte Broschüre kann hier heruntergeladen werden. Unter den Empfehlungen ist zu lesen.

Angesichts des tiefgreifenden sozialen und kulturellen Wandels ist auch die Kirche aufgefordert, Familie neu zu denken und die neue Vielfalt von privaten Lebensformen unvoreingenommen anzuerkennen und zu unterstützen.

Aufschlussreich sind die Rückmeldungen der deutschen Presse.

Spiegel titelt „Der Schwarze Kanal: Scheidung leichtgemacht“. Der Untertitel sagt alles. „Gute Nachricht für alle, die bislang vor einer kirchlichen Trauung zurückschreckten. Der Satz „Bis dass der Tod euch scheidet“ ist nicht mehr wirklich ernstgemeint, wie die Evangelische Kirche festgelegt hat. Die Selbstsäkularisierung der Protestanten strebt einem neuen Höhepunkt zu.“

Die Welt schreibt unter dem Titel  „Die Kirche gibt dem Scheitern von Ehe ihren Segen“: „Die Krux besteht darin, dass der Text in der Aufmerksamkeit für die Veränderungen im Verständnis von Ehe und Familie so weit geht, dass eine eigenständige (Gegen-)Position der Kirche kaum noch erkennbar ist.“ 

Die faz setzt den Titel „Kein Lob der Ehe“. Und kathnet meint: „Vorauseilender Gehorsam gegenüber neuen Werten.“

Es gähnt die Leere.