Frühe Fremdbetreuung schadet Kindern und Eltern

Antje Kräuter im Interview mit freiewelt:

Sicher gebundene Kinder wenden sich von Anfang an bei Unsicherheiten an ihre Hauptbezugsperson. Das Menschenkind kommt sehr unreif auf die Welt, sein Gehirn ist nur soweit entwickelt, dass es seine Hauptbezugsperson erkennt und ihren Schutz und ihre Nahrung (Stillen) anstrebt. Erst nach neun Monaten der Exterogestation (Schwangerschaft außen am Bauch der Mutter fortgesetzt) fängt es in der Regel an, auch mal ein Stück von ihr fort zu krabbeln. Ab diesem Zeitpunkt hält es das Band zur Mutter weiter aufrecht, indem es immer wieder ihre Nähe zum Auftanken oder später mit den Augen nach ihr sucht, um ihren Blick der Bestätigung abwartend seine Erkundungszüge in die Umwelt angstfrei fortsetzen zu können. Im späteren Leben suchen solche Menschen bei Schwierigkeiten die Nähe wichtiger Anderer und ziehen sich nicht depressiv zurück oder begehen keine aggressiven Handlungen.

… Da sich das Bindungssystem im ersten Lebensjahr formt, müssen wir verstärkte Aufmerksamkeit auf diese Zeit richten. Eltern, die hier eine feinfühlige Bindung zum Kind entwickeln konnten, bringen es kaum über das Herz, das Kleinstkind schon so zeitig für viele Stunden außer Haus, v.a. zu fremden Personen, zu geben. Im Osten werden junge Eltern auf Grund der Krippentradition von ihren eigenen Eltern dahingehend beeinflusst, dass ihnen Krippe doch auch nicht geschadet hätte. So gehen sie den ungünstigen und schweren Weg, haben aber sicherlich kein eigenes sicheres Bindungsmuster. Insofern hat die Krippenbetreuung eben doch geschadet, erkennbar auch daran, dass die Großeltern weder bei ihren Kindern noch beim Enkelkind die Qual wahrnehmen können oder wollen. Denn auch die Eltern werden durch Trennung vom Kleinstkind in ihrer Bindungsfähigkeit zu ihm beeinträchtigt. Oft bleibt ein schlechtes Gewissen, dass dann durch Verwöhnen mit materiellen Dingen beruhigt wird. So kann eine narzisstische Störung des Kindes entstehen.

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