Buchbesprechung: Die multikulturelle Gesellschaft

Thomas Schirrmacher. Multikulturelle Gesellschaft. Chancen und Gefahren. Hänssler: Holzgerlingen, 2006. 95 Seiten. Euro 4,95.

Die Ausgangslage

„Die Befürworter der multikulturellen Gesellschaft verstehen es zwar, wunderschöne Feste zu organisieren, haben aber oft keine Antwort auf die Probleme, die die multikulturelle Gesellschaft mit sich bringt.“ (8) Was sind die Perspektiven der „ethnischen Unterschicht … ohne Bildung, ohne Job, ohne Geld, ohne Hoffnung, ohne Ehrgeiz, ohne Kenntnis der elementaren gesellschaftlichen Spielregeln“ (zit. Paul Nolte, 10)?

Zahlen, Daten, Fakten

  • Die Anzahl der Ausländer in der Schweiz schwankte in den letzten 100 Jahren stark. Sie beträgt (2004) 21 %. Die Population hat sich internationalisiert, nur noch jeder Zweite ist aus der alten EU der 15 (15).
  • Deutschland ist nach wie vor ein Durchgangsland für sehr viele Menschen, die durchaus längere Zeit im Land leben (23). Es gibt also internationale Wanderungsströme (25).
  • Eine interessante Kennzahl ergibt der Vergleich zwischen Landesgrösse und Anzahl Asylbewerbern und dem Ratio zwischen Anträgen und Bewilligung (26).
  • Die Arbeitslosigkeit bleibt das grösste Integrationshindernis (39).
  • Die einstigen Gastarbeiter haben ihren schlechten Ausbildungsstand in die zweite und dritte Generation vererbt (44).
  • Koreaner und Chinesen sind „perfekte Einwanderer“, die sich schnell anpassen und die Sprache lernen (58).

Zum Überdenken

  • Ich habe nichts gegen Fremde, aber dieser Fremde ist nicht von hier. (Methusalix zu Asterix, 32).
  • Ein Christ liebt wie Gott Menschen aller Kulturen und respektiert die Andersartigkeit anderer Kulturen (Offb 1,6-8; Ps 66,8), S. 20.
  • Christen fördern den Staat, wo er Gerechtigkeit übt, stehen ihm aber auch immer kritisch gegenüber, wenn er die Gerechtigkeit mit Füssen tritt (z. B. Lk, 13,31-32), S. 21.
  • Für den christlichen Glauben ist eine ‚christliche‘ Kultur nicht der Normalfall (37).
  • Daniel und Josef konnten ihrem Staat nur dienen, weil sie zwar in der Frage der Gottesverehrung und der persönlichen Ethik sehr konsequent waren, gleichzeitig aber gegenüber der sie umgebenden Alltagskultur sehr grosszügig (38).
  • Eine Idealisierung des Islams geht genau so an der Realität vorbei wie eine Dämonisierung (49).
  • Achtung mit der Verteidigung einer kulturellen Ausprägung der christlichen Religion anstelle des Glaubens! (50)
  • Das Werkzeug der Gemeinde ist „das freie Wort, ihre Macht der Einfluss von Mensch auf Mensch in seinem Gewissen, seinem Haus, der Welt seines Denkens, dort lasst Christi Geist herrschen, und ganz von selbst wird er es tun in der Verwaltung des Landes.“ (52, zit. Abraham Kyuper).
  • Schlagwort Leitkultur: Wenn es bedeutet, dass alle das Gewaltmonopol des Rechtsstaates akzeptieren, dann ist ihm beizupflichten. Anders verhält es sich aber mit kultureller Vereinheitlichung  (63).
  • "Nation" und "Volk" kann nur sinnvoll geografisch (Gebiet), politisch (Staat) oder kulturgeschichtlich (gemeinsame Kultur), nicht aber rassisch-biologisch definiert werden. (68)

Zum Handeln

Schirrmacher ermutigt, wo immer möglich Gespräche mit Einwanderern zu führen und ebenso Gastfreundschaft zu üben. Aus eigener Erfahrung kann ich hinzufügen: Auf diese Weise sind über die Jahre wertvolle Kontakte entstanden. Sie sind in der Regel intensiver und offener als mit den eigenen Landsleuten.

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