Systematische Theologie für die Familienandacht (6): Warum alle Menschen schuldig sind

Denkst du etwa, o Mensch, der du die richtest, welche so etwas verüben, und doch das gleiche tust, daß du dem Gericht Gottes entfliehen wirst? Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut, und erkennst nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet? Aber aufgrund deiner Verstocktheit und deines unbußfertigen Herzens häufst du dir selbst Zorn auf für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes. Römer 2,3-5

Alle Menschen erkennen also von Natur aus etwas über Gottes Wesen. Zudem existiert ein universales moralisches Gesetz, das alle Menschen in sich tragen und aufgrund dessen sie Urteile fällen. Warum ziehen dann nicht alle die nötige Schlussfolgerung daraus? Paulus wird überdeutlich: Die Menschen weigern sich trotz dieses Wissens, dem Schöpfer dafür zu danken und ihm die schuldige Ehre zukommen zu lassen (Röm 1,21). Paulus wählt eine ganz präzise Formulierung. Sie halten die Wahrheit nieder, das heisst, sie unterdrücken sie in ihrem Innern. Dadurch verfallen sie einer grossen Torheit: Die Nadel ihres inneren Kompasses richtet sich nun statt auf den Schöpfer auf sich selbst oder ein anderes Geschöpf. Die Verehrung bringen sie also nicht dem Schöpfer, sondern dem Geschöpf dar. Dies ist Ursprung und Wesen des Götzendienstes.

Es geht noch weiter: Aufgrund dieser Fehlleitung des Menschen sind sie alle vor Gott schuldig geworden. Sie sind "ohne Entschuldigung" (Römer 1,20). Später fügt Paulus hinzu, dass sie die Güte Gottes verachten (2,4). Worin besteht diese Güte Gottes? Gott lässt über Gute und Böse die Sonne aufgehen (Matthäus 5,45). Paulus bezeugt auf seiner Missionsreise in einer heidnischen Stadt: "Er hat uns Gutes getan, uns vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben und unsere Herzen erfüllt mit Speise und Freude." (Apostelgeschichte 14,17) Gott erhält die gesamte Schöpfung in einer (zivilen) Ordnung. Er überlässt die Menschen nicht komplett ihrem bösen Herzen. Sie hätten sich sonst selbst schnell zugrunde gerichtet.

Aus der Tatsache, dass Gott auch Ungerechten ein unbelastetes Leben schenken kann – man lese zum Beispiel Psalm 49 & 73 -, dürfen wir jedoch keine falschen Schlüsse ziehen. Paulus mahnt: Diese Langmut Gottes hat eine Kehrseite. Die Menschen, die nicht durch Umkehr und Reue auf diese Güte reagieren, häufen für sich selbst den Zorn Gottes auf. Sie werden am Tag des Gerichts ohne Entschuldigung dastehen. Die Vorboten dieses Gerichts werfen ihre Schatten schon in die Jetztzeit. Paulus sagt: Der Zorn Gottes ist jetzt schon sichtbar. Wie denn? Die Menschen werden ihren eigenen Überlegungen überlassen. Es gibt nichts Schrecklicheres als einen Menschen, der seinem eigenen Verderben ausgeliefert ist (Röm 1,18+24-32). Ganz konkret äussert sich sich darin, dass die Menschen in moralischer und sexueller Hinsicht fehlgeleitet werden.

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