Input: C. S. Lewis zu Männerfreundschaften

Freundschaft: Eine Randerscheinung

„In der Antike galt die Freundschaft als die glücklichste und menschenwürdigste alles Liebesarten, die Krone des Lebens und die Schule der Tugend. Aber die moderne Welt ignoriert sie völlig. … ‚Freundschaft‘ ist etwas ganz am Rande, kein Hauptgang im Bankett des Lebens.“

Weshalb? Lewis führt verschiedene Argumente an:

  • Wenige schätzen die Freundschaft, weil sie wenige erfahren.
  • Die erotische Liebe, die an allen Eingeweiden zerrt und das Zwerchfell flattern lässt, schien der „stillen, lichten, vernünftigen Welt frei gewählter Beziehungen“ den Rang abzulaufen.
  • Eine Weltanschauung, die das Kollektiv höher einschätzt als das Individuum, muss die Freundschaft auf dem höchsten Stand der Individualität schlechtmachen.
  • Frauen, die in alle Kreise der Männer eintraten, sind mitverantwortlich für den Niedergang der Männerfreundschaft.
  • Vorgesetze haben keine Freude an Freundschaften, weil jeder Freundeskreis eine Zelle potenziellen Widerstands darstellt.

Was ist der Hauptunterschied zwischen Liebschaft und Freundschaft?

„Liebende stehen sich gegenüber, ineinander versunken – Freunde stehen Seite an Seite, versunken in ein gemeinsames Anliegen.“

„Unter wahren Freunden ist jeder einfach der, der er ist; er steht für nichts anderes als für sich selbst. Keiner schert sich um Familie, Beruf, Klasse, Einkommen, Rasse oder Vorgeschichte der anderen. Natürlich erfährt man mit der Zeit das meiste. Aber beiläufig. Einzelheiten kommen nach und nach an den Tag…“

Freundschaft bringt im anderen etwas zur Geltung, was ohne ihn nicht da wäre

In jedem Freund steckt etwas, was nur irgendein anderer Freund voll zur Geltung bringen kann. Damit hat die Freundschaft eine Nähe zum Himmel, wo gerade die Schar der Seligen die Freude jedes einzelnen an Gott vergrössert.

Kameradschaft und Freundschaft

„Die Kameradschaft ist das Grundmuster der Freundschaft.“ Die Freude an der Zusammenarbeit, am Fachsimpeln, die gegenseitige Achtung. Freundschaft entsteht aus blosser Kameradschaft, wenn zwei oder mehr Kameraden entdecken, dass sie eine Einsicht, ein Interesse oder einen Geschmack teilen, der andern nichts bedeutet.

Inhaltliche Gemeinsamkeit

Freundschaft muss also einen Inhalt haben. „Wer uns zustimmt, dass irgendeine von andern kaum beachtete Frage höchst bedeutsam ist, kann unser Freund sein.“ „Wenn ich unter meinen Freunden bin, brauche ich eine halbe Stunde oder nur zehn Minuten, bis dieselben Meinungen und Massstäbe wieder unerschütterlich feststehen.“

Freundschaft ist unnötig wie Kunst und Philosophie

Freundschaften verhelfen der Gesellschaft nicht zum Leben, „sondern zum Wohlleben“. Sie besitzt keinen Wert für den Lebenskampf. „Die kleinen Freundeskreise, die der ‚Welt‘ den Rücken kehren – sie sind es, die sie verwandeln.“

„Das Merkmal echter Freundschaft besteht nicht darin, dass man einander hilft, wo Not am Manne ist (das versteht sich von selbst), sondern dass sich hernach überhaupt nichts ändert.“

Die Gefahr der Abschottung

Als Nachteil erweist sich die Abschottung von der Aussenwelt. Man steht in der Gefahr, sich selbst für eine Elite zu halten. „Freundschaft muss ausschliessen. Es ist ein kleiner Schritt vom unschuldigen und notwendigen Ausschluss zum Geist der Exklusivität.“ Gegenseitige Bewunderung darf nicht zum „Verein der gegenseitigen Beweihräucherung“ werden.

Was tun?

Also: „Kämpfe, lies, diskutierte, bete“ an der Seite eines Freundes!

Freundschaft „ist das Werkzeug, mit dem Gott jedem die Schönheiten der andern offenbart.“

C. S. Lewis. Wan man Liebe nennt. Brunnen: Basel, 1998. S. 63-94.

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