Predigt: Vereint, weil ER für uns betet (Johannes 17)

Larry Norman, gebürtiger Brite, hat Germanistik, Französisch und Theologie studiert. Er arbeitet als Assistenzpastor bei der Anglican Church in Leipzig. (Hinweis: Im aktuellen Timotheus-Magazin geht es zu einem Interview mit ihn.) Du kannst ihm auf Twitter oder über seinen Blog "Mehrere Kanonen" folgen.

In der Predigt an der Josia-Konferenz hat er das Gebet von Jesus an seinen Vater in Johannes 17 erfrischend ausgelegt. Ich habe mitgeschrieben.

Der VIP-Pass an den Ort deiner Wahl

Wenn du einen VIP-Pass für einen Ort deiner Wahl bekommen könntest – wohin würdest du gehen? Es reizt uns zu erfahren, was unsere Helden privat machen. In Johannes 17 erhalten wir einen privaten Einblick. Wir hören, wie Jesus zu seinem Vater betet.

Weshalb betet Jesus? „Damit sie meine Freude völlig in sich haben“ (Vers 13). Das ist, wie wenn man einen ganzen Ozean in einen Becher gießen würde. Es erfrischt, wie der Sprung ins Freibad an einem warmen Tag.

1. Vater, verherrliche du dich durch mich.

Die Stunde ist endlich gekommen – die Stunde, auf welche das ganze Alte Testament hingewiesen hatte. Der Zeitpunkt seines Opfertodes nahte.

Was betete Jesus in dieser Situation? Er bittet, dass der Vater verherrlicht wird. (Wie bete ich in großen Anfechtungen?)

Wie soll er ihn verherrlichen? Indem er den Liebesplan seines Vaters vollendet, nämlich ewiges Leben denen zu schenken, die er ihm gegeben hat.

Dieses ewige Leben kommt wie eine Flut in unsere ausgetrocknete Seelenwüste. So wie ein Mensch im Meer eine Leiter aus Wasser bauen würde – so unmöglich ist es für einen Menschen, selbst ewiges Leben zu erlangen.

Es geht über Vergebung und Rechtfertigung hinaus: Wir wollen den Vater und den Sohn erkennen. Stellen wir die Verheißung dieser Fülle unserem Umgang mit der Bibel gegenüber: Wir knabbern am Wort Gottes, als ob es eine mickrige Vorspeise wäre. Dabei ist es ein Festmahl!

Was gibt Jesus seine Zuversicht? Er weiß, dass der Vater sein Gebet beantworten wird.

2. Vater, bewahre meine Jünger.

Wie kann man die Lage der Jünger zu diesem Zeitpunkt beschreiben? Ziemlich hoffnungslos und verzettelt! Eben stritten sie sich noch, wer der Größte unter ihnen sei. Sie träumten vom Fensterplatz im himmlischen Restaurant. Jesus würde ihnen den besten Platz schon reservieren.

Wie denkt Jesus über die Versuche der Jünger für ihn zu leben? Bat er seinen Vater die Jünger einzutauschen? Nein! „Sie haben dein Wort bewahrt.“ Was für eine großzügige Liebe. Er erwähnt die Versagen der Jünger nicht, er ist unser Fürsprecher. Wir müssen uns das vorstellen wie bei einem kleinen Kind, das die ersten Schritte tut. Da sagt der Vater auch nicht: „Weshalb bist du nur drei Meter weit gekommen und dann wieder hingefallen?“

Jesus gab seinen Jüngern die Würde seines Vaters mit. Er wird sie bewahren wie geschätzte Familienmitglieder.

Weshalb muss man um Bewahrung bitten? Es wird Bedrängnis kommen (V. 14-15). Der Teufel hasst Jesus und seine Jünger so, wie Vampire den Tag hassen. Die Menschen ohne Gott rufen: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche!“

Wenn du willst, dass alle dich mögen, dann ist Jüngerschaft nichts für dich. Jesus bat nicht diesen Widerstand zu nehmen, sondern sie vor dem Bösen zu bewahren. Wenn du nicht um diese Bewahrung bittest, dann siehst du den Teufel anders, als Jesus ihn sieht.

Das Muster für das christliche Leben lautet also: Jesus betet für uns. Der Teufel hasst uns. Jesus bewahrt uns inmitten der Bedrängnis der Welt.

Er sendet seine Jünger aus, um Christi Botschaft der Welt zu bringen (V. 17). Ihm von ganzem Herzen zu dienen und ihm gerne nachzufolgen, darin besteht die perfekte Freiheit. Sich vom verführerischen Geruch von Wohlstand und Anerkennung hinreißen zu lassen, führt hingegen nicht zur Freiheit.

Der Vater heiligt die Jünger für diesen Dienst. Er bereitet sie zu (das Wort wurde im Alten Testament auch für Opfergaben gebraucht).

Vater, einige meine Jünger …

Mit der christlichen Einheit ist es ähnlich wie mit Bayern München: Entweder man vergöttert sie, oder aber man meidet sie.

Wir können uns fragen: Ist die Bitte Jesu nach Einheit in der himmlischen Post verloren gegangen? Es gibt ja so viele Konfessionen!

Trotzdem sind wir eins. Diese Einheit ist viel stärker als jeder Sekundenkleber. Er einigt seine Jünger durch seine Herrlichkeit.

Wie kleingeistig sind wir manchmal. Wir verachten andere, weil sie eine „falsche Theologie“ haben. Wir führen uns eher wie eine einander bekriegende Straßengang, denn als liebende Geschwister. Die Welt wird durch das Erkennen glauben, dass der Vater Jesus in die Welt gesandt hat (V. 21). So wie die Schlagzeile einer Lokalzeitung bei der Veranstaltung „Pro Christ“: „Irgendetwas ist passiert: Die Christen sind sich einig.“

Die Welt kennt keine echte Einheit. Für Christen ist Einheit jedoch kein Wahlfach, sondern gehört zu ihrem Missionsauftrag. Es gibt jedoch keine Einheit ohne Gottes Wort, weil es keinen Glauben ohne Gottes Wort gibt.

Das Wort Gottes zieht sich wie ein Fluss durch dieses Gebet (V. 8, 17, 18, 20). Gottes Wort geht auf die Jagd – durch die Münder der Christen.

… und bringe sie zu mir nach Hause!

Jesus will den Rest der Ewigkeit nicht ohne dich verbringen. Du denkst, du bist Mangelware und lebst auf der B-Strasse. Doch wen er für sich haben will, den wird er auch bewahren.

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