Buchbesprechung: Der Einfluss der Sünde auf den Menschen

Herman Bavinck. Bijbelsche en Religieuze Psychologie. J. H. Kok: Kampen, 1920.

Bavincks erklärte Absicht seiner „Biblischen und Religiösen Psychologie“ war es, christliche Lehrer auf eine umfassende Weise über das zu informieren, was die Bibel über die menschliche Natur, Fähigkeiten und Kräften lehrt (3). Die Behandlung des Themas „Sünde“ nimmt einen Grossteil der zweiten Hälfte des Buches, der "Religiösen Psychologie", ein. Ich fokussiere mich auf den Gedankengang Bavincks in diesem Teil.

Ein heilsgeschichtlicher Rahmen

Zum Ende des ersten Teils "Biblische Psychologie" bietet Bavinck eine kompakte Zusammenfassung der biblischen Anthropologie, aus der ich zwei Aspekte heraushebe:

  • Bavinck lehnt sich eng an den heilsgeschichtlichen Ablauf an, um die Parameter einer biblischen Anthropologie in den Mittelpunkt zu rücken. Zuerst stellt er dar, wie der Mensch ursprünglich geschaffen worden war; dann untersucht er den Einfluss, den die Sünde auf den Menschen hatte. Schliesslich stellt er die Änderungen dar, welche Gottes Wort und Geist im Leben eines Menschen bewirken (73-74).
  • Das Christentum hat den Wert der Persönlichkeit ans Licht gebracht. Gott verbot die Tötung des Menschen, weil er im Bild Gottes geschaffen ist (Gen 9,6). Die Seele eines Menschen ist mehr wert als der gesamte Kosmos (vgl. Mt 16,26). Der christliche Glaube alleine kann die relevante Begründung für den Wert des Menschen liefern: Er ist im Bild Gottes geschaffen worden. Der Mensch hat keinen Wert in sich, sondern einzig in diesem Bezug zum Schöpfer (75-76).

Zum Verlust der Imago Dei (89-94)

Zunächst ist es Bavinck wichtig, den Verlust der Imago genauer zu definieren. Aus der reformierten Optik geht es um den Verlust von moralischen Eigenschaften wie Erkenntnis, Gerechtigkeit und Heiligkeit. Wenn der Mensch diese verliert, hört er zwar nicht auf ein geistig „vollständiges“ Wesen zu sein, er verliert jedoch seine geistliche Gesundheit. Er ist „tot in Übertretungen und Sünden“ (Eph 2,3). Dieser Zustand betrifft beide Teile des Menschen, nämlich seine Seele und seinen Körper, denn beide sind für Gott geschaffen worden. Der Mensch kann seiner Berufung als Prophet, Priester und König nicht mehr gerecht werden.

Was dieser Verlust bedeutet, buchstabiert Bavinck näher aus. Wir greifen die Eigenschaft „Erkenntnis“ beispielhaft heraus. Selbsterkenntnis und Welterkenntnis, also die richtige Einsicht in das, was den Menschen und was die Welt ausmacht, an welchem Platz sie stehen und über welchen Wert beide verfügen, sind erst aufgrund der Erkenntnis Gottes möglich (vgl. 1Joh 5,20; Joh 17,3). Wenn es um Kenntnis von Gott geht, ist dies nicht im Sinne der Theologie oder des Dogmas gemeint. Es geht um persönliche Kenntnis Gottes, wie wir sie auch von Menschen erlangen können, mit denen wir vertrauten Umgang pflegen (92). Deshalb spricht Salomo davon, dass die Furcht des Herrn der Anfang aller Weisheit sei (Spr 1,7); nämlich der Weisheit über uns selbst, über den Menschen und die Gesellschaft sowie der Welt als Ganzes. Diese Weisheit kann nicht über eine rein intellektuelle Entwicklung gewonnen werden.

Die drei Eigenschaften – Erkenntnis, Wahrheit und Gerechtigkeit – bringt Bavinck mit dem dreifachen Amt in Verbindung. Die Wahrheit befähigt den Menschen als Gottes Prophet, Gerechtigkeit schmückt ihn als König, und die Heiligkeit qualifiziert ihn zum Priestertum. Wenn diese drei Tugenden – Bavinck vergleicht sie mit der Dreiteilung von Kopf, Herz und Hand – zusammenwirken, stellen sie den Menschen ausgerüstet zu jedem guten Werk Gottes hin (vgl. 2Tim 3,17).

Die Konsequenzen des Sündenfalls (95-105)

Wie sieht der Mensch aus, nachdem die Sünde ihn wahrer Erkenntnis, Gerechtigkeit und Heiligkeit beraubt hat? Dem nimmt sich Bavinck als nächstes an. Er betont in diesem Zusammenhang, dass der Sündenfall als historisches Ereignis aufzufassen sei. Es war ein „Willensakt des freien Menschen“. Sünde ist darum in ihrer Herkunft ein ethisches Phänomen, ein Akt des Ungehorsams (siehe Röm 5,14+17+19). Gott hatte den Menschen aufrichtig geschaffen, sie haben jedoch „viele Ränke“ gesucht (Pred 7,29). In der Verletzung des Gebots übertrat der Mensch objektiv und auf der ganzen Linie Gottes Gesetz (vgl. Jak 2,10). Subjektiv machte er sich mit all seinen Fähigkeiten und Kräften schuldig. Sein Verstand war ebenso mitbeteiligt wie seine Gefühle und Phantasie.

Ähnlich wie schöne Kleider verleiht die Sünde vorab ein schönes Aussehen, verliert jedoch all ihre Attraktivität, sobald sie vollbracht ist. Der Mensch sieht sich mit verschiedenen Konsequenzen konfrontiert, u. a. der Scham. Da der Mensch seine Unschuld verloren hatte, erschien seine Nacktheit in einem anderen Licht. Der Mensch musste sich schämen, weil er sich seiner Würde bewusst war. Dass die Welt der Harmonie durch eine Umgebung der Gegensätze abgelöst worden war, dafür war die Scham Zeuge. Das Bewusstsein des Menschen (seine Augen wurden geöffnet), seine Gefühle (Scham) und sein Wille (Angst und Flucht vor Gott) sind gleichermassen von der Sünde betroffen und durch sie verändert worden.

Wer Gott und Religion ignoriert, vermeidet den Terminus „Sünde“ jedoch tunlichst. Der Mensch spricht lieber von menschlichen Schwächen, Fehlern, Mängeln oder, etwas stärker ausgedrückt, von moralischen Übeln, Beleidigungen und Kriminalität. Für das Wort „Sünde“ ist kein Platz mehr in seiner Terminologie. Doch Sünde ist Realität und betrifft die Beziehung zu Gott ebenso wie zu den Mitmenschen. Diese Beziehung zu Gott ist ihrem Wesen nach moralisch, geprägt von Liebe und Gehorsam (vgl. Deut 5,5; 10,12; Mt 22,37). Sie wirkt sich im Umgang mit dem Nächsten aus (Mich 6,8; Jak 1,27; 1Joh 3,17). Darum ist Sünde immer eine Verletzung der ersten und der zweiten Gesetzestafel (Sünden gegenüber Gott und Mitmenschen).

Bavinck beschreibt ein organisches Verständnis der Sünde. Sie gleiche einem Strom von Ungerechtigkeit, der Einzelne und Gemeinschaft durchsetze. Sündige Gedanken, Worte und Taten betreffen das persönliche und kollektive Leben.

Der Einfluss der Sünde auf die Seele des Menschen (106-125)

Welchen Einfluss übt die Sünde auf die Seele des Menschen aus? Bavinck identifiziert drei Theorien, die in der Pädagogik zu Anwendung kommen. Die erste definiert Unwissenheit als Quelle aller moralischen Übel bzw. Wissen oder Weisheit als Wurzel allen moralischen Handelns. Bildung ist demnach die Förderung guter Anlagen durch Unterweisung. Die zweite Theorie, im ersten grossen anthropologischen Streit innerhalb der christlichen Kirche durch den Mönch Pelagius vertreten, sieht die Sünde als Gewohnheit. Sie hätte sonst ihren freiwilligen Charakter verloren. Sünde existiert in einer falschen Handlung, die durch freien Willen begangen wurde. Es gibt weder Natur noch Keim, welche Sünde hervorbringen. Sie ist in jedem Augenblick des Lebens ein freiwilliger Akt. Eine abgeschwächte Variante lautete: Tatsächlich ist nach dem ersten Fall des Menschen Sünde in die Welt gekommen. Doch der menschliche Wille ist frei darin, dieses Beispiel zu imitieren und den Stachel der Lust zu akzeptieren. Der dritte Ansatz sieht die Sünde als Substanz des menschlichen Fleisches an. In alten Zeiten wurde diese Idee in vielen religiösen und philosophischen Systemen, z. B. durch Plato, die Gnostiker, die Manichäer oder die Neuplatoniker, vertreten. Im 19. Jahrhundert fand sie vor allem Unterstützung durch die Lehre von der Abstammung des Menschen vom Tier. Die schlechten Eigenschaften sind vererbt.

Die drei Theorien versuchen, die Sünde aus dem Verstand, dem Willen oder den Neigungen des Menschen zu erklären. Die Bibel sieht jedoch alle drei menschlichen Fähigkeiten daran beteiligt. Die Sünde kommt der Torheit gleich, denn Gottes Gesetz zu brechen ist stets Torheit. Das Gesetz war zum Heil gegeben worden. Es zu missachten ist unvernünftig. Sünde ist aber auch Lüge. Dies bedeutet nicht, dass der Menschen pausenlos bewusst die Unwahrheit sagt, sondern dass er in einer unzuverlässigen, schwankenden, mehrdeutigen Haltung gegenüber Gott lebt. Ein Ausdruck davon ist die Heuchelei in den menschlichen Beziehungen. Sünde ist objektiv stets Verletzung von Gottes Gebot (1Joh 3,4). Aber sie hat auch eine subjektive Seite, an welcher der menschliche Wille mitbeteiligt ist. Ebenso sind unsere Neigungen involviert. Bavinck bemüht sich hier um eine saubere begriffliche Unterscheidung: Es ist zu trennen zwischen Wunsch und (sündiger) Lust, Sehnsucht und (sündigem) Begehren.

Die Bibel führt die Sünde oft auf das „Fleisch“ zurück. Sie verknüpft diesen Begriff mit Begierden und Leidenschaften. „Fleisch“ umschreibt in diesen Fällen das Prinzip und den Sitz der Lust. Einige haben daraus geschlossen, dass Sünde prinzipiell Fleischessünden, also sinnliche Sünden seien. Diese Definition ist jedoch schon allein deshalb unhaltbar, weil die Bibel zahlreiche geistige Sünden aufzählt.

Die Erblichkeit der Sünde (126-134)

Bavinck beschäftigt sich darauf mit der Erblichkeit der Sünde. Die kirchliche Lehre ging lange Zeit unabhängig vom konfessionellen Hintergrund von einer angeborenen Korruption des Menschen aus. Bavinck nennt drei Argumente der Schrift: Die Sünde ist absolut universell, denn es gibt keinen Menschen, der nicht sündigt; die Sünde besteht von Geburt an; die Schuld betrifft alle Nachkommen Adams. In seinen Ausführungen über die Familie (also in Herman Bavinck, The Christian Family) konkretisiert er die Bedeutung der Sünde des ersten Menschenpaars: „Adam und Eva haben nicht nur als Individuen, als Personen gesündigt, sondern sie fehlten auch als Ehemann und –frau, als Vater und Mutter; sie spielten mit ihrem eigenen Schicksal, mit dem Schicksal ihrer Familie, mit dem Schicksal der gesamten Menschheit.“

Hier stehen wir an einer Weggabelung in der Pädagogik: Ausgehend von John Locke und vor allem J.-J. Rousseau verbreitete sich der Gedanke, dass der Mensch gut aus den Händen des Schöpfers komme, jedoch in den Händen des Menschen verkomme. Angewandt auf die Bildung führte dies zur Theorie, dass das Kind von Natur aus gut und unschuldig sei und Bildung deshalb das Ziel verfolgen müsse, das Kind so weit wie möglich von schlechten Einflüssen fernzuhalten. Dieser Erklärungsansatz hat sich hartnäckig gehalten, wie Bavinck an anderer Stelle (wiederum in The Christian Family) ausführt. Es gibt solche, „die für alle Sünde und Misere die lausige Organisation der Gesellschaft und innerhalb dieser Gesellschaft speziell den Kapitalismus beschuldigen.“ Dort wo der Sündenbegriff verschwunden ist, bleibt kaum eine andere Alternative, als Institutionen, soziale Umstände und die staatliche Organisation zu Schuldigen zu erklären. Natürlich kann die Kultur einige Verbesserungen in Form von günstigeren Rahmenbedingungen erreichen. Aber es wird die Illusion aufgebaut, dass diesem Übel durch menschliche Mittel beizukommen sei, z. B. durch die Ablösung alter durch neuer, griffigerer Gesetze. Die menschliche Natur bleibt unverändert wirksam mit all ihren Fähigkeiten und Kräften.

Die Erbsünde war also aus den Lehrbüchern der Pädagogik verbannt worden. Dadurch verschwand sie aus dem bewussten Erleben der Pädagogen. Das führte schon zu Bavincks Zeiten zur absurden Situation, dass christliche Lehrkräfte dem kirchlichen Bekenntnis zwar zustimmten, innerhalb ihrer beruflichen Tätigkeit aber nie über die Sünde sprachen. Das Thema der Vererbung kam von unerwarteter Seite wieder aufs Tapet, nämlich durch Darwins Diskussion um die Vererbung von guten und schlechten Eigenschaften. Erstere sind ein genetischer Segen, letztere ein Fluch. Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) modifizierte die Grundannahmen Darwins durch seine pessimistischen Annahme, dass der Mensch mit einem unveränderlichen Charakter geboren und leben müsse. Nach der optimistischen Anthropologie des 18. Jh. drehte sich der Wind, und es hielt eine fatalistische Tendenz Einzug.

Einheit und Vielfalt der Sünde (135-143)

Bavinck stellt neben der Einheit der Sünde als System ebenso deren Vielfalt fest (dies tut er in Our Reasonable Faith). Jedes Individuum resultiert aus der Gemeinschaft, in der es aufwächst. Physisch und psychisch, religiös und ethisch werden Menschen durch Eltern und Vorfahren, ja durch das ganze Milieu, in dem sie aufwachsen, geprägt. Bavinck vergleicht die Frage nach dem Einfluss von Genen und der Prägung durch das Umfeld mit einer Quelle. Aus der Ursprungssünde quillt alle Ungerechtigkeit der Menschheit. Seit dem Sündenfall strömt ununterbrochen Wasser von ihr aus. Welche Richtung dieser Strom in einer Familie oder in einem Volk nimmt, mit welcher Geschwindigkeit er sich ausbreitet, welchem Flussbett er folgt, wird von der Umwelt bestimmt. Es gibt unzählige Variationen, jedoch eine Quelle der Sünde. Sie teilt sich in Bäche und Flüsse, bildet Seen und Meere, bricht aus Abgründen hervor und bildet Sümpfe und Moore. Jede Zeit und jede Gesellschaft verantwortet ihre eigenen Sünden. Auch der Schweregrad der Sünde variiert. Damit entfaltet sich die Menschheit immer in zwei Formen: Einerseits entwickelt sie Gaben und Kräfte der menschlichen Natur. Andererseits expandiert die Sünde und ergiesst sich in einem Strom von Missetaten über die Erde.

Zwischen Verneinung und Überbetonung der Sünde (144ff)

Während die Ursünde eine unverzichtbare Wahrheit der biblischen Lehre über den Menschen darstellt, kann ihre Überbetonung zu falschen Schlussfolgerungen führen. Bavinck stellt ohne Umschweife fest, dass in vergangenen Jahrhunderten vor allem die böse Natur des Kindes übermässig hervorgehoben worden war. Bildung bezweckte vor allem, die angeborene Schlechtigkeit zu unterdrücken und zu bremsen. Verstärkt wurde diese Tendenz durch eine asketische Strömung, die das Leben vor allem als Vorbereitung für das Jenseits ansah. Die Kombination von Askese und Pietismus brachte wenig Sympathie für das freie, ungezwungene, spontane Leben des Kindes auf, ja hegte eine passive Abneigung gegen frohes Lachen und Spielen. Zudem fand der Unterricht in schlecht eingerichteten Räumen und durch mangelhaft ausgebildete Lehrkräfte statt. Erst im 18. Jahrhundert begannen Pädagogen, das Kind als Kind zu betrachten und es mit seinen Eigenheiten ernstzunehmen.

Bavinck ringt um Balance: Es gibt keine Sünden, deren Keime nicht im menschlichen Herzen liegen. Niemand kann deshalb von sich selbst oder anderen behaupten, dass er unter veränderten Bedingungen oder ohne schützende Gnade Gottes nicht zum Dieb, Mörder oder Trunkenbold hätte werden können. Das menschliche Herz bleibt böse von seiner Jugend an. Die Neigung zum Bösen ist in ihm angelegt. Sünde wuchert, wenn sie sich selbst überlassen bleibt. Gleichzeitig gilt einschränkend: Mancher Gedanke und Wunsch kommt zwar in der Seele auf, gelangt (zum Glück) nur manchmal zur Ausführung.

Bavinck warnt davor, dem Verhalten der Kinder vorschnell Motive von Erwachsenen zu unterstellen. Es sei schwierig, die Seele eines Kindes aus der Perspektive eines Erwachsenen zu beurteilen. Er führt dies an zwei Beispielen aus: Wann kann ein Kind der Lüge bezichtigt werden? Dafür sei Entwicklungsstand, Phantasie, aber auch Elternhaus und Charakter mit zu berücksichtigen. Zweites Beispiel: Kann man in den ersten Jahren von Sexualität des Kindes sprechen? Eine starke Mutterbindung in den ersten Jahren dürfe nicht mit der Sexualität gleichgesetzt werden, wie dies Sigmund Freud (1856 – 1939) tat.

Einerseits gilt also: Was die Sünde an sich betrifft, sind alle Kinder davon betroffen. Andererseits ist zu berücksichtigen, dass in manchen Familien die Ursprungssünde unterdrückt wird oder nicht zur Anwendung gelangt. In anderen Häusern werden die Sünden der Väter richtiggehend entwickelt und gefördert. Jedes Kind und jeder Erwachsene weisen ihre eigenen charakterlichen Schwachstellen auf. Wo die Grenze zwischen Erbanlagen und Einfluss der Umgebung fest zu machen ist, kann nur schwer bestimmt werden. Bavinck plädiert für die Anwendung wissenschaftlichen Denkens: Nicht den eigenen Massstab anlegen, sondern zuerst das Objekt untersuchen und für sich selbst sprechen lassen. Dabei verkennt er die Gefahr der Psychologisierung der Sünde nicht. Dies hätte zur Folge, alles verstehen zu wollen – und dadurch alles zu entschuldigen.

Fazit

Ich habe die Überlegungen Bavincks detailliert nachgezeichnet. Drei Dinge sind auffällig:

  1. Wir werfen das Stichwort "Sünde" zwar in die Runde, doch nur im Vorbeigehen. Es ist wichtig, sich detaillierter damit auseinander zu setzen, wie dies Bavinck tat.
  2. Jede Epoche der Geistesgeschichte begründet die Anwesenheit der Sünde anders. Von Bavinck lernen wir, diese Erklärungsansätze aus der biblischen Weltsicht zu beurteilen.
  3. Es gibt zwei Extreme: Das Ausblenden und das Überbetonen von Sünde. Eine angemessene Haltung ist von einem Ringen begleitet.
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