Gastbeitrag: Der Teenie-Beenie-Wheenie-Style

Dieser Beitrag von Lars Reeh in Zusammenarbeit mit Mario Tafferner beschreibt einen Trend innerhalb des Evangelikalismus treffend. Nur für Insider. Und bitte alles ernst nehmen.

„Wir brauchen mehr Eier.“ Oliver Kahn

Wohlfühlen tut gut. Ich fühle mich gerne wohl. Glücklicherweise habe ich mich in meinem Leben selten unwohl gefühlt. Als Kind bin ich beim Spielen mal in den Bach gefallen, ein anderes Mal wurde ich bei einem Klingelstreich erwischt und ziemlich zusammengestaucht. (Macht noch irgendwer Klingelstreiche? Oder sind diese in Zeiten des Cybermobbings obsolet geworden?) Als Erwachsener habe ich mich auch wirklich selten unwohl gefühlt. Das liegt ein bisschen an zunehmender Reife, aber auch an einem Lebensstil, der nicht mehr so viele unvorhersehbare Variablen mit Unwohlpotential enthält, wie dies mit Bächen und Türklingeln der Fall ist. Jedoch habe ich dabei meine Rechnung ohne den Evangelikalismus gemacht. Am aller unwohlsten habe ich mich bisher im christlichen Kontext gefühlt, als eine Theologiestudentin in einer Predigt Irrlehre verbreitete. Das war wirklich furchtbar. Neben vulgären Ausbrüchen wie Häresie gibt es noch ein weiteres Unwohlfühl-Monster, dass mir viel subtiler die Laune verdirbt: Den Teenie-Beenie-Wheenie-Style. Der TBW-Style ist der postmoderne Ausdruck der Gefühlstheologie und lässt die Bibel in gerechter Sprache in etwa so feministisch erscheinen wie einen „Burschenschaftstreff“. Ich fühle, es ist Zeit den TBW-Style mit einigen Beispielen zu illustrieren.

Teenie-Beenie-Wheenie-Style ist…

  • wenn Männer rumheulen
  • wenn Frauen nach Afrika in die Mission wollen – wegen der süßen Kinder dort
  • wenn Männer, die die Bibel zitieren, als rechtskonservative Chauvinisten bezeichnet werden
  • sich nicht unterordnen zu wollen (das gilt für alle)
  • Gefühlstheologie, mit den Disziplinen: Gefühlsexegese, Gefühlshermeneutik, Gefühlsdogmatik, Gefühlshomiletik und Gefühlsapologetik
  • wenn Frauen sich Spitznamen geben, die auf –ie enden
  • wenn Männer sich Spitznamen geben, die auf –ie enden
  • irgendwie pink
  • wenn, das Gefühl, das Männer haben, wenn Frauen zu zweit aufs Klo gehen, sich auf die Gemeinde überträgt
  • die Rambo-Filme a) nicht zu kennen oder b) zu kennen und nicht cool zu finden
  • wenn Männer in der Gemeinde denken, dass sie weniger fromm sind, weil sie sich nicht dem Gefühlsideal mancher Frauen hingeben
  • die demographische Situation eines durchschnittlichen Worshipabends
  • wenn der Selbstwert mehr von Gefühlen als von Gott abhängt
  • wenn die Liebesmetaphorik der Bibel so zweckentfremdet und feminisiert wurde, dass Männer (und manche Frauen) sie nicht mehr verstehen und deshalb nicht mehr in den Gottesdienst gehen

Der Evangelikalismus darf die Beziehung zu Jesus nicht als ein Sprungbrett für einen gefühls-orientierten Feminismus missbrauchen, der Jesus Christus mehr über subjektive Gefühle als über objektive Inhaltsaussagen definiert. Gefühle haben ihren Platz im Leben der Gläubigen und in der Gemeinde, sie sollten jedoch nach dem Wort Gottes geordnet sein – so wie alles andere auch.

Manches in diesem Text ist mit einem Augenzwinkern geschrieben; anders hingegen nicht. Mann/Frau möge mir mit Liebe begegnen (bitte mit der biblischen).