Aus der Bibliothek (38): Eine Frau aus Adelboden, die 100 Jahre alt wurde

In den letzten Wochen hat meine Frau mit den Kindern ein Buch gelesen, das die ganze Familie in den Bann gezogen hat: "Im Schatten des Lohners".

Adelboden im letzten Jahrhundert. Ein stilles, weltabgeschiedenes Bergdorf mit einer um ihre Existenz ringenden Bevölkerung, durch schlechten Verdienst und Naturkatastrophen zu entbehrungsreichem Leben gezwungen. Heute ist vieles anders. Aber noch immer müssen die Bergbauern hart kämpfen, wenn sie durchhalten wollen.

Rösi, die Hauptfigur des Buches, wurde als letztes von 12 Kindern 1875 im Bergdorf Adelboden geboren. Der Kampf um die Existenz, aber auch das stete Bewusstsein, vom allmächtigen Gott abhängig zu sein, begleitete ihr ganzes Leben. Eine harte Kindheit? Ja, und wie! Mit dem Tod von engsten Angehörigen konfrontiert werden? Immer wieder. Arbeiten bis zum Umfallen? Der Alltag. Über die Gebühr gefordert sein? Gehörte dazu. Es blieb keine Zeit für viele Worte, kein Geld für das heute scheinbar unentbehrliche "Freizeitvergnügen". Zwischendurch sah es so aus, als ob Rösi nicht mehr aufkommen würde. Die zehnfache Mutter überlebte, und der Allmächtige schenkte der Frau weitere 50 Jahre.

Meine Frau versteckte das Buch, um es gemeinsam fertig lesen zu können. Ein Bube spürte es auf und las es in der Mittagspause fertig. Das Buch hinterlässt: Eine Fokussierung aufs Wesentliche, die Stärkung des Gottvertrauens, die Wohltat der Schlichtheit. Es lebt von den kurzen, einfachen Sätzen. Meine wärmste Leseempfehlung!

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