Zitat der Woche: Vorübergehender und echter Glaube

Sehr differenziert beschreibt Calvin echten sowie eine zeitliche, vorübergehende Form des Glaubens (Institutio, 3. Buch, 2. Kapitel). Auch der echte Glaube gerät durch Anfechtungen unter Beschuss.

Definition echter Glaube

(Glaube) ist die feste und gewisse Erkenntnis des göttlichen Wohlwollens gegen uns, die sich auf die Wahrheit der in Christus uns dargebotenen Gnadenverheißung stützt und durch den Heiligen Geist unserem Verstand geoffenbart und in unserem Herzen versiegelt wird. (III,2,7)

Temporärer Glaube

Es heißt z.B. von dem Zauberer Simon, er habe „geglaubt“ (Apg. 8,13), und doch ließ er seinen Unglauben nach kurzer Zeit ans Licht treten (Apg. 8,18). (III,2,10)

Mag nun jene Zustimmung aussehen, wie sie will, sie dringt jedenfalls nicht bis ins Herz hinein, um nun da fest eingewurzelt zu bleiben; mag sie gar zuweilen den Eindruck erwecken, als habe sie Wurzeln geschlagen, so sind diese doch nicht lebendig. Das Menschenherz enthält soviel Verstecke für die Eitelkeit, soviel Schlupfwinkel der Lüge, es ist in derart betrügerischer Heuchelei verkappt, daß es sich gar oft selber täuscht!

… die Erfahrung beweist trotzdem, daß die Verworfenen zuweilen fast von der gleichen inneren Regung erfaßt werden wie die Erwählten, so daß sie sich auch nach ihrem eigenen Urteil in nichts von den Erwählten unterscheiden. (III,2,10)

Es spricht nichts dagegen, daß er die einen mit der Erkenntnis seines Evangeliums bloß leicht benetzt, andere aber in der Tiefe durchtränkt! (III,2,12)

So war in Saul eine Zeitlang eine fromme Regung am Werk, Gott zu lieben, der ihn nach seinem eigenen Erkennen väterlich behandelte, so daß er gewissermaßen von der Süßigkeit solcher göttlichen Güte ergriffen wurde. (ebd.)

Glaube unter Anfechtungen

(W)ir sagen, daß die Gläubigen immerfort im Kampfe liegen gegen ihren eigenen Mangel an Vertrauen. Wir denken nicht daran, daß ihr Gewissen etwa in friedlicher Ruhe dahinlebte, die keine Erschütterung mehr in Frage stellen könnte. … Und doch geschieht das Wunderbare: mitten in all solchen Erschütterungen hält der Glaube das Herz der Frommen aufrecht… (III,2,17)

… einerseits fühlt es (das Herz) sich in der Erkenntnis der göttlichen Güte mit Süßigkeit durchströmt, anderseits sieht es sich durch das Empfinden der eigenen Not bitter geängstigt. (III,2,18)

Umgibt uns soviel Unwissenheit, so ist auch notwendig sehr viel Zweifel und Zagen dabei, vor allem, weil unser Herz nach seinem natürlichen Trieb zum Unglauben geneigt ist. Dann kommen die Anfechtungen hinzu und fallen uns, unendlich an Zahl, vielgestaltig in ihrer Art, immer wieder mit großem Ungestüm an. Vor allem wird unser Gewissen selber von der auf ihm liegenden Last der Sünden niedergedrückt, und bald klagt und seufzt es bei sich selbst, bald beschuldigt es sich, bald murrt es im Stillen, bald wütet es öffentlich! (III,2,20)

Sie werden, wenn sie ihr eigenes Elend bei sich betrachten, immer mehr lernen, ganz an dem Herrn zu hängen, ohne den sie sich flüchtiger und eitler wissen, als irgendein Windhauch. (I,2,22)

(N)ichts kann uns so sehr dazu treiben, das Vertrauen und die Gewißheit unseres Herzens auf den Herrn zu werfen, als das Mißtrauen gegen uns selber und die Angst, die aus dem Bewußtsein unserer Not in uns aufkommt. (III,2,23)

(D)er Glaube kann sich nicht etwa eine lange Ausdehnung dieses irdischen Lebens, Ehre und Macht in diesem Leben mit Gewißheit versprechen; dergleichen hat uns der Herr nämlich nicht zusagen wollen. Er begnügt sich vielmehr mit der Gewißheit, daß uns zwar vieles mangeln mag, was uns in diesem Leben helfen könnte, daß uns aber Gott nie fehlen wird! (III,2,28)

Der Glaube (ist zwar) öfters mit Irrtümern untermischt; aber dabei hat doch der Glaube stets die Vorherrschaft, sofern er rechter Art ist. (III,2,31)

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