Warum das Bewusstsein von Gottes Souveränität und meine Bereitschaft, das Äusserste zu geben, zusammenhängen

Diese Worte – aus der Abschlussrede meines Theologiestudiums – beschäftigen mich immer wieder:

Theologie ist die Anwendung von Gottes Wort in jeden Bereich des Lebens. So las ich es in der ersten Lektüre meines Studiums in der Ethik von Thomas Schirrmacher. Das intensive Studium, das an manchen Tagen Schwerarbeit für mich bedeutete, hat mein Denken an der Wurzel zu korrigieren begonnen. Bisher sah ich mich stark im Zentrum der Gottesbeziehung. Ich war faktisch das Subjekt des Glaubens, Gott Objekt, auf den sich mein Glaube bezog. Ich neig(t)e dazu, mir meinen Gott zurecht zu zimmern bzw. ihn meiner Welt anzupassen. Ich bin aber überzeugt, dass es umgekehrt ist: Gott ist Subjekt. Er ist Handelnder, er hat sich – um nochmals eine Wort von Thomas zu benützen – „dem Menschen nachgeschickt“. „Zu Gott führt nur, was von ihm selbst her kommt.“

Bedeutet das nun die Hände in den Schoss zu legen? Nein, im Gegenteil: Das Bewusstsein seiner Souveränität lässt mich auf der einen Seite meine leeren Hände Moment für Moment nach ihm ausstrecken. Mein Glaube von heute Abend reicht nicht für Morgen (Francis Schaeffer). Wenn mein Magen rebelliert, meine Kinder mir die Bude einrennen, wenn mich der geschäftliche Druck belastet, wenn ich desillusioniert bemerke, wie weit ich davon entfernt bin meine Frau zu lieben wie Christus seine Gemeinde liebt: Dann merke ich, dass ich auf ihn angewiesen bin. Auf der anderen Seite treibt diese Überzeugung mich dazu an, alles zu tun, was in meinem Vermögen liegt. Das heisst zum Beispiel, sein Wort mit Fleiss zu lesen. Es gab einen Moment im Studium, wo mich der Ruf des Exegese-Dozenten ereilte: Wann und wie pflegst du deine Beziehung zu Jesus? Vor lauter Studium und Freude an neuen Inhalten verliere ich immer wieder das eigentliche Ziel aus den Augen! Ich begann darum, die Bibel täglich suchend zu lesen. Dass ich es auf griechisch und hebräisch tue, hat sein Gutes. Ich muss wieder jedes Wort und jeden Satz entziffern. So bin ich beides: Hungrig danach mein Tageswerk für ihn zu tun – und zuversichtlich, dass er es mit mir und trotz mir vollbringen wird.

Dazu passend: John Frame. The Doctrine of God.

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