Hanniel hirnt (173): Die Liebe ist erkaltet – meine Reaktion

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Im ersten Teil habe ich geschildert, wie ich das Erkalten der Liebe im Alltag wahrnehme; im zweiten trug ich zehn Faktoren zusammen, die diese Entwicklung gefördert haben können. Der dritte Hörbeitrag (15 Minuten) befasst sich mit meiner Reaktion darauf.

  1. Ich blicke zuerst – mit Gottes Hilfe – in mein eigenes Herz auf meine Gedanken, Gefühle und Willensimpulse. Warum tue ich gerade, was ich tue? Ist etwas von dieser Kälte auf mich übergegangen?
  2. Der zweite Blick geht über meine eigene Situation und momentane Betroffenheit hinaus. Ich tue Busse, indem ich meinen himmlischen Vater bitte, dass er mir meine Selbstrechtfertigungen vergibt. Busse ist nicht nur eine initiale Richtungsänderung, es ist ein täglich wiederkehrender Akt.
  3. Ich überlege mir dann, welches meine wichtigen Verantwortungs- und Einflussbereiche sind. Es geht um mein persönliches Leben, meine Ehe, Familie, die Kirchgemeinde. Hierbei muss ich – wie Paulus in 1. Korinther 5 – zwischen «drinnen» und «draussen» unterscheiden. Ich kann nicht die Last der Welt tragen.
  4. Über die Zeit reduziere ich Ballast. Das umfasst gedankliche Erwartungen und Anforderungen (z. B. bestimmte Gefühlszustände, die ich zu befriedigen suche) ebenso wie materielle Erfordernisse (Anschaffungen, Urlaub).
  5. Wenn ich in meinem direkten Einflussbereich mit Leuten in Kontakt komme, die stark vom Zeitgeist absorbiert zu sein scheinen, bitte ich Gott um einen geeigneten Zeitpunkt für eine offene Frage. Ich schildere das, was mir gerade widerfahren ist und frage, wie es dazu kommt.
  6. Ich halte den Zustand aus, dass ich die Erwartungen anderer nicht (mehr) befriedige. Ich muss ihr Liegenlassen nicht ausgleichen; ich hake nach, wenn sie ihre schlechte Stimmung zurücklassen wollen. Wiederum gilt: Kann ich dies durch Gottes Geist in einer sanftmütig-bestimmten Haltung tun?
  7. Bevor oder wenn es zum wiederholten Treffen kommt, spreche ich Vorfälle in zeitlicher Distanz nochmals an. Ich kläre Erwartungen in Bezug auf weitere Begegnungen. Dabei nehme ich in Kauf, dass sich andere zurückziehen. Es kann sich an diesem «Druckpunkt der Wirklichkeit» eine Chance eröffnen, das Evangelium der rettenden Gnade Gottes weiterzugeben.
  8. Damit sind wir bei einem sehr wichtigen Thema: Der Scham. Bin ich bereit, Nachteile und Ächtung in Kauf zu nehmen? Halte ich Vorwürfe aus? Kann ich auf Jesus blicken und von ihm erwarten, dass Er die Leere und das Vakuum füllen wird?
  9. Das hängt mit einem weiteren Schritt zusammen. Ich überlasse es Gott sich für meine Rechte einzusetzen. Wenn jemand hinter meinem Rücken spricht, werde ich das womöglich aufgreifen – so wenig ich es verhindern kann.
  10. Geistlich zu handeln bedeutet niemals, Konsequenzen nicht abzuschätzen und mit der zur Verfügung stehenden Kraft und Zeit haushälterisch umzugehen. Hierzu gibt es kein Schema. Ich lebe Schritt für Schritt mit leeren Händen, die ich zu Ihm ausstrecke. Ich erbitte Weisheit für eine angemessene Reaktion und lerne von vielen lebenden Weggefährten und solcher, die mir voran gegangen sind.