Zitat der Woche: Was die Sünde in mir angerichtet hat

Passendes Buch:

Nur schon wegen des Kapitels “Die Sünde und ihre kognitiven Konsequenzen” hat sich der Kauf des Buches “Gewährleisteter christlicher Glaube” von Alvin Plantinga gelohnt. (Und jetzt soll mir bitte niemand kommen, 40 Euro sei für ein eBuch viel zu teuer. Da hat ein Mann sein Leben investiert. Übrigens gibt es das Hauptwerk Plantingas umsonst in englischer Sprache.)

In affektiver wie in kognitiver Hinsicht hat der Sündenfall katastrophale Folgen. Was die affektiven Folgen betrifft, sind unsere Affekte aus dem Lot, und in unserem Herzen wohnt jetzt das tief verwurzelte Böse: Anstatt Gott zu lieben, lieben wir jetzt vor allem uns selbst. Außerdem gibt es kognitive Konsequenzen. Unsere ursprüngliche Kenntnis Gottes und seiner wunderbaren Schönheit, Herrlichkeit und Liebesbereitschaft sind stark beeinträchtigt. Auf diese Weise wurde das enge Bild Gottes in uns zerstört, und das weite Bild wurde beschädigt und verzerrt. (238)

Anstatt Gott mehr als alles andere und den Nächsten wie mich selbst zu lieben, bin ich geneigt, mich selbst mehr als alles andere und Gott sowie den Nächsten zu hassen. Zum großen Teil entspringen dieser Hass und diese Feindseligkeit dem Hochmut, dieser Ursünde, sowie daraus resultierenden Versuchen der Selbstverherrlichung. … Ich will autonom und niemandem verpflichtet sein. Das ist vielleicht die tiefste Wurzel des Zustands der Sünde. (242+243)

Aus Hochmut mache ich mir ein Bild von mir selbst, dem zufolge mir niemand überlegen ist — auch Gott nicht. Daher irritiert es mich, dass ich ihm gehorchen muss. Und wenn er verlangt, dass ich ihm gehorche, werde ich da nicht beginnen, Misstrauen gegen ihn zu hegen? (Ich will ihm nicht gehorchen. Da ist es nur noch ein kleiner Schritt, bis ich mir weisgemacht habe: was er von mir verlange, sei gar nicht zu meinem eigenen Wohl.) Natürlich bin ich mir auch darüber im klaren, keinen göttlichen Rang zu bekleiden. Daher der Neid — und wieder kommt es zu Mehrdeutigkeiten und Selbsttäuschungen. Vielleicht entspringen alle diese Faktoren dem prometheischen Autonomieverlangen — dem Wunsch, nichts und niemandem verpflichtet zu sein. (246)