Gottes Wort – Prüfstein für die Wahrheit

Der Reformator Heinrich Bullinger eröffnet das Zweite Helvetische Bekenntnis mit Aussagen zur Offenbarung Gottes in der Bibel. Dieser absolute Bezugspunkt ist heute umso wichtiger, als von allen Seiten Ansprüche an die Wahrheit formuliert werden. Der Mensch hat sich zum Prüfstein für die Wahrheit gemacht. Wenn er aber nicht oberste Prüfinstanz ist, wird die Frage entscheidend: Woher wissen wir, was richtig ist? Die Autorität der Bibel ist Schlüssel zur Ordnung.

  1. Das Wort Gottes besitzt Kraft in sich selbst: Die Schrift besitzt „aus sich selbst heraus Kraft und Grund genug … ohne der Bestätigung durch Menschen zu bedürfen.“ Darum geht der Glaube dem Verstehen voraus. Anselm von Canterbury sagt folgerichtig, dass „wir die Geheimnisse des christlichen Glaubens annahmen, bevor wir dieselben mit unserer Vernunft zergliedern.“ (Cur Deus Homo, I,II) Er steht damit in der Linie von Augustinus, für den der Glaube das Wissen einschloss: “ Woher weißt du denn, dass diese Bücher durch den Geist des einen, wahren, durchaus wahrhaftigen Gottes der Menschheit dargereicht wird? Eben dies musste vor allem geglaubt werden.“ (Augustinus, Bekenntnisse, dtv: München 2008, S. 142).
  2. Das Wort Gottes enthält abschliessende Information über Glaube und gottgefälliges Leben: Die Bibel ist „eine vollständige Darstellung dessen, was immer zur rechten Belehrung über den seligmachenden Glauben und ein Gott wohlgefälliges Leben gehört“ und bedarf darum keines menschlichen Zusatzes. Bullinger folgert daraus, dass „kein anderes Wort Gottes erfinden oder vom Himmel her“ erwartet werden dürfe. Wer deshalb innere Eindrücke vor Gottes Wort stellt, hat sein autonomes Selbst zum Massstab gemacht – letztlich eine fromme Variante eines pluralistischen Wahrheitsverständnisses. 

Aus: Heinrich Bullinger. Confessio Helvetia Posterior. I. Kapitel.