Kolumne: Wer Gottes Gebote über Bord wirft, ist gesetzlich

Immer wieder hallt der Begriff "gesetzlich" durch die frommen Landen. Die Zuschreibung ist mit einem Stigma verbunden, das keiner an sich haften lassen möchte. Was die Diskussion so schwierig macht, ist der moralische Relativismus der Gesellschaft. Oftmals werden deshalb Kategorien durcheinandergebracht. Hier eine doppelte Charakterisierung:

Was Gesetzlichkeit nicht ist

  1. Menschen, welche Gebote des Alten Testaments abgesehen von den z. B. im Hebräerbrief erwähnten Erfüllungen, weiterhin als in Kraft ansehen, sind nicht automatisch gesetzlich. Das beste Beispiel bietet Jesus. Nachdem er eindrücklich dargelegt hat, dass nicht das kleinste Strichlein des Gesetzes vergangen sei (Mt 5,17-20), korrigiert er eingeschliffene zeitgenössische Auslegungen der Zehn Gebote.
  2. Menschen, die intensiv die Bibel lesen oder einen Bibelvers zitieren, sind nicht einfach gesetzlich. Jesus selbst gebrauchte am laufenden Band alttestamentliche Texte. Manchmal erwähnt er sie im Wortlaut, noch öfter spielt er darauf an.
  3. Menschen, die Aufforderungen Gottes in der Bibel als verbindlich ansehen (Theologen sprechen vom moralischen Willen Gottes), sind damit nicht ohne weiteres gesetzlich.
  4. Menschen, die im Amt des Ältesten sind, und Gemeindemitglieder ermahnen oder nach den entsprechenden Abklärungen Einzelne aus einer christliche Gemeinde ausschliessen, sind nicht per Definition gesetzlich.

Was Gesetzlichkeit ist

Wer eigene Gebote an die Stelle von Gottes Geboten setzt, ersetzt damit erstere (Jesus formuliert es so: Er setzt sie ausser Kraft, siehe Mk 7,8+13). Vier Varianten hiervon:

  • Wer sich auf eine gesellschaftliche Norm beruft (z. B. dass alle Religionen gleich seien), die Gottes Gesetz entgegen steht, ist gesetzlich.
  • Wer eine komplette Befreiung von Gottes Geboten (Liebes- oder Situationsethik) reklamiert, hat damit ein neues übergeordnetes Gesetz aufgestellt.
  • Wer eine soziologische Norm einfordert (z. B. gegen Fleisch, gegen Verheiratung in den frühen Zwanzigern), handelt gesetzlich.
  • Wer Erwartungen an sich selbst und andere erhebt (z. B. Perfektionismus im Auftritt, Aussehen/Kleidung), tendiert zur Gesetzlichkeit.

In allen Fällen kann es Stolz geben:

  • Wer sich von Gottes Geboten "befreit" hat, kann andere verachten, die sich daran halten ("kleinbürgerlich", "eng", "kleinkariert").
  • Wer sich auf Details fixiert und andere deswegen verurteilt, hat unwichtige an die Stelle der wichtigen Dinge gesetzt (Jesus in Mt 23,23 "…lasst das Wichtigste im Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen.")
  • Wer andere lieblos aburteilt, missachtet das Gebot der gegenseitigen Liebe (Joh 13,34f).
  • Wer die Wahrheit aus Rücksicht auf die eigene Komfortzone nicht ausspricht, macht sich ebenfalls der Gesetzesübertretung schuldig (Eph 4,15 ESV "speaking the truth in love").
Hinweis für eine eingehende Beschäftigung: "Liebe und tue, was du willst".
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